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Lessing, Gotthold Ephraim: Fabeln. Berlin, 1759.

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XIX.
Der Fuchs und der Tieger.

Deine Geschwindigkeit und Stärke, sagte ein
Fuchs zu dem Tieger, möchte ich mir wohl
wünschen.

Und sonst hätte ich nichts, was dir anstünde?
fragte der Tieger.

Ich wüßte nichts! -- -- Auch mein schönes Fell
nicht? fuhr der Tieger fort. Es ist so vielfärbig
als dein Gemüth, und das Aeussere würde sich vor-
trefflich zu dem Innern schicken.

Eben darum, versetzte der Fuchs, danke ich recht
sehr dafür. Ich muß das nicht scheinen, was ich
bin. Aber wollten die Götter, daß ich meine Haa-
re mit Federn vertauschen könnte!



XX. Der
XIX.
Der Fuchs und der Tieger.

Deine Geſchwindigkeit und Stärke, ſagte ein
Fuchs zu dem Tieger, möchte ich mir wohl
wünſchen.

Und ſonſt hätte ich nichts, was dir anſtünde?
fragte der Tieger.

Ich wüßte nichts! — — Auch mein ſchönes Fell
nicht? fuhr der Tieger fort. Es iſt ſo vielfärbig
als dein Gemüth, und das Aeuſſere würde ſich vor-
trefflich zu dem Innern ſchicken.

Eben darum, verſetzte der Fuchs, danke ich recht
ſehr dafür. Ich muß das nicht ſcheinen, was ich
bin. Aber wollten die Götter, daß ich meine Haa-
re mit Federn vertauſchen könnte!



XX. Der
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[59/0079] XIX. Der Fuchs und der Tieger. Deine Geſchwindigkeit und Stärke, ſagte ein Fuchs zu dem Tieger, möchte ich mir wohl wünſchen. Und ſonſt hätte ich nichts, was dir anſtünde? fragte der Tieger. Ich wüßte nichts! — — Auch mein ſchönes Fell nicht? fuhr der Tieger fort. Es iſt ſo vielfärbig als dein Gemüth, und das Aeuſſere würde ſich vor- trefflich zu dem Innern ſchicken. Eben darum, verſetzte der Fuchs, danke ich recht ſehr dafür. Ich muß das nicht ſcheinen, was ich bin. Aber wollten die Götter, daß ich meine Haa- re mit Federn vertauſchen könnte! XX. Der

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Zitationshilfe: Lessing, Gotthold Ephraim: Fabeln. Berlin, 1759, S. 59. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lessing_fabeln_1759/79>, abgerufen am 22.07.2019.