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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

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Geschichte des dritten Bischof Alberts, sechzehntes Jahr,
1213Herr Gruber aus c. 11. de vita & honest. cler. c. 9. de diuortiis und c. 8. X. de poeni-
tent. & remiss. inter antiquas Petri Beneuentani & Antonii Augustini decretalium
collectiones
in Form eines Breve gebracht; daß 1) wie alle Geistliche ein Herz und
eine Seele, also auch einerley Kleidertracht haben sollen; 2) man die sonst verbotenen
Ehen dulden; und 3) man die Leute in den Grundlehren der christlichen Religion und
der Sacramente besser unterweisen müsse. Zuletzt noch eine an den Bischof Albert von
Riga, daß er unter keinem Metropoliten stehen dürfe: gegeben zu Rom beym heilgen
Peter vom 20 Febr. im sechzehnten Jahr der päbstlichen Regirung. An diese letzte
Bulle kehrte sich der neue Erzbischof zu Bremen, Gerhard wenig oder nichts, son-
dern verlangte aller Verdienste Alberts um die Kirche ohnerachtet seine Unterwerfung,
machte auch denen Pilgern, wenn sie nach Liefland walfahrteten, alle Hindernisse,
bis ihn Honorius III Anno 1218 befehligen muste, er solle sich ja nicht unterstehen,
die Kirche in Riga unter seinen Sprengel zu zwingen. Der Pabst gab ihm einen der-
ben Verweis dazu, daß er den Kreuzfahrern verwehrte, den Gläubigen Christi in
Liefland zu Hülfe zu ziehen. Den Jnhalt beyder Schriften hat Kaynald bey die-
sem Jahr Anno 40. Wie Gerhard gestorben, und das Kapitel ein gleiches versuchte,
bekam es ebenfals vom Pabst Honorius einen Ausputzer, und Albert hingegen ward
mit samt der Liefländischen Kirche in Apostolischen Schutz genommen. Eben der-
selbe beym Jahr 1219, n. 31. Die Volmacht aber neue Domkirchen in Liefland an-
zulegen, und Bischöfe darüber einzusetzen war ihm 1217 verliehen. Raynald bey die-
sem Jahre n. 45.

Des Bischof Alberts siebenzehntes Jahr,
vom Jahr Christi 1214 bis 1215.
§. 1.
1214

Des Bischof Alberts siebenzehntes Jahr kam nun, und der Krieg ging
in allen Provinzen von Liefland aufs neue los. Denn nach dem
Feldzuge nach Rotalien und der Unterwerfung Lembits von Sac-
cala,
fing ganz Esthland an, gegen Liefland zu toben. Die Esthen gingen
demnach zu Rathe, sie wolten mit drey Armeen anmarschiren, Liefland verhee-
ren, die Oeseler nemlich solten Riga belagern, und den Hafen an der Düne
sperren; die von Rotalien solten die Liven von Thoreida bekriegen. Die
von Saccala und Ungannien solten das Land der Letten inzwischen verheeren,
damit die Liven und Letten mit ihren eigenen Kriegen alle Hände vol zu thun
hätten und den Rigischen nicht zu Hülfe kommen könten.

§. 2.

Also kamen die Oeseler mit einer starken Seemacht nach Dunemunde,
und hatten sowol ihre Kaper- als andere kleinen Schiffe (Liburnas) mit sich.
Diese fülten sie mit Steinen an, versenkten sie bey dem Einlauf des Flusses in die
Meerestiefe, baueten hölzerne Kasten, machten sie ebenfals mit Steinen vol, und
versenkten sie in der Mündung der Düne, um Fahrt und Hafen den Ankommen-
den zu verderben. Einige fuhren mit gedachten kleinen Schiffen nach der Stadt,
ruderten bald rechts bald links, und erreichten endlich das Ufer und freye Land.
Die Ordensbrüder, samt andern aus der Stadt, stunden vor der Pforte. Einige
von den Knechten des Bischofs, samt andern Liven, erblickten die Feinde auf dem
Felde, überrumpelten sie plötzlich, machten manche nieder, und verfolgten sie bis
an die Schiffe. Jn währender Flucht scheiterte und sank eins von ihren Raub-
schiffen, mit allen, so drauf waren; die übrigen entkamen, und langten wieder bey
den Jhrigen in Dunemunde an. Die Rigischen machten sich auf mit allen
ihren Leuten, so viel sie bekommen konten, und fuhren hinter ihnen her, einige zu
Schiffe, andere zu Lande. Wie die Oeseler diese ansichtig wurden, beugten sie

von

Geſchichte des dritten Biſchof Alberts, ſechzehntes Jahr,
1213Herr Gruber aus c. 11. de vita & honeſt. cler. c. 9. de diuortiis und c. 8. X. de pœni-
tent. & remiſſ. inter antiquas Petri Beneuentani & Antonii Auguſtini decretalium
collectiones
in Form eines Breve gebracht; daß 1) wie alle Geiſtliche ein Herz und
eine Seele, alſo auch einerley Kleidertracht haben ſollen; 2) man die ſonſt verbotenen
Ehen dulden; und 3) man die Leute in den Grundlehren der chriſtlichen Religion und
der Sacramente beſſer unterweiſen muͤſſe. Zuletzt noch eine an den Biſchof Albert von
Riga, daß er unter keinem Metropoliten ſtehen duͤrfe: gegeben zu Rom beym heilgen
Peter vom 20 Febr. im ſechzehnten Jahr der paͤbſtlichen Regirung. An dieſe letzte
Bulle kehrte ſich der neue Erzbiſchof zu Bremen, Gerhard wenig oder nichts, ſon-
dern verlangte aller Verdienſte Alberts um die Kirche ohnerachtet ſeine Unterwerfung,
machte auch denen Pilgern, wenn ſie nach Liefland walfahrteten, alle Hinderniſſe,
bis ihn Honorius III Anno 1218 befehligen muſte, er ſolle ſich ja nicht unterſtehen,
die Kirche in Riga unter ſeinen Sprengel zu zwingen. Der Pabſt gab ihm einen der-
ben Verweis dazu, daß er den Kreuzfahrern verwehrte, den Glaͤubigen Chriſti in
Liefland zu Huͤlfe zu ziehen. Den Jnhalt beyder Schriften hat Kaynald bey die-
ſem Jahr Anno 40. Wie Gerhard geſtorben, und das Kapitel ein gleiches verſuchte,
bekam es ebenfals vom Pabſt Honorius einen Ausputzer, und Albert hingegen ward
mit ſamt der Lieflaͤndiſchen Kirche in Apoſtoliſchen Schutz genommen. Eben der-
ſelbe beym Jahr 1219, n. 31. Die Volmacht aber neue Domkirchen in Liefland an-
zulegen, und Biſchoͤfe daruͤber einzuſetzen war ihm 1217 verliehen. Raynald bey die-
ſem Jahre n. 45.

Des Biſchof Alberts ſiebenzehntes Jahr,
vom Jahr Chriſti 1214 bis 1215.
§. 1.
1214

Des Biſchof Alberts ſiebenzehntes Jahr kam nun, und der Krieg ging
in allen Provinzen von Liefland aufs neue los. Denn nach dem
Feldzuge nach Rotalien und der Unterwerfung Lembits von Sac-
cala,
fing ganz Eſthland an, gegen Liefland zu toben. Die Eſthen gingen
demnach zu Rathe, ſie wolten mit drey Armeen anmarſchiren, Liefland verhee-
ren, die Oeſeler nemlich ſolten Riga belagern, und den Hafen an der Duͤne
ſperren; die von Rotalien ſolten die Liven von Thoreida bekriegen. Die
von Saccala und Ungannien ſolten das Land der Letten inzwiſchen verheeren,
damit die Liven und Letten mit ihren eigenen Kriegen alle Haͤnde vol zu thun
haͤtten und den Rigiſchen nicht zu Huͤlfe kommen koͤnten.

§. 2.

Alſo kamen die Oeſeler mit einer ſtarken Seemacht nach Dunemunde,
und hatten ſowol ihre Kaper- als andere kleinen Schiffe (Liburnas) mit ſich.
Dieſe fuͤlten ſie mit Steinen an, verſenkten ſie bey dem Einlauf des Fluſſes in die
Meerestiefe, baueten hoͤlzerne Kaſten, machten ſie ebenfals mit Steinen vol, und
verſenkten ſie in der Muͤndung der Duͤne, um Fahrt und Hafen den Ankommen-
den zu verderben. Einige fuhren mit gedachten kleinen Schiffen nach der Stadt,
ruderten bald rechts bald links, und erreichten endlich das Ufer und freye Land.
Die Ordensbruͤder, ſamt andern aus der Stadt, ſtunden vor der Pforte. Einige
von den Knechten des Biſchofs, ſamt andern Liven, erblickten die Feinde auf dem
Felde, uͤberrumpelten ſie ploͤtzlich, machten manche nieder, und verfolgten ſie bis
an die Schiffe. Jn waͤhrender Flucht ſcheiterte und ſank eins von ihren Raub-
ſchiffen, mit allen, ſo drauf waren; die uͤbrigen entkamen, und langten wieder bey
den Jhrigen in Dunemunde an. Die Rigiſchen machten ſich auf mit allen
ihren Leuten, ſo viel ſie bekommen konten, und fuhren hinter ihnen her, einige zu
Schiffe, andere zu Lande. Wie die Oeſeler dieſe anſichtig wurden, beugten ſie

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[112/0144] Geſchichte des dritten Biſchof Alberts, ſechzehntes Jahr, Herr Gruber aus c. 11. de vita & honeſt. cler. c. 9. de diuortiis und c. 8. X. de pœni- tent. & remiſſ. inter antiquas Petri Beneuentani & Antonii Auguſtini decretalium collectiones in Form eines Breve gebracht; daß 1) wie alle Geiſtliche ein Herz und eine Seele, alſo auch einerley Kleidertracht haben ſollen; 2) man die ſonſt verbotenen Ehen dulden; und 3) man die Leute in den Grundlehren der chriſtlichen Religion und der Sacramente beſſer unterweiſen muͤſſe. Zuletzt noch eine an den Biſchof Albert von Riga, daß er unter keinem Metropoliten ſtehen duͤrfe: gegeben zu Rom beym heilgen Peter vom 20 Febr. im ſechzehnten Jahr der paͤbſtlichen Regirung. An dieſe letzte Bulle kehrte ſich der neue Erzbiſchof zu Bremen, Gerhard wenig oder nichts, ſon- dern verlangte aller Verdienſte Alberts um die Kirche ohnerachtet ſeine Unterwerfung, machte auch denen Pilgern, wenn ſie nach Liefland walfahrteten, alle Hinderniſſe, bis ihn Honorius III Anno 1218 befehligen muſte, er ſolle ſich ja nicht unterſtehen, die Kirche in Riga unter ſeinen Sprengel zu zwingen. Der Pabſt gab ihm einen der- ben Verweis dazu, daß er den Kreuzfahrern verwehrte, den Glaͤubigen Chriſti in Liefland zu Huͤlfe zu ziehen. Den Jnhalt beyder Schriften hat Kaynald bey die- ſem Jahr Anno 40. Wie Gerhard geſtorben, und das Kapitel ein gleiches verſuchte, bekam es ebenfals vom Pabſt Honorius einen Ausputzer, und Albert hingegen ward mit ſamt der Lieflaͤndiſchen Kirche in Apoſtoliſchen Schutz genommen. Eben der- ſelbe beym Jahr 1219, n. 31. Die Volmacht aber neue Domkirchen in Liefland an- zulegen, und Biſchoͤfe daruͤber einzuſetzen war ihm 1217 verliehen. Raynald bey die- ſem Jahre n. 45. 1213 Des Biſchof Alberts ſiebenzehntes Jahr, vom Jahr Chriſti 1214 bis 1215. §. 1. Des Biſchof Alberts ſiebenzehntes Jahr kam nun, und der Krieg ging in allen Provinzen von Liefland aufs neue los. Denn nach dem Feldzuge nach Rotalien und der Unterwerfung Lembits von Sac- cala, fing ganz Eſthland an, gegen Liefland zu toben. Die Eſthen gingen demnach zu Rathe, ſie wolten mit drey Armeen anmarſchiren, Liefland verhee- ren, die Oeſeler nemlich ſolten Riga belagern, und den Hafen an der Duͤne ſperren; die von Rotalien ſolten die Liven von Thoreida bekriegen. Die von Saccala und Ungannien ſolten das Land der Letten inzwiſchen verheeren, damit die Liven und Letten mit ihren eigenen Kriegen alle Haͤnde vol zu thun haͤtten und den Rigiſchen nicht zu Huͤlfe kommen koͤnten. §. 2. Alſo kamen die Oeſeler mit einer ſtarken Seemacht nach Dunemunde, und hatten ſowol ihre Kaper- als andere kleinen Schiffe (Liburnas) mit ſich. Dieſe fuͤlten ſie mit Steinen an, verſenkten ſie bey dem Einlauf des Fluſſes in die Meerestiefe, baueten hoͤlzerne Kaſten, machten ſie ebenfals mit Steinen vol, und verſenkten ſie in der Muͤndung der Duͤne, um Fahrt und Hafen den Ankommen- den zu verderben. Einige fuhren mit gedachten kleinen Schiffen nach der Stadt, ruderten bald rechts bald links, und erreichten endlich das Ufer und freye Land. Die Ordensbruͤder, ſamt andern aus der Stadt, ſtunden vor der Pforte. Einige von den Knechten des Biſchofs, ſamt andern Liven, erblickten die Feinde auf dem Felde, uͤberrumpelten ſie ploͤtzlich, machten manche nieder, und verfolgten ſie bis an die Schiffe. Jn waͤhrender Flucht ſcheiterte und ſank eins von ihren Raub- ſchiffen, mit allen, ſo drauf waren; die uͤbrigen entkamen, und langten wieder bey den Jhrigen in Dunemunde an. Die Rigiſchen machten ſich auf mit allen ihren Leuten, ſo viel ſie bekommen konten, und fuhren hinter ihnen her, einige zu Schiffe, andere zu Lande. Wie die Oeſeler dieſe anſichtig wurden, beugten ſie von

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. 112. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/144>, abgerufen am 06.08.2020.