Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite

von 1217 bis 1218.
Weg, den sie gekommen war, um, und zogen den Tag darauf den nächsten Weg e)1217
gegen Ungannien den Russen entgegen. Die Russen setzten auch den ganzen
Tag über den Fluß, so die Embach genennet wird, und kamen den Liven ent-
gegen. So gleich auch kamen unsere Kundschafter zurück, mit Vermelden, der
Russen Heer sey schon im Anzuge begriffen. Wir machten uns geschwind auf,
und stelten unsere Truppen in Schlachtordnung, so daß die Liven und Letten zu
Fuß, die Deutschen aber zu Pferde fochten. Nach gestelter Armee rückten
wir grades Weges auf sie an. Und da wir an sie kamen, griffen die im ersten
Gliede sie an, schlugen sich mit ihnen, jagten sie in die Flucht, und setzten hinter
ihnen drein, eroberten auch die Fahne des Groskönigs von Nogardien, wie auch
zwey andre Fahnen von andern Königen und haueten die Männer, so sie trugen,
nieder. Es wurden unterwegens hier und da welche von ihnen niedergemacht, un-
sere ganze Armee folgte ihnen nach, bis die Liven und Letten, die zu Fuße
liefen, mat wurden. Jeder setzte sich also auf sein Pferd, und verfolgte die
Russen.

d) Dann und wann heists der Verfasser Maja, von der schon oben da gewesen.
e) Wenn der Abschreiber die Worte sich hat vorsagen lassen; so hat er leichte an stat via
breuissima
sich verhören und preuidisse *) schreiben können. Eine andre Art, ihm durch-
zuhelfen, fält mir nicht ein.
§. 3.

Die Russen aber flohen fast zwey Meilen, und kamen an einen kleinen Strom,
über den sie gingen, und Halte machten. Sie zogen hier ihre Truppen wieder zu-
sammen, rührten ihr Spiel, Trummeln und Pfeifen, der König Woldemar
von Plescekowe und der König von Nogarden ritten um die Armee herum,
und ermunterten sie zum Fechten. Die Deutschen aber, nachdem sie diese bis
an den Strom verfolget, stunden gleichfals stille, und waren wegen Menge der
Russen nicht im Stande zu ihnen über den Fluß zu kommen. Doch besetzten sie
einen kleinen Hügel im Flusse, und warteten, bis die folgenden nachkammen. Sie
stelten auch ihre Armee zum andernmale in Schlachtordnung, daß einige zu Fusse,
einige zu Pferde den Russen gegen über standen. Welcher Live und Lette aber
auf den Hügel des Flusses kam, wo die Truppen in Ordnung gestellet waren, und
die Menge der Rußischen Armee ansichtig ward, der war wie mit der Keule
vor den Kopf geschmissen, und sahe sich nach dem Rückwege um, nahm auch ge-
schwind Reisaus. Einer lief immer hinter dem andern her; und wie sie vollends
die Pfeile der Russen auf sich los fliegen sahen, gingen sie alle auf einmal durch.
Die Deutschen allein hielten Stand, deren nur zwey hundert waren. Aber auch
von ihnen schlichen sich etliche weg, daß kaum hundert nachblieben, welchen die
ganze Last des Streites auf den Hals gewälzet wurde. Die Russen fingen an den
Bach zu paßiren, und die Deutschen liessen es zu, bis etliche herüber waren,
auf welche sie beym Bache wieder losschlugen und ihrer etliche tödteten. Es bega-
ben sich auch noch andere über den Bach zu den Deutschen, die aber zurück zu
weichen genöthiget wurden. Ein gewisser sehr mächtiger Herr von Nogarden,
ging über den Strom um Kundschaft einzuziehen, als er aber um die Liven von
ferne herum ritte, stieß Dieterich von Kukenois auf ihn, hieb ihm die rechte
Hand ab, in welcher er den Degen führte, und schlug ihn im Nachsetzen nieder.
Die übrigen machten dem Reste das Garaus, und also sprungen sie mit allen um,
die auf sie über den Strom angerücket waren. Auf solche Art daurte das Ge-
fechte beym Boche von neun Uhr des Morgens bis fast an der Sonnen Untergang.
Nachdem nun der König von Neugarden den Tod seiner Leute, ungefähr funfzig,
sahe, verbot er der Armee, es solte keiner mehr übergehen. Also kehrten die Rus-
sischen
Truppen zu ihren Feuern. Die Deutschen aber kamen alle frisch und

gesund
*) Bey mir heists via praevidisse, so ebenfals keinen Verstand hat.
M m 2

von 1217 bis 1218.
Weg, den ſie gekommen war, um, und zogen den Tag darauf den naͤchſten Weg e)1217
gegen Ungannien den Ruſſen entgegen. Die Ruſſen ſetzten auch den ganzen
Tag uͤber den Fluß, ſo die Embach genennet wird, und kamen den Liven ent-
gegen. So gleich auch kamen unſere Kundſchafter zuruͤck, mit Vermelden, der
Ruſſen Heer ſey ſchon im Anzuge begriffen. Wir machten uns geſchwind auf,
und ſtelten unſere Truppen in Schlachtordnung, ſo daß die Liven und Letten zu
Fuß, die Deutſchen aber zu Pferde fochten. Nach geſtelter Armee ruͤckten
wir grades Weges auf ſie an. Und da wir an ſie kamen, griffen die im erſten
Gliede ſie an, ſchlugen ſich mit ihnen, jagten ſie in die Flucht, und ſetzten hinter
ihnen drein, eroberten auch die Fahne des Groskoͤnigs von Nogardien, wie auch
zwey andre Fahnen von andern Koͤnigen und haueten die Maͤnner, ſo ſie trugen,
nieder. Es wurden unterwegens hier und da welche von ihnen niedergemacht, un-
ſere ganze Armee folgte ihnen nach, bis die Liven und Letten, die zu Fuße
liefen, mat wurden. Jeder ſetzte ſich alſo auf ſein Pferd, und verfolgte die
Ruſſen.

d) Dann und wann heiſts der Verfaſſer Maja, von der ſchon oben da geweſen.
e) Wenn der Abſchreiber die Worte ſich hat vorſagen laſſen; ſo hat er leichte an ſtat via
breuiſſima
ſich verhoͤren und preuidiſſe *) ſchreiben koͤnnen. Eine andre Art, ihm durch-
zuhelfen, faͤlt mir nicht ein.
§. 3.

Die Ruſſen aber flohen faſt zwey Meilen, und kamen an einen kleinen Strom,
uͤber den ſie gingen, und Halte machten. Sie zogen hier ihre Truppen wieder zu-
ſammen, ruͤhrten ihr Spiel, Trummeln und Pfeifen, der Koͤnig Woldemar
von Pleſcekowe und der Koͤnig von Nogarden ritten um die Armee herum,
und ermunterten ſie zum Fechten. Die Deutſchen aber, nachdem ſie dieſe bis
an den Strom verfolget, ſtunden gleichfals ſtille, und waren wegen Menge der
Ruſſen nicht im Stande zu ihnen uͤber den Fluß zu kommen. Doch beſetzten ſie
einen kleinen Huͤgel im Fluſſe, und warteten, bis die folgenden nachkammen. Sie
ſtelten auch ihre Armee zum andernmale in Schlachtordnung, daß einige zu Fuſſe,
einige zu Pferde den Ruſſen gegen uͤber ſtanden. Welcher Live und Lette aber
auf den Huͤgel des Fluſſes kam, wo die Truppen in Ordnung geſtellet waren, und
die Menge der Rußiſchen Armee anſichtig ward, der war wie mit der Keule
vor den Kopf geſchmiſſen, und ſahe ſich nach dem Ruͤckwege um, nahm auch ge-
ſchwind Reisaus. Einer lief immer hinter dem andern her; und wie ſie vollends
die Pfeile der Ruſſen auf ſich los fliegen ſahen, gingen ſie alle auf einmal durch.
Die Deutſchen allein hielten Stand, deren nur zwey hundert waren. Aber auch
von ihnen ſchlichen ſich etliche weg, daß kaum hundert nachblieben, welchen die
ganze Laſt des Streites auf den Hals gewaͤlzet wurde. Die Ruſſen fingen an den
Bach zu paßiren, und die Deutſchen lieſſen es zu, bis etliche heruͤber waren,
auf welche ſie beym Bache wieder losſchlugen und ihrer etliche toͤdteten. Es bega-
ben ſich auch noch andere uͤber den Bach zu den Deutſchen, die aber zuruͤck zu
weichen genoͤthiget wurden. Ein gewiſſer ſehr maͤchtiger Herr von Nogarden,
ging uͤber den Strom um Kundſchaft einzuziehen, als er aber um die Liven von
ferne herum ritte, ſtieß Dieterich von Kukenois auf ihn, hieb ihm die rechte
Hand ab, in welcher er den Degen fuͤhrte, und ſchlug ihn im Nachſetzen nieder.
Die uͤbrigen machten dem Reſte das Garaus, und alſo ſprungen ſie mit allen um,
die auf ſie uͤber den Strom angeruͤcket waren. Auf ſolche Art daurte das Ge-
fechte beym Boche von neun Uhr des Morgens bis faſt an der Sonnen Untergang.
Nachdem nun der Koͤnig von Neugarden den Tod ſeiner Leute, ungefaͤhr funfzig,
ſahe, verbot er der Armee, es ſolte keiner mehr uͤbergehen. Alſo kehrten die Ruſ-
ſiſchen
Truppen zu ihren Feuern. Die Deutſchen aber kamen alle friſch und

geſund
*) Bey mir heiſts via prævidiſſe, ſo ebenfals keinen Verſtand hat.
M m 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0171" n="139"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">von 1217 bis 1218.</hi></fw><lb/>
Weg, den &#x017F;ie gekommen war, um, und zogen den Tag darauf den na&#x0364;ch&#x017F;ten Weg <note place="end" n="e)"/><note place="right">1217</note><lb/>
gegen <hi rendition="#fr">Ungannien</hi> den <hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en</hi> entgegen. Die <hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en</hi> &#x017F;etzten auch den ganzen<lb/>
Tag u&#x0364;ber den Fluß, &#x017F;o die <hi rendition="#fr">Embach</hi> genennet wird, und kamen den <hi rendition="#fr">Liven</hi> ent-<lb/>
gegen. So gleich auch kamen un&#x017F;ere Kund&#x017F;chafter zuru&#x0364;ck, mit Vermelden, der<lb/><hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en</hi> Heer &#x017F;ey &#x017F;chon im Anzuge begriffen. Wir machten uns ge&#x017F;chwind auf,<lb/>
und &#x017F;telten un&#x017F;ere Truppen in Schlachtordnung, &#x017F;o daß die <hi rendition="#fr">Liven</hi> und <hi rendition="#fr">Letten</hi> zu<lb/>
Fuß, die <hi rendition="#fr">Deut&#x017F;chen</hi> aber zu Pferde fochten. Nach ge&#x017F;telter Armee ru&#x0364;ckten<lb/>
wir grades Weges auf &#x017F;ie an. Und da wir an &#x017F;ie kamen, griffen die im er&#x017F;ten<lb/>
Gliede &#x017F;ie an, &#x017F;chlugen &#x017F;ich mit ihnen, jagten &#x017F;ie in die Flucht, und &#x017F;etzten hinter<lb/>
ihnen drein, eroberten auch die Fahne des Grosko&#x0364;nigs von <hi rendition="#fr">Nogardien,</hi> wie auch<lb/>
zwey andre Fahnen von andern Ko&#x0364;nigen und haueten die Ma&#x0364;nner, &#x017F;o &#x017F;ie trugen,<lb/>
nieder. Es wurden unterwegens hier und da welche von ihnen niedergemacht, un-<lb/>
&#x017F;ere ganze Armee folgte ihnen nach, bis die <hi rendition="#fr">Liven</hi> und <hi rendition="#fr">Letten,</hi> die zu Fuße<lb/>
liefen, mat wurden. Jeder &#x017F;etzte &#x017F;ich al&#x017F;o auf &#x017F;ein Pferd, und verfolgte die<lb/><hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en.</hi></p><lb/>
              <note place="end" n="d)">Dann und wann hei&#x017F;ts der Verfa&#x017F;&#x017F;er <hi rendition="#fr">Maja,</hi> von der &#x017F;chon oben da gewe&#x017F;en.</note><lb/>
              <note place="end" n="e)">Wenn der Ab&#x017F;chreiber die Worte &#x017F;ich hat vor&#x017F;agen la&#x017F;&#x017F;en; &#x017F;o hat er leichte an &#x017F;tat <hi rendition="#aq">via<lb/>
breui&#x017F;&#x017F;ima</hi> &#x017F;ich verho&#x0364;ren und <hi rendition="#aq">preuidi&#x017F;&#x017F;e</hi> <note place="foot" n="*)">Bey mir hei&#x017F;ts <hi rendition="#aq">via prævidi&#x017F;&#x017F;e,</hi> &#x017F;o ebenfals keinen Ver&#x017F;tand hat.</note> &#x017F;chreiben ko&#x0364;nnen. Eine andre Art, ihm durch-<lb/>
zuhelfen, fa&#x0364;lt mir nicht ein.</note>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 3.</head><lb/>
              <p>Die <hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en</hi> aber flohen fa&#x017F;t zwey Meilen, und kamen an einen kleinen Strom,<lb/>
u&#x0364;ber den &#x017F;ie gingen, und Halte machten. Sie zogen hier ihre Truppen wieder zu-<lb/>
&#x017F;ammen, ru&#x0364;hrten ihr Spiel, Trummeln und Pfeifen, der Ko&#x0364;nig <hi rendition="#fr">Woldemar</hi><lb/>
von <hi rendition="#fr">Ple&#x017F;cekowe</hi> und der Ko&#x0364;nig von <hi rendition="#fr">Nogarden</hi> ritten um die Armee herum,<lb/>
und ermunterten &#x017F;ie zum Fechten. Die <hi rendition="#fr">Deut&#x017F;chen</hi> aber, nachdem &#x017F;ie die&#x017F;e bis<lb/>
an den Strom verfolget, &#x017F;tunden gleichfals &#x017F;tille, und waren wegen Menge der<lb/><hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en</hi> nicht im Stande zu ihnen u&#x0364;ber den Fluß zu kommen. Doch be&#x017F;etzten &#x017F;ie<lb/>
einen kleinen Hu&#x0364;gel im Flu&#x017F;&#x017F;e, und warteten, bis die folgenden nachkammen. Sie<lb/>
&#x017F;telten auch ihre Armee zum andernmale in Schlachtordnung, daß einige zu Fu&#x017F;&#x017F;e,<lb/>
einige zu Pferde den <hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en</hi> gegen u&#x0364;ber &#x017F;tanden. Welcher <hi rendition="#fr">Live</hi> und <hi rendition="#fr">Lette</hi> aber<lb/>
auf den Hu&#x0364;gel des Flu&#x017F;&#x017F;es kam, wo die Truppen in Ordnung ge&#x017F;tellet waren, und<lb/>
die Menge der <hi rendition="#fr">Rußi&#x017F;chen</hi> Armee an&#x017F;ichtig ward, der war wie mit der Keule<lb/>
vor den Kopf ge&#x017F;chmi&#x017F;&#x017F;en, und &#x017F;ahe &#x017F;ich nach dem Ru&#x0364;ckwege um, nahm auch ge-<lb/>
&#x017F;chwind Reisaus. Einer lief immer hinter dem andern her; und wie &#x017F;ie vollends<lb/>
die Pfeile der <hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en</hi> auf &#x017F;ich los fliegen &#x017F;ahen, gingen &#x017F;ie alle auf einmal durch.<lb/>
Die <hi rendition="#fr">Deut&#x017F;chen</hi> allein hielten Stand, deren nur zwey hundert waren. Aber auch<lb/>
von ihnen &#x017F;chlichen &#x017F;ich etliche weg, daß kaum hundert nachblieben, welchen die<lb/>
ganze La&#x017F;t des Streites auf den Hals gewa&#x0364;lzet wurde. Die <hi rendition="#fr">Ru&#x017F;&#x017F;en</hi> fingen an den<lb/>
Bach zu paßiren, und die <hi rendition="#fr">Deut&#x017F;chen</hi> lie&#x017F;&#x017F;en es zu, bis etliche heru&#x0364;ber waren,<lb/>
auf welche &#x017F;ie beym Bache wieder los&#x017F;chlugen und ihrer etliche to&#x0364;dteten. Es bega-<lb/>
ben &#x017F;ich auch noch andere u&#x0364;ber den Bach zu den <hi rendition="#fr">Deut&#x017F;chen,</hi> die aber zuru&#x0364;ck zu<lb/>
weichen geno&#x0364;thiget wurden. Ein gewi&#x017F;&#x017F;er &#x017F;ehr ma&#x0364;chtiger Herr von <hi rendition="#fr">Nogarden,</hi><lb/>
ging u&#x0364;ber den Strom um Kund&#x017F;chaft einzuziehen, als er aber um die <hi rendition="#fr">Liven</hi> von<lb/>
ferne herum ritte, &#x017F;tieß <hi rendition="#fr">Dieterich</hi> von <hi rendition="#fr">Kukenois</hi> auf ihn, hieb ihm die rechte<lb/>
Hand ab, in welcher er den Degen fu&#x0364;hrte, und &#x017F;chlug ihn im Nach&#x017F;etzen nieder.<lb/>
Die u&#x0364;brigen machten dem Re&#x017F;te das Garaus, und al&#x017F;o &#x017F;prungen &#x017F;ie mit allen um,<lb/>
die auf &#x017F;ie u&#x0364;ber den Strom angeru&#x0364;cket waren. Auf &#x017F;olche Art daurte das Ge-<lb/>
fechte beym Boche von neun Uhr des Morgens bis fa&#x017F;t an der Sonnen Untergang.<lb/>
Nachdem nun der Ko&#x0364;nig von <hi rendition="#fr">Neugarden</hi> den Tod &#x017F;einer Leute, ungefa&#x0364;hr funfzig,<lb/>
&#x017F;ahe, verbot er der Armee, es &#x017F;olte keiner mehr u&#x0364;bergehen. Al&#x017F;o kehrten die <hi rendition="#fr">Ru&#x017F;-<lb/>
&#x017F;i&#x017F;chen</hi> Truppen zu ihren Feuern. Die <hi rendition="#fr">Deut&#x017F;chen</hi> aber kamen alle fri&#x017F;ch und<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">M m 2</fw><fw place="bottom" type="catch">ge&#x017F;und</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[139/0171] von 1217 bis 1218. Weg, den ſie gekommen war, um, und zogen den Tag darauf den naͤchſten Weg e⁾ gegen Ungannien den Ruſſen entgegen. Die Ruſſen ſetzten auch den ganzen Tag uͤber den Fluß, ſo die Embach genennet wird, und kamen den Liven ent- gegen. So gleich auch kamen unſere Kundſchafter zuruͤck, mit Vermelden, der Ruſſen Heer ſey ſchon im Anzuge begriffen. Wir machten uns geſchwind auf, und ſtelten unſere Truppen in Schlachtordnung, ſo daß die Liven und Letten zu Fuß, die Deutſchen aber zu Pferde fochten. Nach geſtelter Armee ruͤckten wir grades Weges auf ſie an. Und da wir an ſie kamen, griffen die im erſten Gliede ſie an, ſchlugen ſich mit ihnen, jagten ſie in die Flucht, und ſetzten hinter ihnen drein, eroberten auch die Fahne des Groskoͤnigs von Nogardien, wie auch zwey andre Fahnen von andern Koͤnigen und haueten die Maͤnner, ſo ſie trugen, nieder. Es wurden unterwegens hier und da welche von ihnen niedergemacht, un- ſere ganze Armee folgte ihnen nach, bis die Liven und Letten, die zu Fuße liefen, mat wurden. Jeder ſetzte ſich alſo auf ſein Pferd, und verfolgte die Ruſſen. 1217 d⁾ Dann und wann heiſts der Verfaſſer Maja, von der ſchon oben da geweſen. e⁾ Wenn der Abſchreiber die Worte ſich hat vorſagen laſſen; ſo hat er leichte an ſtat via breuiſſima ſich verhoͤren und preuidiſſe *) ſchreiben koͤnnen. Eine andre Art, ihm durch- zuhelfen, faͤlt mir nicht ein. §. 3. Die Ruſſen aber flohen faſt zwey Meilen, und kamen an einen kleinen Strom, uͤber den ſie gingen, und Halte machten. Sie zogen hier ihre Truppen wieder zu- ſammen, ruͤhrten ihr Spiel, Trummeln und Pfeifen, der Koͤnig Woldemar von Pleſcekowe und der Koͤnig von Nogarden ritten um die Armee herum, und ermunterten ſie zum Fechten. Die Deutſchen aber, nachdem ſie dieſe bis an den Strom verfolget, ſtunden gleichfals ſtille, und waren wegen Menge der Ruſſen nicht im Stande zu ihnen uͤber den Fluß zu kommen. Doch beſetzten ſie einen kleinen Huͤgel im Fluſſe, und warteten, bis die folgenden nachkammen. Sie ſtelten auch ihre Armee zum andernmale in Schlachtordnung, daß einige zu Fuſſe, einige zu Pferde den Ruſſen gegen uͤber ſtanden. Welcher Live und Lette aber auf den Huͤgel des Fluſſes kam, wo die Truppen in Ordnung geſtellet waren, und die Menge der Rußiſchen Armee anſichtig ward, der war wie mit der Keule vor den Kopf geſchmiſſen, und ſahe ſich nach dem Ruͤckwege um, nahm auch ge- ſchwind Reisaus. Einer lief immer hinter dem andern her; und wie ſie vollends die Pfeile der Ruſſen auf ſich los fliegen ſahen, gingen ſie alle auf einmal durch. Die Deutſchen allein hielten Stand, deren nur zwey hundert waren. Aber auch von ihnen ſchlichen ſich etliche weg, daß kaum hundert nachblieben, welchen die ganze Laſt des Streites auf den Hals gewaͤlzet wurde. Die Ruſſen fingen an den Bach zu paßiren, und die Deutſchen lieſſen es zu, bis etliche heruͤber waren, auf welche ſie beym Bache wieder losſchlugen und ihrer etliche toͤdteten. Es bega- ben ſich auch noch andere uͤber den Bach zu den Deutſchen, die aber zuruͤck zu weichen genoͤthiget wurden. Ein gewiſſer ſehr maͤchtiger Herr von Nogarden, ging uͤber den Strom um Kundſchaft einzuziehen, als er aber um die Liven von ferne herum ritte, ſtieß Dieterich von Kukenois auf ihn, hieb ihm die rechte Hand ab, in welcher er den Degen fuͤhrte, und ſchlug ihn im Nachſetzen nieder. Die uͤbrigen machten dem Reſte das Garaus, und alſo ſprungen ſie mit allen um, die auf ſie uͤber den Strom angeruͤcket waren. Auf ſolche Art daurte das Ge- fechte beym Boche von neun Uhr des Morgens bis faſt an der Sonnen Untergang. Nachdem nun der Koͤnig von Neugarden den Tod ſeiner Leute, ungefaͤhr funfzig, ſahe, verbot er der Armee, es ſolte keiner mehr uͤbergehen. Alſo kehrten die Ruſ- ſiſchen Truppen zu ihren Feuern. Die Deutſchen aber kamen alle friſch und geſund *) Bey mir heiſts via prævidiſſe, ſo ebenfals keinen Verſtand hat. M m 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/171
Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. 139. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/171>, abgerufen am 08.08.2020.