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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

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von 1218 bis 1219.
"Bescheidenheit seinem jüngern Bruder das Herzogthum, dabey er alle Hände vol zu1218
"thun fand." Also schreibt Cranz Metropol. libr. 7. c. 32. Cranz nent dieses
Herzogthum plenum laboris ducatum, weil es noch nicht eingenommen war, sondern
erst eingenommen werden solte. Denn des Leo Prinz, Heinrich von der Pfalz, wie
eine geschriebene Chronik von Verden anmerket, hatte, nach seines Bruders Otto Ab-
sterben, durch Zurücklieferung der Reichskleinodien zu Goslar sich bey Kayser Fri-
drich
II dergestalt in Gnade gebracht, daß er die Volmacht erhielt, an stat eines Kö-
nigs *) über ganz Sachsen zu herschen; ja, daß er auch seine ganze Lebenszeit in dem
grösten Theil von Sachsen regirte; und in seinen Patenten den Namen eines Legatus
Imperii
vorzeichnete **). Bey solchen Umständen gefiel diesem Herzog Albert die Luft
in Sachsen freylich nicht zum besten, und meinte deswegen in Liefland frische zu
schöpfen, Er hatte kaum die Kinderschuhe vertreten, als er sich zu diesem Feldzuge an-
schickte, darinne er auch eine vortrefliche Lehrprobe abgeleget, und insbesondere eine
grosse Fertigkeit in glücklichem Gebrauch der Kriegesmaschinen erwiesen; wie wir wei-
ter sehen werden. Denn bis dato ist von seinem Zuge nach Liefland nichts als ein
schwaches Gerüchte zu uns gekommen, ohne Erwehnung der Zeit und seiner Thaten,
an denen zu wissen am meisten gelegen war.
b) Rudolph von Scotle steht geschrieben; es muß aber Zweifelsohne von Stotle gele-
sen und ein Herr über diejenige Landschaft verstanden werden, die am rechten Ufer der
Weser unterhalb Bremen liegt. Jn Mushards Theatro Nobilitatis Bremensis
ist derjenige Theil, der von diesem Grafen handelt, am besten ausgearbeitet, und spart
uns also hier die Mühe. Durch den Burggraf könte man leicht den von Magde-
burg
verstehen, weil der Bischof Albert zu Magdeburg sich manchmal aufgehalten,
und aus dem Magdeburgischen viele vom Adel mit nach Liefland genommen. Weil
ich aber einen Ulrich, Burggrafen von Wetin, erblicke, der sich in gar vielen Brief-
schaften des Herzog Alberts unterschrieben: so meine ich, man könne diesen eher, als
sonst einen andern, darunter verstehen. Wenn doch unser Verfasser hier nicht den Na-
men des jungen Grafen verschwiegen hätte! Unten n. 7 heist es: Er sey von des Bi-
schofs Familie
gewesen, und n. 9 wird sein tödtlicher Hintrit gemeldet.
§. 2.

Es machte sich auch zu der Zeit der König von Dännemark Waldemar
der andre mit einem starken Heer auf; und es kam mit ihm der Hochwürdige Erz-
bischof Andreas von Lunden, und der Bischof Nicolaus, und der dritte Bi-
schof,
des Königs Kanzler c). Gleichfals befand sich bey ihnen der Bischof Die-
trich
von Esthland, so ehmals in Riga eingeweihet worden; Dieser hatte die
Liefländische Kirche wegen entsetzlicher Grausamkeit der Heiden stehen gelassen,
und sich beym Könige aufgehalten. So war auch der Slaven Fürst d) Wen-
zeslaus
mit seinen Leuten darunter. Diese alle setzten ihre Armee an den Revel-
schen
Küsten aus, und fasten in Lyndanisse, einem ehmaligen Schlosse der Re-
velschen, Posto.
Sie rissen hierauf das alte Schloß nieder und fingen ein an-
der neues an zu bauen e). Die von Revel und Harrien aber versamleten gegen
sie eine grosse Armee, und schickten ihre Volksältesten an den König mit friedfer-
tigen doch schalkhaften Worten ab, denen der König auch trauete und sich ihrer
Betriegerey nicht versahe. Er gab ihnen noch Geschenke; die Bischöfe tauften sie,
und liessen sie mit Freuden nach Hause. Doch da sie zu den Jhrigen kamen, fun-
den sie sich nach drey Tagen mit ihrer ganzen Armee Abends nach der Mahlzeit
wieder ein, fielen über die Dänen an fünf Orten her, schlugen sich mit ihnen un-
vermuthet herum, und weil einige von ihnen dachten, der König sey im Zelte, wel-
ches dem Hochwürdigen Bischof Dietrichen von Esthland gehörte, brachen sie
in dasselbe hinein, und brachten ihn ums Leben f); einer kam immer nach dem an-
dern hinein und sie machten viele von ihnen nieder. Der Herr Wenceslaus aber

stand
*) Hiärne macht ihn zum Churfürsten. Das Universallexicon ebenfals, schickt ihn aber erst 1223 nach
Liefland
**) [Datis diplomatibus, quibus legati imperii nomen praeseriptum est, könte vielleicht auch heissen:
wie hierüber (vom Kaiser) Patente ausgefertiget worden, darin er legatus imperii genennet wird.]
N n 2
von 1218 bis 1219.
„Beſcheidenheit ſeinem juͤngern Bruder das Herzogthum, dabey er alle Haͤnde vol zu1218
„thun fand.„ Alſo ſchreibt Cranz Metropol. libr. 7. c. 32. Cranz nent dieſes
Herzogthum plenum laboris ducatum, weil es noch nicht eingenommen war, ſondern
erſt eingenommen werden ſolte. Denn des Leo Prinz, Heinrich von der Pfalz, wie
eine geſchriebene Chronik von Verden anmerket, hatte, nach ſeines Bruders Otto Ab-
ſterben, durch Zuruͤcklieferung der Reichskleinodien zu Goslar ſich bey Kayſer Fri-
drich
II dergeſtalt in Gnade gebracht, daß er die Volmacht erhielt, an ſtat eines Koͤ-
nigs *) uͤber ganz Sachſen zu herſchen; ja, daß er auch ſeine ganze Lebenszeit in dem
groͤſten Theil von Sachſen regirte; und in ſeinen Patenten den Namen eines Legatus
Imperii
vorzeichnete **). Bey ſolchen Umſtaͤnden gefiel dieſem Herzog Albert die Luft
in Sachſen freylich nicht zum beſten, und meinte deswegen in Liefland friſche zu
ſchoͤpfen, Er hatte kaum die Kinderſchuhe vertreten, als er ſich zu dieſem Feldzuge an-
ſchickte, darinne er auch eine vortrefliche Lehrprobe abgeleget, und insbeſondere eine
groſſe Fertigkeit in gluͤcklichem Gebrauch der Kriegesmaſchinen erwieſen; wie wir wei-
ter ſehen werden. Denn bis dato iſt von ſeinem Zuge nach Liefland nichts als ein
ſchwaches Geruͤchte zu uns gekommen, ohne Erwehnung der Zeit und ſeiner Thaten,
an denen zu wiſſen am meiſten gelegen war.
b) Rudolph von Scotle ſteht geſchrieben; es muß aber Zweifelsohne von Stotle gele-
ſen und ein Herr uͤber diejenige Landſchaft verſtanden werden, die am rechten Ufer der
Weſer unterhalb Bremen liegt. Jn Mushards Theatro Nobilitatis Bremenſis
iſt derjenige Theil, der von dieſem Grafen handelt, am beſten ausgearbeitet, und ſpart
uns alſo hier die Muͤhe. Durch den Burggraf koͤnte man leicht den von Magde-
burg
verſtehen, weil der Biſchof Albert zu Magdeburg ſich manchmal aufgehalten,
und aus dem Magdeburgiſchen viele vom Adel mit nach Liefland genommen. Weil
ich aber einen Ulrich, Burggrafen von Wetin, erblicke, der ſich in gar vielen Brief-
ſchaften des Herzog Alberts unterſchrieben: ſo meine ich, man koͤnne dieſen eher, als
ſonſt einen andern, darunter verſtehen. Wenn doch unſer Verfaſſer hier nicht den Na-
men des jungen Grafen verſchwiegen haͤtte! Unten n. 7 heiſt es: Er ſey von des Bi-
ſchofs Familie
geweſen, und n. 9 wird ſein toͤdtlicher Hintrit gemeldet.
§. 2.

Es machte ſich auch zu der Zeit der Koͤnig von Daͤnnemark Waldemar
der andre mit einem ſtarken Heer auf; und es kam mit ihm der Hochwuͤrdige Erz-
biſchof Andreas von Lunden, und der Biſchof Nicolaus, und der dritte Bi-
ſchof,
des Koͤnigs Kanzler c). Gleichfals befand ſich bey ihnen der Biſchof Die-
trich
von Eſthland, ſo ehmals in Riga eingeweihet worden; Dieſer hatte die
Lieflaͤndiſche Kirche wegen entſetzlicher Grauſamkeit der Heiden ſtehen gelaſſen,
und ſich beym Koͤnige aufgehalten. So war auch der Slaven Fuͤrſt d) Wen-
zeslaus
mit ſeinen Leuten darunter. Dieſe alle ſetzten ihre Armee an den Revel-
ſchen
Kuͤſten aus, und faſten in Lyndaniſſe, einem ehmaligen Schloſſe der Re-
velſchen, Poſto.
Sie riſſen hierauf das alte Schloß nieder und fingen ein an-
der neues an zu bauen e). Die von Revel und Harrien aber verſamleten gegen
ſie eine groſſe Armee, und ſchickten ihre Volksaͤlteſten an den Koͤnig mit friedfer-
tigen doch ſchalkhaften Worten ab, denen der Koͤnig auch trauete und ſich ihrer
Betriegerey nicht verſahe. Er gab ihnen noch Geſchenke; die Biſchoͤfe tauften ſie,
und lieſſen ſie mit Freuden nach Hauſe. Doch da ſie zu den Jhrigen kamen, fun-
den ſie ſich nach drey Tagen mit ihrer ganzen Armee Abends nach der Mahlzeit
wieder ein, fielen uͤber die Daͤnen an fuͤnf Orten her, ſchlugen ſich mit ihnen un-
vermuthet herum, und weil einige von ihnen dachten, der Koͤnig ſey im Zelte, wel-
ches dem Hochwuͤrdigen Biſchof Dietrichen von Eſthland gehoͤrte, brachen ſie
in daſſelbe hinein, und brachten ihn ums Leben f); einer kam immer nach dem an-
dern hinein und ſie machten viele von ihnen nieder. Der Herr Wenceslaus aber

ſtand
*) Hiaͤrne macht ihn zum Churfuͤrſten. Das Univerſallexicon ebenfals, ſchickt ihn aber erſt 1223 nach
Liefland
**) [Datis diplomatibus, quibus legati imperii nomen præſeriptum eſt, koͤnte vielleicht auch heiſſen:
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[143/0175] von 1218 bis 1219. a⁾ „Beſcheidenheit ſeinem juͤngern Bruder das Herzogthum, dabey er alle Haͤnde vol zu „thun fand.„ Alſo ſchreibt Cranz Metropol. libr. 7. c. 32. Cranz nent dieſes Herzogthum plenum laboris ducatum, weil es noch nicht eingenommen war, ſondern erſt eingenommen werden ſolte. Denn des Leo Prinz, Heinrich von der Pfalz, wie eine geſchriebene Chronik von Verden anmerket, hatte, nach ſeines Bruders Otto Ab- ſterben, durch Zuruͤcklieferung der Reichskleinodien zu Goslar ſich bey Kayſer Fri- drich II dergeſtalt in Gnade gebracht, daß er die Volmacht erhielt, an ſtat eines Koͤ- nigs *) uͤber ganz Sachſen zu herſchen; ja, daß er auch ſeine ganze Lebenszeit in dem groͤſten Theil von Sachſen regirte; und in ſeinen Patenten den Namen eines Legatus Imperii vorzeichnete **). Bey ſolchen Umſtaͤnden gefiel dieſem Herzog Albert die Luft in Sachſen freylich nicht zum beſten, und meinte deswegen in Liefland friſche zu ſchoͤpfen, Er hatte kaum die Kinderſchuhe vertreten, als er ſich zu dieſem Feldzuge an- ſchickte, darinne er auch eine vortrefliche Lehrprobe abgeleget, und insbeſondere eine groſſe Fertigkeit in gluͤcklichem Gebrauch der Kriegesmaſchinen erwieſen; wie wir wei- ter ſehen werden. Denn bis dato iſt von ſeinem Zuge nach Liefland nichts als ein ſchwaches Geruͤchte zu uns gekommen, ohne Erwehnung der Zeit und ſeiner Thaten, an denen zu wiſſen am meiſten gelegen war. b⁾ Rudolph von Scotle ſteht geſchrieben; es muß aber Zweifelsohne von Stotle gele- ſen und ein Herr uͤber diejenige Landſchaft verſtanden werden, die am rechten Ufer der Weſer unterhalb Bremen liegt. Jn Mushards Theatro Nobilitatis Bremenſis iſt derjenige Theil, der von dieſem Grafen handelt, am beſten ausgearbeitet, und ſpart uns alſo hier die Muͤhe. Durch den Burggraf koͤnte man leicht den von Magde- burg verſtehen, weil der Biſchof Albert zu Magdeburg ſich manchmal aufgehalten, und aus dem Magdeburgiſchen viele vom Adel mit nach Liefland genommen. Weil ich aber einen Ulrich, Burggrafen von Wetin, erblicke, der ſich in gar vielen Brief- ſchaften des Herzog Alberts unterſchrieben: ſo meine ich, man koͤnne dieſen eher, als ſonſt einen andern, darunter verſtehen. Wenn doch unſer Verfaſſer hier nicht den Na- men des jungen Grafen verſchwiegen haͤtte! Unten n. 7 heiſt es: Er ſey von des Bi- ſchofs Familie geweſen, und n. 9 wird ſein toͤdtlicher Hintrit gemeldet. §. 2. Es machte ſich auch zu der Zeit der Koͤnig von Daͤnnemark Waldemar der andre mit einem ſtarken Heer auf; und es kam mit ihm der Hochwuͤrdige Erz- biſchof Andreas von Lunden, und der Biſchof Nicolaus, und der dritte Bi- ſchof, des Koͤnigs Kanzler c⁾ . Gleichfals befand ſich bey ihnen der Biſchof Die- trich von Eſthland, ſo ehmals in Riga eingeweihet worden; Dieſer hatte die Lieflaͤndiſche Kirche wegen entſetzlicher Grauſamkeit der Heiden ſtehen gelaſſen, und ſich beym Koͤnige aufgehalten. So war auch der Slaven Fuͤrſt d⁾ Wen- zeslaus mit ſeinen Leuten darunter. Dieſe alle ſetzten ihre Armee an den Revel- ſchen Kuͤſten aus, und faſten in Lyndaniſſe, einem ehmaligen Schloſſe der Re- velſchen, Poſto. Sie riſſen hierauf das alte Schloß nieder und fingen ein an- der neues an zu bauen e⁾ . Die von Revel und Harrien aber verſamleten gegen ſie eine groſſe Armee, und ſchickten ihre Volksaͤlteſten an den Koͤnig mit friedfer- tigen doch ſchalkhaften Worten ab, denen der Koͤnig auch trauete und ſich ihrer Betriegerey nicht verſahe. Er gab ihnen noch Geſchenke; die Biſchoͤfe tauften ſie, und lieſſen ſie mit Freuden nach Hauſe. Doch da ſie zu den Jhrigen kamen, fun- den ſie ſich nach drey Tagen mit ihrer ganzen Armee Abends nach der Mahlzeit wieder ein, fielen uͤber die Daͤnen an fuͤnf Orten her, ſchlugen ſich mit ihnen un- vermuthet herum, und weil einige von ihnen dachten, der Koͤnig ſey im Zelte, wel- ches dem Hochwuͤrdigen Biſchof Dietrichen von Eſthland gehoͤrte, brachen ſie in daſſelbe hinein, und brachten ihn ums Leben f⁾ ; einer kam immer nach dem an- dern hinein und ſie machten viele von ihnen nieder. Der Herr Wenceslaus aber ſtand *) Hiaͤrne macht ihn zum Churfuͤrſten. Das Univerſallexicon ebenfals, ſchickt ihn aber erſt 1223 nach Liefland **) [Datis diplomatibus, quibus legati imperii nomen præſeriptum eſt, koͤnte vielleicht auch heiſſen: wie hieruͤber (vom Kaiſer) Patente ausgefertiget worden, darin er legatus imperii genennet wird.] N n 2

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. 143. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/175>, abgerufen am 09.08.2020.