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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

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von 1218 bis 1219.
Jnstrumente noch mehr angeführet werden. Aber das ist jetzo unsere Absicht nicht. Als1218
Besorget, Ot-
to
von Lü-
neburg
möch-
te in Frie-
drichs
II
Stelle erwäh-
let werden.

1228 der Pabst Gregorius der IX den Kaiser Friedrich II in Bann gethan, und er
sich gleich drauf nach einem andern Fürsten umsahe, der die Kaiserkrone annehmen wol-
te; so überfiel Alberten recht ein Schauer, bevoraus, da der Cardinal de carcere Tul-
liano,
Otto, des Apostolischen Stuhls Gesandter, nachdem er den norwegischen
König Haquin vergeblich aufgehetzet, nach Sachsen kam, und darüber des Otto,
Herzogs von Lunimburg, Rath vernehmen wolte. Gottfried
von Cöln ums
Jahr 1228: "Denn ob dieser gleich es abschlug, wider den Kaiser etwas zu wagen;
"welches ihm nachher im herzoglichen Diploma Anno 1235 als ein Verdienst angerechnet
"worden; nichtsdestoweniger als eben dieser Gesandte einen Reichstag zu Würzburg
"aufs Jahr 1231 ausgeschrieben; gab Albert mit seinem Bruder sich alle Mühe, diese
"Zusammenkunft zu verhindern, weil er befurchte, es möchte Otto König werden."
Alberic. ums Jahr 1241 p. 577. Es ist noch ein Brief übrig, der damals an die Erz-
bischöfe und Bischöfe abgefertiget worden, in welchem er sie von der Reichstagsversam-
lung abschrecket, unter dem Vorwand der Kirchenfreyheit, bey Alberic. p. 539. Als die-
ses Wetter sich geleget, so fing er an, dem König Heinrich genauer anzuhängen, dessen
Briefschaften er als Zeuge fast alle unterschrieben; auch eine, wie der Prinz die väter-
liche Ordre überschritten, sonderlich Anno 1234. Siehe Gottfrieden von Cöln um
dieses Jahr. Wie die Ausföhnung mit Otto erfolgte, und es mit den Affairen Frie-
drichs
in Deutschland nicht zum besten aussahe; so dachte er auf seine andere Heirath,Heirathet die-
ses Otto
Prinzeßin.

und erwählte sich Helenen, dieses Otto Prinzeßin Tochter, welche an Hermann
den jüngern, Landgrafen von Thüringen, der Anno 1241 starb, vermählet gewesen.
Welche Vermählung ihm hauptsächlich damals lieb war, als der König Wilhelm der
Helene Schwester, Elisabeth, heirathete, und er selbst ein Vater zweyer Söhne wurde,
Johannis und Alberts, da er schon zur Fortpflanzung seines Geschlechts alle Hofnung
fahren lassen, und sich einen Nachfolger suchte, wenn er ohne männliche Erben absterben
solte, nicht in seines Bruders Familie, sondern unter seinen BrandenburgischenWolte nicht
die Anbalti-
sche
Linie,
sondern die
Marggrafen
von Bran-
denburg
zu
Erben haben.

Nebenverwandten. Denn diese waren seine Mithelfer in der Eroberung von Nord-
albingien
und Lauenburg, nicht aber das Geschlechte seines Bruders Heinrichs.
Der König Wilhelm that es ihm zu Gefallen, und setzte in einer darüber ausgefertigten
Acte die Marggrafen zu Erben von diesem Albert ein, zu Braunschweig Anno 1252.
Wir wollen es im Anhang der Urkunden mittheilen. Seine übrige Lebenszeit brachte er
in Ruhe zu, ausser daß die Holsteinischen Bischöfe ihm den Gehorsam versagten, bis
ums Jahr 1260, da er den Weg aller Welt ging. Dis mag dem neuen Stifter des
Herzogthums Sachsen zu Gefallen seyn, als einem Fürsten, der so weit zu loben ist,
als man Tugend, Weisheit, Grosmuth und edle Gemüthseigenschaften darunter verste-
hen kan: er wird aber doch fast unbekant in der langen Nacht des Todes begraben
liegen;
Weil kein Homerus ihn der Nachwelt kund gemacht.
§. 11.

Eben selbiges Jahr, nachdem der Hochwürdige Bischofüber Esthland, Die-
trich,
der in Revel durch das Schwerdt der Gottlosen erwürget ward, und un-
serer Hofnung nach in die Gemeinschaft der Märtyrer übergegangen, setzte der Bi-
schof von Liefland, Albert, seinen Bruder Hermann an dessen Stelle, den
nicht weniger Hochwürdigen Abt zu St. Paul bey Bremen x). Dieser schickte
daher durch Curland nach Samland in Preussen und nach Deutschland
Abgeordnete, die diese Veränderung kund machten. Er zog auch hierauf in eige-
ner Person zu dem Erzbischof von Magdeburg, und ließ sich zum Bischof über
Esthland weihen. Wie der König von Dännemark das zu hören bekam, hin-
tertrieb er dessen Rückreise nach Liefland etliche Jahre. Hierüber besprach der Bi-
schof den König selbst, und verlangte das Bisthum von ihm anzunehmen, versprach
auch hinwieder, dafür ihm getreulich anzuhangen.

x) Man sehe hier den vierten Bruder des Bischof Alberts, Hermannen, Abten zu St.
Paul
in Bremen, Benedictinerordens. Von der Stiftung dieses Klosters und des-
sen erstem Abte, Berthold, kan Mushard nachgeschlagen werden de nobilit. Bre-
mens. p. 41 seq.
Aus dieser Quelle ist vielleicht der Jrthum hergeflossen, daß man
vorgibt, Berthold, der andere Liefländische Bischof, sey in diesem Kloster Abt ge-
wesen. Uebrigens scheinet es, als sey diese Einsetzung gleichsam geschehen, um den Lan-
desbesitz zu erhalten, oder wenigstens ihm ein Ehrenamt aufzutragen. Denn die Dä-
R r
von 1218 bis 1219.
Jnſtrumente noch mehr angefuͤhret werden. Aber das iſt jetzo unſere Abſicht nicht. Als1218
Beſorget, Ot-
to
von Luͤ-
neburg
moͤch-
te in Frie-
drichs
II
Stelle erwaͤh-
let werden.

1228 der Pabſt Gregorius der IX den Kaiſer Friedrich II in Bann gethan, und er
ſich gleich drauf nach einem andern Fuͤrſten umſahe, der die Kaiſerkrone annehmen wol-
te; ſo uͤberfiel Alberten recht ein Schauer, bevoraus, da der Cardinal de carcere Tul-
liano,
Otto, des Apoſtoliſchen Stuhls Geſandter, nachdem er den norwegiſchen
Koͤnig Haquin vergeblich aufgehetzet, nach Sachſen kam, und daruͤber des Otto,
Herzogs von Lunimburg, Rath vernehmen wolte. Gottfried
von Coͤln ums
Jahr 1228: „Denn ob dieſer gleich es abſchlug, wider den Kaiſer etwas zu wagen;
„welches ihm nachher im herzoglichen Diploma Anno 1235 als ein Verdienſt angerechnet
„worden; nichtsdeſtoweniger als eben dieſer Geſandte einen Reichstag zu Wuͤrzburg
„aufs Jahr 1231 ausgeſchrieben; gab Albert mit ſeinem Bruder ſich alle Muͤhe, dieſe
„Zuſammenkunft zu verhindern, weil er befurchte, es moͤchte Otto Koͤnig werden.‟
Alberic. ums Jahr 1241 p. 577. Es iſt noch ein Brief uͤbrig, der damals an die Erz-
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Briefſchaften er als Zeuge faſt alle unterſchrieben; auch eine, wie der Prinz die vaͤter-
liche Ordre uͤberſchritten, ſonderlich Anno 1234. Siehe Gottfrieden von Coͤln um
dieſes Jahr. Wie die Ausfoͤhnung mit Otto erfolgte, und es mit den Affairen Frie-
drichs
in Deutſchland nicht zum beſten ausſahe; ſo dachte er auf ſeine andere Heirath,Heirathet die-
ſes Otto
Prinzeßin.

und erwaͤhlte ſich Helenen, dieſes Otto Prinzeßin Tochter, welche an Hermann
den juͤngern, Landgrafen von Thuͤringen, der Anno 1241 ſtarb, vermaͤhlet geweſen.
Welche Vermaͤhlung ihm hauptſaͤchlich damals lieb war, als der Koͤnig Wilhelm der
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ſolte, nicht in ſeines Bruders Familie, ſondern unter ſeinen BrandenburgiſchenWolte nicht
die Anbalti-
ſche
Linie,
ſondern die
Marggrafen
von Bran-
denburg
zu
Erben haben.

Nebenverwandten. Denn dieſe waren ſeine Mithelfer in der Eroberung von Nord-
albingien
und Lauenburg, nicht aber das Geſchlechte ſeines Bruders Heinrichs.
Der Koͤnig Wilhelm that es ihm zu Gefallen, und ſetzte in einer daruͤber ausgefertigten
Acte die Marggrafen zu Erben von dieſem Albert ein, zu Braunſchweig Anno 1252.
Wir wollen es im Anhang der Urkunden mittheilen. Seine uͤbrige Lebenszeit brachte er
in Ruhe zu, auſſer daß die Holſteiniſchen Biſchoͤfe ihm den Gehorſam verſagten, bis
ums Jahr 1260, da er den Weg aller Welt ging. Dis mag dem neuen Stifter des
Herzogthums Sachſen zu Gefallen ſeyn, als einem Fuͤrſten, der ſo weit zu loben iſt,
als man Tugend, Weisheit, Grosmuth und edle Gemuͤthseigenſchaften darunter verſte-
hen kan: er wird aber doch faſt unbekant in der langen Nacht des Todes begraben
liegen;
Weil kein Homerus ihn der Nachwelt kund gemacht.
§. 11.

Eben ſelbiges Jahr, nachdem der Hochwuͤrdige Biſchofuͤber Eſthland, Die-
trich,
der in Revel durch das Schwerdt der Gottloſen erwuͤrget ward, und un-
ſerer Hofnung nach in die Gemeinſchaft der Maͤrtyrer uͤbergegangen, ſetzte der Bi-
ſchof von Liefland, Albert, ſeinen Bruder Hermann an deſſen Stelle, den
nicht weniger Hochwuͤrdigen Abt zu St. Paul bey Bremen x). Dieſer ſchickte
daher durch Curland nach Samland in Preuſſen und nach Deutſchland
Abgeordnete, die dieſe Veraͤnderung kund machten. Er zog auch hierauf in eige-
ner Perſon zu dem Erzbiſchof von Magdeburg, und ließ ſich zum Biſchof uͤber
Eſthland weihen. Wie der Koͤnig von Daͤnnemark das zu hoͤren bekam, hin-
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ſchof den Koͤnig ſelbſt, und verlangte das Bisthum von ihm anzunehmen, verſprach
auch hinwieder, dafuͤr ihm getreulich anzuhangen.

x) Man ſehe hier den vierten Bruder des Biſchof Alberts, Hermannen, Abten zu St.
Paul
in Bremen, Benedictinerordens. Von der Stiftung dieſes Kloſters und deſ-
ſen erſtem Abte, Berthold, kan Mushard nachgeſchlagen werden de nobilit. Bre-
menſ. p. 41 ſeq.
Aus dieſer Quelle iſt vielleicht der Jrthum hergefloſſen, daß man
vorgibt, Berthold, der andere Lieflaͤndiſche Biſchof, ſey in dieſem Kloſter Abt ge-
weſen. Uebrigens ſcheinet es, als ſey dieſe Einſetzung gleichſam geſchehen, um den Lan-
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[157/0189] von 1218 bis 1219. w⁾ Jnſtrumente noch mehr angefuͤhret werden. Aber das iſt jetzo unſere Abſicht nicht. Als 1228 der Pabſt Gregorius der IX den Kaiſer Friedrich II in Bann gethan, und er ſich gleich drauf nach einem andern Fuͤrſten umſahe, der die Kaiſerkrone annehmen wol- te; ſo uͤberfiel Alberten recht ein Schauer, bevoraus, da der Cardinal de carcere Tul- liano, Otto, des Apoſtoliſchen Stuhls Geſandter, nachdem er den norwegiſchen Koͤnig Haquin vergeblich aufgehetzet, nach Sachſen kam, und daruͤber des Otto, Herzogs von Lunimburg, Rath vernehmen wolte. Gottfried von Coͤln ums Jahr 1228: „Denn ob dieſer gleich es abſchlug, wider den Kaiſer etwas zu wagen; „welches ihm nachher im herzoglichen Diploma Anno 1235 als ein Verdienſt angerechnet „worden; nichtsdeſtoweniger als eben dieſer Geſandte einen Reichstag zu Wuͤrzburg „aufs Jahr 1231 ausgeſchrieben; gab Albert mit ſeinem Bruder ſich alle Muͤhe, dieſe „Zuſammenkunft zu verhindern, weil er befurchte, es moͤchte Otto Koͤnig werden.‟ Alberic. ums Jahr 1241 p. 577. Es iſt noch ein Brief uͤbrig, der damals an die Erz- biſchoͤfe und Biſchoͤfe abgefertiget worden, in welchem er ſie von der Reichstagsverſam- lung abſchrecket, unter dem Vorwand der Kirchenfreyheit, bey Alberic. p. 539. Als die- ſes Wetter ſich geleget, ſo fing er an, dem Koͤnig Heinrich genauer anzuhaͤngen, deſſen Briefſchaften er als Zeuge faſt alle unterſchrieben; auch eine, wie der Prinz die vaͤter- liche Ordre uͤberſchritten, ſonderlich Anno 1234. Siehe Gottfrieden von Coͤln um dieſes Jahr. Wie die Ausfoͤhnung mit Otto erfolgte, und es mit den Affairen Frie- drichs in Deutſchland nicht zum beſten ausſahe; ſo dachte er auf ſeine andere Heirath, und erwaͤhlte ſich Helenen, dieſes Otto Prinzeßin Tochter, welche an Hermann den juͤngern, Landgrafen von Thuͤringen, der Anno 1241 ſtarb, vermaͤhlet geweſen. Welche Vermaͤhlung ihm hauptſaͤchlich damals lieb war, als der Koͤnig Wilhelm der Helene Schweſter, Eliſabeth, heirathete, und er ſelbſt ein Vater zweyer Soͤhne wurde, Johannis und Alberts, da er ſchon zur Fortpflanzung ſeines Geſchlechts alle Hofnung fahren laſſen, und ſich einen Nachfolger ſuchte, wenn er ohne maͤnnliche Erben abſterben ſolte, nicht in ſeines Bruders Familie, ſondern unter ſeinen Brandenburgiſchen Nebenverwandten. Denn dieſe waren ſeine Mithelfer in der Eroberung von Nord- albingien und Lauenburg, nicht aber das Geſchlechte ſeines Bruders Heinrichs. Der Koͤnig Wilhelm that es ihm zu Gefallen, und ſetzte in einer daruͤber ausgefertigten Acte die Marggrafen zu Erben von dieſem Albert ein, zu Braunſchweig Anno 1252. Wir wollen es im Anhang der Urkunden mittheilen. Seine uͤbrige Lebenszeit brachte er in Ruhe zu, auſſer daß die Holſteiniſchen Biſchoͤfe ihm den Gehorſam verſagten, bis ums Jahr 1260, da er den Weg aller Welt ging. Dis mag dem neuen Stifter des Herzogthums Sachſen zu Gefallen ſeyn, als einem Fuͤrſten, der ſo weit zu loben iſt, als man Tugend, Weisheit, Grosmuth und edle Gemuͤthseigenſchaften darunter verſte- hen kan: er wird aber doch faſt unbekant in der langen Nacht des Todes begraben liegen; Weil kein Homerus ihn der Nachwelt kund gemacht. §. 11. Eben ſelbiges Jahr, nachdem der Hochwuͤrdige Biſchofuͤber Eſthland, Die- trich, der in Revel durch das Schwerdt der Gottloſen erwuͤrget ward, und un- ſerer Hofnung nach in die Gemeinſchaft der Maͤrtyrer uͤbergegangen, ſetzte der Bi- ſchof von Liefland, Albert, ſeinen Bruder Hermann an deſſen Stelle, den nicht weniger Hochwuͤrdigen Abt zu St. Paul bey Bremen x⁾ . Dieſer ſchickte daher durch Curland nach Samland in Preuſſen und nach Deutſchland Abgeordnete, die dieſe Veraͤnderung kund machten. Er zog auch hierauf in eige- ner Perſon zu dem Erzbiſchof von Magdeburg, und ließ ſich zum Biſchof uͤber Eſthland weihen. Wie der Koͤnig von Daͤnnemark das zu hoͤren bekam, hin- tertrieb er deſſen Ruͤckreiſe nach Liefland etliche Jahre. Hieruͤber beſprach der Bi- ſchof den Koͤnig ſelbſt, und verlangte das Bisthum von ihm anzunehmen, verſprach auch hinwieder, dafuͤr ihm getreulich anzuhangen. x⁾ Man ſehe hier den vierten Bruder des Biſchof Alberts, Hermannen, Abten zu St. Paul in Bremen, Benedictinerordens. Von der Stiftung dieſes Kloſters und deſ- ſen erſtem Abte, Berthold, kan Mushard nachgeſchlagen werden de nobilit. Bre- menſ. p. 41 ſeq. Aus dieſer Quelle iſt vielleicht der Jrthum hergefloſſen, daß man vorgibt, Berthold, der andere Lieflaͤndiſche Biſchof, ſey in dieſem Kloſter Abt ge- weſen. Uebrigens ſcheinet es, als ſey dieſe Einſetzung gleichſam geſchehen, um den Lan- desbeſitz zu erhalten, oder wenigſtens ihm ein Ehrenamt aufzutragen. Denn die Daͤ- nen R r

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. 157. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/189>, abgerufen am 10.08.2020.