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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

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Vorrede
des Herrn Hofrath Grubers.

Da ich die Schriften der alten Zeit hier und da aufsucheSeltenheit
dieser Chro-
nik.

und zusammen lese, die etwa zu unserer Geschichte
dienen, und den ehemaligen Zustand des alten Nie-
dersachsens
erläutern könten: so gerathen mir manch-
mal einige in die Hände, davon ich nicht allein, sondern andere mehr, nicht
wusten, daß sie einmal in der Welt wären. Von dieser Art ist auch
gegenwärtige alte Chronik von Liefland, die kein Scribent disseits der See
jemals gesehen, und die gewiß von keinem angeführet worden: man müste
denn glauben, sie stäcke unter dem Titel eines Büchleins von der christ-
lichen Religion in Liefland
verborgen, von welchem der sehr gelehrte
Herr Bernhard von Montfaucon*) bezeuget, daß es aus der Bibliothek
des Alexander Petavius in die Vaticanische geschaffet worden. Denn
was der jüngere Schurzfleisch von dem Orden der Schwerdtbrüder
beyläufig saget, daß alle sich auf eine alte Liefländische Chronik beru-
fen; das gehet nicht auf unsere, sondern entweder auf Balthasar Rus-
sovs
Chronik, welche unter allen von Liefland gedruckten Chroniken die
erste und älteste ist; oder ist bloß von dem neuesten Verfasser der Lieflän-
dischen
Historie, Christian Kelchen, zu verstehen. Denn dieser allein
erwehnet im Anfang seines Werks nur obenhin der geschriebenen Lieflän-
dischen
Chroniken, und führet aus selbigen die Namen derer Liven, wel-

che
*) Libellus de religione Christiana in Liuonia. Jn seiner Bibliotheca Manuscriptorum
tom. I. p. 120. n.
5469.
g


Vorrede
des Herrn Hofrath Grubers.

Da ich die Schriften der alten Zeit hier und da aufſucheSeltenheit
dieſer Chro-
nik.

und zuſammen leſe, die etwa zu unſerer Geſchichte
dienen, und den ehemaligen Zuſtand des alten Nie-
derſachſens
erlaͤutern koͤnten: ſo gerathen mir manch-
mal einige in die Haͤnde, davon ich nicht allein, ſondern andere mehr, nicht
wuſten, daß ſie einmal in der Welt waͤren. Von dieſer Art iſt auch
gegenwaͤrtige alte Chronik von Liefland, die kein Scribent diſſeits der See
jemals geſehen, und die gewiß von keinem angefuͤhret worden: man muͤſte
denn glauben, ſie ſtaͤcke unter dem Titel eines Buͤchleins von der chriſt-
lichen Religion in Liefland
verborgen, von welchem der ſehr gelehrte
Herr Bernhard von Montfaucon*) bezeuget, daß es aus der Bibliothek
des Alexander Petavius in die Vaticaniſche geſchaffet worden. Denn
was der juͤngere Schurzfleiſch von dem Orden der Schwerdtbruͤder
beylaͤufig ſaget, daß alle ſich auf eine alte Lieflaͤndiſche Chronik beru-
fen; das gehet nicht auf unſere, ſondern entweder auf Balthaſar Ruſ-
ſovs
Chronik, welche unter allen von Liefland gedruckten Chroniken die
erſte und aͤlteſte iſt; oder iſt bloß von dem neueſten Verfaſſer der Lieflaͤn-
diſchen
Hiſtorie, Chriſtian Kelchen, zu verſtehen. Denn dieſer allein
erwehnet im Anfang ſeines Werks nur obenhin der geſchriebenen Lieflaͤn-
diſchen
Chroniken, und fuͤhret aus ſelbigen die Namen derer Liven, wel-

che
*) Libellus de religione Chriſtiana in Liuonia. Jn ſeiner Bibliotheca Manuſcriptorum
tom. I. p. 120. n.
5469.
g
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[0025] Vorrede des Herrn Hofrath Grubers. Da ich die Schriften der alten Zeit hier und da aufſuche und zuſammen leſe, die etwa zu unſerer Geſchichte dienen, und den ehemaligen Zuſtand des alten Nie- derſachſens erlaͤutern koͤnten: ſo gerathen mir manch- mal einige in die Haͤnde, davon ich nicht allein, ſondern andere mehr, nicht wuſten, daß ſie einmal in der Welt waͤren. Von dieſer Art iſt auch gegenwaͤrtige alte Chronik von Liefland, die kein Scribent diſſeits der See jemals geſehen, und die gewiß von keinem angefuͤhret worden: man muͤſte denn glauben, ſie ſtaͤcke unter dem Titel eines Buͤchleins von der chriſt- lichen Religion in Liefland verborgen, von welchem der ſehr gelehrte Herr Bernhard von Montfaucon *) bezeuget, daß es aus der Bibliothek des Alexander Petavius in die Vaticaniſche geſchaffet worden. Denn was der juͤngere Schurzfleiſch von dem Orden der Schwerdtbruͤder beylaͤufig ſaget, daß alle ſich auf eine alte Lieflaͤndiſche Chronik beru- fen; das gehet nicht auf unſere, ſondern entweder auf Balthaſar Ruſ- ſovs Chronik, welche unter allen von Liefland gedruckten Chroniken die erſte und aͤlteſte iſt; oder iſt bloß von dem neueſten Verfaſſer der Lieflaͤn- diſchen Hiſtorie, Chriſtian Kelchen, zu verſtehen. Denn dieſer allein erwehnet im Anfang ſeines Werks nur obenhin der geſchriebenen Lieflaͤn- diſchen Chroniken, und fuͤhret aus ſelbigen die Namen derer Liven, wel- che Seltenheit dieſer Chro- nik. *) Libellus de religione Chriſtiana in Liuonia. Jn ſeiner Bibliotheca Manuſcriptorum tom. I. p. 120. n. 5469. g

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/25>, abgerufen am 08.08.2020.