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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

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Geschichte des dritten Bischof Alberts, siebentes Jahr,
1204
c) Conrad von Meindorf, der nachher mit seiner Nachkommenschaft den Namen von
seinem Lehngut angenommen. Es sind noch Herren von Yxkül da, die in Liefland
grosse Güter besitzen, und vielleicht von diesem ihrem Stamhause nichts wissen*).
§. 3.

Unterdessen schickte man tüchtige Kundschafter nach Thoreide aus, die den
Weg der Feinde fleißig ausforschen, und Bericht davon abstatten konten. Der
vorerwehnte Anführer der Semgallen, samlete aus jedem Hause in Riga Pro-
viant, und führte es der Armee zu, die von weit entlegenen Orten kommen war.
Die Litthauer kamen endlich mit überaus viel Gefangenen, und einer unzählba-
ren Beute an Vieh und Pferden zurück, und nachdem sie in Liefland ankommen
waren, gingen sie ganz sachte von Dorf zu Dorf, schlugen sich endlich nach dem
Schlosse des Caupo, und nahmen bey den Liven Nachtquartier, weil sie ihrem
Frieden traueten. Es hatten aber die ausgeschickten der Deutschen und Sem-
gallen
ihren Zug genau ausgekundschaftet, und meldeten es gleich bey ihrer Armee.
Des andern Tages liefen ausser den vorigen noch mehrere Nachrichten ein, die alle
aussagten, die Litthauer wolten den nächsten Rückweg über Rodenpois nach
Ykeskola nehmen. Wie diese Zeitung kund ward, freuete sich das ganze Heer**),
und jeder machte sich um die Wette zum Gefechte bereit. Die Litthauer kamen
also mit der ganzen Beute und den Gefangenen, die über tausend sich erstreckten,
theilten ihren Trup in zwey Haufen, stelten die Gefangenen in die Mitte, und
gingen wegen des alzutiefen Schnees nur auf einem Wege Mann hinter Mann.
Gleich aber, so bald die ersten die Fußtapfen gewahr wurden, daß welche voraus
gegangen, so besorgten sie einen Hinterhalt, und machten Halte: also kamen die
letzten mit den Gefangenen bey den ersten an, und formirten eine spitzige Schlacht-
ordnung. Sobald die Semgallen diese Menge ansichtig wurden, waren viele
unter ihnen, die für Furcht nicht fechten, und lieber einen sichern Ort suchen wolten.
Einige von den Deutschen merkten dieses, wandten sich demnach an den Ritter
Conrad, und baten inständig, daß sie mit den Feinden Christi zuerst anbinden
dürften; versicherten dabey, es wäre rühmlicher, für Christum in den Tod zu ge-
hen, als zur Schande seines Volks eine schimpfliche Flucht zu ergreifen. Dieser Herr
hatte sowol sein Pferd, als seine Person, nach Cavalierart wohl gepanzert, und
grif mit den wenigen anwesenden Deutschen die Litthauer an. Jene aber ent-
satzten sich über dem Glanz dieser Rüstung, und weil auch eine Furcht von GOtt
über sie gekommen, so wichen sie von allen Seiten. Wie nun der Semgallen
Heerführer die Litthauer durch GOttes Barmherzigkeit so bestürzt sahe, sprach er
seinen Leuten ein Herz ein, mit ihnen tapfer ein Treffen zu wagen. Solchergestalt
wurden die armen Litthauer mit gesamter Armee auf dem Wege, als die Schafe,
zerstreuet, und musten von ihnen auf zwölfhundert über die Klinge springen.

§. 4.

Einer aber von des Bischofs Bedienten, Dietrich Schilling, fand Swel-
legaten,
der gesagt hatte, er wolle die Stadt GOttes verheeren, und da er ihn auf
einem Wagen erblickte d), stieß er ihn mit seinem Speer in die Seite. Etliche
Semgallen, die ihn noch zucken sahen, schnitten seinen Kopf ab, legten ihn mit
auf ihre Wagen, so sie mit lauter Litthauischen Köpfen beladen hatten, und
führten ihn nach Semgallien. Auch viele von den gefangenen Esthen musten
ihr Leben lassen, weil diese ebenfals beständige Feindseligkeiten gegen die Christen

verüb-
*) Diese uralte und ansehnliche Familie weiß allerdings von diesem ihrem Stamhause Meyendorf, aus
dem in ältesten Zeiten um den Staat wohlverdiente Männer entsprossen. Es hat uns nicht glücken
wollen, von ihrem vornehmen Geschlechte die nöthige Nachricht einzuziehen. So viel ist uns be-
kant geworden, daß die eine Branche sich von Uxküll aus dem Hause Meyendorf schreibet, wel-
che Anno 1679 den 16 April in den Freyherrenstand erhoben worden. Das andere führet den Bey-
namen vom Güldenband, und ist schon seit 1648 den 23 August baronisiret
**) Wo hier Herr Gruber und mein Rigisches Manuscript militantium turba haben, da braucht das
Revelsche Malewa, welches Wort die Muthmassung des berühmten Herrn Grubers bey Anno
1214 not. h) bestätiget.
Geſchichte des dritten Biſchof Alberts, ſiebentes Jahr,
1204
c) Conrad von Meindorf, der nachher mit ſeiner Nachkommenſchaft den Namen von
ſeinem Lehngut angenommen. Es ſind noch Herren von Yxkuͤl da, die in Liefland
groſſe Guͤter beſitzen, und vielleicht von dieſem ihrem Stamhauſe nichts wiſſen*).
§. 3.

Unterdeſſen ſchickte man tuͤchtige Kundſchafter nach Thoreide aus, die den
Weg der Feinde fleißig ausforſchen, und Bericht davon abſtatten konten. Der
vorerwehnte Anfuͤhrer der Semgallen, ſamlete aus jedem Hauſe in Riga Pro-
viant, und fuͤhrte es der Armee zu, die von weit entlegenen Orten kommen war.
Die Litthauer kamen endlich mit uͤberaus viel Gefangenen, und einer unzaͤhlba-
ren Beute an Vieh und Pferden zuruͤck, und nachdem ſie in Liefland ankommen
waren, gingen ſie ganz ſachte von Dorf zu Dorf, ſchlugen ſich endlich nach dem
Schloſſe des Caupo, und nahmen bey den Liven Nachtquartier, weil ſie ihrem
Frieden traueten. Es hatten aber die ausgeſchickten der Deutſchen und Sem-
gallen
ihren Zug genau ausgekundſchaftet, und meldeten es gleich bey ihrer Armee.
Des andern Tages liefen auſſer den vorigen noch mehrere Nachrichten ein, die alle
ausſagten, die Litthauer wolten den naͤchſten Ruͤckweg uͤber Rodenpois nach
Ykeskola nehmen. Wie dieſe Zeitung kund ward, freuete ſich das ganze Heer**),
und jeder machte ſich um die Wette zum Gefechte bereit. Die Litthauer kamen
alſo mit der ganzen Beute und den Gefangenen, die uͤber tauſend ſich erſtreckten,
theilten ihren Trup in zwey Haufen, ſtelten die Gefangenen in die Mitte, und
gingen wegen des alzutiefen Schnees nur auf einem Wege Mann hinter Mann.
Gleich aber, ſo bald die erſten die Fußtapfen gewahr wurden, daß welche voraus
gegangen, ſo beſorgten ſie einen Hinterhalt, und machten Halte: alſo kamen die
letzten mit den Gefangenen bey den erſten an, und formirten eine ſpitzige Schlacht-
ordnung. Sobald die Semgallen dieſe Menge anſichtig wurden, waren viele
unter ihnen, die fuͤr Furcht nicht fechten, und lieber einen ſichern Ort ſuchen wolten.
Einige von den Deutſchen merkten dieſes, wandten ſich demnach an den Ritter
Conrad, und baten inſtaͤndig, daß ſie mit den Feinden Chriſti zuerſt anbinden
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hen, als zur Schande ſeines Volks eine ſchimpfliche Flucht zu ergreifen. Dieſer Herr
hatte ſowol ſein Pferd, als ſeine Perſon, nach Cavalierart wohl gepanzert, und
grif mit den wenigen anweſenden Deutſchen die Litthauer an. Jene aber ent-
ſatzten ſich uͤber dem Glanz dieſer Ruͤſtung, und weil auch eine Furcht von GOtt
uͤber ſie gekommen, ſo wichen ſie von allen Seiten. Wie nun der Semgallen
Heerfuͤhrer die Litthauer durch GOttes Barmherzigkeit ſo beſtuͤrzt ſahe, ſprach er
ſeinen Leuten ein Herz ein, mit ihnen tapfer ein Treffen zu wagen. Solchergeſtalt
wurden die armen Litthauer mit geſamter Armee auf dem Wege, als die Schafe,
zerſtreuet, und muſten von ihnen auf zwoͤlfhundert uͤber die Klinge ſpringen.

§. 4.

Einer aber von des Biſchofs Bedienten, Dietrich Schilling, fand Swel-
legaten,
der geſagt hatte, er wolle die Stadt GOttes verheeren, und da er ihn auf
einem Wagen erblickte d), ſtieß er ihn mit ſeinem Speer in die Seite. Etliche
Semgallen, die ihn noch zucken ſahen, ſchnitten ſeinen Kopf ab, legten ihn mit
auf ihre Wagen, ſo ſie mit lauter Litthauiſchen Koͤpfen beladen hatten, und
fuͤhrten ihn nach Semgallien. Auch viele von den gefangenen Eſthen muſten
ihr Leben laſſen, weil dieſe ebenfals beſtaͤndige Feindſeligkeiten gegen die Chriſten

veruͤb-
*) Dieſe uralte und anſehnliche Familie weiß allerdings von dieſem ihrem Stamhauſe Meyendorf, aus
dem in aͤlteſten Zeiten um den Staat wohlverdiente Maͤnner entſproſſen. Es hat uns nicht gluͤcken
wollen, von ihrem vornehmen Geſchlechte die noͤthige Nachricht einzuziehen. So viel iſt uns be-
kant geworden, daß die eine Branche ſich von Uxkuͤll aus dem Hauſe Meyendorf ſchreibet, wel-
che Anno 1679 den 16 April in den Freyherrenſtand erhoben worden. Das andere fuͤhret den Bey-
namen vom Guͤldenband, und iſt ſchon ſeit 1648 den 23 Auguſt baroniſiret
**) Wo hier Herr Gruber und mein Rigiſches Manuſcript militantium turba haben, da braucht das
Revelſche Malewa, welches Wort die Muthmaſſung des beruͤhmten Herrn Grubers bey Anno
1214 not. h) beſtaͤtiget.
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[40/0072] Geſchichte des dritten Biſchof Alberts, ſiebentes Jahr, c⁾ Conrad von Meindorf, der nachher mit ſeiner Nachkommenſchaft den Namen von ſeinem Lehngut angenommen. Es ſind noch Herren von Yxkuͤl da, die in Liefland groſſe Guͤter beſitzen, und vielleicht von dieſem ihrem Stamhauſe nichts wiſſen *). §. 3. Unterdeſſen ſchickte man tuͤchtige Kundſchafter nach Thoreide aus, die den Weg der Feinde fleißig ausforſchen, und Bericht davon abſtatten konten. Der vorerwehnte Anfuͤhrer der Semgallen, ſamlete aus jedem Hauſe in Riga Pro- viant, und fuͤhrte es der Armee zu, die von weit entlegenen Orten kommen war. Die Litthauer kamen endlich mit uͤberaus viel Gefangenen, und einer unzaͤhlba- ren Beute an Vieh und Pferden zuruͤck, und nachdem ſie in Liefland ankommen waren, gingen ſie ganz ſachte von Dorf zu Dorf, ſchlugen ſich endlich nach dem Schloſſe des Caupo, und nahmen bey den Liven Nachtquartier, weil ſie ihrem Frieden traueten. Es hatten aber die ausgeſchickten der Deutſchen und Sem- gallen ihren Zug genau ausgekundſchaftet, und meldeten es gleich bey ihrer Armee. Des andern Tages liefen auſſer den vorigen noch mehrere Nachrichten ein, die alle ausſagten, die Litthauer wolten den naͤchſten Ruͤckweg uͤber Rodenpois nach Ykeskola nehmen. Wie dieſe Zeitung kund ward, freuete ſich das ganze Heer **), und jeder machte ſich um die Wette zum Gefechte bereit. Die Litthauer kamen alſo mit der ganzen Beute und den Gefangenen, die uͤber tauſend ſich erſtreckten, theilten ihren Trup in zwey Haufen, ſtelten die Gefangenen in die Mitte, und gingen wegen des alzutiefen Schnees nur auf einem Wege Mann hinter Mann. Gleich aber, ſo bald die erſten die Fußtapfen gewahr wurden, daß welche voraus gegangen, ſo beſorgten ſie einen Hinterhalt, und machten Halte: alſo kamen die letzten mit den Gefangenen bey den erſten an, und formirten eine ſpitzige Schlacht- ordnung. Sobald die Semgallen dieſe Menge anſichtig wurden, waren viele unter ihnen, die fuͤr Furcht nicht fechten, und lieber einen ſichern Ort ſuchen wolten. Einige von den Deutſchen merkten dieſes, wandten ſich demnach an den Ritter Conrad, und baten inſtaͤndig, daß ſie mit den Feinden Chriſti zuerſt anbinden duͤrften; verſicherten dabey, es waͤre ruͤhmlicher, fuͤr Chriſtum in den Tod zu ge- hen, als zur Schande ſeines Volks eine ſchimpfliche Flucht zu ergreifen. Dieſer Herr hatte ſowol ſein Pferd, als ſeine Perſon, nach Cavalierart wohl gepanzert, und grif mit den wenigen anweſenden Deutſchen die Litthauer an. Jene aber ent- ſatzten ſich uͤber dem Glanz dieſer Ruͤſtung, und weil auch eine Furcht von GOtt uͤber ſie gekommen, ſo wichen ſie von allen Seiten. Wie nun der Semgallen Heerfuͤhrer die Litthauer durch GOttes Barmherzigkeit ſo beſtuͤrzt ſahe, ſprach er ſeinen Leuten ein Herz ein, mit ihnen tapfer ein Treffen zu wagen. Solchergeſtalt wurden die armen Litthauer mit geſamter Armee auf dem Wege, als die Schafe, zerſtreuet, und muſten von ihnen auf zwoͤlfhundert uͤber die Klinge ſpringen. §. 4. Einer aber von des Biſchofs Bedienten, Dietrich Schilling, fand Swel- legaten, der geſagt hatte, er wolle die Stadt GOttes verheeren, und da er ihn auf einem Wagen erblickte d⁾ , ſtieß er ihn mit ſeinem Speer in die Seite. Etliche Semgallen, die ihn noch zucken ſahen, ſchnitten ſeinen Kopf ab, legten ihn mit auf ihre Wagen, ſo ſie mit lauter Litthauiſchen Koͤpfen beladen hatten, und fuͤhrten ihn nach Semgallien. Auch viele von den gefangenen Eſthen muſten ihr Leben laſſen, weil dieſe ebenfals beſtaͤndige Feindſeligkeiten gegen die Chriſten veruͤb- *) Dieſe uralte und anſehnliche Familie weiß allerdings von dieſem ihrem Stamhauſe Meyendorf, aus dem in aͤlteſten Zeiten um den Staat wohlverdiente Maͤnner entſproſſen. Es hat uns nicht gluͤcken wollen, von ihrem vornehmen Geſchlechte die noͤthige Nachricht einzuziehen. So viel iſt uns be- kant geworden, daß die eine Branche ſich von Uxkuͤll aus dem Hauſe Meyendorf ſchreibet, wel- che Anno 1679 den 16 April in den Freyherrenſtand erhoben worden. Das andere fuͤhret den Bey- namen vom Guͤldenband, und iſt ſchon ſeit 1648 den 23 Auguſt baroniſiret **) Wo hier Herr Gruber und mein Rigiſches Manuſcript militantium turba haben, da braucht das Revelſche Malewa, welches Wort die Muthmaſſung des beruͤhmten Herrn Grubers bey Anno 1214 not. h) beſtaͤtiget.

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. 40. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/72>, abgerufen am 27.09.2020.