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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Erzb. Fromhold. zur Zeit der Reg. Wilhelms v. Freymersen.
Der neun und zwanzigste Ordensmeister in1364
Liefland, deutschen Ordens,
Wilhelm von Freymersen.
a)

Er setzte den Krieg wider die Litthauer so lange fort, bis die Feinde
den Frieden suchten. Er sprach auch den Russen und Semgal-
len
zu, die er nach einem sauren und beschwerlichen Zuge zur Ruhe
zwang. Nur mit der Clerisey konte er nicht fertig werden. Der
Erzbischof Fromhold b) hatte seine Bittte auch bey dem Papst
Urbanus dem Vten so fein eingefädelt, daß dem Orden die lan-
desherrliche Gewalt über die Stadt Riga gleichfals abgesprochen wurde, doch
gieng es mit Volziehung dieses Urtheils in Liefland langsamer als die Geistlichkeit
wünschte.

Als Woldemar, König in Dännemark, mit den Hanseestädten einen1365
Waffenstilstand getroffen; so machte sich der Magistrat zu Riga, Wenden und
Wolmer anheischig, über diese Vereinigung zu halten, und die Bürgschaft
über sich zu nehmen. Am Palmsontage.

Wratislaus der Vte, Fürst des Landes Pommern, verehrte der Com-
pagnie der schwarzen Häupter*) in Riga die Rippe eines zu Usedom gefangnen

gros-
a) Chyträus nennet ihn von Frimersen; Strubicz, Holtus; die erste Handschrift
von den Herrmeistern, von Freymerchen; Russow, von Frymersen; andre, von
Freymersheim; Henning, von Frimensen.
b) Einige nennen diesen Erzbischof Fromhild, und schreiben ihn von Fischhausen.
Das letztere thut auch Strubicz, welcher uns oft wunderliche Namen schmiedet, und
den folgenden Suscripidus von Bleimbergk nennet. Ein Fromold von Vifhu-
sen
war 1173 Bürgermeister in Lübeck, wo er den Brief mit unterschrieben, in wel-
chem die Stadt Lübeck die von Salzwedel in die Wisbysche Handelsgeselschaft auf-
nimt. Besiehe Jul. Conrad Rudemans Palaeo-Marchica t. I, p. 61. Ein
Arnold von Vyfhausen war 1326 kaiserlicher Notarius, und Reinhold Vyfhausen
war 1529 Assessor.
*) Die schwarzen Häupter führen einen Mohrenkopf im Wapen, und wurden nur diejenigen jungen
Kaufleute in diese Geselschaft aufgenommen, welche sich gegen die Ungläubigen in Schlachten rit-
terlich gehalten. Man nante sie in gewissen Städten die St. Jürgen-Brüderschaft, weil sie
den heiligen Ritter George zum Patron hatten. Da man dem heiligen Georgius sonderlich
zur Zeit der heiligen Kriege viel Gelübde gethan, und Kirchen und Brüderschaften gewidmet, so
hat man die Mode auch mit nach Liefland gebracht. Jhr Versamlungsort hies der Arthushof,
welchen Namen, ausser dem neuen Hause zu Riga, auch der Junkernhof in Danzig, das neue
Haus in Stralsund, und das Haus in Revel führte. Die Ursache dieser Benennung läst sich
einigermaassen aus Schottels Abhandlung von der deutschen Sprache B. V. S. 1139 erse-
hen, nach welchem der brittische König Avthus oder Arthurus alle Vornehme des Occidents
an seinem Hofe in ritterlichen Uebungen exerciren und reichlich tractiren lies. Die schwarzen
Häupter sind nicht nur noch in Riga und Revel, sondern auch ehmals in Wenden, Wolmer
und Dörpt gewesen. Nach Bekehrung der Heiden brauchten die Rigischen ihr Haus gleich einer
Börse, und zum Vergnügen der Fremden zu einem Gasthause; wie denn auch noch vor 2 Jah-
ren eine sehr stark besetzte musicalische Geselschaft daselbst des Freytags zusammen kam, welches
der Stadt recht eine Zierde gab, zu geschweigen, wie sonst dieses Haus wegen seines geraumigen
und wohlgelegenen Saales zu andern Absichten genutzet worden. Jm Jahr 1354 bekam die Com-
pagnie ihre Schragen, die mit der Zeit geändert und verbessert worden. 1484 erhielt sie, durch
ein Privilegium des Raths unter der Stadt grösserm Jnsiegel, eine Vicarie in der Peterskirche
an der Süderseite gegen dem Losträgeraltar über aufzurichten, samt dem Jmpatronatsrecht, eigne
Priester dabey zu verordnen, welches der Erzbischof Jasper confirmiret; doch zur Zeit der Refor-
mation 1524 am 10 Merz ist der Altar aus der Kirche weggenommen, und in der Belagerung
1710 so wol als das neue Haus mit dem Uhrwerk samt seinem immerwährenden Kalender, mit
dem Compasstern und Ritter St. Jürgen durch die Bomben zerschmettert worden. Es sind
noch ietzo artige Sachen daselbst zu sehen. Ausser den Trinkreimen von 1522, welche bey dem
Aufgange ins Haus unter dem Bilde des Ritters und der heiligen Marie in Meßing mit alter
erhabner Mönchsschrift gelesen werden, sind diese auf der schwarzen Tafel werth aufbehalten zu
werden.
Wol
D 2
Erzb. Fromhold. zur Zeit der Reg. Wilhelms v. Freymerſen.
Der neun und zwanzigſte Ordensmeiſter in1364
Liefland, deutſchen Ordens,
Wilhelm von Freymerſen.
a)

Er ſetzte den Krieg wider die Litthauer ſo lange fort, bis die Feinde
den Frieden ſuchten. Er ſprach auch den Ruſſen und Semgal-
len
zu, die er nach einem ſauren und beſchwerlichen Zuge zur Ruhe
zwang. Nur mit der Cleriſey konte er nicht fertig werden. Der
Erzbiſchof Fromhold b) hatte ſeine Bittte auch bey dem Papſt
Urbanus dem Vten ſo fein eingefaͤdelt, daß dem Orden die lan-
desherrliche Gewalt uͤber die Stadt Riga gleichfals abgeſprochen wurde, doch
gieng es mit Volziehung dieſes Urtheils in Liefland langſamer als die Geiſtlichkeit
wuͤnſchte.

Als Woldemar, Koͤnig in Daͤnnemark, mit den Hanſeeſtaͤdten einen1365
Waffenſtilſtand getroffen; ſo machte ſich der Magiſtrat zu Riga, Wenden und
Wolmer anheiſchig, uͤber dieſe Vereinigung zu halten, und die Buͤrgſchaft
uͤber ſich zu nehmen. Am Palmſontage.

Wratislaus der Vte, Fuͤrſt des Landes Pommern, verehrte der Com-
pagnie der ſchwarzen Haͤupter*) in Riga die Rippe eines zu Uſedom gefangnen

groſ-
a) Chytraͤus nennet ihn von Frimerſen; Strubicz, Holtus; die erſte Handſchrift
von den Herrmeiſtern, von Freymerchen; Ruſſow, von Frymerſen; andre, von
Freymersheim; Henning, von Frimenſen.
b) Einige nennen dieſen Erzbiſchof Fromhild, und ſchreiben ihn von Fiſchhauſen.
Das letztere thut auch Strubicz, welcher uns oft wunderliche Namen ſchmiedet, und
den folgenden Suſcripidus von Bleimbergk nennet. Ein Fromold von Vifhu-
ſen
war 1173 Buͤrgermeiſter in Luͤbeck, wo er den Brief mit unterſchrieben, in wel-
chem die Stadt Luͤbeck die von Salzwedel in die Wisbyſche Handelsgeſelſchaft auf-
nimt. Beſiehe Jul. Conrad Rudemans Palaeo-Marchica t. I, p. 61. Ein
Arnold von Vyfhauſen war 1326 kaiſerlicher Notarius, und Reinhold Vyfhauſen
war 1529 Aſſeſſor.
*) Die ſchwarzen Haͤupter fuͤhren einen Mohrenkopf im Wapen, und wurden nur diejenigen jungen
Kaufleute in dieſe Geſelſchaft aufgenommen, welche ſich gegen die Unglaͤubigen in Schlachten rit-
terlich gehalten. Man nante ſie in gewiſſen Staͤdten die St. Juͤrgen-Bruͤderſchaft, weil ſie
den heiligen Ritter George zum Patron hatten. Da man dem heiligen Georgius ſonderlich
zur Zeit der heiligen Kriege viel Geluͤbde gethan, und Kirchen und Bruͤderſchaften gewidmet, ſo
hat man die Mode auch mit nach Liefland gebracht. Jhr Verſamlungsort hies der Arthushof,
welchen Namen, auſſer dem neuen Hauſe zu Riga, auch der Junkernhof in Danzig, das neue
Haus in Stralſund, und das Haus in Revel fuͤhrte. Die Urſache dieſer Benennung laͤſt ſich
einigermaaſſen aus Schottels Abhandlung von der deutſchen Sprache B. V. S. 1139 erſe-
hen, nach welchem der brittiſche Koͤnig Avthus oder Arthurus alle Vornehme des Occidents
an ſeinem Hofe in ritterlichen Uebungen exerciren und reichlich tractiren lies. Die ſchwarzen
Haͤupter ſind nicht nur noch in Riga und Revel, ſondern auch ehmals in Wenden, Wolmer
und Doͤrpt geweſen. Nach Bekehrung der Heiden brauchten die Rigiſchen ihr Haus gleich einer
Boͤrſe, und zum Vergnuͤgen der Fremden zu einem Gaſthauſe; wie denn auch noch vor 2 Jah-
ren eine ſehr ſtark beſetzte muſicaliſche Geſelſchaft daſelbſt des Freytags zuſammen kam, welches
der Stadt recht eine Zierde gab, zu geſchweigen, wie ſonſt dieſes Haus wegen ſeines geraumigen
und wohlgelegenen Saales zu andern Abſichten genutzet worden. Jm Jahr 1354 bekam die Com-
pagnie ihre Schragen, die mit der Zeit geaͤndert und verbeſſert worden. 1484 erhielt ſie, durch
ein Privilegium des Raths unter der Stadt groͤſſerm Jnſiegel, eine Vicarie in der Peterskirche
an der Suͤderſeite gegen dem Lostraͤgeraltar uͤber aufzurichten, ſamt dem Jmpatronatsrecht, eigne
Prieſter dabey zu verordnen, welches der Erzbiſchof Jaſper confirmiret; doch zur Zeit der Refor-
mation 1524 am 10 Merz iſt der Altar aus der Kirche weggenommen, und in der Belagerung
1710 ſo wol als das neue Haus mit dem Uhrwerk ſamt ſeinem immerwaͤhrenden Kalender, mit
dem Compasſtern und Ritter St. Juͤrgen durch die Bomben zerſchmettert worden. Es ſind
noch ietzo artige Sachen daſelbſt zu ſehen. Auſſer den Trinkreimen von 1522, welche bey dem
Aufgange ins Haus unter dem Bilde des Ritters und der heiligen Marie in Meßing mit alter
erhabner Moͤnchsſchrift geleſen werden, ſind dieſe auf der ſchwarzen Tafel werth aufbehalten zu
werden.
Wol
D 2
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[107/0125] Erzb. Fromhold. zur Zeit der Reg. Wilhelms v. Freymerſen. Der neun und zwanzigſte Ordensmeiſter in Liefland, deutſchen Ordens, Wilhelm von Freymerſen. a) Er ſetzte den Krieg wider die Litthauer ſo lange fort, bis die Feinde den Frieden ſuchten. Er ſprach auch den Ruſſen und Semgal- len zu, die er nach einem ſauren und beſchwerlichen Zuge zur Ruhe zwang. Nur mit der Cleriſey konte er nicht fertig werden. Der Erzbiſchof Fromhold b) hatte ſeine Bittte auch bey dem Papſt Urbanus dem Vten ſo fein eingefaͤdelt, daß dem Orden die lan- desherrliche Gewalt uͤber die Stadt Riga gleichfals abgeſprochen wurde, doch gieng es mit Volziehung dieſes Urtheils in Liefland langſamer als die Geiſtlichkeit wuͤnſchte. Als Woldemar, Koͤnig in Daͤnnemark, mit den Hanſeeſtaͤdten einen Waffenſtilſtand getroffen; ſo machte ſich der Magiſtrat zu Riga, Wenden und Wolmer anheiſchig, uͤber dieſe Vereinigung zu halten, und die Buͤrgſchaft uͤber ſich zu nehmen. Am Palmſontage. 1365 Wratislaus der Vte, Fuͤrſt des Landes Pommern, verehrte der Com- pagnie der ſchwarzen Haͤupter *) in Riga die Rippe eines zu Uſedom gefangnen groſ- a) Chytraͤus nennet ihn von Frimerſen; Strubicz, Holtus; die erſte Handſchrift von den Herrmeiſtern, von Freymerchen; Ruſſow, von Frymerſen; andre, von Freymersheim; Henning, von Frimenſen. b) Einige nennen dieſen Erzbiſchof Fromhild, und ſchreiben ihn von Fiſchhauſen. Das letztere thut auch Strubicz, welcher uns oft wunderliche Namen ſchmiedet, und den folgenden Suſcripidus von Bleimbergk nennet. Ein Fromold von Vifhu- ſen war 1173 Buͤrgermeiſter in Luͤbeck, wo er den Brief mit unterſchrieben, in wel- chem die Stadt Luͤbeck die von Salzwedel in die Wisbyſche Handelsgeſelſchaft auf- nimt. Beſiehe Jul. Conrad Rudemans Palaeo-Marchica t. I, p. 61. Ein Arnold von Vyfhauſen war 1326 kaiſerlicher Notarius, und Reinhold Vyfhauſen war 1529 Aſſeſſor. *) Die ſchwarzen Haͤupter fuͤhren einen Mohrenkopf im Wapen, und wurden nur diejenigen jungen Kaufleute in dieſe Geſelſchaft aufgenommen, welche ſich gegen die Unglaͤubigen in Schlachten rit- terlich gehalten. Man nante ſie in gewiſſen Staͤdten die St. Juͤrgen-Bruͤderſchaft, weil ſie den heiligen Ritter George zum Patron hatten. Da man dem heiligen Georgius ſonderlich zur Zeit der heiligen Kriege viel Geluͤbde gethan, und Kirchen und Bruͤderſchaften gewidmet, ſo hat man die Mode auch mit nach Liefland gebracht. Jhr Verſamlungsort hies der Arthushof, welchen Namen, auſſer dem neuen Hauſe zu Riga, auch der Junkernhof in Danzig, das neue Haus in Stralſund, und das Haus in Revel fuͤhrte. Die Urſache dieſer Benennung laͤſt ſich einigermaaſſen aus Schottels Abhandlung von der deutſchen Sprache B. V. S. 1139 erſe- hen, nach welchem der brittiſche Koͤnig Avthus oder Arthurus alle Vornehme des Occidents an ſeinem Hofe in ritterlichen Uebungen exerciren und reichlich tractiren lies. Die ſchwarzen Haͤupter ſind nicht nur noch in Riga und Revel, ſondern auch ehmals in Wenden, Wolmer und Doͤrpt geweſen. Nach Bekehrung der Heiden brauchten die Rigiſchen ihr Haus gleich einer Boͤrſe, und zum Vergnuͤgen der Fremden zu einem Gaſthauſe; wie denn auch noch vor 2 Jah- ren eine ſehr ſtark beſetzte muſicaliſche Geſelſchaft daſelbſt des Freytags zuſammen kam, welches der Stadt recht eine Zierde gab, zu geſchweigen, wie ſonſt dieſes Haus wegen ſeines geraumigen und wohlgelegenen Saales zu andern Abſichten genutzet worden. Jm Jahr 1354 bekam die Com- pagnie ihre Schragen, die mit der Zeit geaͤndert und verbeſſert worden. 1484 erhielt ſie, durch ein Privilegium des Raths unter der Stadt groͤſſerm Jnſiegel, eine Vicarie in der Peterskirche an der Suͤderſeite gegen dem Lostraͤgeraltar uͤber aufzurichten, ſamt dem Jmpatronatsrecht, eigne Prieſter dabey zu verordnen, welches der Erzbiſchof Jaſper confirmiret; doch zur Zeit der Refor- mation 1524 am 10 Merz iſt der Altar aus der Kirche weggenommen, und in der Belagerung 1710 ſo wol als das neue Haus mit dem Uhrwerk ſamt ſeinem immerwaͤhrenden Kalender, mit dem Compasſtern und Ritter St. Juͤrgen durch die Bomben zerſchmettert worden. Es ſind noch ietzo artige Sachen daſelbſt zu ſehen. Auſſer den Trinkreimen von 1522, welche bey dem Aufgange ins Haus unter dem Bilde des Ritters und der heiligen Marie in Meßing mit alter erhabner Moͤnchsſchrift geleſen werden, ſind dieſe auf der ſchwarzen Tafel werth aufbehalten zu werden. Wol D 2

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 107. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/125>, abgerufen am 24.05.2019.