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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Erzb. Siegfr. v. Blomb. zur Zeit der Reg. Wilh. v. Freymersen.

Der Orden gerieth in eine neue Verbitterung gegen die Clerisey, als der1371
Erzbischof Sigfried und seine Domherren beim Papst Gregorius dem XIten
mit ihrem Gesuch durchdrangen, und ihren bisherigen Prämonstratenserhabit
mit den Ordenskleidern der Augustinermönche vertauschen durften. Diese Neue-
rung schien dem Ordensmeister Wilhelm gefährlich zu seyn; und weil er die
Geistlichen bey einer mit dem Orden gleichförmigen Tracht erhalten wolte, so mu-
sten die erzstiftischen Güter über der Düne in Semgallen und Oliva herhal-
ten, davon er die Einkünfte in die Ordenskasse nahm. Sigfried gieng nach
Avignon, konte aber daselbst nichts ausrichten. Endlich nahm ihm der Tod den
neuen Ordenskittel zugleich mit dem Leben, da er denn daselbst bey den Prediger-1373
mönchen begraben wurde. Jhm folgte Johan von Sinten. Der Ordensmei-1374
ster legte sich fast zu gleicher Zeit nieder und starb.

Der dreyßigste Ordensmeister in Liefland
deutschen Ordens,
Robin von Eltzen
a).

Unter ihm brachte der Rath zu Riga die sogenante Buursprache b)1376
zum Besten der Stadt zu Stande. Diese wilkührlichen Gesetze
des Raths heissen auch die Bauersprache, oder Bürgersprache,
auf lateinisch Ciuiloquium, und bestehen aus 96, oder nach
Menii prodrom. S. 6, aus 100 Artikeln, deren Anzahl nach Beschaffenheit der
Umstände manchmal vermehret oder vermindert worden. Sie werden noch alle
Jahr am Sonntage vor Michaelis nach geendigter Frühpredigt mit eini-

gen
lerus an. Pontanus S. 499 giebt nur 15 Jahre an, und meldet, daß allen Dä-
nen
auf die hansischen Hafen die freie Handlung ausgemacht worden, wogegen sie
nach ihrer Landesart Richter und Obrigkeit in den schonischen Plätzen hätten setzen
können. Nach unsern Documenten ist die königliche Pfandverschreibung unterzeichnet
am Andreastage 1369.
a) Chyträus nennet ihn Job von Ulsen; Horner, Lobbe von Elsen; Strubicz,
Robius
von Elven; die eine Handschrift von den Herrmeistern, Robbert von Oel-
sen;
die andre, Robbert von Ultzen; Russow, Lobbe von Ulsen; andre von
Hulsen, oder gar Hiob von Hülse. Eine Sophia von Hülsen, Jürgen Hül-
sens
Tochter, der ein Brudersohn des Herrmeisters Lobbe von Hülsen gewesen,
vermählte sich mit einem Johan Tork, Stammherrn der Aspur- und Zerxtischen,
der Althöfschen und Sathischen Häuser in Curland. Wir folgen den mehresten
Briefschaften, in welchen die polnischen Revisionsherren diesen Namen so gelesen,
obgleich die Urkunden der Stadt und gewisser Familien, Lobbe von Ulsen und
Hülsen schreiben. Wir können auch in der That keine andre Ursache von dem hier
beibehaltenen Namen angeben, als weil er uns aus dem Revisionsprotokol so zuerst
bekant geworden, und auch in den Privilegien mancher Städte so gelesen wird.
Sein Antritsjahr wird von etlichen bis 1382 hinaus gesetzet, weil die polnischen
Scribenten seinen Vorgänger mit in die Händel einflechten, die Jagello mit seinem
Vetter Kieystut auszumachen hatte. Chyträus und Ceumern wissen bey der hier
mangelhaften Zeitrechnung keine Jahrzahl anzugeben, wobey sie am sichersten zu Wer-
ke gegangen.
b) Wir merken aus dieser Buursprache an: Art. I: Es gebeut ein Ehrbarer Rath dieser
Stadt einem jeglichen, daß er einen höffischen Mund habe auf Herren und Fürsten,
Frauen und Jungfrauen, auf Rath und Stadt, daß einer mit seinem Munde nicht
spreche, das er mit seinem Leibe und Gute nach unserm Recht entgelte. Art. 20: Wer
Korn kauft, das oben besser ist denn unten, der sol dasselbe behalten, was gemessen ist,
und mag das andre wiedergeben. Art. 39: Jtem welche Frau berüchtiget ist, die sol
weder Farben noch Geschmeide tragen, oder man sol ihr das nehmen. Art. 42: Auch
sol
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Erzb. Siegfr. v. Blomb. zur Zeit der Reg. Wilh. v. Freymerſen.

Der Orden gerieth in eine neue Verbitterung gegen die Cleriſey, als der1371
Erzbiſchof Sigfried und ſeine Domherren beim Papſt Gregorius dem XIten
mit ihrem Geſuch durchdrangen, und ihren bisherigen Praͤmonſtratenſerhabit
mit den Ordenskleidern der Auguſtinermoͤnche vertauſchen durften. Dieſe Neue-
rung ſchien dem Ordensmeiſter Wilhelm gefaͤhrlich zu ſeyn; und weil er die
Geiſtlichen bey einer mit dem Orden gleichfoͤrmigen Tracht erhalten wolte, ſo mu-
ſten die erzſtiftiſchen Guͤter uͤber der Duͤne in Semgallen und Oliva herhal-
ten, davon er die Einkuͤnfte in die Ordenskaſſe nahm. Sigfried gieng nach
Avignon, konte aber daſelbſt nichts ausrichten. Endlich nahm ihm der Tod den
neuen Ordenskittel zugleich mit dem Leben, da er denn daſelbſt bey den Prediger-1373
moͤnchen begraben wurde. Jhm folgte Johan von Sinten. Der Ordensmei-1374
ſter legte ſich faſt zu gleicher Zeit nieder und ſtarb.

Der dreyßigſte Ordensmeiſter in Liefland
deutſchen Ordens,
Robin von Eltzen
a).

Unter ihm brachte der Rath zu Riga die ſogenante Buurſprache b)1376
zum Beſten der Stadt zu Stande. Dieſe wilkuͤhrlichen Geſetze
des Raths heiſſen auch die Bauerſprache, oder Buͤrgerſprache,
auf lateiniſch Ciuiloquium, und beſtehen aus 96, oder nach
Menii prodrom. S. 6, aus 100 Artikeln, deren Anzahl nach Beſchaffenheit der
Umſtaͤnde manchmal vermehret oder vermindert worden. Sie werden noch alle
Jahr am Sonntage vor Michaelis nach geendigter Fruͤhpredigt mit eini-

gen
lerus an. Pontanus S. 499 giebt nur 15 Jahre an, und meldet, daß allen Daͤ-
nen
auf die hanſiſchen Hafen die freie Handlung ausgemacht worden, wogegen ſie
nach ihrer Landesart Richter und Obrigkeit in den ſchoniſchen Plaͤtzen haͤtten ſetzen
koͤnnen. Nach unſern Documenten iſt die koͤnigliche Pfandverſchreibung unterzeichnet
am Andreastage 1369.
a) Chytraͤus nennet ihn Job von Ulſen; Horner, Lobbe von Elſen; Strubicz,
Robius
von Elven; die eine Handſchrift von den Herrmeiſtern, Robbert von Oel-
ſen;
die andre, Robbert von Ultzen; Ruſſow, Lobbe von Ulſen; andre von
Hulſen, oder gar Hiob von Huͤlſe. Eine Sophia von Huͤlſen, Juͤrgen Huͤl-
ſens
Tochter, der ein Bruderſohn des Herrmeiſters Lobbe von Huͤlſen geweſen,
vermaͤhlte ſich mit einem Johan Tork, Stammherrn der Aſpur- und Zerxtiſchen,
der Althoͤfſchen und Sathiſchen Haͤuſer in Curland. Wir folgen den mehreſten
Briefſchaften, in welchen die polniſchen Reviſionsherren dieſen Namen ſo geleſen,
obgleich die Urkunden der Stadt und gewiſſer Familien, Lobbe von Ulſen und
Huͤlſen ſchreiben. Wir koͤnnen auch in der That keine andre Urſache von dem hier
beibehaltenen Namen angeben, als weil er uns aus dem Reviſionsprotokol ſo zuerſt
bekant geworden, und auch in den Privilegien mancher Staͤdte ſo geleſen wird.
Sein Antritsjahr wird von etlichen bis 1382 hinaus geſetzet, weil die polniſchen
Scribenten ſeinen Vorgaͤnger mit in die Haͤndel einflechten, die Jagello mit ſeinem
Vetter Kieyſtut auszumachen hatte. Chytraͤus und Ceumern wiſſen bey der hier
mangelhaften Zeitrechnung keine Jahrzahl anzugeben, wobey ſie am ſicherſten zu Wer-
ke gegangen.
b) Wir merken aus dieſer Buurſprache an: Art. I: Es gebeut ein Ehrbarer Rath dieſer
Stadt einem jeglichen, daß er einen hoͤffiſchen Mund habe auf Herren und Fuͤrſten,
Frauen und Jungfrauen, auf Rath und Stadt, daß einer mit ſeinem Munde nicht
ſpreche, das er mit ſeinem Leibe und Gute nach unſerm Recht entgelte. Art. 20: Wer
Korn kauft, das oben beſſer iſt denn unten, der ſol daſſelbe behalten, was gemeſſen iſt,
und mag das andre wiedergeben. Art. 39: Jtem welche Frau beruͤchtiget iſt, die ſol
weder Farben noch Geſchmeide tragen, oder man ſol ihr das nehmen. Art. 42: Auch
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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 109. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/127>, abgerufen am 25.05.2019.