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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Erzb. Silvest. Stobwasser. zur Zeit der Reg. Joh. Mengdens.
ret werden. Es stehet den Bürgern frey, die Roboysmühle zu bauen und1464
2 Windmühlen dazu zu machen. Das Stück Wiesewachs hinter des Hauscom-
turs Hofe und die freie Fischerey behält die Stadt nach dem alten Fus. Der
Kaufman kan zu Wasser und Lande die Düne auf und nieder handeln. Die Zie-
gelkoppel ist der Stadt, der Ziegelholm an der Schlosweide aber, der an dem Holm
Kögenlage stöst, und worüber in vorigen Zeiten lange gestritten worden, bleibt
zum Behuf des Schlosses. Die Bürger und ihre Nachkömlinge sollen zum Nu-
tzen der Stadt freie Holzung haben auf der Palen, so ferne sie darauf redlichen
Beweis führen. Die 100 Mark, welche die Stadt nach dem Söhnebriefe jähr-
lich ans Schlos gezahlt, und die sie in ihren Zeiten abgekauft, sind vertragen.
Aus besonderer Gunst giebt Osthoff noch der Stadt einen Brief auf 800 Mark,
den sie zu ihrem Nutzen verwenden kan. Von Seiten des Ordens haben God-
dert
von Plettenberge, Landmarschal, und Conrad von Vietinghoff, Com-
tur zu Ascherade zu Riga untersiegelt.

Um Pauli Bekehrung sandte Joh. von Mengden den preußischen Or-1466
densbrüdern 700 Reuter und einiges Fusvolk zu Hülfe, die aber durch die von
den Samogiten verhauenen Wälder nicht durchdringen konten. Sie schlugen
sich auf die rechte Seite, um den Strandweg zu nehmen, allein auch diesen hat-
ten die Samogiten mit tiefen und bedeckten heimlichen Gruben unsicher ge-
macht, wo die Liefländer herein fielen, und gefangen oder erschlagen wurden.
Die Zerstreueten wurden in dem dicken Busche durch Hunger und Kälte aufgerie-
ben, etliche nahmen ihre Zuflucht auf das Eis, welches aber einbrach, und die
Flüchtlinge in der See umkommen lies. Wie denn auch den Herbst vorher 40
Schiffe, welche mit Kriegesvolk, Munition, und Proviant beladen waren, und
aus Liefland nach Preussen giengen, unweit Choinitz am curischen Stran-
de scheiterten, und durch ihr Aussenbleiben den Frieden des preußischen Ordens
mit den Pohlen beförderten i).

Dieser Ordensmeister hatte das Glück, daß seiner Genügsamkeit wegen al-
les unter ihm in Liefland ruhig wurde; daher konte er seine Augen in Frieden
schliessen, wie denn sein Ende bald nachher erfolgte.



Der
i) Die preußischen Städte beschuldigten den Hochmeister Ludwig der Kränkung ihrer
Privilegien, daher schlugen sie sich zur Ritterschaft, und huldigten 1454 dem König
Casimir in Pohlen. Der Hochmeister wehrete sich 13 Jahr, wurde aber darüber so
schachmat, daß er in dem Friedensschlus von 1466 das halbe Preussen an Pohlen
abtrat, die übrige Helfte aber von besagter Krone zu Lehn nehmen muste. Besiehe
Cranz Vandal. B. XII, k. 17, 20, 27, 30. Schütz B. IV, S. 162, B. V, S. 184.
Cromer B. XXII und XXVI. Sal. Neugebauer B. 17. Den Aufstand der
Preussen findet man beim Michov. B. IV, k. 60. Der sonst löbliche Hochmeister
Ludwig war von den Mitgebietigern dazu verleitet, die Handlung sonderlich zu schwä-
chen, welches die Nation in Harnisch jagte. Fincke schrieb noch zu rechter Zeit, er
möchte gelinde zu Werke gehen, allein die Gemüther waren nicht mehr zu gewinnen.
Die nachtheiligen Friedensartikel hat uns Venator B. II, k. 10, S. 199 aufbehalten.
Die wahren Ursachen dieses Verfals giebt der königl. Secretair Strubicz gar unpar-
teiisch an, welches Zeugnis das einzige ist, worin wir ihn brauchen können: Ex opum et
otii abundantia deciderunt hae familiae, et ordo equestris militiae sacrae a pietate,
integritate, virtute et fortitudine in Epicuream securitatem, luxum, mollitiem et
ignauiam; et nimio studio suarum voluptatum prorsus abiecerunt curam Ecclesiae re-
ligionis et disciplinae etc. Secutae sunt ergo poenae, quas cernimus.
P p 2

Erzb. Silveſt. Stobwaſſer. zur Zeit der Reg. Joh. Mengdens.
ret werden. Es ſtehet den Buͤrgern frey, die Roboysmuͤhle zu bauen und1464
2 Windmuͤhlen dazu zu machen. Das Stuͤck Wieſewachs hinter des Hauscom-
turs Hofe und die freie Fiſcherey behaͤlt die Stadt nach dem alten Fus. Der
Kaufman kan zu Waſſer und Lande die Duͤne auf und nieder handeln. Die Zie-
gelkoppel iſt der Stadt, der Ziegelholm an der Schlosweide aber, der an dem Holm
Koͤgenlage ſtoͤſt, und woruͤber in vorigen Zeiten lange geſtritten worden, bleibt
zum Behuf des Schloſſes. Die Buͤrger und ihre Nachkoͤmlinge ſollen zum Nu-
tzen der Stadt freie Holzung haben auf der Palen, ſo ferne ſie darauf redlichen
Beweis fuͤhren. Die 100 Mark, welche die Stadt nach dem Soͤhnebriefe jaͤhr-
lich ans Schlos gezahlt, und die ſie in ihren Zeiten abgekauft, ſind vertragen.
Aus beſonderer Gunſt giebt Oſthoff noch der Stadt einen Brief auf 800 Mark,
den ſie zu ihrem Nutzen verwenden kan. Von Seiten des Ordens haben God-
dert
von Plettenberge, Landmarſchal, und Conrad von Vietinghoff, Com-
tur zu Aſcherade zu Riga unterſiegelt.

Um Pauli Bekehrung ſandte Joh. von Mengden den preußiſchen Or-1466
densbruͤdern 700 Reuter und einiges Fusvolk zu Huͤlfe, die aber durch die von
den Samogiten verhauenen Waͤlder nicht durchdringen konten. Sie ſchlugen
ſich auf die rechte Seite, um den Strandweg zu nehmen, allein auch dieſen hat-
ten die Samogiten mit tiefen und bedeckten heimlichen Gruben unſicher ge-
macht, wo die Lieflaͤnder herein fielen, und gefangen oder erſchlagen wurden.
Die Zerſtreueten wurden in dem dicken Buſche durch Hunger und Kaͤlte aufgerie-
ben, etliche nahmen ihre Zuflucht auf das Eis, welches aber einbrach, und die
Fluͤchtlinge in der See umkommen lies. Wie denn auch den Herbſt vorher 40
Schiffe, welche mit Kriegesvolk, Munition, und Proviant beladen waren, und
aus Liefland nach Preuſſen giengen, unweit Choinitz am curiſchen Stran-
de ſcheiterten, und durch ihr Auſſenbleiben den Frieden des preußiſchen Ordens
mit den Pohlen befoͤrderten i).

Dieſer Ordensmeiſter hatte das Gluͤck, daß ſeiner Genuͤgſamkeit wegen al-
les unter ihm in Liefland ruhig wurde; daher konte er ſeine Augen in Frieden
ſchlieſſen, wie denn ſein Ende bald nachher erfolgte.



Der
i) Die preußiſchen Staͤdte beſchuldigten den Hochmeiſter Ludwig der Kraͤnkung ihrer
Privilegien, daher ſchlugen ſie ſich zur Ritterſchaft, und huldigten 1454 dem Koͤnig
Caſimir in Pohlen. Der Hochmeiſter wehrete ſich 13 Jahr, wurde aber daruͤber ſo
ſchachmat, daß er in dem Friedensſchlus von 1466 das halbe Preuſſen an Pohlen
abtrat, die uͤbrige Helfte aber von beſagter Krone zu Lehn nehmen muſte. Beſiehe
Cranz Vandal. B. XII, k. 17, 20, 27, 30. Schuͤtz B. IV, S. 162, B. V, S. 184.
Cromer B. XXII und XXVI. Sal. Neugebauer B. 17. Den Aufſtand der
Preuſſen findet man beim Michov. B. IV, k. 60. Der ſonſt loͤbliche Hochmeiſter
Ludwig war von den Mitgebietigern dazu verleitet, die Handlung ſonderlich zu ſchwaͤ-
chen, welches die Nation in Harniſch jagte. Fincke ſchrieb noch zu rechter Zeit, er
moͤchte gelinde zu Werke gehen, allein die Gemuͤther waren nicht mehr zu gewinnen.
Die nachtheiligen Friedensartikel hat uns Venator B. II, k. 10, S. 199 aufbehalten.
Die wahren Urſachen dieſes Verfals giebt der koͤnigl. Secretair Strubicz gar unpar-
teiiſch an, welches Zeugnis das einzige iſt, worin wir ihn brauchen koͤnnen: Ex opum et
otii abundantia deciderunt hae familiae, et ordo equeſtris militiae ſacrae a pietate,
integritate, virtute et fortitudine in Epicuream ſecuritatem, luxum, mollitiem et
ignauiam; et nimio ſtudio ſuarum voluptatum prorſus abiecerunt curam Eccleſiae re-
ligionis et diſciplinae etc. Secutae ſunt ergo poenae, quas cernimus.
P p 2
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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 151. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/169>, abgerufen am 17.06.2019.