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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Erzb. Thom. Schöning. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg.
gleich in Riga keine lange Dauer dieser Würde prophezeiet wurde, indem der al-1533
te Bischof Reinhold sich nach Arensburg auf das Schlos begab, weil ihm
die Ritterschaft auf Oesel zugethan blieb, und seinem Nachfolger in Ha-
psal
die Behauptung dieser Stelle ziemlich schwer machte. Wilhelmen
ward diese Art sich ins Amt zu dringen von jederman übel ausgelegt. Der Erz-
bischof Thomas selbst trat mit den Bischöfen zu Dörpt, Curland und Re-
vel
am 13ten Febr. zu Fellin zusammen, lies sich auch mit dem Ordensmeister1534
und dessen Landmarschal genauer ein; indem beliebet wurde, daß keiner des Sei-
nigen gewaltthätiger Weise beraubet werden solte, wenn es nicht nach ordentli-
chem Rechte geschähe, und es alle Herren und Stände auf einem algemeinen
Landtage bewilliget hätten. Bey sich eräugnenden Empörungen und Unruhen
versprachen sie sich gemeinschaftlichen Rath und Beistand. Wolte der Marggraf
Wilhelm nach endlicher Schlichtung und Beilegung des öselschen Zwiespalts
mit in dieses Bündnis treten, so sol es ihrer fürstl. Gnaden ungeweigert frey und
offen stehen. Diese Verordnung machte dem öselschen Bischof Reinhold Luft,
der die Wyk mit einigen Kriegesvölkern besetzt hielt und Wilhelmen von Hap-
sal
wegzuziehen nöthigte, zumal da der wykische Adel die Huldigung zu leisten
Bedenken trug. Wilhelm fand bey seiner Zurückkunft auch da die Gemüther
gegen ihn kaltsinnig, welche gesamte Widersetzlichkeit samt dem eilfertigen Abzug
aus der Wyk, und der daraus erfolgten Geringschätzung seiner Person und Ga-
ben weder seinem Willen noch gnädigen Betragen, sondern blos der Hoheit seiner
Geburt und der Hitze seiner Räthe zuzuschreiben war.

Am Sontag Oculi nahm der durch seine Frömmigkeit sowol als durch alle1535
einen Regenten zierende Eigenschaften warhaftig grosse Wolter von Plettenberg
seinen Abschied aus dieser Welt und gieng unter vielen grossen Bemühungen für
das Wohl des Landes zu seiner Ruhe x). Jhm folgte

Der vier und vierzigste Ordensmeister in Liefland,
deutschen Ordens,
Herman von Brüggeney genant Hasenkamp a).

Am Freytage nach Mariä Magdalenä unterzeichnete derselbe, nebst
dem Landmarschal Hinrich von Galen und dem goldingischen
Comtur Ernst von Mönninckhusen, den Huldigungsbrief an die
Stadt Riga. Er preiset darin die göttliche Vorsehung, daß er
noch bey Lebzeiten seines Vorgängers in das Meisteramt eingesetzet worden. Der
Stadt giebt er auf Ansuchen ihrer statlichen Botschaft aus dem Rath und der Gemei-
ne die Erlaubnis zu huldigen, mit beigefügter Eidesformel. Dagegen gelobet er an,
die Lehre des Evangelii und alle bürgerliche Freiheiten nachdrücklich zu schützen,
und die schädlichen Gebäude zu Neuermühlen weg zu schaffen. Dem alten Döm-
dechanten Joh. Norbeck wird bey dessen lebendigen Tagen eine Vicarie bestan-

den,
x) Sein Grabmal siehet man in der Domkirche zu Wenden mit dieser Aufschrift: Jnt
Jahr 1535 des verden Suntages in der Vasten so starf de Hochlofliche ffür-
ste Herr Wolter von Plettenberch. d. O. meister to Lifflande regerde 44 Jar.
Bülow
setzt, daß er zu Wenden in Wanis und Hosen für Alter auf dem Stuhle
gestorben.
a) Chyträus und Russov nennen ihn Herman Hasenkamp. Horner setzet noch dazu
von Bruggeney. Prätorius schreibt ihn Herman von Bruggeneis Husen-
kamph.
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Erzb. Thom. Schoͤning. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg.
gleich in Riga keine lange Dauer dieſer Wuͤrde prophezeiet wurde, indem der al-1533
te Biſchof Reinhold ſich nach Arensburg auf das Schlos begab, weil ihm
die Ritterſchaft auf Oeſel zugethan blieb, und ſeinem Nachfolger in Ha-
pſal
die Behauptung dieſer Stelle ziemlich ſchwer machte. Wilhelmen
ward dieſe Art ſich ins Amt zu dringen von jederman uͤbel ausgelegt. Der Erz-
biſchof Thomas ſelbſt trat mit den Biſchoͤfen zu Doͤrpt, Curland und Re-
vel
am 13ten Febr. zu Fellin zuſammen, lies ſich auch mit dem Ordensmeiſter1534
und deſſen Landmarſchal genauer ein; indem beliebet wurde, daß keiner des Sei-
nigen gewaltthaͤtiger Weiſe beraubet werden ſolte, wenn es nicht nach ordentli-
chem Rechte geſchaͤhe, und es alle Herren und Staͤnde auf einem algemeinen
Landtage bewilliget haͤtten. Bey ſich eraͤugnenden Empoͤrungen und Unruhen
verſprachen ſie ſich gemeinſchaftlichen Rath und Beiſtand. Wolte der Marggraf
Wilhelm nach endlicher Schlichtung und Beilegung des oͤſelſchen Zwieſpalts
mit in dieſes Buͤndnis treten, ſo ſol es ihrer fuͤrſtl. Gnaden ungeweigert frey und
offen ſtehen. Dieſe Verordnung machte dem oͤſelſchen Biſchof Reinhold Luft,
der die Wyk mit einigen Kriegesvoͤlkern beſetzt hielt und Wilhelmen von Hap-
ſal
wegzuziehen noͤthigte, zumal da der wykiſche Adel die Huldigung zu leiſten
Bedenken trug. Wilhelm fand bey ſeiner Zuruͤckkunft auch da die Gemuͤther
gegen ihn kaltſinnig, welche geſamte Widerſetzlichkeit ſamt dem eilfertigen Abzug
aus der Wyk, und der daraus erfolgten Geringſchaͤtzung ſeiner Perſon und Ga-
ben weder ſeinem Willen noch gnaͤdigen Betragen, ſondern blos der Hoheit ſeiner
Geburt und der Hitze ſeiner Raͤthe zuzuſchreiben war.

Am Sontag Oculi nahm der durch ſeine Froͤmmigkeit ſowol als durch alle1535
einen Regenten zierende Eigenſchaften warhaftig groſſe Wolter von Plettenberg
ſeinen Abſchied aus dieſer Welt und gieng unter vielen groſſen Bemuͤhungen fuͤr
das Wohl des Landes zu ſeiner Ruhe x). Jhm folgte

Der vier und vierzigſte Ordensmeiſter in Liefland,
deutſchen Ordens,
Herman von Bruͤggeney genant Haſenkamp a).

Am Freytage nach Mariaͤ Magdalenaͤ unterzeichnete derſelbe, nebſt
dem Landmarſchal Hinrich von Galen und dem goldingiſchen
Comtur Ernſt von Moͤnninckhuſen, den Huldigungsbrief an die
Stadt Riga. Er preiſet darin die goͤttliche Vorſehung, daß er
noch bey Lebzeiten ſeines Vorgaͤngers in das Meiſteramt eingeſetzet worden. Der
Stadt giebt er auf Anſuchen ihrer ſtatlichen Botſchaft aus dem Rath und der Gemei-
ne die Erlaubnis zu huldigen, mit beigefuͤgter Eidesformel. Dagegen gelobet er an,
die Lehre des Evangelii und alle buͤrgerliche Freiheiten nachdruͤcklich zu ſchuͤtzen,
und die ſchaͤdlichen Gebaͤude zu Neuermuͤhlen weg zu ſchaffen. Dem alten Doͤm-
dechanten Joh. Norbeck wird bey deſſen lebendigen Tagen eine Vicarie beſtan-

den,
x) Sein Grabmal ſiehet man in der Domkirche zu Wenden mit dieſer Aufſchrift: Jnt
Jahr 1535 des verden Suntages in der Vaſten ſo ſtarf de Hochlofliche ffuͤr-
ſte Herr Wolter von Plettenberch. d. O. meiſter to Lifflande regerde 44 Jar.
Buͤlow
ſetzt, daß er zu Wenden in Wanis und Hoſen fuͤr Alter auf dem Stuhle
geſtorben.
a) Chytraͤus und Ruſſov nennen ihn Herman Haſenkamp. Horner ſetzet noch dazu
von Bruggeney. Praͤtorius ſchreibt ihn Herman von Bruggeneis Huſen-
kamph.
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[205/0223] Erzb. Thom. Schoͤning. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. gleich in Riga keine lange Dauer dieſer Wuͤrde prophezeiet wurde, indem der al- te Biſchof Reinhold ſich nach Arensburg auf das Schlos begab, weil ihm die Ritterſchaft auf Oeſel zugethan blieb, und ſeinem Nachfolger in Ha- pſal die Behauptung dieſer Stelle ziemlich ſchwer machte. Wilhelmen ward dieſe Art ſich ins Amt zu dringen von jederman uͤbel ausgelegt. Der Erz- biſchof Thomas ſelbſt trat mit den Biſchoͤfen zu Doͤrpt, Curland und Re- vel am 13ten Febr. zu Fellin zuſammen, lies ſich auch mit dem Ordensmeiſter und deſſen Landmarſchal genauer ein; indem beliebet wurde, daß keiner des Sei- nigen gewaltthaͤtiger Weiſe beraubet werden ſolte, wenn es nicht nach ordentli- chem Rechte geſchaͤhe, und es alle Herren und Staͤnde auf einem algemeinen Landtage bewilliget haͤtten. Bey ſich eraͤugnenden Empoͤrungen und Unruhen verſprachen ſie ſich gemeinſchaftlichen Rath und Beiſtand. Wolte der Marggraf Wilhelm nach endlicher Schlichtung und Beilegung des oͤſelſchen Zwieſpalts mit in dieſes Buͤndnis treten, ſo ſol es ihrer fuͤrſtl. Gnaden ungeweigert frey und offen ſtehen. Dieſe Verordnung machte dem oͤſelſchen Biſchof Reinhold Luft, der die Wyk mit einigen Kriegesvoͤlkern beſetzt hielt und Wilhelmen von Hap- ſal wegzuziehen noͤthigte, zumal da der wykiſche Adel die Huldigung zu leiſten Bedenken trug. Wilhelm fand bey ſeiner Zuruͤckkunft auch da die Gemuͤther gegen ihn kaltſinnig, welche geſamte Widerſetzlichkeit ſamt dem eilfertigen Abzug aus der Wyk, und der daraus erfolgten Geringſchaͤtzung ſeiner Perſon und Ga- ben weder ſeinem Willen noch gnaͤdigen Betragen, ſondern blos der Hoheit ſeiner Geburt und der Hitze ſeiner Raͤthe zuzuſchreiben war. 1533 1534 Am Sontag Oculi nahm der durch ſeine Froͤmmigkeit ſowol als durch alle einen Regenten zierende Eigenſchaften warhaftig groſſe Wolter von Plettenberg ſeinen Abſchied aus dieſer Welt und gieng unter vielen groſſen Bemuͤhungen fuͤr das Wohl des Landes zu ſeiner Ruhe x). Jhm folgte 1535 Der vier und vierzigſte Ordensmeiſter in Liefland, deutſchen Ordens, Herman von Bruͤggeney genant Haſenkamp a). Am Freytage nach Mariaͤ Magdalenaͤ unterzeichnete derſelbe, nebſt dem Landmarſchal Hinrich von Galen und dem goldingiſchen Comtur Ernſt von Moͤnninckhuſen, den Huldigungsbrief an die Stadt Riga. Er preiſet darin die goͤttliche Vorſehung, daß er noch bey Lebzeiten ſeines Vorgaͤngers in das Meiſteramt eingeſetzet worden. Der Stadt giebt er auf Anſuchen ihrer ſtatlichen Botſchaft aus dem Rath und der Gemei- ne die Erlaubnis zu huldigen, mit beigefuͤgter Eidesformel. Dagegen gelobet er an, die Lehre des Evangelii und alle buͤrgerliche Freiheiten nachdruͤcklich zu ſchuͤtzen, und die ſchaͤdlichen Gebaͤude zu Neuermuͤhlen weg zu ſchaffen. Dem alten Doͤm- dechanten Joh. Norbeck wird bey deſſen lebendigen Tagen eine Vicarie beſtan- den, x) Sein Grabmal ſiehet man in der Domkirche zu Wenden mit dieſer Aufſchrift: Jnt Jahr 1535 des verden Suntages in der Vaſten ſo ſtarf de Hochlofliche ffuͤr- ſte Herr Wolter von Plettenberch. d. O. meiſter to Lifflande regerde 44 Jar. Buͤlow ſetzt, daß er zu Wenden in Wanis und Hoſen fuͤr Alter auf dem Stuhle geſtorben. a) Chytraͤus und Ruſſov nennen ihn Herman Haſenkamp. Horner ſetzet noch dazu von Bruggeney. Praͤtorius ſchreibt ihn Herman von Bruggeneis Huſen- kamph. F f f

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 205. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/223>, abgerufen am 23.05.2019.