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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fürstenberg.
nehmen, bestelte demnach Kettlern auf den 24sten Junii nach der Stadt1559
Wilda.

Kettler war willens den Reichstag zu Augspurg unterdessen zu besuchen;
woran ihn aber der zu Wilda angesetzte Termin hinderte. Doch sprach er in
Wien ein, wo er dem Kaiser die Absicht seiner Reise nach Pohlen umständlich
eröfnete, und auf die neuen Zurüstungen der Russen, weil der halbjährige Stil-
stand verlaufen, auch neue Ansuchung um Hülfe that. Der Kaiser lehnte dieses
mit vieler Gelassenheit ab, und verwies ihn auf den Reichstag. Der Bevol-
mächtigte des Ordens, Georg Sigeburg n), that auch zu Augspurg so triftige
Vorstellungen, daß die Reichsstände auf so viele Fürsprache andrer christlichen Ge-
sandten in eine Beisteuer von 100000 Ducaten willigten, aber keine sichere An-
weisung darauf gaben, so nöthig auch Liefland diese Mittel damals brauchte.
Kettler reiste wieder nach Pohlen, und setzte sein Gesuch fort, doch alles auf
dem Fus, daß dem römischen Reich an seiner Oberherrschaft über Liefland
kein Eintrag geschehe. Da Kettler in auswärtigen Landen die Vortheile von
Liefland besorgte, so richtete der alte Ordensmeister Fürstenberg es bey den
Gebietigern in die Wege, daß sie Kettlern das Meisteramt übertrugen, daß er
mit seinen Unterhandlungen in Pohlen desto ungehinderter und freier fortkom-
men könte. Es wurde also Kettlern von seinem Vorfahren das Patent nach
Wilda zugeschicket, und Fürstenberg schrieb selbst einen Brief an den König
von Pohlen, worin die Ordensgebietiger ihre Volmacht mit beigeleget, daß,
weil Fürstenberg Alters und Schwachheit halber die Regierung verbeten, sie
Kettlern an seine Stelle genommen, welcher also als Oberhaupt Befugnis ha-
be alles zu handeln und zu schliessen, was zur Errettung von Liefland irgends
dienlich und nöthig seyn könne.

Fürstenberg erwehlte Vellyn zu seiner Ruhe, wo er eine Campagnie
deutsche Soldaten, seine alten Bedienten, und das grobe Geschütz bey sich hatte;
womit er sich doch schlecht genug schützen konte. Also folget

Der acht und vierzigste und letzte Ordensmeister in
Liefland, deutschen Ordens,
Gotthard Kettler
a),

Ein in seinen Voreltern und Nachkommen grosser Herr, dessen un-
gemeine Regententugenden ihn deswegen über den grossen Plet-
tenberg
erheben, weil sein Regiment in die elendesten und verwor-
rensten Zeiten in Liefland fiel, und er wärend seiner kurzen Regie-
rung der bedrängten Republik mehr Dienste leistete, als jener in langen Jahren Ge-

legen-
n) Georg Sieburg war erst Comtur zu Dünemünde, hernach Hauscomtur zu Riga,
und zuletzt fürstl. jülichscher Rath und Hauptman auf Blanckenstein. Einige,
als Scharden, Christian Cilicius und Menius, machen diesen Man zu stolz,
als habe er eine so geringe Kleinigkeit von 100000 Ducaten nicht annehmen wollen,
worüber der Herr Meister ganz ungehalten gewesen. Andre berichten, die Lieflän-
der
hätten auf die Städte Hamburg, Lübeck und Lüneburg zwar Anweisung er-
halten: allein gemeldte Städte hätten für Liefland so viel Geld nicht in Bereitschaft
gehabt; weil ihnen die Handlung nach Narva geschmälert worden. Bey dieser Un-
wisheit merken wir nur dieses als das Gewisseste an, daß darauf nimmermehr auch nur
ein Kreuzer an Liefland ausgezahlt worden.
a) Das vornehme Geschlechtregister dieses Herrn hat uns Chyträus zum Theil aufbehal-
ten
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Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrſtenberg.
nehmen, beſtelte demnach Kettlern auf den 24ſten Junii nach der Stadt1559
Wilda.

Kettler war willens den Reichstag zu Augſpurg unterdeſſen zu beſuchen;
woran ihn aber der zu Wilda angeſetzte Termin hinderte. Doch ſprach er in
Wien ein, wo er dem Kaiſer die Abſicht ſeiner Reiſe nach Pohlen umſtaͤndlich
eroͤfnete, und auf die neuen Zuruͤſtungen der Ruſſen, weil der halbjaͤhrige Stil-
ſtand verlaufen, auch neue Anſuchung um Huͤlfe that. Der Kaiſer lehnte dieſes
mit vieler Gelaſſenheit ab, und verwies ihn auf den Reichstag. Der Bevol-
maͤchtigte des Ordens, Georg Sigeburg n), that auch zu Augſpurg ſo triftige
Vorſtellungen, daß die Reichsſtaͤnde auf ſo viele Fuͤrſprache andrer chriſtlichen Ge-
ſandten in eine Beiſteuer von 100000 Ducaten willigten, aber keine ſichere An-
weiſung darauf gaben, ſo noͤthig auch Liefland dieſe Mittel damals brauchte.
Kettler reiſte wieder nach Pohlen, und ſetzte ſein Geſuch fort, doch alles auf
dem Fus, daß dem roͤmiſchen Reich an ſeiner Oberherrſchaft uͤber Liefland
kein Eintrag geſchehe. Da Kettler in auswaͤrtigen Landen die Vortheile von
Liefland beſorgte, ſo richtete der alte Ordensmeiſter Fuͤrſtenberg es bey den
Gebietigern in die Wege, daß ſie Kettlern das Meiſteramt uͤbertrugen, daß er
mit ſeinen Unterhandlungen in Pohlen deſto ungehinderter und freier fortkom-
men koͤnte. Es wurde alſo Kettlern von ſeinem Vorfahren das Patent nach
Wilda zugeſchicket, und Fuͤrſtenberg ſchrieb ſelbſt einen Brief an den Koͤnig
von Pohlen, worin die Ordensgebietiger ihre Volmacht mit beigeleget, daß,
weil Fuͤrſtenberg Alters und Schwachheit halber die Regierung verbeten, ſie
Kettlern an ſeine Stelle genommen, welcher alſo als Oberhaupt Befugnis ha-
be alles zu handeln und zu ſchlieſſen, was zur Errettung von Liefland irgends
dienlich und noͤthig ſeyn koͤnne.

Fuͤrſtenberg erwehlte Vellyn zu ſeiner Ruhe, wo er eine Campagnie
deutſche Soldaten, ſeine alten Bedienten, und das grobe Geſchuͤtz bey ſich hatte;
womit er ſich doch ſchlecht genug ſchuͤtzen konte. Alſo folget

Der acht und vierzigſte und letzte Ordensmeiſter in
Liefland, deutſchen Ordens,
Gotthard Kettler
a),

Ein in ſeinen Voreltern und Nachkommen groſſer Herr, deſſen un-
gemeine Regententugenden ihn deswegen uͤber den groſſen Plet-
tenberg
erheben, weil ſein Regiment in die elendeſten und verwor-
renſten Zeiten in Liefland fiel, und er waͤrend ſeiner kurzen Regie-
rung der bedraͤngten Republik mehr Dienſte leiſtete, als jener in langen Jahren Ge-

legen-
n) Georg Sieburg war erſt Comtur zu Duͤnemuͤnde, hernach Hauscomtur zu Riga,
und zuletzt fuͤrſtl. juͤlichſcher Rath und Hauptman auf Blanckenſtein. Einige,
als Scharden, Chriſtian Cilicius und Menius, machen dieſen Man zu ſtolz,
als habe er eine ſo geringe Kleinigkeit von 100000 Ducaten nicht annehmen wollen,
woruͤber der Herr Meiſter ganz ungehalten geweſen. Andre berichten, die Lieflaͤn-
der
haͤtten auf die Staͤdte Hamburg, Luͤbeck und Luͤneburg zwar Anweiſung er-
halten: allein gemeldte Staͤdte haͤtten fuͤr Liefland ſo viel Geld nicht in Bereitſchaft
gehabt; weil ihnen die Handlung nach Narva geſchmaͤlert worden. Bey dieſer Un-
wisheit merken wir nur dieſes als das Gewiſſeſte an, daß darauf nimmermehr auch nur
ein Kreuzer an Liefland ausgezahlt worden.
a) Das vornehme Geſchlechtregiſter dieſes Herrn hat uns Chytraͤus zum Theil aufbehal-
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[247/0265] Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrſtenberg. nehmen, beſtelte demnach Kettlern auf den 24ſten Junii nach der Stadt Wilda. 1559 Kettler war willens den Reichstag zu Augſpurg unterdeſſen zu beſuchen; woran ihn aber der zu Wilda angeſetzte Termin hinderte. Doch ſprach er in Wien ein, wo er dem Kaiſer die Abſicht ſeiner Reiſe nach Pohlen umſtaͤndlich eroͤfnete, und auf die neuen Zuruͤſtungen der Ruſſen, weil der halbjaͤhrige Stil- ſtand verlaufen, auch neue Anſuchung um Huͤlfe that. Der Kaiſer lehnte dieſes mit vieler Gelaſſenheit ab, und verwies ihn auf den Reichstag. Der Bevol- maͤchtigte des Ordens, Georg Sigeburg n), that auch zu Augſpurg ſo triftige Vorſtellungen, daß die Reichsſtaͤnde auf ſo viele Fuͤrſprache andrer chriſtlichen Ge- ſandten in eine Beiſteuer von 100000 Ducaten willigten, aber keine ſichere An- weiſung darauf gaben, ſo noͤthig auch Liefland dieſe Mittel damals brauchte. Kettler reiſte wieder nach Pohlen, und ſetzte ſein Geſuch fort, doch alles auf dem Fus, daß dem roͤmiſchen Reich an ſeiner Oberherrſchaft uͤber Liefland kein Eintrag geſchehe. Da Kettler in auswaͤrtigen Landen die Vortheile von Liefland beſorgte, ſo richtete der alte Ordensmeiſter Fuͤrſtenberg es bey den Gebietigern in die Wege, daß ſie Kettlern das Meiſteramt uͤbertrugen, daß er mit ſeinen Unterhandlungen in Pohlen deſto ungehinderter und freier fortkom- men koͤnte. Es wurde alſo Kettlern von ſeinem Vorfahren das Patent nach Wilda zugeſchicket, und Fuͤrſtenberg ſchrieb ſelbſt einen Brief an den Koͤnig von Pohlen, worin die Ordensgebietiger ihre Volmacht mit beigeleget, daß, weil Fuͤrſtenberg Alters und Schwachheit halber die Regierung verbeten, ſie Kettlern an ſeine Stelle genommen, welcher alſo als Oberhaupt Befugnis ha- be alles zu handeln und zu ſchlieſſen, was zur Errettung von Liefland irgends dienlich und noͤthig ſeyn koͤnne. Fuͤrſtenberg erwehlte Vellyn zu ſeiner Ruhe, wo er eine Campagnie deutſche Soldaten, ſeine alten Bedienten, und das grobe Geſchuͤtz bey ſich hatte; womit er ſich doch ſchlecht genug ſchuͤtzen konte. Alſo folget Der acht und vierzigſte und letzte Ordensmeiſter in Liefland, deutſchen Ordens, Gotthard Kettler a), Ein in ſeinen Voreltern und Nachkommen groſſer Herr, deſſen un- gemeine Regententugenden ihn deswegen uͤber den groſſen Plet- tenberg erheben, weil ſein Regiment in die elendeſten und verwor- renſten Zeiten in Liefland fiel, und er waͤrend ſeiner kurzen Regie- rung der bedraͤngten Republik mehr Dienſte leiſtete, als jener in langen Jahren Ge- legen- n) Georg Sieburg war erſt Comtur zu Duͤnemuͤnde, hernach Hauscomtur zu Riga, und zuletzt fuͤrſtl. juͤlichſcher Rath und Hauptman auf Blanckenſtein. Einige, als Scharden, Chriſtian Cilicius und Menius, machen dieſen Man zu ſtolz, als habe er eine ſo geringe Kleinigkeit von 100000 Ducaten nicht annehmen wollen, woruͤber der Herr Meiſter ganz ungehalten geweſen. Andre berichten, die Lieflaͤn- der haͤtten auf die Staͤdte Hamburg, Luͤbeck und Luͤneburg zwar Anweiſung er- halten: allein gemeldte Staͤdte haͤtten fuͤr Liefland ſo viel Geld nicht in Bereitſchaft gehabt; weil ihnen die Handlung nach Narva geſchmaͤlert worden. Bey dieſer Un- wisheit merken wir nur dieſes als das Gewiſſeſte an, daß darauf nimmermehr auch nur ein Kreuzer an Liefland ausgezahlt worden. a) Das vornehme Geſchlechtregiſter dieſes Herrn hat uns Chytraͤus zum Theil aufbehal- ten Q q q 2

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 247. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/265>, abgerufen am 22.05.2019.