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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Leben und Thaten der liefländischen Ordensmeister,
1257so umzugehen, wie sie es für der strengen Untersuchung des ewigen GOttes zu ver-
antworten gedächten. Er spricht dem Bischof von Paderborn und dem Abt von
Corbey das Recht über sein Vermögen ab, weil ers nicht durch sein Bistum,
noch von den Kirchengütern, sondern durch Beitrag redlicher Leute und durch
Schenkung der Adelichen für seine Arbeit und Dienste gesamlet. Gegeben am
Sonntage Oculi.

Der litthauische König Myndow vermachte aus Erkentlichkeit dem Or-
den ein ansehnliches Stück seiner Länder, weil selbiger dem König gegen seine auf-
rührigen Unterthanen getreue und nachbarschaftliche Hülfe geleistet e)

Das unvermögende hohe Alter nöthigte den Ordensmeister nach Deutsch-
land
zu gehen, nachdem er nur 3 Jahr in Liefland zugebracht.

Der achte Ordensmeister in Liefland deutschen
Ordens,
Anno von Sangerhausen.
a)
1258

Er hatte ebenfals mit den Litthauern und Samogiten und Cu-
ren
vieles zu thun, um den Myndow aufm Throne zu erhal-
ten, mit dessen Christenthum nicht alle Unterthanen zufrieden wa-
ren. Die Feldzüge giengen auf Seiten der Deutschen nicht so
gar trocken ab. Doch erwies sich Myndow bey dem Verlust des Ordens,
durch Schenkung seiner Länder, wieder dankbar.

Am
Bistum scheinet nicht viel abgeworfen zu haben, daher es auch nachher mit dem revel-
schen
verbunden worden. Eine andre Frage ist, wo diese Bischöfe ihren Sitz gehabt?
Vermutlich in Revel, gleichwie der zu Semgallen zu Riga sein eigen Haus hatte;
denn Tolsburg war noch nicht erbauet. Die Benennung nach einem Lande, und
ihr Aufenthalt in der Fremde zeiget an, daß diese Würde ein Titel von geringen Ein-
künften, die Diöces aber mit keiner Domkirche und Residenz versehen gewesen.
e) Die acta borussica liefern uns S. 734 aus dem XIten Buch der Historie des ehmaligen
culmischen Kanzlers und herzoglichen Raths, Lucas Davids, drey alte Documente,
in deren erstem Myndowe von GOttes Gnaden König in Litthauen, (Lettauiac
rex
) bekennet, daß er aus göttlicher Erbarmung, auf Rath des Meisters und der
Brüder in Liefland, von der Finsternis zum Licht gebracht, getauft, und von dem
allerheiligsten Vater und Herrn Jnnocentius dem IVten zum König von Litthauen
gekrönet sey, welcher seine Person samt dem Reich und Gütern in Schutz genommen.
Ob nun gleich der Orden für die ihm versprochene Hülfe die ewige Seligkeit davon tra-
ge, so übergebe er doch demselben als eine Anfrischung zum neuen Beistande das halbe
Rasseyen, halb Lonkow, ganz Kulen, ganz Niderow, Crasse, Weicze,
noch ein ander Weizze und Wanghe. Diese Stiftung ist bezeichnet 1257. Die
beiden andern wollen wir gleich anführen.
a) Der Name Anno ist altdeutsch, und heist in lateinischen Schriften Andreas,
daher ihn der lateinische Verfasser einer preußischen Chronik unrecht Haymo, andre
noch unrichtiger Hanno, das ist Johannes, nennen. Wie etliche von unsern Schrift-
stellern seinen Vorgänger zu einem Grafen von Sayn machen, so zehlen sie auch un-
sern Anno mit Hennebergern unter die Herzoge von Braunschweig, sangerhäu-
sischer
Linie, welches sowol gegen die pragmatische Schreibart als die welfischen
Stamregister streitet. Die aus Albini meißnischer und Büntings braunschwei-
gischer
Chronik angebrachten Zeugnisse erweisen nicht was sie sollen, die 3 Löwen aber,
die sich auf des Anno Grabstein im Wapen befinden, beweisens gleichfals nicht; weil
oft grosse Herren ihr Wapen den Vasallen zu führen erlaubet. Simon Grunow
tract. IX, fol. 133. meldet bey Ausführung seiner Geschlechtsfolge, daß er seine Mutter
Juta

Leben und Thaten der lieflaͤndiſchen Ordensmeiſter,
1257ſo umzugehen, wie ſie es fuͤr der ſtrengen Unterſuchung des ewigen GOttes zu ver-
antworten gedaͤchten. Er ſpricht dem Biſchof von Paderborn und dem Abt von
Corbey das Recht uͤber ſein Vermoͤgen ab, weil ers nicht durch ſein Biſtum,
noch von den Kirchenguͤtern, ſondern durch Beitrag redlicher Leute und durch
Schenkung der Adelichen fuͤr ſeine Arbeit und Dienſte geſamlet. Gegeben am
Sonntage Oculi.

Der litthauiſche Koͤnig Myndow vermachte aus Erkentlichkeit dem Or-
den ein anſehnliches Stuͤck ſeiner Laͤnder, weil ſelbiger dem Koͤnig gegen ſeine auf-
ruͤhrigen Unterthanen getreue und nachbarſchaftliche Huͤlfe geleiſtet e)

Das unvermoͤgende hohe Alter noͤthigte den Ordensmeiſter nach Deutſch-
land
zu gehen, nachdem er nur 3 Jahr in Liefland zugebracht.

Der achte Ordensmeiſter in Liefland deutſchen
Ordens,
Anno von Sangerhauſen.
a)
1258

Er hatte ebenfals mit den Litthauern und Samogiten und Cu-
ren
vieles zu thun, um den Myndow aufm Throne zu erhal-
ten, mit deſſen Chriſtenthum nicht alle Unterthanen zufrieden wa-
ren. Die Feldzuͤge giengen auf Seiten der Deutſchen nicht ſo
gar trocken ab. Doch erwies ſich Myndow bey dem Verluſt des Ordens,
durch Schenkung ſeiner Laͤnder, wieder dankbar.

Am
Biſtum ſcheinet nicht viel abgeworfen zu haben, daher es auch nachher mit dem revel-
ſchen
verbunden worden. Eine andre Frage iſt, wo dieſe Biſchoͤfe ihren Sitz gehabt?
Vermutlich in Revel, gleichwie der zu Semgallen zu Riga ſein eigen Haus hatte;
denn Tolsburg war noch nicht erbauet. Die Benennung nach einem Lande, und
ihr Aufenthalt in der Fremde zeiget an, daß dieſe Wuͤrde ein Titel von geringen Ein-
kuͤnften, die Dioͤces aber mit keiner Domkirche und Reſidenz verſehen geweſen.
e) Die acta boruſſica liefern uns S. 734 aus dem XIten Buch der Hiſtorie des ehmaligen
culmiſchen Kanzlers und herzoglichen Raths, Lucas Davids, drey alte Documente,
in deren erſtem Myndowe von GOttes Gnaden Koͤnig in Litthauen, (Lettauiac
rex
) bekennet, daß er aus goͤttlicher Erbarmung, auf Rath des Meiſters und der
Bruͤder in Liefland, von der Finſternis zum Licht gebracht, getauft, und von dem
allerheiligſten Vater und Herrn Jnnocentius dem IVten zum Koͤnig von Litthauen
gekroͤnet ſey, welcher ſeine Perſon ſamt dem Reich und Guͤtern in Schutz genommen.
Ob nun gleich der Orden fuͤr die ihm verſprochene Huͤlfe die ewige Seligkeit davon tra-
ge, ſo uͤbergebe er doch demſelben als eine Anfriſchung zum neuen Beiſtande das halbe
Raſſeyen, halb Lonkow, ganz Kulen, ganz Niderow, Craſſe, Weicze,
noch ein ander Weizze und Wanghe. Dieſe Stiftung iſt bezeichnet 1257. Die
beiden andern wollen wir gleich anfuͤhren.
a) Der Name Anno iſt altdeutſch, und heiſt in lateiniſchen Schriften Andreas,
daher ihn der lateiniſche Verfaſſer einer preußiſchen Chronik unrecht Haymo, andre
noch unrichtiger Hanno, das iſt Johannes, nennen. Wie etliche von unſern Schrift-
ſtellern ſeinen Vorgaͤnger zu einem Grafen von Sayn machen, ſo zehlen ſie auch un-
ſern Anno mit Hennebergern unter die Herzoge von Braunſchweig, ſangerhaͤu-
ſiſcher
Linie, welches ſowol gegen die pragmatiſche Schreibart als die welfiſchen
Stamregiſter ſtreitet. Die aus Albini meißniſcher und Buͤntings braunſchwei-
giſcher
Chronik angebrachten Zeugniſſe erweiſen nicht was ſie ſollen, die 3 Loͤwen aber,
die ſich auf des Anno Grabſtein im Wapen befinden, beweiſens gleichfals nicht; weil
oft groſſe Herren ihr Wapen den Vaſallen zu fuͤhren erlaubet. Simon Grunow
tract. IX, fol. 133. meldet bey Ausfuͤhrung ſeiner Geſchlechtsfolge, daß er ſeine Mutter
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[56/0074] Leben und Thaten der lieflaͤndiſchen Ordensmeiſter, ſo umzugehen, wie ſie es fuͤr der ſtrengen Unterſuchung des ewigen GOttes zu ver- antworten gedaͤchten. Er ſpricht dem Biſchof von Paderborn und dem Abt von Corbey das Recht uͤber ſein Vermoͤgen ab, weil ers nicht durch ſein Biſtum, noch von den Kirchenguͤtern, ſondern durch Beitrag redlicher Leute und durch Schenkung der Adelichen fuͤr ſeine Arbeit und Dienſte geſamlet. Gegeben am Sonntage Oculi. 1257 Der litthauiſche Koͤnig Myndow vermachte aus Erkentlichkeit dem Or- den ein anſehnliches Stuͤck ſeiner Laͤnder, weil ſelbiger dem Koͤnig gegen ſeine auf- ruͤhrigen Unterthanen getreue und nachbarſchaftliche Huͤlfe geleiſtet e) Das unvermoͤgende hohe Alter noͤthigte den Ordensmeiſter nach Deutſch- land zu gehen, nachdem er nur 3 Jahr in Liefland zugebracht. Der achte Ordensmeiſter in Liefland deutſchen Ordens, Anno von Sangerhauſen. a) Er hatte ebenfals mit den Litthauern und Samogiten und Cu- ren vieles zu thun, um den Myndow aufm Throne zu erhal- ten, mit deſſen Chriſtenthum nicht alle Unterthanen zufrieden wa- ren. Die Feldzuͤge giengen auf Seiten der Deutſchen nicht ſo gar trocken ab. Doch erwies ſich Myndow bey dem Verluſt des Ordens, durch Schenkung ſeiner Laͤnder, wieder dankbar. Am d) e) Die acta boruſſica liefern uns S. 734 aus dem XIten Buch der Hiſtorie des ehmaligen culmiſchen Kanzlers und herzoglichen Raths, Lucas Davids, drey alte Documente, in deren erſtem Myndowe von GOttes Gnaden Koͤnig in Litthauen, (Lettauiac rex) bekennet, daß er aus goͤttlicher Erbarmung, auf Rath des Meiſters und der Bruͤder in Liefland, von der Finſternis zum Licht gebracht, getauft, und von dem allerheiligſten Vater und Herrn Jnnocentius dem IVten zum Koͤnig von Litthauen gekroͤnet ſey, welcher ſeine Perſon ſamt dem Reich und Guͤtern in Schutz genommen. Ob nun gleich der Orden fuͤr die ihm verſprochene Huͤlfe die ewige Seligkeit davon tra- ge, ſo uͤbergebe er doch demſelben als eine Anfriſchung zum neuen Beiſtande das halbe Raſſeyen, halb Lonkow, ganz Kulen, ganz Niderow, Craſſe, Weicze, noch ein ander Weizze und Wanghe. Dieſe Stiftung iſt bezeichnet 1257. Die beiden andern wollen wir gleich anfuͤhren. a) Der Name Anno iſt altdeutſch, und heiſt in lateiniſchen Schriften Andreas, daher ihn der lateiniſche Verfaſſer einer preußiſchen Chronik unrecht Haymo, andre noch unrichtiger Hanno, das iſt Johannes, nennen. Wie etliche von unſern Schrift- ſtellern ſeinen Vorgaͤnger zu einem Grafen von Sayn machen, ſo zehlen ſie auch un- ſern Anno mit Hennebergern unter die Herzoge von Braunſchweig, ſangerhaͤu- ſiſcher Linie, welches ſowol gegen die pragmatiſche Schreibart als die welfiſchen Stamregiſter ſtreitet. Die aus Albini meißniſcher und Buͤntings braunſchwei- giſcher Chronik angebrachten Zeugniſſe erweiſen nicht was ſie ſollen, die 3 Loͤwen aber, die ſich auf des Anno Grabſtein im Wapen befinden, beweiſens gleichfals nicht; weil oft groſſe Herren ihr Wapen den Vaſallen zu fuͤhren erlaubet. Simon Grunow tract. IX, fol. 133. meldet bey Ausfuͤhrung ſeiner Geſchlechtsfolge, daß er ſeine Mutter Juta d) Biſtum ſcheinet nicht viel abgeworfen zu haben, daher es auch nachher mit dem revel- ſchen verbunden worden. Eine andre Frage iſt, wo dieſe Biſchoͤfe ihren Sitz gehabt? Vermutlich in Revel, gleichwie der zu Semgallen zu Riga ſein eigen Haus hatte; denn Tolsburg war noch nicht erbauet. Die Benennung nach einem Lande, und ihr Aufenthalt in der Fremde zeiget an, daß dieſe Wuͤrde ein Titel von geringen Ein- kuͤnften, die Dioͤces aber mit keiner Domkirche und Reſidenz verſehen geweſen.

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 56. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/74>, abgerufen am 21.05.2019.