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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Erzbischof Friedrich. zur Zeit der Reg. des Gerdt v. Jocke.
Der vier und zwanzigste Ordensmeister in
Liefland, deutschen Ordens.
Gerdt von Jocke.
a)

Er erhielt unter der Anführung des tapfern Conrad Kesselhuts,
Schatzmeisters und nachmaligen Landmarschals, eine ziemliche
Verstärkung von preußischen Ordenstruppen, mit welchen er
Plescow eroberte, und die Russen zum Frieden nöthigte.
Hieauf gieng er dem Bischof von Oesel zu Leibe, und nahm im ersten Schrecken
Hapsal, Lode, Leal und die ganze Wyck weg, weil die Litthauer als der
Geistlichen Bundesgenossen nicht abkommen konten, indem sie in Preussen alle
Hände vol zu thun hatten. Doch kam es bald zum Vergleich, und muste die
nach Riga entführte Beute, oder der Werth derselben, zu Neuermühlen oder zu
Dünemünde wieder ausgeliefert werden.

Der König von Dännemark sandte Johan Kanen nach Revel, unter1310
welchem die Mauren der Stadt auf der Nord- und Ostseite erweitert, erhöhet,
und mit Thürmen, Schanzen und Graben bevestiget werden solten. Hierdurch
kam das berühmte Nonnenkloster St. Michaelis b) mit in den Bezirk der
Stadt; die Nonnen aber erhielten Erlaubnis, so nahe an die Stadtmauer zu
bauen, als ihr Grund gienge.

Der
a) Diesen Vornamen haben wir aus den Documenten geändert, die ihn alle Gerdt,
und auf lateinisch Gerhardus nennen, wofür unsre Chroniken Cordt und Conra-
dus,
ingleichen Bernhardt gelesen. Huitfeld schreibt von Jorke, Strubicz,
Gotthard
von Jorigk. Andre nennen ihn Joke. Spangenberg rechnet ihn
nicht mit, und Chyträus getrauet sich nicht den Zunamen zu melden. Die eine
Handschrift von Herrmeistern nennet ihn Cordt von Hocke, die andre Gerhard
von Docke, noch andre, Cordt von Hacke, oder noch seltsamer, Gerdt von Dö-
rigk. Oernhielm
mus ein Blat in unsern Geschichtschreibern zu weit umgeschlagen
haben, wenn er im Leben des Pontus de la Gardie S. 81 schreibt, daß dieser Con-
rad
bey Treiden erschlagen worden, da dieses doch seinen Vorfahren Bruno be-
troffen.
b) Das Michaeliskloster war Cistercienserordens. Der vorgegebene alte Ursprung
desselben aber ist fabelhaft und von 1093 her unerweislich, indem derselbe sich weder
mit der Zeitrechnung, noch der Thronfolge der dänischen Könige reimet, ob gleich
Brandis es aus der letzten Aebtißin Munde gehöret, und die Privilegien selbst gele-
sen zu haben vorgiebt. Er ist deswegen vom Herrn Mannrichter von Lode widerlegt
worden. Siehe den ersten Theil S. 18 in der Anmerkung. Die Namen der Aeb-
tißinnen dieses Klosters hat uns der ehemals beim revelschen Gymnasio berühmte Herr
Professor Jsaac Aulinus vom Anfange des 14ten Jahrhunderts her aus den alten
Briefschaften aufbehalen. Sie folgen in folgender Ordnung auf einander:
[Spaltenumbruch]
Christina 1310
Margaretha von Bycke*) 1348
und
1354

Elisabeth 1392
Elisabeth von Lechtis 1419
Elisabeth von Luggenhusen 1433
[Spaltenumbruch]
Adelheit Wacke 1484
Margaretha Stakelberg 1486
Elisabeth Brinck 1497
Sophia Schwarzhof 1513
Elisabeth Taube 1534
Elisabeth Zöge 1540
*) Wir legen dieser Aebtißin zwey Jahrzahlen bey, weil es ungewis ist, ob es auch eine und eben
dieselbe Person gewesen, die 1348 der Stadt bescheiniget, daß ihr Kloster kein Recht an den bey
Revel gelegenen Jnseln Nargö, Wulfsö und Carel, habe, indem ihr Zuname nicht ausge-
druckt worden, welcher sich in einem Verlasbrief der Klostermühle an die Stadt befindet.
U
Erzbiſchof Friedrich. zur Zeit der Reg. des Gerdt v. Jocke.
Der vier und zwanzigſte Ordensmeiſter in
Liefland, deutſchen Ordens.
Gerdt von Jocke.
a)

Er erhielt unter der Anfuͤhrung des tapfern Conrad Keſſelhuts,
Schatzmeiſters und nachmaligen Landmarſchals, eine ziemliche
Verſtaͤrkung von preußiſchen Ordenstruppen, mit welchen er
Plescow eroberte, und die Ruſſen zum Frieden noͤthigte.
Hieauf gieng er dem Biſchof von Oeſel zu Leibe, und nahm im erſten Schrecken
Hapſal, Lode, Leal und die ganze Wyck weg, weil die Litthauer als der
Geiſtlichen Bundesgenoſſen nicht abkommen konten, indem ſie in Preuſſen alle
Haͤnde vol zu thun hatten. Doch kam es bald zum Vergleich, und muſte die
nach Riga entfuͤhrte Beute, oder der Werth derſelben, zu Neuermuͤhlen oder zu
Duͤnemuͤnde wieder ausgeliefert werden.

Der Koͤnig von Daͤnnemark ſandte Johan Kanen nach Revel, unter1310
welchem die Mauren der Stadt auf der Nord- und Oſtſeite erweitert, erhoͤhet,
und mit Thuͤrmen, Schanzen und Graben beveſtiget werden ſolten. Hierdurch
kam das beruͤhmte Nonnenkloſter St. Michaelis b) mit in den Bezirk der
Stadt; die Nonnen aber erhielten Erlaubnis, ſo nahe an die Stadtmauer zu
bauen, als ihr Grund gienge.

Der
a) Dieſen Vornamen haben wir aus den Documenten geaͤndert, die ihn alle Gerdt,
und auf lateiniſch Gerhardus nennen, wofuͤr unſre Chroniken Cordt und Conra-
dus,
ingleichen Bernhardt geleſen. Huitfeld ſchreibt von Jorke, Strubicz,
Gotthard
von Jorigk. Andre nennen ihn Joke. Spangenberg rechnet ihn
nicht mit, und Chytraͤus getrauet ſich nicht den Zunamen zu melden. Die eine
Handſchrift von Herrmeiſtern nennet ihn Cordt von Hocke, die andre Gerhard
von Docke, noch andre, Cordt von Hacke, oder noch ſeltſamer, Gerdt von Doͤ-
rigk. Oernhielm
mus ein Blat in unſern Geſchichtſchreibern zu weit umgeſchlagen
haben, wenn er im Leben des Pontus de la Gardie S. 81 ſchreibt, daß dieſer Con-
rad
bey Treiden erſchlagen worden, da dieſes doch ſeinen Vorfahren Bruno be-
troffen.
b) Das Michaeliskloſter war Ciſtercienſerordens. Der vorgegebene alte Urſprung
deſſelben aber iſt fabelhaft und von 1093 her unerweislich, indem derſelbe ſich weder
mit der Zeitrechnung, noch der Thronfolge der daͤniſchen Koͤnige reimet, ob gleich
Brandis es aus der letzten Aebtißin Munde gehoͤret, und die Privilegien ſelbſt gele-
ſen zu haben vorgiebt. Er iſt deswegen vom Herrn Mannrichter von Lode widerlegt
worden. Siehe den erſten Theil S. 18 in der Anmerkung. Die Namen der Aeb-
tißinnen dieſes Kloſters hat uns der ehemals beim revelſchen Gymnaſio beruͤhmte Herr
Profeſſor Jſaac Aulinus vom Anfange des 14ten Jahrhunderts her aus den alten
Briefſchaften aufbehalen. Sie folgen in folgender Ordnung auf einander:
[Spaltenumbruch]
Chriſtina 1310
Margaretha von Bycke*) 1348
und
1354

Eliſabeth 1392
Eliſabeth von Lechtis 1419
Eliſabeth von Luggenhuſen 1433
[Spaltenumbruch]
Adelheit Wacke 1484
Margaretha Stakelberg 1486
Eliſabeth Brinck 1497
Sophia Schwarzhof 1513
Eliſabeth Taube 1534
Eliſabeth Zoͤge 1540
*) Wir legen dieſer Aebtißin zwey Jahrzahlen bey, weil es ungewis iſt, ob es auch eine und eben
dieſelbe Perſon geweſen, die 1348 der Stadt beſcheiniget, daß ihr Kloſter kein Recht an den bey
Revel gelegenen Jnſeln Nargoͤ, Wulfſoͤ und Carel, habe, indem ihr Zuname nicht ausge-
druckt worden, welcher ſich in einem Verlasbrief der Kloſtermuͤhle an die Stadt befindet.
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[77/0095] Erzbiſchof Friedrich. zur Zeit der Reg. des Gerdt v. Jocke. Der vier und zwanzigſte Ordensmeiſter in Liefland, deutſchen Ordens. Gerdt von Jocke. a) Er erhielt unter der Anfuͤhrung des tapfern Conrad Keſſelhuts, Schatzmeiſters und nachmaligen Landmarſchals, eine ziemliche Verſtaͤrkung von preußiſchen Ordenstruppen, mit welchen er Plescow eroberte, und die Ruſſen zum Frieden noͤthigte. Hieauf gieng er dem Biſchof von Oeſel zu Leibe, und nahm im erſten Schrecken Hapſal, Lode, Leal und die ganze Wyck weg, weil die Litthauer als der Geiſtlichen Bundesgenoſſen nicht abkommen konten, indem ſie in Preuſſen alle Haͤnde vol zu thun hatten. Doch kam es bald zum Vergleich, und muſte die nach Riga entfuͤhrte Beute, oder der Werth derſelben, zu Neuermuͤhlen oder zu Duͤnemuͤnde wieder ausgeliefert werden. Der Koͤnig von Daͤnnemark ſandte Johan Kanen nach Revel, unter welchem die Mauren der Stadt auf der Nord- und Oſtſeite erweitert, erhoͤhet, und mit Thuͤrmen, Schanzen und Graben beveſtiget werden ſolten. Hierdurch kam das beruͤhmte Nonnenkloſter St. Michaelis b) mit in den Bezirk der Stadt; die Nonnen aber erhielten Erlaubnis, ſo nahe an die Stadtmauer zu bauen, als ihr Grund gienge. 1310 Der a) Dieſen Vornamen haben wir aus den Documenten geaͤndert, die ihn alle Gerdt, und auf lateiniſch Gerhardus nennen, wofuͤr unſre Chroniken Cordt und Conra- dus, ingleichen Bernhardt geleſen. Huitfeld ſchreibt von Jorke, Strubicz, Gotthard von Jorigk. Andre nennen ihn Joke. Spangenberg rechnet ihn nicht mit, und Chytraͤus getrauet ſich nicht den Zunamen zu melden. Die eine Handſchrift von Herrmeiſtern nennet ihn Cordt von Hocke, die andre Gerhard von Docke, noch andre, Cordt von Hacke, oder noch ſeltſamer, Gerdt von Doͤ- rigk. Oernhielm mus ein Blat in unſern Geſchichtſchreibern zu weit umgeſchlagen haben, wenn er im Leben des Pontus de la Gardie S. 81 ſchreibt, daß dieſer Con- rad bey Treiden erſchlagen worden, da dieſes doch ſeinen Vorfahren Bruno be- troffen. b) Das Michaeliskloſter war Ciſtercienſerordens. Der vorgegebene alte Urſprung deſſelben aber iſt fabelhaft und von 1093 her unerweislich, indem derſelbe ſich weder mit der Zeitrechnung, noch der Thronfolge der daͤniſchen Koͤnige reimet, ob gleich Brandis es aus der letzten Aebtißin Munde gehoͤret, und die Privilegien ſelbſt gele- ſen zu haben vorgiebt. Er iſt deswegen vom Herrn Mannrichter von Lode widerlegt worden. Siehe den erſten Theil S. 18 in der Anmerkung. Die Namen der Aeb- tißinnen dieſes Kloſters hat uns der ehemals beim revelſchen Gymnaſio beruͤhmte Herr Profeſſor Jſaac Aulinus vom Anfange des 14ten Jahrhunderts her aus den alten Briefſchaften aufbehalen. Sie folgen in folgender Ordnung auf einander: Chriſtina 1310 Margaretha von Bycke *) 1348 und 1354 Eliſabeth 1392 Eliſabeth von Lechtis 1419 Eliſabeth von Luggenhuſen 1433 Adelheit Wacke 1484 Margaretha Stakelberg 1486 Eliſabeth Brinck 1497 Sophia Schwarzhof 1513 Eliſabeth Taube 1534 Eliſabeth Zoͤge 1540 *) Wir legen dieſer Aebtißin zwey Jahrzahlen bey, weil es ungewis iſt, ob es auch eine und eben dieſelbe Perſon geweſen, die 1348 der Stadt beſcheiniget, daß ihr Kloſter kein Recht an den bey Revel gelegenen Jnſeln Nargoͤ, Wulfſoͤ und Carel, habe, indem ihr Zuname nicht ausge- druckt worden, welcher ſich in einem Verlasbrief der Kloſtermuͤhle an die Stadt befindet. U

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 77. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/95>, abgerufen am 19.06.2019.