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Leupold, Jacob: Theatrum Machinarvm Generale. Schau-Platz Des Grundes Mechanischer Wissenschafften. Leipzig, 1724.

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Vor-Bericht zur Mechanic.
IV. Der Keil (Cuneus.) und
V. Die Schraube. (Cochlea.)
Von diesen fünffen wird hauptsächlich zuerst in diesem Theil gehandelt.
[2] Zusammengesetzte Machinen sind, die aus zweyen oder mehr gleich-
artigen oder unterschiedenen einfachen bestehen; Hieher sind zu zehlen alle
Arten der Mühlen, Wasser-Künste, und dergleichen. Von welchen die folgen-
de Theile Bericht abstatten.
(1.) Eine Machine soll von einen Instrument darinnen unterschieden seyn, daß mit der
Machine eine vortheilhaffte mechanische Bewegung zu machen ist, so aber durch ein
Instrument nicht geschehen kan, dahero nicht nur Hebzeuge, Mühlen, Wasser-Künste, und
dergleichen grosse Wercke, sondern auch des Schmidts Zange, des Schneiders Scheere, des
Holtzhackers Axt und Keil, und andere dergleichen Dinge, unter die Machinen zu zehlen sind;
weil dadurch vortheilhaffte Bewegungen, die in der Mechanic ihr Fundament haben,
zu erlangen sind. Hingegen ein Instrument kan seyn bey der Geometrie ein Circkel,
Linial, Transporteur, Winckel-Maaß, Scheiben-Instrument, und dergleichen unzehli-
ge, so wohl bey dieser als allen andern Wissenschafften und Künsten. Es wird aber aus Ge-
wohnheit dieser Unterscheid wenig observiret, und würde einer, der des Schmidts Zange
und des Schneiders Scheere Machinen nennte, von ihnen ziemlich spöttisch gehalten werden.
Einem Mechanico ist genug, wenn er weiß, wohin er jedes zu logiren hat.
Bey jeder Machine kommt vor, und ist erstlich zu wissen nöthig, was da sey:
I. Der Ruhe-Punct oder (Centrum Motus.)
II. Die Last oder Gegenstand, oder das Vermögen. (Pondus.)
III. Die Krafft. (Potentia.)
IV. Der Abstand oder die Abwaage. (Distantia potentiae vel ponderis.)
V. Der Raum oder die Zeit. (Spatium.)
§. 4.

I. Der Ruhe-Punct ist in der Mechanic ein Punct oder Orth, da eine
Last oder Machine auflieget und auf solchen beweget wird, von welchen Punct
oder dessen Linie der Abstand so wohl der Last als der Krafft zurechnen ist, als der
Orth der Schärffe der Unterlage C des Hebels Tab. I. Fig. I. und II. desgleichen bey D an de-
nen Hebeln Fig. V. VI. VII. XI. XII. Bey denen Rädern und Scheiben sind es die Zapffen
oder Axen, bey der Scheere und Zange die Stiffte oder Niethen. u. s. f.

(1.) Dieser Ruhe-Punct ist von dem Punct der Schwere oder Centro gravitatis darinnen
unterschieden, daß dieses ein Punct in einem jeden Cörper ist, dadurch er in zwey gleich schwe-
re Theile kan getheilet werden. Als wie das Centrum in einer Kugel ist. Wie dieses
Centrum bey jeden regulairen und irregulairen Cörper zu finden sey, wird künfftig in der
Static gelehret werden.
(2.) Von dem Centro oder Punct der Grösse (Centro magnitudinis) ist der Ruhe-Punct
unterschieden, daß jener eine Fläche nur in zwey gleich grosse Theile theilet, und nicht auf die
Schwere derselben achtet.
Hierzu gehöret auch und ist zu bemercken die Linie der Ruhe.
(3.) Die Linie der Ruhe ist eine gerade Linie, welche allezeit durch den Punct der
Ruhe gehet und mit der Linie der Bewegung (Linea directionis) parallel lauf-
fet, und von welcher der Abstand der Krafft oder der Last gerechnet wird, als
Tab. III. Figura I. hat das Gewicht oder Kugel A 4. Pfund, und erfordert dahero in ho-
rizontal
en Stand A E zum Gegen-Gewicht B auch 4. Pfund. Wenn aber solche Kugel
auf der Linie F G stehet, so ist der Abstand nicht mehr vom Centro der Kugel biß zur Axe E,
son-
A 2
Vor-Bericht zur Mechanic.
IV. Der Keil (Cuneus.) und
V. Die Schraube. (Cochlea.)
Von dieſen fuͤnffen wird hauptſaͤchlich zuerſt in dieſem Theil gehandelt.
[2] Zuſammengeſetzte Machinen ſind, die aus zweyen oder mehr gleich-
artigen oder unterſchiedenen einfachen beſtehen; Hieher ſind zu zehlen alle
Arten der Muͤhlen, Waſſer-Kuͤnſte, und dergleichen. Von welchen die folgen-
de Theile Bericht abſtatten.
(1.) Eine Machine ſoll von einen Inſtrument darinnen unterſchieden ſeyn, daß mit der
Machine eine vortheilhaffte mechaniſche Bewegung zu machen iſt, ſo aber durch ein
Inſtrument nicht geſchehen kan, dahero nicht nur Hebzeuge, Muͤhlen, Waſſer-Kuͤnſte, und
dergleichen groſſe Wercke, ſondern auch des Schmidts Zange, des Schneiders Scheere, des
Holtzhackers Axt und Keil, und andere dergleichen Dinge, unter die Machinen zu zehlen ſind;
weil dadurch vortheilhaffte Bewegungen, die in der Mechanic ihr Fundament haben,
zu erlangen ſind. Hingegen ein Inſtrument kan ſeyn bey der Geometrie ein Circkel,
Linial, Transporteur, Winckel-Maaß, Scheiben-Inſtrument, und dergleichen unzehli-
ge, ſo wohl bey dieſer als allen andern Wiſſenſchafften und Kuͤnſten. Es wird aber aus Ge-
wohnheit dieſer Unterſcheid wenig obſerviret, und wuͤrde einer, der des Schmidts Zange
und des Schneiders Scheere Machinen nennte, von ihnen ziemlich ſpoͤttiſch gehalten werden.
Einem Mechanico iſt genug, wenn er weiß, wohin er jedes zu logiren hat.
Bey jeder Machine kommt vor, und iſt erſtlich zu wiſſen noͤthig, was da ſey:
I. Der Ruhe-Punct oder (Centrum Motus.)
II. Die Laſt oder Gegenſtand, oder das Vermoͤgen. (Pondus.)
III. Die Krafft. (Potentia.)
IV. Der Abſtand oder die Abwaage. (Diſtantia potentiæ vel ponderis.)
V. Der Raum oder die Zeit. (Spatium.)
§. 4.

I. Der Ruhe-Punct iſt in der Mechanic ein Punct oder Orth, da eine
Laſt oder Machine auflieget und auf ſolchen beweget wird, von welchen Punct
oder deſſen Linie der Abſtand ſo wohl der Laſt als der Krafft zurechnen iſt, als der
Orth der Schaͤrffe der Unterlage C des Hebels Tab. I. Fig. I. und II. desgleichen bey D an de-
nen Hebeln Fig. V. VI. VII. XI. XII. Bey denen Raͤdern und Scheiben ſind es die Zapffen
oder Axen, bey der Scheere und Zange die Stiffte oder Niethen. u. ſ. f.

(1.) Dieſer Ruhe-Punct iſt von dem Punct der Schwere oder Centro gravitatis darinnen
unterſchieden, daß dieſes ein Punct in einem jeden Coͤrper iſt, dadurch er in zwey gleich ſchwe-
re Theile kan getheilet werden. Als wie das Centrum in einer Kugel iſt. Wie dieſes
Centrum bey jeden regulairen und irregulairen Coͤrper zu finden ſey, wird kuͤnfftig in der
Static gelehret werden.
(2.) Von dem Centro oder Punct der Groͤſſe (Centro magnitudinis) iſt der Ruhe-Punct
unterſchieden, daß jener eine Flaͤche nur in zwey gleich groſſe Theile theilet, und nicht auf die
Schwere derſelben achtet.
Hierzu gehoͤret auch und iſt zu bemercken die Linie der Ruhe.
(3.) Die Linie der Ruhe iſt eine gerade Linie, welche allezeit durch den Punct der
Ruhe gehet und mit der Linie der Bewegung (Linea directionis) parallel lauf-
fet, und von welcher der Abſtand der Krafft oder der Laſt gerechnet wird, als
Tab. III. Figura I. hat das Gewicht oder Kugel A 4. Pfund, und erfordert dahero in ho-
rizontal
en Stand A E zum Gegen-Gewicht B auch 4. Pfund. Wenn aber ſolche Kugel
auf der Linie F G ſtehet, ſo iſt der Abſtand nicht mehr vom Centro der Kugel biß zur Axe E,
ſon-
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[3/0023] Vor-Bericht zur Mechanic. IV. Der Keil (Cuneus.) und V. Die Schraube. (Cochlea.) Von dieſen fuͤnffen wird hauptſaͤchlich zuerſt in dieſem Theil gehandelt. [2] Zuſammengeſetzte Machinen ſind, die aus zweyen oder mehr gleich- artigen oder unterſchiedenen einfachen beſtehen; Hieher ſind zu zehlen alle Arten der Muͤhlen, Waſſer-Kuͤnſte, und dergleichen. Von welchen die folgen- de Theile Bericht abſtatten. (1.) Eine Machine ſoll von einen Inſtrument darinnen unterſchieden ſeyn, daß mit der Machine eine vortheilhaffte mechaniſche Bewegung zu machen iſt, ſo aber durch ein Inſtrument nicht geſchehen kan, dahero nicht nur Hebzeuge, Muͤhlen, Waſſer-Kuͤnſte, und dergleichen groſſe Wercke, ſondern auch des Schmidts Zange, des Schneiders Scheere, des Holtzhackers Axt und Keil, und andere dergleichen Dinge, unter die Machinen zu zehlen ſind; weil dadurch vortheilhaffte Bewegungen, die in der Mechanic ihr Fundament haben, zu erlangen ſind. Hingegen ein Inſtrument kan ſeyn bey der Geometrie ein Circkel, Linial, Transporteur, Winckel-Maaß, Scheiben-Inſtrument, und dergleichen unzehli- ge, ſo wohl bey dieſer als allen andern Wiſſenſchafften und Kuͤnſten. Es wird aber aus Ge- wohnheit dieſer Unterſcheid wenig obſerviret, und wuͤrde einer, der des Schmidts Zange und des Schneiders Scheere Machinen nennte, von ihnen ziemlich ſpoͤttiſch gehalten werden. Einem Mechanico iſt genug, wenn er weiß, wohin er jedes zu logiren hat. Bey jeder Machine kommt vor, und iſt erſtlich zu wiſſen noͤthig, was da ſey: I. Der Ruhe-Punct oder (Centrum Motus.) II. Die Laſt oder Gegenſtand, oder das Vermoͤgen. (Pondus.) III. Die Krafft. (Potentia.) IV. Der Abſtand oder die Abwaage. (Diſtantia potentiæ vel ponderis.) V. Der Raum oder die Zeit. (Spatium.) §. 4. I. Der Ruhe-Punct iſt in der Mechanic ein Punct oder Orth, da eine Laſt oder Machine auflieget und auf ſolchen beweget wird, von welchen Punct oder deſſen Linie der Abſtand ſo wohl der Laſt als der Krafft zurechnen iſt, als der Orth der Schaͤrffe der Unterlage C des Hebels Tab. I. Fig. I. und II. desgleichen bey D an de- nen Hebeln Fig. V. VI. VII. XI. XII. Bey denen Raͤdern und Scheiben ſind es die Zapffen oder Axen, bey der Scheere und Zange die Stiffte oder Niethen. u. ſ. f. (1.) Dieſer Ruhe-Punct iſt von dem Punct der Schwere oder Centro gravitatis darinnen unterſchieden, daß dieſes ein Punct in einem jeden Coͤrper iſt, dadurch er in zwey gleich ſchwe- re Theile kan getheilet werden. Als wie das Centrum in einer Kugel iſt. Wie dieſes Centrum bey jeden regulairen und irregulairen Coͤrper zu finden ſey, wird kuͤnfftig in der Static gelehret werden. (2.) Von dem Centro oder Punct der Groͤſſe (Centro magnitudinis) iſt der Ruhe-Punct unterſchieden, daß jener eine Flaͤche nur in zwey gleich groſſe Theile theilet, und nicht auf die Schwere derſelben achtet. Hierzu gehoͤret auch und iſt zu bemercken die Linie der Ruhe. (3.) Die Linie der Ruhe iſt eine gerade Linie, welche allezeit durch den Punct der Ruhe gehet und mit der Linie der Bewegung (Linea directionis) parallel lauf- fet, und von welcher der Abſtand der Krafft oder der Laſt gerechnet wird, als Tab. III. Figura I. hat das Gewicht oder Kugel A 4. Pfund, und erfordert dahero in ho- rizontalen Stand A E zum Gegen-Gewicht B auch 4. Pfund. Wenn aber ſolche Kugel auf der Linie F G ſtehet, ſo iſt der Abſtand nicht mehr vom Centro der Kugel biß zur Axe E, ſon- A 2

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Zitationshilfe: Leupold, Jacob: Theatrum Machinarvm Generale. Schau-Platz Des Grundes Mechanischer Wissenschafften. Leipzig, 1724, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/leupold_theatrum_1724/23>, abgerufen am 16.07.2019.