Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Liebig, Justus von: Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie. Braunschweig, 1842.

Bild:
<< vorherige Seite
Vorwort.


Durch die Uebertragung der Methoden, welche die Phy-
siker seit Jahrhunderten in der Ermittelung der Ursachen der
Naturerscheinungen befolgen, auf die Chemie, durch Beach-
tung von Maß und Gewicht, ist von Lavoisier der Grund-
stein einer neuen Wissenschaft gelegt worden, welche durch
die Pflege ausgezeichneter Männer in außerordentlich kurzer
Zeit einen hohen Grad von Vollendung erhalten hat.

Es war die Aufsuchung und das Festhalten aller Bedin-
gungen, die sich zu einer Beobachtung vereinigen müssen, es
war die Erkenntniß der richtigeren Grundsätze zu Forschun-
gen, welche die Chemiker vor Irrthümern schützten und sie
auf einem ebenso einfachen als sicheren Wege zu Entdeckun-
gen führten, welche in die früher dunkelsten und unbegreif-
lichsten Naturerscheinungen Licht und Klarheit brachten.

Die nützlichsten Anwendungen auf Künste und Industrie
und alle der Chemie verwandten Zweige des Wissens, er-
gaben sich aus den von ihnen erforschten Gesetzen und dieser
Einfluß zeigte sich nicht erst, nachdem die Chemie den erreich-
baren Grad von Vollendung erhalten hatte, sondern er machte
sich mit jeder einzelnen neuen Erfahrung geltend.


Vorwort.


Durch die Uebertragung der Methoden, welche die Phy-
ſiker ſeit Jahrhunderten in der Ermittelung der Urſachen der
Naturerſcheinungen befolgen, auf die Chemie, durch Beach-
tung von Maß und Gewicht, iſt von Lavoiſier der Grund-
ſtein einer neuen Wiſſenſchaft gelegt worden, welche durch
die Pflege ausgezeichneter Männer in außerordentlich kurzer
Zeit einen hohen Grad von Vollendung erhalten hat.

Es war die Aufſuchung und das Feſthalten aller Bedin-
gungen, die ſich zu einer Beobachtung vereinigen müſſen, es
war die Erkenntniß der richtigeren Grundſätze zu Forſchun-
gen, welche die Chemiker vor Irrthümern ſchützten und ſie
auf einem ebenſo einfachen als ſicheren Wege zu Entdeckun-
gen führten, welche in die früher dunkelſten und unbegreif-
lichſten Naturerſcheinungen Licht und Klarheit brachten.

Die nützlichſten Anwendungen auf Künſte und Induſtrie
und alle der Chemie verwandten Zweige des Wiſſens, er-
gaben ſich aus den von ihnen erforſchten Geſetzen und dieſer
Einfluß zeigte ſich nicht erſt, nachdem die Chemie den erreich-
baren Grad von Vollendung erhalten hatte, ſondern er machte
ſich mit jeder einzelnen neuen Erfahrung geltend.


<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0013" n="[VII]"/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Vorwort</hi>.</hi> </head><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p><hi rendition="#in">D</hi>urch die Uebertragung der Methoden, welche die Phy-<lb/>
&#x017F;iker &#x017F;eit Jahrhunderten in der Ermittelung der Ur&#x017F;achen der<lb/>
Naturer&#x017F;cheinungen befolgen, auf die Chemie, durch Beach-<lb/>
tung von Maß und Gewicht, i&#x017F;t von <hi rendition="#g">Lavoi&#x017F;ier</hi> der Grund-<lb/>
&#x017F;tein einer neuen Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft gelegt worden, welche durch<lb/>
die Pflege ausgezeichneter Männer in außerordentlich kurzer<lb/>
Zeit einen hohen Grad von Vollendung erhalten hat.</p><lb/>
        <p>Es war die Auf&#x017F;uchung und das Fe&#x017F;thalten aller Bedin-<lb/>
gungen, die &#x017F;ich zu einer Beobachtung vereinigen mü&#x017F;&#x017F;en, es<lb/>
war die Erkenntniß der richtigeren Grund&#x017F;ätze zu For&#x017F;chun-<lb/>
gen, welche die Chemiker vor Irrthümern &#x017F;chützten und &#x017F;ie<lb/>
auf einem eben&#x017F;o einfachen als &#x017F;icheren Wege zu Entdeckun-<lb/>
gen führten, welche in die früher dunkel&#x017F;ten und unbegreif-<lb/>
lich&#x017F;ten Naturer&#x017F;cheinungen Licht und Klarheit brachten.</p><lb/>
        <p>Die nützlich&#x017F;ten Anwendungen auf Kün&#x017F;te und Indu&#x017F;trie<lb/>
und alle der Chemie verwandten Zweige des Wi&#x017F;&#x017F;ens, er-<lb/>
gaben &#x017F;ich aus den von ihnen erfor&#x017F;chten Ge&#x017F;etzen und die&#x017F;er<lb/>
Einfluß zeigte &#x017F;ich nicht er&#x017F;t, nachdem die Chemie den erreich-<lb/>
baren Grad von Vollendung erhalten hatte, &#x017F;ondern er machte<lb/>
&#x017F;ich mit jeder einzelnen neuen Erfahrung geltend.</p><lb/>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[[VII]/0013] Vorwort. Durch die Uebertragung der Methoden, welche die Phy- ſiker ſeit Jahrhunderten in der Ermittelung der Urſachen der Naturerſcheinungen befolgen, auf die Chemie, durch Beach- tung von Maß und Gewicht, iſt von Lavoiſier der Grund- ſtein einer neuen Wiſſenſchaft gelegt worden, welche durch die Pflege ausgezeichneter Männer in außerordentlich kurzer Zeit einen hohen Grad von Vollendung erhalten hat. Es war die Aufſuchung und das Feſthalten aller Bedin- gungen, die ſich zu einer Beobachtung vereinigen müſſen, es war die Erkenntniß der richtigeren Grundſätze zu Forſchun- gen, welche die Chemiker vor Irrthümern ſchützten und ſie auf einem ebenſo einfachen als ſicheren Wege zu Entdeckun- gen führten, welche in die früher dunkelſten und unbegreif- lichſten Naturerſcheinungen Licht und Klarheit brachten. Die nützlichſten Anwendungen auf Künſte und Induſtrie und alle der Chemie verwandten Zweige des Wiſſens, er- gaben ſich aus den von ihnen erforſchten Geſetzen und dieſer Einfluß zeigte ſich nicht erſt, nachdem die Chemie den erreich- baren Grad von Vollendung erhalten hatte, ſondern er machte ſich mit jeder einzelnen neuen Erfahrung geltend.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/liebig_physiologie_1842
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/liebig_physiologie_1842/13
Zitationshilfe: Liebig, Justus von: Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie. Braunschweig, 1842, S. [VII]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/liebig_physiologie_1842/13>, abgerufen am 21.11.2018.