Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Liebig, Justus von: Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie. Braunschweig, 1842.

Bild:
<< vorherige Seite
I.

Die zahllosen Bilder, welche sich der menschliche Geist über
die Natur und das Wesen der eigenthümlichen Ursache ge-
schaffen hat, welche als der letzte Grund der Erscheinungen
angesehen werden muß, die das Thier- und Pflanzenleben
characterisiren, mit einem neuen zu vermehren, dürfte nicht
der Beachtung werth gehalten werden, wenn sich nicht aus
den Vorstellungen über diese Ursache, welche im Eingang
zum ersten Theil dieser Schrift entwickelt worden sind, ge-
wisse Begriffe als nothwendige Folgerungen ergäben, deren
nähere Erörterung in dem Folgenden versucht werden soll.

Von vorne herein muß zugegeben werden, daß alle diese
Folgerungen ihre Bedeutung verlieren, wenn der Beweis
geführt werden kann, daß die Ursache der Lebensthätigkeit
mit anderen bekannten Ursachen, welche Bewegung oder Form-
und Beschaffenheitsänderungen der Materie bewirken, in ih-
ren Aeußerungen nichts gemein hat.

Eine Vergleichung ihrer Eigenthümlichkeiten mit der
Wirkungsweise dieser anderen Ursachen, kann übrigens schon
deshalb keinen Nachtheil bringen, weil die Natur und das
Wesen einer Naturerscheinung nicht durch Abstraction, son-

I.

Die zahlloſen Bilder, welche ſich der menſchliche Geiſt über
die Natur und das Weſen der eigenthümlichen Urſache ge-
ſchaffen hat, welche als der letzte Grund der Erſcheinungen
angeſehen werden muß, die das Thier- und Pflanzenleben
characteriſiren, mit einem neuen zu vermehren, dürfte nicht
der Beachtung werth gehalten werden, wenn ſich nicht aus
den Vorſtellungen über dieſe Urſache, welche im Eingang
zum erſten Theil dieſer Schrift entwickelt worden ſind, ge-
wiſſe Begriffe als nothwendige Folgerungen ergäben, deren
nähere Erörterung in dem Folgenden verſucht werden ſoll.

Von vorne herein muß zugegeben werden, daß alle dieſe
Folgerungen ihre Bedeutung verlieren, wenn der Beweis
geführt werden kann, daß die Urſache der Lebensthätigkeit
mit anderen bekannten Urſachen, welche Bewegung oder Form-
und Beſchaffenheitsänderungen der Materie bewirken, in ih-
ren Aeußerungen nichts gemein hat.

Eine Vergleichung ihrer Eigenthümlichkeiten mit der
Wirkungsweiſe dieſer anderen Urſachen, kann übrigens ſchon
deshalb keinen Nachtheil bringen, weil die Natur und das
Weſen einer Naturerſcheinung nicht durch Abſtraction, ſon-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0223" n="[199]"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#aq">I.</hi> </hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>ie zahllo&#x017F;en Bilder, welche &#x017F;ich der men&#x017F;chliche Gei&#x017F;t über<lb/>
die Natur und das We&#x017F;en der eigenthümlichen Ur&#x017F;ache ge-<lb/>
&#x017F;chaffen hat, welche als der letzte Grund der Er&#x017F;cheinungen<lb/>
ange&#x017F;ehen werden muß, die das Thier- und Pflanzenleben<lb/>
characteri&#x017F;iren, mit einem neuen zu vermehren, dürfte nicht<lb/>
der Beachtung werth gehalten werden, wenn &#x017F;ich nicht aus<lb/>
den Vor&#x017F;tellungen über die&#x017F;e Ur&#x017F;ache, welche im Eingang<lb/>
zum er&#x017F;ten Theil die&#x017F;er Schrift entwickelt worden &#x017F;ind, ge-<lb/>
wi&#x017F;&#x017F;e Begriffe als nothwendige Folgerungen ergäben, deren<lb/>
nähere Erörterung in dem Folgenden ver&#x017F;ucht werden &#x017F;oll.</p><lb/>
          <p>Von vorne herein muß zugegeben werden, daß alle die&#x017F;e<lb/>
Folgerungen ihre Bedeutung verlieren, wenn der Beweis<lb/>
geführt werden kann, daß die Ur&#x017F;ache der Lebensthätigkeit<lb/>
mit anderen bekannten Ur&#x017F;achen, welche Bewegung oder Form-<lb/>
und Be&#x017F;chaffenheitsänderungen der Materie bewirken, in ih-<lb/>
ren Aeußerungen nichts gemein hat.</p><lb/>
          <p>Eine Vergleichung ihrer Eigenthümlichkeiten mit der<lb/>
Wirkungswei&#x017F;e die&#x017F;er anderen Ur&#x017F;achen, kann übrigens &#x017F;chon<lb/>
deshalb keinen Nachtheil bringen, weil die Natur und das<lb/>
We&#x017F;en einer Naturer&#x017F;cheinung nicht durch Ab&#x017F;traction, &#x017F;on-<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[199]/0223] I. Die zahlloſen Bilder, welche ſich der menſchliche Geiſt über die Natur und das Weſen der eigenthümlichen Urſache ge- ſchaffen hat, welche als der letzte Grund der Erſcheinungen angeſehen werden muß, die das Thier- und Pflanzenleben characteriſiren, mit einem neuen zu vermehren, dürfte nicht der Beachtung werth gehalten werden, wenn ſich nicht aus den Vorſtellungen über dieſe Urſache, welche im Eingang zum erſten Theil dieſer Schrift entwickelt worden ſind, ge- wiſſe Begriffe als nothwendige Folgerungen ergäben, deren nähere Erörterung in dem Folgenden verſucht werden ſoll. Von vorne herein muß zugegeben werden, daß alle dieſe Folgerungen ihre Bedeutung verlieren, wenn der Beweis geführt werden kann, daß die Urſache der Lebensthätigkeit mit anderen bekannten Urſachen, welche Bewegung oder Form- und Beſchaffenheitsänderungen der Materie bewirken, in ih- ren Aeußerungen nichts gemein hat. Eine Vergleichung ihrer Eigenthümlichkeiten mit der Wirkungsweiſe dieſer anderen Urſachen, kann übrigens ſchon deshalb keinen Nachtheil bringen, weil die Natur und das Weſen einer Naturerſcheinung nicht durch Abſtraction, ſon-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/liebig_physiologie_1842
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/liebig_physiologie_1842/223
Zitationshilfe: Liebig, Justus von: Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie. Braunschweig, 1842, S. [199]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/liebig_physiologie_1842/223>, abgerufen am 23.03.2019.