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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834.

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Kapitel III.
Jährliche Bewegung der Sonne.


§. 38. (Erste Erscheinungen). Wir haben im Vorhergehenden
gesehen, daß der ganze Himmel mit seinen Gestirnen sich täglich
von Ost gegen West zu drehen scheint, und daß die wahre Ursache
dieser Erscheinung in der Erde liegt, die sich in derselben Zeit,
aber in entgegengesetzter Richtung, von West gegen Ost, um ihre
Axe dreht, während der sie rings umgebende Himmel mit seinen
Sternen in Ruhe bleibt. Allein wenn wir diese Gestirne einzeln
näher betrachten, so finden wir bald, daß einige derselben eine
merkwürdige Ausnahme von dieser allgemeinen Ruhe des Him-
mels machen. Bei weitem die meisten Sterne kommen nämlich
in der That am Ende eines jeden Tags, immer wieder genau an
denselben Ort, wo wir sie am Ende der vorhergehenden Tage ge-
sehen haben. Auch behalten sie unter sich selbst immer dieselbe
Lage unverändert bei, so daß z. B. solche Sterne, welche eine
gerade Linie, ein Dreieck, einen Kreis unter sich bilden, diese Ge-
stalt ihrer Gruppirung am Himmel nicht weiter ändern. Aber
unter diesen in der That zahllosen Sternen, die ihren Ort am
Himmel gleichsam fixirt haben, und die man daher Fixsterne
nennt, gibt es doch auch einige, welchen diese Benennung nicht
zukömmt, da man sie ihre Stelle am Himmel ändern, und mit
verschiedenen Geschwindigkeiten und nach allen Richtungen von
einem Fixsterne zum andern wandern sieht. Man hat sie daher
Wandelsterne oder Planeten (planeo, herumschweifen) genannt.

Kapitel III.
Jaͤhrliche Bewegung der Sonne.


§. 38. (Erſte Erſcheinungen). Wir haben im Vorhergehenden
geſehen, daß der ganze Himmel mit ſeinen Geſtirnen ſich täglich
von Oſt gegen Weſt zu drehen ſcheint, und daß die wahre Urſache
dieſer Erſcheinung in der Erde liegt, die ſich in derſelben Zeit,
aber in entgegengeſetzter Richtung, von Weſt gegen Oſt, um ihre
Axe dreht, während der ſie rings umgebende Himmel mit ſeinen
Sternen in Ruhe bleibt. Allein wenn wir dieſe Geſtirne einzeln
näher betrachten, ſo finden wir bald, daß einige derſelben eine
merkwürdige Ausnahme von dieſer allgemeinen Ruhe des Him-
mels machen. Bei weitem die meiſten Sterne kommen nämlich
in der That am Ende eines jeden Tags, immer wieder genau an
denſelben Ort, wo wir ſie am Ende der vorhergehenden Tage ge-
ſehen haben. Auch behalten ſie unter ſich ſelbſt immer dieſelbe
Lage unverändert bei, ſo daß z. B. ſolche Sterne, welche eine
gerade Linie, ein Dreieck, einen Kreis unter ſich bilden, dieſe Ge-
ſtalt ihrer Gruppirung am Himmel nicht weiter ändern. Aber
unter dieſen in der That zahlloſen Sternen, die ihren Ort am
Himmel gleichſam fixirt haben, und die man daher Fixſterne
nennt, gibt es doch auch einige, welchen dieſe Benennung nicht
zukömmt, da man ſie ihre Stelle am Himmel ändern, und mit
verſchiedenen Geſchwindigkeiten und nach allen Richtungen von
einem Fixſterne zum andern wandern ſieht. Man hat ſie daher
Wandelſterne oder Planeten (πλανεω, herumſchweifen) genannt.

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[[96]/0108] Kapitel III. Jaͤhrliche Bewegung der Sonne. §. 38. (Erſte Erſcheinungen). Wir haben im Vorhergehenden geſehen, daß der ganze Himmel mit ſeinen Geſtirnen ſich täglich von Oſt gegen Weſt zu drehen ſcheint, und daß die wahre Urſache dieſer Erſcheinung in der Erde liegt, die ſich in derſelben Zeit, aber in entgegengeſetzter Richtung, von Weſt gegen Oſt, um ihre Axe dreht, während der ſie rings umgebende Himmel mit ſeinen Sternen in Ruhe bleibt. Allein wenn wir dieſe Geſtirne einzeln näher betrachten, ſo finden wir bald, daß einige derſelben eine merkwürdige Ausnahme von dieſer allgemeinen Ruhe des Him- mels machen. Bei weitem die meiſten Sterne kommen nämlich in der That am Ende eines jeden Tags, immer wieder genau an denſelben Ort, wo wir ſie am Ende der vorhergehenden Tage ge- ſehen haben. Auch behalten ſie unter ſich ſelbſt immer dieſelbe Lage unverändert bei, ſo daß z. B. ſolche Sterne, welche eine gerade Linie, ein Dreieck, einen Kreis unter ſich bilden, dieſe Ge- ſtalt ihrer Gruppirung am Himmel nicht weiter ändern. Aber unter dieſen in der That zahlloſen Sternen, die ihren Ort am Himmel gleichſam fixirt haben, und die man daher Fixſterne nennt, gibt es doch auch einige, welchen dieſe Benennung nicht zukömmt, da man ſie ihre Stelle am Himmel ändern, und mit verſchiedenen Geſchwindigkeiten und nach allen Richtungen von einem Fixſterne zum andern wandern ſieht. Man hat ſie daher Wandelſterne oder Planeten (πλανεω, herumſchweifen) genannt.

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834, S. [96]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/108>, abgerufen am 20.04.2019.