Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite

Kapitel III.
Venus.


§. 51. (Namen und Zeichen dieses Planeten.) Obschon jeder
Planet, wie wir bald sehen werden, in Beziehung auf die Erde
sein Eigenthümliches hat, so zeichnet sich doch keiner durch so viele
besondere Eigenschaften aus, als Venus. Er ist der hellste und
schönste unter allen Planeten; er kömmt der Erde am nächsten;
seine von der Erde gesehene Geschwindigkeit ist die größte; er war
wahrscheinlich der erste, dessen schnelle Bewegung uns zeigte, daß
es außer den fixen Gestirnen des Himmels noch andere, daß es
eigentliche Planeten gebe, und er ist auch derjenige, der uns zuerst
die wahre Entfernung der Sonne von der Erde, und dadurch den
Maaßstab kennen gelehrt hat, mit welchem wir nun alle Räume
unseres Sonnensystems ausmessen.

Man erkennt ihn sehr leicht an seinem blendend weißen und
intensiven Lichte, wodurch er uns in günstigen Umständen sogar
bei Tage sichtbar wird. In der That ist er, nebst dem Monde,
der einzige Himmelskörper, den man ohne Fernröhre mit der
Sonne zugleich sehen kann, und, obschon man ihn immer nur,
wie Merkur, in der Nähe der Sonne, also nur in den Strahlen
der Morgen- oder Abenddämmerung erblickt, so ist doch sein Licht
so stark, daß er, unter günstigen Verhältnissen, vor dem Aufgange
oder nach dem Untergange der Sonne einen erkennbaren Schatten


Kapitel III.
Venus.


§. 51. (Namen und Zeichen dieſes Planeten.) Obſchon jeder
Planet, wie wir bald ſehen werden, in Beziehung auf die Erde
ſein Eigenthümliches hat, ſo zeichnet ſich doch keiner durch ſo viele
beſondere Eigenſchaften aus, als Venus. Er iſt der hellſte und
ſchönſte unter allen Planeten; er kömmt der Erde am nächſten;
ſeine von der Erde geſehene Geſchwindigkeit iſt die größte; er war
wahrſcheinlich der erſte, deſſen ſchnelle Bewegung uns zeigte, daß
es außer den fixen Geſtirnen des Himmels noch andere, daß es
eigentliche Planeten gebe, und er iſt auch derjenige, der uns zuerſt
die wahre Entfernung der Sonne von der Erde, und dadurch den
Maaßſtab kennen gelehrt hat, mit welchem wir nun alle Räume
unſeres Sonnenſyſtems ausmeſſen.

Man erkennt ihn ſehr leicht an ſeinem blendend weißen und
intenſiven Lichte, wodurch er uns in günſtigen Umſtänden ſogar
bei Tage ſichtbar wird. In der That iſt er, nebſt dem Monde,
der einzige Himmelskörper, den man ohne Fernröhre mit der
Sonne zugleich ſehen kann, und, obſchon man ihn immer nur,
wie Merkur, in der Nähe der Sonne, alſo nur in den Strahlen
der Morgen- oder Abenddämmerung erblickt, ſo iſt doch ſein Licht
ſo ſtark, daß er, unter günſtigen Verhältniſſen, vor dem Aufgange
oder nach dem Untergange der Sonne einen erkennbaren Schatten

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0072" n="62"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Kapitel</hi><hi rendition="#aq">III.</hi><lb/><hi rendition="#g">Venus</hi>.</head><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <p>§. 51. (Namen und Zeichen die&#x017F;es Planeten.) Ob&#x017F;chon jeder<lb/>
Planet, wie wir bald &#x017F;ehen werden, in Beziehung auf die Erde<lb/>
&#x017F;ein Eigenthümliches hat, &#x017F;o zeichnet &#x017F;ich doch keiner durch &#x017F;o viele<lb/>
be&#x017F;ondere Eigen&#x017F;chaften aus, als Venus. Er i&#x017F;t der hell&#x017F;te und<lb/>
&#x017F;chön&#x017F;te unter allen Planeten; er kömmt der Erde am näch&#x017F;ten;<lb/>
&#x017F;eine von der Erde ge&#x017F;ehene Ge&#x017F;chwindigkeit i&#x017F;t die größte; er war<lb/>
wahr&#x017F;cheinlich der er&#x017F;te, de&#x017F;&#x017F;en &#x017F;chnelle Bewegung uns zeigte, daß<lb/>
es außer den fixen Ge&#x017F;tirnen des Himmels noch andere, daß es<lb/>
eigentliche Planeten gebe, und er i&#x017F;t auch derjenige, der uns zuer&#x017F;t<lb/>
die wahre Entfernung der Sonne von der Erde, und dadurch den<lb/>
Maaß&#x017F;tab kennen gelehrt hat, mit welchem wir nun alle Räume<lb/>
un&#x017F;eres Sonnen&#x017F;y&#x017F;tems ausme&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
            <p>Man erkennt ihn &#x017F;ehr leicht an &#x017F;einem blendend weißen und<lb/>
inten&#x017F;iven Lichte, wodurch er uns in gün&#x017F;tigen Um&#x017F;tänden &#x017F;ogar<lb/>
bei Tage &#x017F;ichtbar wird. In der That i&#x017F;t er, neb&#x017F;t dem Monde,<lb/>
der einzige Himmelskörper, den man ohne Fernröhre mit der<lb/>
Sonne zugleich &#x017F;ehen kann, und, ob&#x017F;chon man ihn immer nur,<lb/>
wie Merkur, in der Nähe der Sonne, al&#x017F;o nur in den Strahlen<lb/>
der Morgen- oder Abenddämmerung erblickt, &#x017F;o i&#x017F;t doch &#x017F;ein Licht<lb/>
&#x017F;o &#x017F;tark, daß er, unter gün&#x017F;tigen Verhältni&#x017F;&#x017F;en, vor dem Aufgange<lb/>
oder nach dem Untergange der Sonne einen erkennbaren Schatten<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[62/0072] Kapitel III. Venus. §. 51. (Namen und Zeichen dieſes Planeten.) Obſchon jeder Planet, wie wir bald ſehen werden, in Beziehung auf die Erde ſein Eigenthümliches hat, ſo zeichnet ſich doch keiner durch ſo viele beſondere Eigenſchaften aus, als Venus. Er iſt der hellſte und ſchönſte unter allen Planeten; er kömmt der Erde am nächſten; ſeine von der Erde geſehene Geſchwindigkeit iſt die größte; er war wahrſcheinlich der erſte, deſſen ſchnelle Bewegung uns zeigte, daß es außer den fixen Geſtirnen des Himmels noch andere, daß es eigentliche Planeten gebe, und er iſt auch derjenige, der uns zuerſt die wahre Entfernung der Sonne von der Erde, und dadurch den Maaßſtab kennen gelehrt hat, mit welchem wir nun alle Räume unſeres Sonnenſyſtems ausmeſſen. Man erkennt ihn ſehr leicht an ſeinem blendend weißen und intenſiven Lichte, wodurch er uns in günſtigen Umſtänden ſogar bei Tage ſichtbar wird. In der That iſt er, nebſt dem Monde, der einzige Himmelskörper, den man ohne Fernröhre mit der Sonne zugleich ſehen kann, und, obſchon man ihn immer nur, wie Merkur, in der Nähe der Sonne, alſo nur in den Strahlen der Morgen- oder Abenddämmerung erblickt, ſo iſt doch ſein Licht ſo ſtark, daß er, unter günſtigen Verhältniſſen, vor dem Aufgange oder nach dem Untergange der Sonne einen erkennbaren Schatten

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835/72
Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835, S. 62. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835/72>, abgerufen am 18.04.2019.