Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 3. Stuttgart, 1836.

Bild:
<< vorherige Seite

Kapitel XI.
Ursprung des Weltsystems.


§. 145. (Bisher aufgestellte Geologien.) Die Erde, die wir
bewohnen, und selbst das ganze Sonnensystem, das uns von allen
Seiten umgibt, ist ohne Zweifel nicht immer in dem Zustande
gewesen, in dem wir es jetzt erblicken. Wie alles, was wir um
und selbst in uns bemerken, verschiedene Stufen seiner Ausbildung
durchgeht, bis es den höchsten Gipfel derselben erreicht, von wel-
chem es dann wieder allmählig zurückschreitet, und einer, wenigstens
scheinbaren Vernichtung, einer gänzlichen Umformung seines Wesens
entgegen geht, so kann auch wohl der gegenwärtige Zustand unse-
res Sonnensystems nur eine der vielen Verwandlungen seyn, die
dasselbe durchzugehen hat, um den ihm von der Natur gesetzten
Zweck zu erreichen.

Es kann nicht unsere Absicht seyn, die Stufenleiter aller dieser
vergangenen und künftigen Metamorphosen zu verfolgen, da deren
nächste Sprossen schon so weit von uns abliegen, daß ein Unter-
nehmen solcher Art, für einen menschlichen Geist, nicht nur verwe-
gen, sondern absurd und rein unmöglich erscheint. Dessenungeachtet
können wir es uns kaum versagen, wenigstens einige Blicke rück-
wärts in die dunkle Nacht zu werfen, aus der alles, was wir um
uns sehen, aus der wir selbst hervorgegangen sind, und daselbst
einige lichte Punkte aufzusuchen, die vielleicht dazu dienen können,


Kapitel XI.
Urſprung des Weltſyſtems.


§. 145. (Bisher aufgeſtellte Geologien.) Die Erde, die wir
bewohnen, und ſelbſt das ganze Sonnenſyſtem, das uns von allen
Seiten umgibt, iſt ohne Zweifel nicht immer in dem Zuſtande
geweſen, in dem wir es jetzt erblicken. Wie alles, was wir um
und ſelbſt in uns bemerken, verſchiedene Stufen ſeiner Ausbildung
durchgeht, bis es den höchſten Gipfel derſelben erreicht, von wel-
chem es dann wieder allmählig zurückſchreitet, und einer, wenigſtens
ſcheinbaren Vernichtung, einer gänzlichen Umformung ſeines Weſens
entgegen geht, ſo kann auch wohl der gegenwärtige Zuſtand unſe-
res Sonnenſyſtems nur eine der vielen Verwandlungen ſeyn, die
daſſelbe durchzugehen hat, um den ihm von der Natur geſetzten
Zweck zu erreichen.

Es kann nicht unſere Abſicht ſeyn, die Stufenleiter aller dieſer
vergangenen und künftigen Metamorphoſen zu verfolgen, da deren
nächſte Sproſſen ſchon ſo weit von uns abliegen, daß ein Unter-
nehmen ſolcher Art, für einen menſchlichen Geiſt, nicht nur verwe-
gen, ſondern abſurd und rein unmöglich erſcheint. Deſſenungeachtet
können wir es uns kaum verſagen, wenigſtens einige Blicke rück-
wärts in die dunkle Nacht zu werfen, aus der alles, was wir um
uns ſehen, aus der wir ſelbſt hervorgegangen ſind, und daſelbſt
einige lichte Punkte aufzuſuchen, die vielleicht dazu dienen können,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0203" n="[191]"/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <div n="4">
              <head><hi rendition="#g">Kapitel</hi><hi rendition="#aq">XI.</hi><lb/><hi rendition="#g">Ur&#x017F;prung des Welt&#x017F;y&#x017F;tems</hi>.</head><lb/>
              <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
              <p>§. 145. (Bisher aufge&#x017F;tellte Geologien.) Die Erde, die wir<lb/>
bewohnen, und &#x017F;elb&#x017F;t das ganze Sonnen&#x017F;y&#x017F;tem, das uns von allen<lb/>
Seiten umgibt, i&#x017F;t ohne Zweifel nicht immer in dem Zu&#x017F;tande<lb/>
gewe&#x017F;en, in dem wir es jetzt erblicken. Wie alles, was wir um<lb/>
und &#x017F;elb&#x017F;t in uns bemerken, ver&#x017F;chiedene Stufen &#x017F;einer Ausbildung<lb/>
durchgeht, bis es den höch&#x017F;ten Gipfel der&#x017F;elben erreicht, von wel-<lb/>
chem es dann wieder allmählig zurück&#x017F;chreitet, und einer, wenig&#x017F;tens<lb/>
&#x017F;cheinbaren Vernichtung, einer gänzlichen Umformung &#x017F;eines We&#x017F;ens<lb/>
entgegen geht, &#x017F;o kann auch wohl der gegenwärtige Zu&#x017F;tand un&#x017F;e-<lb/>
res Sonnen&#x017F;y&#x017F;tems nur eine der vielen Verwandlungen &#x017F;eyn, die<lb/>
da&#x017F;&#x017F;elbe durchzugehen hat, um den ihm von der Natur ge&#x017F;etzten<lb/>
Zweck zu erreichen.</p><lb/>
              <p>Es kann nicht un&#x017F;ere Ab&#x017F;icht &#x017F;eyn, die Stufenleiter aller die&#x017F;er<lb/>
vergangenen und künftigen Metamorpho&#x017F;en zu verfolgen, da deren<lb/>
näch&#x017F;te Spro&#x017F;&#x017F;en &#x017F;chon &#x017F;o weit von uns abliegen, daß ein Unter-<lb/>
nehmen &#x017F;olcher Art, für einen men&#x017F;chlichen Gei&#x017F;t, nicht nur verwe-<lb/>
gen, &#x017F;ondern ab&#x017F;urd und rein unmöglich er&#x017F;cheint. De&#x017F;&#x017F;enungeachtet<lb/>
können wir es uns kaum ver&#x017F;agen, wenig&#x017F;tens einige Blicke rück-<lb/>
wärts in die dunkle Nacht zu werfen, aus der alles, was wir um<lb/>
uns &#x017F;ehen, aus der wir &#x017F;elb&#x017F;t hervorgegangen &#x017F;ind, und da&#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
einige lichte Punkte aufzu&#x017F;uchen, die vielleicht dazu dienen können,<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[191]/0203] Kapitel XI. Urſprung des Weltſyſtems. §. 145. (Bisher aufgeſtellte Geologien.) Die Erde, die wir bewohnen, und ſelbſt das ganze Sonnenſyſtem, das uns von allen Seiten umgibt, iſt ohne Zweifel nicht immer in dem Zuſtande geweſen, in dem wir es jetzt erblicken. Wie alles, was wir um und ſelbſt in uns bemerken, verſchiedene Stufen ſeiner Ausbildung durchgeht, bis es den höchſten Gipfel derſelben erreicht, von wel- chem es dann wieder allmählig zurückſchreitet, und einer, wenigſtens ſcheinbaren Vernichtung, einer gänzlichen Umformung ſeines Weſens entgegen geht, ſo kann auch wohl der gegenwärtige Zuſtand unſe- res Sonnenſyſtems nur eine der vielen Verwandlungen ſeyn, die daſſelbe durchzugehen hat, um den ihm von der Natur geſetzten Zweck zu erreichen. Es kann nicht unſere Abſicht ſeyn, die Stufenleiter aller dieſer vergangenen und künftigen Metamorphoſen zu verfolgen, da deren nächſte Sproſſen ſchon ſo weit von uns abliegen, daß ein Unter- nehmen ſolcher Art, für einen menſchlichen Geiſt, nicht nur verwe- gen, ſondern abſurd und rein unmöglich erſcheint. Deſſenungeachtet können wir es uns kaum verſagen, wenigſtens einige Blicke rück- wärts in die dunkle Nacht zu werfen, aus der alles, was wir um uns ſehen, aus der wir ſelbſt hervorgegangen ſind, und daſelbſt einige lichte Punkte aufzuſuchen, die vielleicht dazu dienen können,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem03_1836
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem03_1836/203
Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 3. Stuttgart, 1836, S. [191]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem03_1836/203>, abgerufen am 25.04.2019.