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Lohenstein, Daniel Casper von: Agrippina. Breslau, 1665.

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Die vierdte Abhandlung.
Der Schauplatz stellet für des Käy-
sers Gemach.
Des Britannicus Geist. Nero
schlaffend.
Britan. Schöpff't hier der Wütterich/ der Bruder-Mör-
der Lufft?
Bring't er die Nacht mit stillem Schlaffe zu?
Und mein entseelter Geist hat in der tieffen Grufft
Nicht für der Angst der muntern Rache Ruh?
5.Jst nicht mehr wahr? Ein lasterhaft Gewissen
Wird von den Nattern böser Lust
Von Würmen banger Furcht gehenckert und zerrissen.
Es bill't ein Hund ja in der Brust
So oft das Hertze schläg't/ 'der den vom Schlaff' erwe-
cket/
10.Den mehr geronnen Blutt als edler Purper decket.
War keine geschäftige Spinne nicht dar/
Die/ als du mir das Gifft-Glaß eingegossen/
Nahm des mich entseelenden Reben-saffts wahr?
Die diß zur Lust und zur Artzney genossen/
15.Daraus ich Tod und Galle muste saugen.
Die/ was für Grimme that ein Bruder hat gethan/
Dir über's Haupt/ und aller Welt für Augen
Durch ihr gewebtes Garn lebendig bilden kan?
Ein todtes Schilf wird oft ja Lastern zum Verräther.
Ein Schatten und ein Wind erschreck't die Ubelthäter.
20.Komm't dir/ du Blutthund/ nicht mehr ein;
Daß/ als an mir des Gifftes braune Flecken
Sol Mahlerey und Gips verdecken/
Die Wolcke muß ein Schwamm/ der Regen Tinte seyn/
25.Der deine Farb außwisch't/ und auf die Brust mir schrei-
het:
Der
Die vierdte Abhandlung.
Der Schauplatz ſtellet fuͤr des Kaͤy-
ſers Gemach.
Des Britannicus Geiſt. Nero
ſchlaffend.
Britan. Schoͤpff’t hier der Wuͤtterich/ der Bruder-Moͤr-
der Lufft?
Bring’t er die Nacht mit ſtillem Schlaffe zu?
Und mein entſeelter Geiſt hat in der tieffen Grufft
Nicht fuͤr der Angſt der muntern Rache Ruh?
5.Jſt nicht mehr wahr? Ein laſterhaft Gewiſſen
Wird von den Nattern boͤſer Luſt
Von Wuͤrmen banger Furcht gehenckert und zerriſſen.
Es bill’t ein Hund ja in der Bruſt
So oft das Hertze ſchlaͤg’t/ ’der den vom Schlaff’ erwe-
cket/
10.Den mehr geronnen Blutt als edler Purper decket.
War keine geſchaͤftige Spinne nicht dar/
Die/ als du mir das Gifft-Glaß eingegoſſen/
Nahm des mich entſeelenden Reben-ſaffts wahr?
Die diß zur Luſt und zur Artzney genoſſen/
15.Daraus ich Tod und Galle muſte ſaugen.
Die/ was fuͤr Grimme that ein Bruder hat gethan/
Dir uͤber’s Haupt/ und aller Welt fuͤr Augen
Durch ihr gewebtes Garn lebendig bilden kan?
Ein todtes Schilf wird oft ja Laſtern zum Verraͤther.
Ein Schatten und ein Wind erſchreck’t die Ubelthaͤter.
20.Komm’t dir/ du Blutthund/ nicht mehr ein;
Daß/ als an mir des Gifftes braune Flecken
Sol Mahlerey und Gips verdecken/
Die Wolcke muß ein Schwamm/ der Regen Tinte ſeyn/
25.Der deine Farb außwiſch’t/ und auf die Bruſt mir ſchrei-
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Der
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[66./0084] Die vierdte Abhandlung. Der Schauplatz ſtellet fuͤr des Kaͤy- ſers Gemach. Des Britannicus Geiſt. Nero ſchlaffend. Britan. Schoͤpff’t hier der Wuͤtterich/ der Bruder-Moͤr- der Lufft? Bring’t er die Nacht mit ſtillem Schlaffe zu? Und mein entſeelter Geiſt hat in der tieffen Grufft Nicht fuͤr der Angſt der muntern Rache Ruh? Jſt nicht mehr wahr? Ein laſterhaft Gewiſſen Wird von den Nattern boͤſer Luſt Von Wuͤrmen banger Furcht gehenckert und zerriſſen. Es bill’t ein Hund ja in der Bruſt So oft das Hertze ſchlaͤg’t/ ’der den vom Schlaff’ erwe- cket/ Den mehr geronnen Blutt als edler Purper decket. War keine geſchaͤftige Spinne nicht dar/ Die/ als du mir das Gifft-Glaß eingegoſſen/ Nahm des mich entſeelenden Reben-ſaffts wahr? Die diß zur Luſt und zur Artzney genoſſen/ Daraus ich Tod und Galle muſte ſaugen. Die/ was fuͤr Grimme that ein Bruder hat gethan/ Dir uͤber’s Haupt/ und aller Welt fuͤr Augen Durch ihr gewebtes Garn lebendig bilden kan? Ein todtes Schilf wird oft ja Laſtern zum Verraͤther. Ein Schatten und ein Wind erſchreck’t die Ubelthaͤter. Komm’t dir/ du Blutthund/ nicht mehr ein; Daß/ als an mir des Gifftes braune Flecken Sol Mahlerey und Gips verdecken/ Die Wolcke muß ein Schwamm/ der Regen Tinte ſeyn/ Der deine Farb außwiſch’t/ und auf die Bruſt mir ſchrei- het: Der

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Zitationshilfe: Lohenstein, Daniel Casper von: Agrippina. Breslau, 1665, S. 66.. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lohenstein_agrippina_1665/84>, abgerufen am 07.04.2020.