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Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 1. Heidelberg, 1852.

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Binnentöne; Geruchsinn.
Erschütterungen (durch die Kopfknochen ect.) reichen dann hin, um
stehende Schwingungen dieser Luft zu veranlassen. Sie verschwinden,
wenn die Communication zwischen Atmosphäre und Trommelfell wieder
hergestellt ist. -- 2. Selbsttönen der Luft der Trommelhöhle. Dieses
Tönen erscheint, wenn die tuba Eustachii verstopft ist. -- 3. Töne durch
Zerrungen am Trommelfell und durch Reibung der Gehörknöchelchen bei
Bewegung der Muskeln der Trommelhöhle. Sie sind schon früher er-
wähnt. -- 4. Töne durch Erschütterungen des Felsenbeines mittelst
des Arterienpulses. Hierher gehören die klopfenden Töne bei Kopf-
kongestionen. -- 5. Endlich beobachtet man noch sogenannte Binnen-
töne, die einen zu vollen und reinen Klang zeigen, als dass man ihren
Ursprung in einem der erwähnten Umstände suchen könnte. Woher
sie rühren, ist unbekannt.

F. Geruchsinn.

1. Anatomische Einleitung *). Die Verbreitungsbezirke des
n. olfactorius, an welche sich die Geruchsempfindungen knüpfen, sind
bekanntlich in eine vorzugsweise verengerte Stelle der Nasenhöhle,
nämlich den obern Theil der Nasenscheidewand und die beiden ersten
Muscheln gelegt. Die Besonderheit des Baues der Nasenwandungen
hierselbst liegen theils in der muscheligen Unebenheit derselben, theils
aber in der Gegenwart von besondern Drüsen und Oberhautbildungen.
Diese letzteren bestehen nach Beobachtungen von Bowmann aus
einem geschichteten Cylinderepithelium, dem hier, im Gegensatz zu
dem umgebenden, die Flimmerhaare fehlen. Dieses Epithelium zeichnet
sich auch noch durch seine ausserordentlich grosse Zerstörbarkeit,
insbesondere durch die von Seiten des Wassers aus; Kölliker. Die
Drüsen, welche man in den Verbreitungsstellen des n. olfactorius findet,
sind einfache Schläuche, die ihrem Bau nach in der Mitte zwischen den
Lieberkühn'schen und Schweissdrüsen stehen; über ihre Absonde-
rungsstoffe ist leider nichts bekannt. Man könnte sich denken, dass die
Abwesenheit der Flimmerhaare insofern Bezug auf die Leistungen der
Geruchswerkzeuge übe, als dadurch die Luftströmungen und Luftcon-
densationen auf der Nasenoberfläche verändert würden, und ferner,
dass die Gegenwart der Drüsen von Bedeutung sei für die Bildung
eines besonderen Lösungsmittels für die Riechstoffe.

2. Erregungsmittel. Zu ihnen zählt man a. Spannungs- und
Lagenveränderungen der Nerven, wie sie durch Drücke auf die Nase
herbeigeführt werden; Valentin **). Da die Geruchsnerven nur sehr
weniger Menschen auf diese Weise erregt werden, so bezweifelt man

*) Kölliker, Handbuch der Gewebelehre 1852. p. 632.
**) Lehrbuch der Physiologie II. Bd. b. 2te Aufl. 292.

Binnentöne; Geruchsinn.
Erschütterungen (durch die Kopfknochen ect.) reichen dann hin, um
stehende Schwingungen dieser Luft zu veranlassen. Sie verschwinden,
wenn die Communication zwischen Atmosphäre und Trommelfell wieder
hergestellt ist. — 2. Selbsttönen der Luft der Trommelhöhle. Dieses
Tönen erscheint, wenn die tuba Eustachii verstopft ist. — 3. Töne durch
Zerrungen am Trommelfell und durch Reibung der Gehörknöchelchen bei
Bewegung der Muskeln der Trommelhöhle. Sie sind schon früher er-
wähnt. — 4. Töne durch Erschütterungen des Felsenbeines mittelst
des Arterienpulses. Hierher gehören die klopfenden Töne bei Kopf-
kongestionen. — 5. Endlich beobachtet man noch sogenannte Binnen-
töne, die einen zu vollen und reinen Klang zeigen, als dass man ihren
Ursprung in einem der erwähnten Umstände suchen könnte. Woher
sie rühren, ist unbekannt.

F. Geruchsinn.

1. Anatomische Einleitung *). Die Verbreitungsbezirke des
n. olfactorius, an welche sich die Geruchsempfindungen knüpfen, sind
bekanntlich in eine vorzugsweise verengerte Stelle der Nasenhöhle,
nämlich den obern Theil der Nasenscheidewand und die beiden ersten
Muscheln gelegt. Die Besonderheit des Baues der Nasenwandungen
hierselbst liegen theils in der muscheligen Unebenheit derselben, theils
aber in der Gegenwart von besondern Drüsen und Oberhautbildungen.
Diese letzteren bestehen nach Beobachtungen von Bowmann aus
einem geschichteten Cylinderepithelium, dem hier, im Gegensatz zu
dem umgebenden, die Flimmerhaare fehlen. Dieses Epithelium zeichnet
sich auch noch durch seine ausserordentlich grosse Zerstörbarkeit,
insbesondere durch die von Seiten des Wassers aus; Kölliker. Die
Drüsen, welche man in den Verbreitungsstellen des n. olfactorius findet,
sind einfache Schläuche, die ihrem Bau nach in der Mitte zwischen den
Lieberkühn’schen und Schweissdrüsen stehen; über ihre Absonde-
rungsstoffe ist leider nichts bekannt. Man könnte sich denken, dass die
Abwesenheit der Flimmerhaare insofern Bezug auf die Leistungen der
Geruchswerkzeuge übe, als dadurch die Luftströmungen und Luftcon-
densationen auf der Nasenoberfläche verändert würden, und ferner,
dass die Gegenwart der Drüsen von Bedeutung sei für die Bildung
eines besonderen Lösungsmittels für die Riechstoffe.

2. Erregungsmittel. Zu ihnen zählt man a. Spannungs- und
Lagenveränderungen der Nerven, wie sie durch Drücke auf die Nase
herbeigeführt werden; Valentin **). Da die Geruchsnerven nur sehr
weniger Menschen auf diese Weise erregt werden, so bezweifelt man

*) Kölliker, Handbuch der Gewebelehre 1852. p. 632.
**) Lehrbuch der Physiologie II. Bd. b. 2te Aufl. 292.
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[287/0301] Binnentöne; Geruchsinn. Erschütterungen (durch die Kopfknochen ect.) reichen dann hin, um stehende Schwingungen dieser Luft zu veranlassen. Sie verschwinden, wenn die Communication zwischen Atmosphäre und Trommelfell wieder hergestellt ist. — 2. Selbsttönen der Luft der Trommelhöhle. Dieses Tönen erscheint, wenn die tuba Eustachii verstopft ist. — 3. Töne durch Zerrungen am Trommelfell und durch Reibung der Gehörknöchelchen bei Bewegung der Muskeln der Trommelhöhle. Sie sind schon früher er- wähnt. — 4. Töne durch Erschütterungen des Felsenbeines mittelst des Arterienpulses. Hierher gehören die klopfenden Töne bei Kopf- kongestionen. — 5. Endlich beobachtet man noch sogenannte Binnen- töne, die einen zu vollen und reinen Klang zeigen, als dass man ihren Ursprung in einem der erwähnten Umstände suchen könnte. Woher sie rühren, ist unbekannt. F. Geruchsinn. 1. Anatomische Einleitung *). Die Verbreitungsbezirke des n. olfactorius, an welche sich die Geruchsempfindungen knüpfen, sind bekanntlich in eine vorzugsweise verengerte Stelle der Nasenhöhle, nämlich den obern Theil der Nasenscheidewand und die beiden ersten Muscheln gelegt. Die Besonderheit des Baues der Nasenwandungen hierselbst liegen theils in der muscheligen Unebenheit derselben, theils aber in der Gegenwart von besondern Drüsen und Oberhautbildungen. Diese letzteren bestehen nach Beobachtungen von Bowmann aus einem geschichteten Cylinderepithelium, dem hier, im Gegensatz zu dem umgebenden, die Flimmerhaare fehlen. Dieses Epithelium zeichnet sich auch noch durch seine ausserordentlich grosse Zerstörbarkeit, insbesondere durch die von Seiten des Wassers aus; Kölliker. Die Drüsen, welche man in den Verbreitungsstellen des n. olfactorius findet, sind einfache Schläuche, die ihrem Bau nach in der Mitte zwischen den Lieberkühn’schen und Schweissdrüsen stehen; über ihre Absonde- rungsstoffe ist leider nichts bekannt. Man könnte sich denken, dass die Abwesenheit der Flimmerhaare insofern Bezug auf die Leistungen der Geruchswerkzeuge übe, als dadurch die Luftströmungen und Luftcon- densationen auf der Nasenoberfläche verändert würden, und ferner, dass die Gegenwart der Drüsen von Bedeutung sei für die Bildung eines besonderen Lösungsmittels für die Riechstoffe. 2. Erregungsmittel. Zu ihnen zählt man a. Spannungs- und Lagenveränderungen der Nerven, wie sie durch Drücke auf die Nase herbeigeführt werden; Valentin **). Da die Geruchsnerven nur sehr weniger Menschen auf diese Weise erregt werden, so bezweifelt man *) Kölliker, Handbuch der Gewebelehre 1852. p. 632. **) Lehrbuch der Physiologie II. Bd. b. 2te Aufl. 292.

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Zitationshilfe: Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 1. Heidelberg, 1852, S. 287. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie01_1852/301>, abgerufen am 20.04.2019.