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Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. Heidelberg und Leipzig, 1856.

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Knochen.
Schichten besteht, so scheint es fast, als sei die Zellenhöhle durch pe-
riodisch auf die innere Wandfläche erfolgende Absätze verengert worden
(Donders).

Der Knorpel gehört zu den Formbestandtheilen, welche sich auch
im Erwachsenen neu bilden können. Um so auffallender ist es, dass
Knorpelwunden durch Bindegewebe heilen (Redfern)*).

Da der Knorpel nur äusserst selten mit Gefässen durchzogen ist,
so müssen die Flüssigkeiten durch Diffusion fortschreiten, welche die
Atome ein- und ausführen zum Vortheil des Stoffumsatzes, der nach den
anatomischen Beobachtungen unzweifelhaft vorhanden ist.

Das Wenige, was wir über physikalische Eigenschaften kennen, ist
schon früher erwähnt (Bd. I. p. 364).

Knochen.

1. Anatomische Beschaffenheit**). Die Knochenmasse setzt sich aus
dünnen miteinander verwachsenen Platten zusammen, welche in conzen-
trischen Lagen um die mikroskopischen Röhren geschichtet sind, die
als Leitungsröhren der Blutgefässcapillaren den Knochen netzförmig durch-
ziehen. Die Substanz der Knochenplättchen (also die knöcherner Wan-
dungen der Gefässröhren), welche öfter optisch homogen, zuweilen aber
auch gekörnt erscheint, ist abermals von einem besondern Höhlensystem,
den Knochen- oder Strahlenkörperchen und ihren Ausläufern, durch-
brochen. Ein jedes dieser Strahlenkörperchen ist nemlich nichts anderes
als eine eiförmige Lücke in der Knochensubstanz, von welcher eine grös-
sere oder geringere Zahl hohler Ausläufer ausstrahlt; die Ausläufer be-
nachbarter Knochenkörperchen anastomisiren mit einander, und diejenigen,
welche unmittelbar an die Gefässröhren und an die Knochenoberfläche
grenzen, münden frei in die ersteren und unter das Periost, so dass durch
jeden Knochen ausser dem Netz der Gefässröhren noch ein zweites ausser-
ordentlich viel feineres, aber dafür dichteres und verbreiteteres, herläuft.
Da die Knochenkörperchen in den Knochenschichten in ziemlich regel-
mässigen Abständen gelagert sind, so bilden die Verbindungslinien der-
jenigen von ihnen, welche in einer Horizontalebene liegen und zu
einem der conzentrisch gelagerten Knochenplättchen gehören, eine ähn-
liche Form wie die Contour der Knochenplättchen selbst, d. h. die Zellen-
höhlen liegen abermals in mehreren Lagen conzentrisch um die Gefäss-
röhren. Zu den beiden eben beschriebenen Lückensystemen kommt end-
lich noch ein drittes sehr unregelmässig gestaltetes, welches vorzugsweise
das Innere des Knochens durchzieht, wo es als Markhöhle, diploetisches
oder spongiöses Gewebe bekannt ist. -- Jede der drei Höhlenarten schliesst
nun auch besondere Weichgebilde ein. Die strahlenförmigen Höhlen

*) Henle's Jahresbericht für 1851. p. 52.
**) H. Meyer, der Knorpel und seine Verknochung. Müller's Archiv. 1849. -- Kölliker
mikroskopische Anatomie. II. Bd. 1. Abthl.

Knochen.
Schichten besteht, so scheint es fast, als sei die Zellenhöhle durch pe-
riodisch auf die innere Wandfläche erfolgende Absätze verengert worden
(Donders).

Der Knorpel gehört zu den Formbestandtheilen, welche sich auch
im Erwachsenen neu bilden können. Um so auffallender ist es, dass
Knorpelwunden durch Bindegewebe heilen (Redfern)*).

Da der Knorpel nur äusserst selten mit Gefässen durchzogen ist,
so müssen die Flüssigkeiten durch Diffusion fortschreiten, welche die
Atome ein- und ausführen zum Vortheil des Stoffumsatzes, der nach den
anatomischen Beobachtungen unzweifelhaft vorhanden ist.

Das Wenige, was wir über physikalische Eigenschaften kennen, ist
schon früher erwähnt (Bd. I. p. 364).

Knochen.

1. Anatomische Beschaffenheit**). Die Knochenmasse setzt sich aus
dünnen miteinander verwachsenen Platten zusammen, welche in conzen-
trischen Lagen um die mikroskopischen Röhren geschichtet sind, die
als Leitungsröhren der Blutgefässcapillaren den Knochen netzförmig durch-
ziehen. Die Substanz der Knochenplättchen (also die knöcherner Wan-
dungen der Gefässröhren), welche öfter optisch homogen, zuweilen aber
auch gekörnt erscheint, ist abermals von einem besondern Höhlensystem,
den Knochen- oder Strahlenkörperchen und ihren Ausläufern, durch-
brochen. Ein jedes dieser Strahlenkörperchen ist nemlich nichts anderes
als eine eiförmige Lücke in der Knochensubstanz, von welcher eine grös-
sere oder geringere Zahl hohler Ausläufer ausstrahlt; die Ausläufer be-
nachbarter Knochenkörperchen anastomisiren mit einander, und diejenigen,
welche unmittelbar an die Gefässröhren und an die Knochenoberfläche
grenzen, münden frei in die ersteren und unter das Periost, so dass durch
jeden Knochen ausser dem Netz der Gefässröhren noch ein zweites ausser-
ordentlich viel feineres, aber dafür dichteres und verbreiteteres, herläuft.
Da die Knochenkörperchen in den Knochenschichten in ziemlich regel-
mässigen Abständen gelagert sind, so bilden die Verbindungslinien der-
jenigen von ihnen, welche in einer Horizontalebene liegen und zu
einem der conzentrisch gelagerten Knochenplättchen gehören, eine ähn-
liche Form wie die Contour der Knochenplättchen selbst, d. h. die Zellen-
höhlen liegen abermals in mehreren Lagen conzentrisch um die Gefäss-
röhren. Zu den beiden eben beschriebenen Lückensystemen kommt end-
lich noch ein drittes sehr unregelmässig gestaltetes, welches vorzugsweise
das Innere des Knochens durchzieht, wo es als Markhöhle, diploetisches
oder spongiöses Gewebe bekannt ist. — Jede der drei Höhlenarten schliesst
nun auch besondere Weichgebilde ein. Die strahlenförmigen Höhlen

*) Henle’s Jahresbericht für 1851. p. 52.
**) H. Meyer, der Knorpel und seine Verknochung. Müller’s Archiv. 1849. — Kölliker
mikroskopische Anatomie. II. Bd. 1. Abthl.
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[192/0208] Knochen. Schichten besteht, so scheint es fast, als sei die Zellenhöhle durch pe- riodisch auf die innere Wandfläche erfolgende Absätze verengert worden (Donders). Der Knorpel gehört zu den Formbestandtheilen, welche sich auch im Erwachsenen neu bilden können. Um so auffallender ist es, dass Knorpelwunden durch Bindegewebe heilen (Redfern) *). Da der Knorpel nur äusserst selten mit Gefässen durchzogen ist, so müssen die Flüssigkeiten durch Diffusion fortschreiten, welche die Atome ein- und ausführen zum Vortheil des Stoffumsatzes, der nach den anatomischen Beobachtungen unzweifelhaft vorhanden ist. Das Wenige, was wir über physikalische Eigenschaften kennen, ist schon früher erwähnt (Bd. I. p. 364). Knochen. 1. Anatomische Beschaffenheit **). Die Knochenmasse setzt sich aus dünnen miteinander verwachsenen Platten zusammen, welche in conzen- trischen Lagen um die mikroskopischen Röhren geschichtet sind, die als Leitungsröhren der Blutgefässcapillaren den Knochen netzförmig durch- ziehen. Die Substanz der Knochenplättchen (also die knöcherner Wan- dungen der Gefässröhren), welche öfter optisch homogen, zuweilen aber auch gekörnt erscheint, ist abermals von einem besondern Höhlensystem, den Knochen- oder Strahlenkörperchen und ihren Ausläufern, durch- brochen. Ein jedes dieser Strahlenkörperchen ist nemlich nichts anderes als eine eiförmige Lücke in der Knochensubstanz, von welcher eine grös- sere oder geringere Zahl hohler Ausläufer ausstrahlt; die Ausläufer be- nachbarter Knochenkörperchen anastomisiren mit einander, und diejenigen, welche unmittelbar an die Gefässröhren und an die Knochenoberfläche grenzen, münden frei in die ersteren und unter das Periost, so dass durch jeden Knochen ausser dem Netz der Gefässröhren noch ein zweites ausser- ordentlich viel feineres, aber dafür dichteres und verbreiteteres, herläuft. Da die Knochenkörperchen in den Knochenschichten in ziemlich regel- mässigen Abständen gelagert sind, so bilden die Verbindungslinien der- jenigen von ihnen, welche in einer Horizontalebene liegen und zu einem der conzentrisch gelagerten Knochenplättchen gehören, eine ähn- liche Form wie die Contour der Knochenplättchen selbst, d. h. die Zellen- höhlen liegen abermals in mehreren Lagen conzentrisch um die Gefäss- röhren. Zu den beiden eben beschriebenen Lückensystemen kommt end- lich noch ein drittes sehr unregelmässig gestaltetes, welches vorzugsweise das Innere des Knochens durchzieht, wo es als Markhöhle, diploetisches oder spongiöses Gewebe bekannt ist. — Jede der drei Höhlenarten schliesst nun auch besondere Weichgebilde ein. Die strahlenförmigen Höhlen *) Henle’s Jahresbericht für 1851. p. 52. **) H. Meyer, der Knorpel und seine Verknochung. Müller’s Archiv. 1849. — Kölliker mikroskopische Anatomie. II. Bd. 1. Abthl.

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Zitationshilfe: Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. Heidelberg und Leipzig, 1856, S. 192. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie02_1856/208>, abgerufen am 21.04.2019.