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Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. Heidelberg und Leipzig, 1856.

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Meibom'sche und Ohrenschmalzdrüsen.
an. Ihr Sekret ist noch nicht untersucht; sie liefern dasselbe auf die
Augenlidränder, welche, mit dem fettigen Saft bestrichen, den Thränen
den Uebertritt auf die Wangen erschweren.

3. Ohrenschmalzdrüsen. In dem äussern Gehörgang kommen
zwei Drüsenarten vor, die eine, welche in die Haarbälge mündet und somit
den Talgdrüsen vollkommen gleichartig gebaut ist, und eine andere, die
Ohrenschmalzdrüsen im engern Wortsinn, welche dem Bau ihrer Höh-
lung und Wandung nach den mit Muskeln versehenen Schweissdrüsen
sehr ähnlich ist. Der einzige Unterschied, welcher zwischen Schweiss-
und Ohrenschmalzdrüsen besteht, wird durch das Epithelium gegeben,
welches in den leztern durch seinen fetthaltigen Inhalt ausgezeichnet ist
(Kölliker)*).

Die Bestandtheile des Ohrenschmalzes**), das vorzugsweise der zu-
letzt erwähnten Drüse seinen Ursprung verdanken möchte, sind: Olein,
Margarin, eine eiweisshaltige Materie, ein in Wasser löslicher, gelbge-
färbter, bitterschmeckender Körper und die gewöhnlichen Blutsalze. --
Die quantitative Zusammensetzung des Ohrenschmalzes ist unzweifelhaft
sehr variabel, da es einmal dunkel und fest, das anderemal sehr hell
und mehr wasserhaltig abgesondert wird.

Schweissdrüsen.

1. Anatomischer Bau***). Das röhrenförmige Lumen der Schweiss-
drüsen mündet auf der Epidermisoberfläche, dringt spiralig durch die
Epidermis zur Cutis, verengert sich innerhalb derselben und geht dann
gestreckt bis in die tiefsten Schichten der Haut, wo es sich abermals
etwas erweitert, dann knaulförmig aufwindet, um schliesslich blind zu
enden. An den grössern Schweissdrüsen, z. B. denen der Achsel-
höhle theilt sich das Rohr in mehrere Aeste, von denen ein jeder sich
verhält wie eine einfache Drüse. Die Wand der Drüse besteht, wo sie
auch vorkommen mag, so lange sie durch die Cutis läuft, aus einer
strukturlosen Grundhaut (Virchow). Diese fehlt aber, wenn das Drüsen-
lumen die Epidermis erreicht hat, so dass sich der Canal zwischen den
Zellen derselben hinzieht. Auf der innern Fläche der Grundhaut sitzt
ein Epithelium, das in den Drüsen von mittlerer und geringerer Grösse
aus einer einfachen Lage rundlicher Zellen besteht, deren Binnenraum
ausser dem Kern meist auch Fetttröpfchen enthält. In den Schweiss-
drüsen der Achselhöhle, der Peniswurzel und den Schamlippen kommt
dazu eine trübe, fettige Masse, welche Körnchen, kleinere und grössere
Zellen in sich schliesst. Auf der aussern Fläche der Grundhaut tragen
die zuletzt erwähnten Drüsen eine Schicht längs verlaufender Muskel-
zellen, und an diese schliesst sich eine streifige Bindegewebshülle an,

*) l. c. p. 171.
**) Berzelius, Lehrbuch der Chemie. IX. Bd. 537.
***) Kölliker, Handbuch der Gewebelehre. 2. Aufl. 1855, 162.

Meibom’sche und Ohrenschmalzdrüsen.
an. Ihr Sekret ist noch nicht untersucht; sie liefern dasselbe auf die
Augenlidränder, welche, mit dem fettigen Saft bestrichen, den Thränen
den Uebertritt auf die Wangen erschweren.

3. Ohrenschmalzdrüsen. In dem äussern Gehörgang kommen
zwei Drüsenarten vor, die eine, welche in die Haarbälge mündet und somit
den Talgdrüsen vollkommen gleichartig gebaut ist, und eine andere, die
Ohrenschmalzdrüsen im engern Wortsinn, welche dem Bau ihrer Höh-
lung und Wandung nach den mit Muskeln versehenen Schweissdrüsen
sehr ähnlich ist. Der einzige Unterschied, welcher zwischen Schweiss-
und Ohrenschmalzdrüsen besteht, wird durch das Epithelium gegeben,
welches in den leztern durch seinen fetthaltigen Inhalt ausgezeichnet ist
(Kölliker)*).

Die Bestandtheile des Ohrenschmalzes**), das vorzugsweise der zu-
letzt erwähnten Drüse seinen Ursprung verdanken möchte, sind: Olein,
Margarin, eine eiweisshaltige Materie, ein in Wasser löslicher, gelbge-
färbter, bitterschmeckender Körper und die gewöhnlichen Blutsalze. —
Die quantitative Zusammensetzung des Ohrenschmalzes ist unzweifelhaft
sehr variabel, da es einmal dunkel und fest, das anderemal sehr hell
und mehr wasserhaltig abgesondert wird.

Schweissdrüsen.

1. Anatomischer Bau***). Das röhrenförmige Lumen der Schweiss-
drüsen mündet auf der Epidermisoberfläche, dringt spiralig durch die
Epidermis zur Cutis, verengert sich innerhalb derselben und geht dann
gestreckt bis in die tiefsten Schichten der Haut, wo es sich abermals
etwas erweitert, dann knaulförmig aufwindet, um schliesslich blind zu
enden. An den grössern Schweissdrüsen, z. B. denen der Achsel-
höhle theilt sich das Rohr in mehrere Aeste, von denen ein jeder sich
verhält wie eine einfache Drüse. Die Wand der Drüse besteht, wo sie
auch vorkommen mag, so lange sie durch die Cutis läuft, aus einer
strukturlosen Grundhaut (Virchow). Diese fehlt aber, wenn das Drüsen-
lumen die Epidermis erreicht hat, so dass sich der Canal zwischen den
Zellen derselben hinzieht. Auf der innern Fläche der Grundhaut sitzt
ein Epithelium, das in den Drüsen von mittlerer und geringerer Grösse
aus einer einfachen Lage rundlicher Zellen besteht, deren Binnenraum
ausser dem Kern meist auch Fetttröpfchen enthält. In den Schweiss-
drüsen der Achselhöhle, der Peniswurzel und den Schamlippen kommt
dazu eine trübe, fettige Masse, welche Körnchen, kleinere und grössere
Zellen in sich schliesst. Auf der aussern Fläche der Grundhaut tragen
die zuletzt erwähnten Drüsen eine Schicht längs verlaufender Muskel-
zellen, und an diese schliesst sich eine streifige Bindegewebshülle an,

*) l. c. p. 171.
**) Berzelius, Lehrbuch der Chemie. IX. Bd. 537.
***) Kölliker, Handbuch der Gewebelehre. 2. Aufl. 1855, 162.
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[252/0268] Meibom’sche und Ohrenschmalzdrüsen. an. Ihr Sekret ist noch nicht untersucht; sie liefern dasselbe auf die Augenlidränder, welche, mit dem fettigen Saft bestrichen, den Thränen den Uebertritt auf die Wangen erschweren. 3. Ohrenschmalzdrüsen. In dem äussern Gehörgang kommen zwei Drüsenarten vor, die eine, welche in die Haarbälge mündet und somit den Talgdrüsen vollkommen gleichartig gebaut ist, und eine andere, die Ohrenschmalzdrüsen im engern Wortsinn, welche dem Bau ihrer Höh- lung und Wandung nach den mit Muskeln versehenen Schweissdrüsen sehr ähnlich ist. Der einzige Unterschied, welcher zwischen Schweiss- und Ohrenschmalzdrüsen besteht, wird durch das Epithelium gegeben, welches in den leztern durch seinen fetthaltigen Inhalt ausgezeichnet ist (Kölliker) *). Die Bestandtheile des Ohrenschmalzes **), das vorzugsweise der zu- letzt erwähnten Drüse seinen Ursprung verdanken möchte, sind: Olein, Margarin, eine eiweisshaltige Materie, ein in Wasser löslicher, gelbge- färbter, bitterschmeckender Körper und die gewöhnlichen Blutsalze. — Die quantitative Zusammensetzung des Ohrenschmalzes ist unzweifelhaft sehr variabel, da es einmal dunkel und fest, das anderemal sehr hell und mehr wasserhaltig abgesondert wird. Schweissdrüsen. 1. Anatomischer Bau ***). Das röhrenförmige Lumen der Schweiss- drüsen mündet auf der Epidermisoberfläche, dringt spiralig durch die Epidermis zur Cutis, verengert sich innerhalb derselben und geht dann gestreckt bis in die tiefsten Schichten der Haut, wo es sich abermals etwas erweitert, dann knaulförmig aufwindet, um schliesslich blind zu enden. An den grössern Schweissdrüsen, z. B. denen der Achsel- höhle theilt sich das Rohr in mehrere Aeste, von denen ein jeder sich verhält wie eine einfache Drüse. Die Wand der Drüse besteht, wo sie auch vorkommen mag, so lange sie durch die Cutis läuft, aus einer strukturlosen Grundhaut (Virchow). Diese fehlt aber, wenn das Drüsen- lumen die Epidermis erreicht hat, so dass sich der Canal zwischen den Zellen derselben hinzieht. Auf der innern Fläche der Grundhaut sitzt ein Epithelium, das in den Drüsen von mittlerer und geringerer Grösse aus einer einfachen Lage rundlicher Zellen besteht, deren Binnenraum ausser dem Kern meist auch Fetttröpfchen enthält. In den Schweiss- drüsen der Achselhöhle, der Peniswurzel und den Schamlippen kommt dazu eine trübe, fettige Masse, welche Körnchen, kleinere und grössere Zellen in sich schliesst. Auf der aussern Fläche der Grundhaut tragen die zuletzt erwähnten Drüsen eine Schicht längs verlaufender Muskel- zellen, und an diese schliesst sich eine streifige Bindegewebshülle an, *) l. c. p. 171. **) Berzelius, Lehrbuch der Chemie. IX. Bd. 537. ***) Kölliker, Handbuch der Gewebelehre. 2. Aufl. 1855, 162.

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Zitationshilfe: Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. Heidelberg und Leipzig, 1856, S. 252. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie02_1856/268>, abgerufen am 23.04.2019.