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Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. Heidelberg und Leipzig, 1856.

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Brustdrüse; Ernährung derselben.
reiche Milch liefern, trotz guten Futters mager bleiben, und umgekehrt,
dass sie bei eintretender Mästung mager bleibt.

5. Die Ausstossung der Milch kann geschehen durch die Kräfte,
welche sie in die Gänge treiben, und sie kann beschleunigt werden durch
die Muskeln, welche in der Haut und dem Bindegewebe der Brustdrüse
liegen. Meist geschieht dieses aber nicht, so dass nur durch Aussaugen
die Entleerung zu Stande kommt.

6. Die Milchdrüse des Neugeborenen ist aus mehreren flaschenför-
migen Höhlen zusammengesetzt, die sich nach aussen auf die Brustwarze
öffnen; die einzelnen Flaschen entsprechen den späteren grösseren Aus-
führungsgängen. Bis zur eintretenden Pubertät gehen beim weiblichen
Geschlecht aus den blinden Enden allmählig die ersten Anlagen der
Drüsenbläschen hervor, die während der eingetretenen Pubertät, nament-
lich aber zur Zeit der ersten Schwangerschaft, ihre volle Ausbildung er-
langen. Nach dem Schluss der Menstruationsfähigkeit schwinden die
Drüsenbläschen wieder, so dass in dem höheren Alter an ihre Stelle
ein fetthaltiges Bindegewebe getreten ist (Langer). Die Ausbildung der
Drüse und der andern weiblichen Geschlechtswerkzeuge muss aber be-
kanntlich nicht nothwendig gleichläufig sein, da Mütter mit mangelhaft
entwickelten Brustdrüsen gerade nicht zu den Seltenheiten zählen.

Luftabsondernde Werkzeuge; Athmungsflächen.
Einleitung.

Zu diesen Werkzeugen sind zu zählen alle von Blut durchzogenen
Flächen unseres Körpers, welche von einer Luftschicht von veränder-
licher Zusammensetzung bedeckt ist. Wegen der allgemein giltigen Be-
ziehungen zwischen gashaltigen oder leicht verdampfenden Flüssigkeiten
und freien Gasarten, muss an allen Orten der bezeichneten Einrichtung
sich eine Luftströmung einstellen, so wie irgend welche Ungleichheit
zwischen dem Gas des Bluts und der deckenden Luft besteht. Die Strö-
mungen, welche hierbei zum Vorschein kommen, sind entweder einfache
Gasbewegungen in Folge des ungleichen Druckes, welcher zwischen ver-
schiedenen Schichten einer und derselben Luftart besteht, oder sie sind
von Veränderungen des Aggregatzustandes begleitet: Absorptionen und
Verdampfungen.

Die Gase, welche sich im normalen thierischen Leben an den bezeich-
neten Luftströmungen, die man im weitesten Wortsinn Athmungen nennt,
betheiligen, sind Sauerstoff, Kohlensäure, Stickstoff, Wasserdampf und in
sehr geringen Mengen Wasserstoff und Ammoniakdampf. Erinnert man sich
der Thatsache *), dass das Blut reich an CO2 und arm an O ist, und
dass die uns umgebende Atmosphäre sich gerade im umgekehrten Falle
befindet, so folgt daraus, dass ein Kohlensäurestrom vom Blut zur

*) Siehe p. 18.

Brustdrüse; Ernährung derselben.
reiche Milch liefern, trotz guten Futters mager bleiben, und umgekehrt,
dass sie bei eintretender Mästung mager bleibt.

5. Die Ausstossung der Milch kann geschehen durch die Kräfte,
welche sie in die Gänge treiben, und sie kann beschleunigt werden durch
die Muskeln, welche in der Haut und dem Bindegewebe der Brustdrüse
liegen. Meist geschieht dieses aber nicht, so dass nur durch Aussaugen
die Entleerung zu Stande kommt.

6. Die Milchdrüse des Neugeborenen ist aus mehreren flaschenför-
migen Höhlen zusammengesetzt, die sich nach aussen auf die Brustwarze
öffnen; die einzelnen Flaschen entsprechen den späteren grösseren Aus-
führungsgängen. Bis zur eintretenden Pubertät gehen beim weiblichen
Geschlecht aus den blinden Enden allmählig die ersten Anlagen der
Drüsenbläschen hervor, die während der eingetretenen Pubertät, nament-
lich aber zur Zeit der ersten Schwangerschaft, ihre volle Ausbildung er-
langen. Nach dem Schluss der Menstruationsfähigkeit schwinden die
Drüsenbläschen wieder, so dass in dem höheren Alter an ihre Stelle
ein fetthaltiges Bindegewebe getreten ist (Langer). Die Ausbildung der
Drüse und der andern weiblichen Geschlechtswerkzeuge muss aber be-
kanntlich nicht nothwendig gleichläufig sein, da Mütter mit mangelhaft
entwickelten Brustdrüsen gerade nicht zu den Seltenheiten zählen.

Luftabsondernde Werkzeuge; Athmungsflächen.
Einleitung.

Zu diesen Werkzeugen sind zu zählen alle von Blut durchzogenen
Flächen unseres Körpers, welche von einer Luftschicht von veränder-
licher Zusammensetzung bedeckt ist. Wegen der allgemein giltigen Be-
ziehungen zwischen gashaltigen oder leicht verdampfenden Flüssigkeiten
und freien Gasarten, muss an allen Orten der bezeichneten Einrichtung
sich eine Luftströmung einstellen, so wie irgend welche Ungleichheit
zwischen dem Gas des Bluts und der deckenden Luft besteht. Die Strö-
mungen, welche hierbei zum Vorschein kommen, sind entweder einfache
Gasbewegungen in Folge des ungleichen Druckes, welcher zwischen ver-
schiedenen Schichten einer und derselben Luftart besteht, oder sie sind
von Veränderungen des Aggregatzustandes begleitet: Absorptionen und
Verdampfungen.

Die Gase, welche sich im normalen thierischen Leben an den bezeich-
neten Luftströmungen, die man im weitesten Wortsinn Athmungen nennt,
betheiligen, sind Sauerstoff, Kohlensäure, Stickstoff, Wasserdampf und in
sehr geringen Mengen Wasserstoff und Ammoniakdampf. Erinnert man sich
der Thatsache *), dass das Blut reich an CO2 und arm an O ist, und
dass die uns umgebende Atmosphäre sich gerade im umgekehrten Falle
befindet, so folgt daraus, dass ein Kohlensäurestrom vom Blut zur

*) Siehe p. 18.
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[297/0313] Brustdrüse; Ernährung derselben. reiche Milch liefern, trotz guten Futters mager bleiben, und umgekehrt, dass sie bei eintretender Mästung mager bleibt. 5. Die Ausstossung der Milch kann geschehen durch die Kräfte, welche sie in die Gänge treiben, und sie kann beschleunigt werden durch die Muskeln, welche in der Haut und dem Bindegewebe der Brustdrüse liegen. Meist geschieht dieses aber nicht, so dass nur durch Aussaugen die Entleerung zu Stande kommt. 6. Die Milchdrüse des Neugeborenen ist aus mehreren flaschenför- migen Höhlen zusammengesetzt, die sich nach aussen auf die Brustwarze öffnen; die einzelnen Flaschen entsprechen den späteren grösseren Aus- führungsgängen. Bis zur eintretenden Pubertät gehen beim weiblichen Geschlecht aus den blinden Enden allmählig die ersten Anlagen der Drüsenbläschen hervor, die während der eingetretenen Pubertät, nament- lich aber zur Zeit der ersten Schwangerschaft, ihre volle Ausbildung er- langen. Nach dem Schluss der Menstruationsfähigkeit schwinden die Drüsenbläschen wieder, so dass in dem höheren Alter an ihre Stelle ein fetthaltiges Bindegewebe getreten ist (Langer). Die Ausbildung der Drüse und der andern weiblichen Geschlechtswerkzeuge muss aber be- kanntlich nicht nothwendig gleichläufig sein, da Mütter mit mangelhaft entwickelten Brustdrüsen gerade nicht zu den Seltenheiten zählen. Luftabsondernde Werkzeuge; Athmungsflächen. Einleitung. Zu diesen Werkzeugen sind zu zählen alle von Blut durchzogenen Flächen unseres Körpers, welche von einer Luftschicht von veränder- licher Zusammensetzung bedeckt ist. Wegen der allgemein giltigen Be- ziehungen zwischen gashaltigen oder leicht verdampfenden Flüssigkeiten und freien Gasarten, muss an allen Orten der bezeichneten Einrichtung sich eine Luftströmung einstellen, so wie irgend welche Ungleichheit zwischen dem Gas des Bluts und der deckenden Luft besteht. Die Strö- mungen, welche hierbei zum Vorschein kommen, sind entweder einfache Gasbewegungen in Folge des ungleichen Druckes, welcher zwischen ver- schiedenen Schichten einer und derselben Luftart besteht, oder sie sind von Veränderungen des Aggregatzustandes begleitet: Absorptionen und Verdampfungen. Die Gase, welche sich im normalen thierischen Leben an den bezeich- neten Luftströmungen, die man im weitesten Wortsinn Athmungen nennt, betheiligen, sind Sauerstoff, Kohlensäure, Stickstoff, Wasserdampf und in sehr geringen Mengen Wasserstoff und Ammoniakdampf. Erinnert man sich der Thatsache *), dass das Blut reich an CO2 und arm an O ist, und dass die uns umgebende Atmosphäre sich gerade im umgekehrten Falle befindet, so folgt daraus, dass ein Kohlensäurestrom vom Blut zur *) Siehe p. 18.

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Zitationshilfe: Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. Heidelberg und Leipzig, 1856, S. 297. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie02_1856/313>, abgerufen am 25.04.2019.