Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704.

Bild:
<< vorherige Seite

welche nicht mehr als 10. und 11 Sylben haben/
und da ist der Abschnitt in der 4. Sylbe/ e. g.

Das Leben sinckt/ der frische Geist erblast.

Jedoch findet man auch offt den Abschnitt in der 6.
Sylbe e. g.

Was ist die leichte Welt? nichts als ein Fallen.

(3) Die grossen oder Alexandrinische/ so von 12. und
13 Sylben sind/ haben ordentlich den Abschnitt in
der 6. Sylbe/ e. g.

Das Glücke kehrt sichumb wie ein geschlagner Ball.

Reg. 4. Auf wie vielerley Art die Alexandrini-
schen Versse verschrenckt werden/ eben also auch die
andern/ und kan man den Wechsel am besten aus
berühmter Poeten Verssen erkennen.

Reg. 5. Die Jambischen Versse werden gar
annehmlich zu Oden und Liedern angewendet/ wobey
doch diß zu mercken/ daß wie viel eine Strophe, und
auch wie lange Versse sie gehabt/ deßgleichen wie
sie verschrenckt werden/ also müssen auch die andern
seyn. Und die 11 sylbigten werden zu dem Sonnet-
ten und Kling-Gedichten am meisten gebraucht.

CAP. III.
Von den Trochaischen Verssen.

Reg. 1.

TRochaische Versse werden sonsten lang kur-
tze oder fallende genannt/ sind nichts anders/
als umbgekehrte Jambi, wo die erste Sylbe lang/
die andere kurtz ist. Zur Helden-Art dienen solche
Versse nicht/ aber wohl zu Liedern und Trauer-
Spielen.

Reg. 2.

welche nicht mehr als 10. und 11 Sylben haben/
und da iſt der Abſchnitt in der 4. Sylbe/ e. g.

Das Leben ſinckt/ der friſche Geiſt erblaſt.

Jedoch findet man auch offt den Abſchnitt in der 6.
Sylbe e. g.

Was iſt die leichte Welt? nichts als ein Fallen.

(3) Die groſſen oder Alexandriniſche/ ſo von 12. und
13 Sylben ſind/ haben ordentlich den Abſchnitt in
der 6. Sylbe/ e. g.

Das Gluͤcke kehrt ſichumb wie ein geſchlagner Ball.

Reg. 4. Auf wie vielerley Art die Alexandrini-
ſchen Verſſe verſchrenckt werden/ eben alſo auch die
andern/ und kan man den Wechſel am beſten aus
beruͤhmter Poeten Verſſen erkennen.

Reg. 5. Die Jambiſchen Verſſe werden gar
annehmlich zu Oden und Liedern angewendet/ wobey
doch diß zu mercken/ daß wie viel eine Strophe, und
auch wie lange Verſſe ſie gehabt/ deßgleichen wie
ſie verſchrenckt werden/ alſo muͤſſen auch die andern
ſeyn. Und die 11 ſylbigten werden zu dem Sonnet-
ten und Kling-Gedichten am meiſten gebraucht.

CAP. III.
Von den Trochaiſchen Verſſen.

Reg. 1.

TRochaiſche Verſſe werden ſonſten lang kur-
tze oder fallende genannt/ ſind nichts anders/
als umbgekehrte Jambi, wo die erſte Sylbe lang/
die andere kurtz iſt. Zur Helden-Art dienen ſolche
Verſſe nicht/ aber wohl zu Liedern und Trauer-
Spielen.

Reg. 2.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0106" n="94"/>
welche nicht mehr als 10. und 11 Sylben haben/<lb/>
und da i&#x017F;t der Ab&#x017F;chnitt in der 4. Sylbe/ <hi rendition="#aq">e. g.</hi></p><lb/>
            <p>Das Leben &#x017F;inckt/ der fri&#x017F;che Gei&#x017F;t erbla&#x017F;t.</p><lb/>
            <p>Jedoch findet man auch offt den Ab&#x017F;chnitt in der 6.<lb/>
Sylbe <hi rendition="#aq">e. g.</hi></p><lb/>
            <p>Was i&#x017F;t die leichte Welt? nichts als ein Fallen.</p><lb/>
            <p>(3) Die gro&#x017F;&#x017F;en oder <hi rendition="#aq">Alexandrini</hi>&#x017F;che/ &#x017F;o von 12. und<lb/>
13 Sylben &#x017F;ind/ haben ordentlich den Ab&#x017F;chnitt in<lb/>
der 6. Sylbe/ <hi rendition="#aq">e. g.</hi></p><lb/>
            <p>Das Glu&#x0364;cke kehrt &#x017F;ichumb wie ein ge&#x017F;chlagner Ball.</p><lb/>
            <p><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 4. Auf wie vielerley Art die <hi rendition="#aq">Alexandrini-</hi><lb/>
&#x017F;chen Ver&#x017F;&#x017F;e ver&#x017F;chrenckt werden/ eben al&#x017F;o auch die<lb/>
andern/ und kan man den Wech&#x017F;el am be&#x017F;ten aus<lb/>
beru&#x0364;hmter Poeten Ver&#x017F;&#x017F;en erkennen.</p><lb/>
            <p><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 5. Die <hi rendition="#aq">Jambi</hi>&#x017F;chen Ver&#x017F;&#x017F;e werden gar<lb/>
annehmlich zu Oden und Liedern angewendet/ wobey<lb/>
doch diß zu mercken/ daß wie viel eine <hi rendition="#aq">Strophe,</hi> und<lb/>
auch wie lange Ver&#x017F;&#x017F;e &#x017F;ie gehabt/ deßgleichen wie<lb/>
&#x017F;ie ver&#x017F;chrenckt werden/ al&#x017F;o mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en auch die andern<lb/>
&#x017F;eyn. Und die 11 &#x017F;ylbigten werden zu dem Sonnet-<lb/>
ten und Kling-Gedichten am mei&#x017F;ten gebraucht.</p>
          </div>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq">CAP. III.</hi><lb/> <hi rendition="#b">Von den <hi rendition="#aq">Trochai</hi>&#x017F;chen Ver&#x017F;&#x017F;en.</hi> </head><lb/>
          <p> <hi rendition="#c"><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 1.</hi> </p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq"><hi rendition="#in">T</hi>Rochai</hi>&#x017F;che Ver&#x017F;&#x017F;e werden &#x017F;on&#x017F;ten lang kur-<lb/>
tze oder fallende genannt/ &#x017F;ind nichts anders/<lb/>
als umbgekehrte <hi rendition="#aq">Jambi,</hi> wo die er&#x017F;te Sylbe lang/<lb/>
die andere kurtz i&#x017F;t. Zur Helden-Art dienen &#x017F;olche<lb/>
Ver&#x017F;&#x017F;e nicht/ aber wohl zu Liedern und Trauer-<lb/>
Spielen.</p><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 2.</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[94/0106] welche nicht mehr als 10. und 11 Sylben haben/ und da iſt der Abſchnitt in der 4. Sylbe/ e. g. Das Leben ſinckt/ der friſche Geiſt erblaſt. Jedoch findet man auch offt den Abſchnitt in der 6. Sylbe e. g. Was iſt die leichte Welt? nichts als ein Fallen. (3) Die groſſen oder Alexandriniſche/ ſo von 12. und 13 Sylben ſind/ haben ordentlich den Abſchnitt in der 6. Sylbe/ e. g. Das Gluͤcke kehrt ſichumb wie ein geſchlagner Ball. Reg. 4. Auf wie vielerley Art die Alexandrini- ſchen Verſſe verſchrenckt werden/ eben alſo auch die andern/ und kan man den Wechſel am beſten aus beruͤhmter Poeten Verſſen erkennen. Reg. 5. Die Jambiſchen Verſſe werden gar annehmlich zu Oden und Liedern angewendet/ wobey doch diß zu mercken/ daß wie viel eine Strophe, und auch wie lange Verſſe ſie gehabt/ deßgleichen wie ſie verſchrenckt werden/ alſo muͤſſen auch die andern ſeyn. Und die 11 ſylbigten werden zu dem Sonnet- ten und Kling-Gedichten am meiſten gebraucht. CAP. III. Von den Trochaiſchen Verſſen. Reg. 1. TRochaiſche Verſſe werden ſonſten lang kur- tze oder fallende genannt/ ſind nichts anders/ als umbgekehrte Jambi, wo die erſte Sylbe lang/ die andere kurtz iſt. Zur Helden-Art dienen ſolche Verſſe nicht/ aber wohl zu Liedern und Trauer- Spielen. Reg. 2.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe von 1704 handelt es sich, um die … [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704/106
Zitationshilfe: Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704. , S. 94. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704/106>, abgerufen am 20.07.2019.