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Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704.

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Vorrede.
An den Freundlichen Leser.

GEneigter Freund/ daß sich öffters
Zwerge auf hohen Bergen/ Zaun-
Könige in Lüfften/ und armseelige
Menschen in der Welt praesentiren/
ist nicht Wunders-würdig/ sintemahl
der Schauplatz der Erden/ allerhand Sachen
aufführet. Es wächst auf einem Garten-Bete/
so wohl ein hoher Käyser-Cronen-Stengel/ als ei-
ne niederträchtige Viol-Blume. Die wilde See
verbannet deswegen nicht einen fruchtbaren He-
ring/ weil grosse Meer-Kälber und Wall-Fische
in ihr schertzen. Ein kluger Darius nimmt offt so
lieb die armseelig- doch treumeinend-gegebne Ga-
be an/ als eine von grosser Phariseer-Hand über-
reichte Heuchel-Jubele, die den Wehrt zum Grun-
de und Zeuge-Mutter/ den Betrug aber zum Vor-
hange hat. Ich eigne deiner Gunst/ geliebter Le-
ser/ nebst meinen dir gewiedmeten Diensten
diesen Europaeischen Helicon zu/ davon ich vor
ohngefehr 20 Jahren/ als ich den Academischen
Musen diente/ meinen Zuhörern damahls zu Lie-
be einen kurtzen Auszug hievon in dem Europaei-
schen Parnasso heraus gab. Wie aber ein Fluß
durch weiteres Lauffen immer heller und klärer wird/
so hab ich auch nachdem mir das Glück/ einige des
unvergleichlichen Hoffmanswaldaus und Caspa-

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Vorrede.
An den Freundlichen Leſer.

GEneigter Freund/ daß ſich oͤffters
Zwerge auf hohen Bergen/ Zaun-
Koͤnige in Luͤfften/ und armſeelige
Menſchen in der Welt præſentiren/
iſt nicht Wunders-wuͤrdig/ ſintemahl
der Schauplatz der Erden/ allerhand Sachen
auffuͤhret. Es waͤchſt auf einem Garten-Bete/
ſo wohl ein hoher Kaͤyſer-Cronen-Stengel/ als ei-
ne niedertraͤchtige Viol-Blume. Die wilde See
verbannet deswegen nicht einen fruchtbaren He-
ring/ weil groſſe Meer-Kaͤlber und Wall-Fiſche
in ihr ſchertzen. Ein kluger Darius nim̃t offt ſo
lieb die armſeelig- doch treumeinend-gegebne Ga-
be an/ als eine von groſſer Phariſeer-Hand uͤber-
reichte Heuchel-Jubele, die den Wehrt zum Grun-
de und Zeuge-Mutter/ den Betrug aber zum Vor-
hange hat. Ich eigne deiner Gunſt/ geliebter Le-
ſer/ nebſt meinen dir gewiedmeten Dienſten
dieſen Europæiſchen Helicon zu/ davon ich vor
ohngefehr 20 Jahren/ als ich den Academiſchen
Muſen diente/ meinen Zuhoͤrern damahls zu Lie-
be einen kurtzen Auszug hievon in dem Europæi-
ſchen Parnaſſo heraus gab. Wie aber ein Fluß
durch weiteres Lauffen im̃er heller und klaͤrer wird/
ſo hab ich auch nachdem mir das Gluͤck/ einige des
unvergleichlichen Hoffmanswaldaus und Caſpa-

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[0007] Vorrede. An den Freundlichen Leſer. GEneigter Freund/ daß ſich oͤffters Zwerge auf hohen Bergen/ Zaun- Koͤnige in Luͤfften/ und armſeelige Menſchen in der Welt præſentiren/ iſt nicht Wunders-wuͤrdig/ ſintemahl der Schauplatz der Erden/ allerhand Sachen auffuͤhret. Es waͤchſt auf einem Garten-Bete/ ſo wohl ein hoher Kaͤyſer-Cronen-Stengel/ als ei- ne niedertraͤchtige Viol-Blume. Die wilde See verbannet deswegen nicht einen fruchtbaren He- ring/ weil groſſe Meer-Kaͤlber und Wall-Fiſche in ihr ſchertzen. Ein kluger Darius nim̃t offt ſo lieb die armſeelig- doch treumeinend-gegebne Ga- be an/ als eine von groſſer Phariſeer-Hand uͤber- reichte Heuchel-Jubele, die den Wehrt zum Grun- de und Zeuge-Mutter/ den Betrug aber zum Vor- hange hat. Ich eigne deiner Gunſt/ geliebter Le- ſer/ nebſt meinen dir gewiedmeten Dienſten dieſen Europæiſchen Helicon zu/ davon ich vor ohngefehr 20 Jahren/ als ich den Academiſchen Muſen diente/ meinen Zuhoͤrern damahls zu Lie- be einen kurtzen Auszug hievon in dem Europæi- ſchen Parnaſſo heraus gab. Wie aber ein Fluß durch weiteres Lauffen im̃er heller und klaͤrer wird/ ſo hab ich auch nachdem mir das Gluͤck/ einige des unvergleichlichen Hoffmanswaldaus und Caſpa- ri )( 2

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Zitationshilfe: Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704. , S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704/7>, abgerufen am 15.10.2019.