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Marperger, Paul Jacob: Getreuer und Geschickter Handels-Diener. Nürnberg u. a., 1715.

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Caput II.
Schreiben eines Dienst-suchenden
Handels-Diener an einen Freund.

DEmselben wird nicht unwissend seyn/ daß durch
den Todt Herrn N. N. meines etliche Jahr
her gewesenen liebwerthen Herrn Patroni, dessen
Handlung so weit cessiret/ daß die Erben mehr die
noch ausstehende Schulden einzutreiben/ und die
verhandene Waaren zu verkauffen/ als die Hand-
lung fortzusetzen/ gesinnet seyn; Wann nun bey so
gestalten Sachen mein Glück weiter zu suchen/ mir
allerdings angelegen seyn will/ als ersuche ich mei-
nen Herrn/ im Fall ihres Orts in einer berühmten
Handlung (in welcher vor einen jungen Menschen
noch was zu sehen/ zu lernen/ und zu verdienen seyn
möchte) eine Condition offen seyn solte/ mir solche
vor andern zuzuweisen/ allenfalls hätte ich noch
wohl Lust/ ein Jahr oder vier mich in der Frembde
herum zu tummeln/ meine Profectus seynd dem
Herrn mehrentheils bekannt/ dieses ist die Hand/
welche ich schreibe; bey meinem seeligen Patron ha-
be ich die Holländische und Frantzösische Corre-
spondenz
geführet/ dabey noch die Haupt-Han-
dels-Bücher gehalten/ und mehrentheils des Mit-
tags die Börsen-Zeit gantz allein verwaltet/ und
wann es ja erfordert werden solte/ meiner Treu
und Conduite halben Caution zu stellen/ (wie-
wohl solches bey Handels-Dienern etwas unge-
wöhnliches/ als die man billich aus ihren wohl er-
standenen Lehr-Jahren und Testimoniis ander-
wärts schon abgelegter redlicher Dienste beurthei-
len solte/) so wird sich Herr N. N. allhier nicht ent-

ziehen/
Caput II.
Schreiben eines Dienſt-ſuchenden
Handels-Diener an einen Freund.

DEmſelben wird nicht unwiſſend ſeyn/ daß durch
den Todt Herrn N. N. meines etliche Jahr
her geweſenen liebwerthen Herrn Patroni, deſſen
Handlung ſo weit ceſſiret/ daß die Erben mehr die
noch ausſtehende Schulden einzutreiben/ und die
verhandene Waaren zu verkauffen/ als die Hand-
lung fortzuſetzen/ geſinnet ſeyn; Wann nun bey ſo
geſtalten Sachen mein Gluͤck weiter zu ſuchen/ mir
allerdings angelegen ſeyn will/ als erſuche ich mei-
nen Herrn/ im Fall ihres Orts in einer beruͤhmten
Handlung (in welcher vor einen jungen Menſchen
noch was zu ſehen/ zu lernen/ und zu verdienen ſeyn
moͤchte) eine Condition offen ſeyn ſolte/ mir ſolche
vor andern zuzuweiſen/ allenfalls haͤtte ich noch
wohl Luſt/ ein Jahr oder vier mich in der Frembde
herum zu tummeln/ meine Profectus ſeynd dem
Herrn mehrentheils bekannt/ dieſes iſt die Hand/
welche ich ſchreibe; bey meinem ſeeligen Patron ha-
be ich die Hollaͤndiſche und Frantzoͤſiſche Corre-
ſpondenz
gefuͤhret/ dabey noch die Haupt-Han-
dels-Buͤcher gehalten/ und mehrentheils des Mit-
tags die Boͤrſen-Zeit gantz allein verwaltet/ und
wann es ja erfordert werden ſolte/ meiner Treu
und Conduite halben Caution zu ſtellen/ (wie-
wohl ſolches bey Handels-Dienern etwas unge-
woͤhnliches/ als die man billich aus ihren wohl er-
ſtandenen Lehr-Jahren und Teſtimoniis ander-
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len ſolte/) ſo wird ſich Herr N. N. allhier nicht ent-

ziehen/
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[112/0136] Caput II. Schreiben eines Dienſt-ſuchenden Handels-Diener an einen Freund. DEmſelben wird nicht unwiſſend ſeyn/ daß durch den Todt Herrn N. N. meines etliche Jahr her geweſenen liebwerthen Herrn Patroni, deſſen Handlung ſo weit ceſſiret/ daß die Erben mehr die noch ausſtehende Schulden einzutreiben/ und die verhandene Waaren zu verkauffen/ als die Hand- lung fortzuſetzen/ geſinnet ſeyn; Wann nun bey ſo geſtalten Sachen mein Gluͤck weiter zu ſuchen/ mir allerdings angelegen ſeyn will/ als erſuche ich mei- nen Herrn/ im Fall ihres Orts in einer beruͤhmten Handlung (in welcher vor einen jungen Menſchen noch was zu ſehen/ zu lernen/ und zu verdienen ſeyn moͤchte) eine Condition offen ſeyn ſolte/ mir ſolche vor andern zuzuweiſen/ allenfalls haͤtte ich noch wohl Luſt/ ein Jahr oder vier mich in der Frembde herum zu tummeln/ meine Profectus ſeynd dem Herrn mehrentheils bekannt/ dieſes iſt die Hand/ welche ich ſchreibe; bey meinem ſeeligen Patron ha- be ich die Hollaͤndiſche und Frantzoͤſiſche Corre- ſpondenz gefuͤhret/ dabey noch die Haupt-Han- dels-Buͤcher gehalten/ und mehrentheils des Mit- tags die Boͤrſen-Zeit gantz allein verwaltet/ und wann es ja erfordert werden ſolte/ meiner Treu und Conduite halben Caution zu ſtellen/ (wie- wohl ſolches bey Handels-Dienern etwas unge- woͤhnliches/ als die man billich aus ihren wohl er- ſtandenen Lehr-Jahren und Teſtimoniis ander- waͤrts ſchon abgelegter redlicher Dienſte beurthei- len ſolte/) ſo wird ſich Herr N. N. allhier nicht ent- ziehen/

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Zitationshilfe: Marperger, Paul Jacob: Getreuer und Geschickter Handels-Diener. Nürnberg u. a., 1715, S. 112. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marperger_handelsdiener_1715/136>, abgerufen am 10.12.2019.