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[N. N.]: Hofzimmer der Klugen. Übers. v. Georg Martzi. Frankfurt (Main), 1692.

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Königliche und Politische Be-
trachtung/ Sprüche
oder
Grund-Regeln.
I.

DJe Ober-Herrschafft ist eigentlich
davon zu reden/ eine zugleich schwe-
re und ehrenreiche Last: Ein Fürst
soll gedencken/ er sey um keiner andern Ur-
sach willen auff den Thron kommen/ als
auff daß er besser arbeite/ und nicht daß er
ruhe. Weil er der einige auff dieser hohen
Staffel ist/ so hat er vieler Leute Nutz zu be-
obachten/ und muß sich befleissen/ ihnen alle
erdenckliche Wolfahrt zu verschaffen. Es
gibt etliche sehr mühsame und beschwerliche
Geschäffte/ welche man nichts destoweniger
im sitzen verrichtet: Und Philippus II. der
grosse und kluge Monarch/ pflegte zu sagen/
daß die Geschäffte eines Königs sich wohl
mit einem Weber vergleichen: denn gleich
wie dieser Handwercksmann/ den Schein
nach/ beqvemlich sitzt/ unterdessen aber mit
Händen und Füssen mit dem Mund und

sei-
G 2
Koͤnigliche und Politiſche Be-
trachtung/ Spruͤche
oder
Grund-Regeln.
I.

DJe Ober-Herrſchafft iſt eigentlich
davon zu reden/ eine zugleich ſchwe-
re und ehrenreiche Laſt: Ein Fuͤrſt
ſoll gedencken/ er ſey um keiner andern Ur-
ſach willen auff den Thron kommen/ als
auff daß er beſſer arbeite/ und nicht daß er
ruhe. Weil er der einige auff dieſer hohen
Staffel iſt/ ſo hat er vieler Leute Nutz zu be-
obachten/ und muß ſich befleiſſen/ ihnen alle
erdenckliche Wolfahrt zu verſchaffen. Es
gibt etliche ſehr muͤhſame und beſchwerliche
Geſchaͤffte/ welche man nichts deſtoweniger
im ſitzen verrichtet: Und Philippus II. der
groſſe und kluge Monarch/ pflegte zu ſagen/
daß die Geſchaͤffte eines Koͤnigs ſich wohl
mit einem Weber vergleichen: denn gleich
wie dieſer Handwercksmann/ den Schein
nach/ beqvemlich ſitzt/ unterdeſſen aber mit
Haͤnden und Fuͤſſen mit dem Mund und

ſei-
G 2
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[157[147]/0158] Koͤnigliche und Politiſche Be- trachtung/ Spruͤche oder Grund-Regeln. I. DJe Ober-Herrſchafft iſt eigentlich davon zu reden/ eine zugleich ſchwe- re und ehrenreiche Laſt: Ein Fuͤrſt ſoll gedencken/ er ſey um keiner andern Ur- ſach willen auff den Thron kommen/ als auff daß er beſſer arbeite/ und nicht daß er ruhe. Weil er der einige auff dieſer hohen Staffel iſt/ ſo hat er vieler Leute Nutz zu be- obachten/ und muß ſich befleiſſen/ ihnen alle erdenckliche Wolfahrt zu verſchaffen. Es gibt etliche ſehr muͤhſame und beſchwerliche Geſchaͤffte/ welche man nichts deſtoweniger im ſitzen verrichtet: Und Philippus II. der groſſe und kluge Monarch/ pflegte zu ſagen/ daß die Geſchaͤffte eines Koͤnigs ſich wohl mit einem Weber vergleichen: denn gleich wie dieſer Handwercksmann/ den Schein nach/ beqvemlich ſitzt/ unterdeſſen aber mit Haͤnden und Fuͤſſen mit dem Mund und ſei- G 2

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Zitationshilfe: [N. N.]: Hofzimmer der Klugen. Übers. v. Georg Martzi. Frankfurt (Main), 1692, S. 157[147]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/martzi_klugen_1692/158>, abgerufen am 24.09.2018.