Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Marx, Karl: Das Kapital. Buch I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Hamburg, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite

ist einfach zu zählen. Wir nehmen an, dass die Spinnarbeit einfache
Arbeit, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ist. Man wird später sehn,
dass die gegentheilige Annahme nichts an der Sache ändern würde.

Während des Arbeitsprozesses setzt sich die Arbeit beständig aus der
Form der Unruhe in die des Seins, aus der Form der Bewegung in die der
Gegenständlichkeit um. Am Ende einer Stunde ist die Spinnbewegung
in einem gewissen Quantum Garn dargestellt, also ein bestimmtes Quan-
tum Arbeit, eine Arbeitsstunde in der Baumwolle vergegen-
ständlicht
. Wir sagen Arbeitsstunde, denn die Spinnarbeit gilt hier
nur, so weit sie Verausgabung von Arbeitskraft, nicht so weit sie die
spezifische Arbeit des Spinnens ist.

Es ist nun entscheidend wichtig, dass während der Dauer des Pro-
zesses, d. h. der Verwandlung von Baumwolle in Garn, nur die gesell-
schaftlich nothwendige Arbeitszeit
verzehrt wird. Müssen
unter normalen, d. h. durchschnittlichen gesellschaftlichen Produk-
tionsbedingungen, a Pfund Baumwolle während einer Arbeitsstunde in
b Pfund Garn verwandelt sein, so gilt nur der Arbeitstag als Arbeitstag
von 12 Stunden, der 12 x a Pfund Baumwolle in 12 x b Pfund Garn
verwandelt. Denn nur die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit zählt
als werthbildend.

Rohmaterial und Produkt erscheinen hier in einem ganz ande-
ren Licht als vom Standpunkt des eigentlichen Arbeitsprozesses. Das
Rohmaterial gilt hier nur als Aufsauger eines bestimmten
Quantums Arbeit
. Durch diese Aufsaugung verwandelt es sich in
der That in Garn, weil ihm Spinnarbeit zugesetzt wurde. Aber das
Produkt, das Garn, ist jetzt nur Gradmesser der von der Baumwolle ein-
gesaugten Arbeit. Wird in einer Stunde 1 2/3 lbs. Baumwolle versponnen
oder in 1 2/3 lbs. Garn verwandelt, so zeigen 10 lbs. Garn 6 eingesaugte
Arbeitsstunden an. Bestimmte und erfahrungsmässig festge-
stellte Quanta Produkt
stellen jetzt nichts dar als bestimmte Quanta
Arbeit, bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit. Sie sind nur noch
Materiatur von einer Stunde, zwei Stunden, einem Tag gesell-
schaftlicher Arbeit
.

Dass die Arbeit grade Spinnarbeit, ihr Material Baumwolle und ihr Pro-
dukt Garn, wird hier eben so gleichgültig, als dass der Arbeitsgegen-
stand
selbst schon Produkt, also Rohmaterial ist. Wäre der Arbei-

ist einfach zu zählen. Wir nehmen an, dass die Spinnarbeit einfache
Arbeit, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ist. Man wird später sehn,
dass die gegentheilige Annahme nichts an der Sache ändern würde.

Während des Arbeitsprozesses setzt sich die Arbeit beständig aus der
Form der Unruhe in die des Seins, aus der Form der Bewegung in die der
Gegenständlichkeit um. Am Ende einer Stunde ist die Spinnbewegung
in einem gewissen Quantum Garn dargestellt, also ein bestimmtes Quan-
tum Arbeit, eine Arbeitsstunde in der Baumwolle vergegen-
ständlicht
. Wir sagen Arbeitsstunde, denn die Spinnarbeit gilt hier
nur, so weit sie Verausgabung von Arbeitskraft, nicht so weit sie die
spezifische Arbeit des Spinnens ist.

Es ist nun entscheidend wichtig, dass während der Dauer des Pro-
zesses, d. h. der Verwandlung von Baumwolle in Garn, nur die gesell-
schaftlich nothwendige Arbeitszeit
verzehrt wird. Müssen
unter normalen, d. h. durchschnittlichen gesellschaftlichen Produk-
tionsbedingungen, a Pfund Baumwolle während einer Arbeitsstunde in
b Pfund Garn verwandelt sein, so gilt nur der Arbeitstag als Arbeitstag
von 12 Stunden, der 12 × a Pfund Baumwolle in 12 × b Pfund Garn
verwandelt. Denn nur die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit zählt
als werthbildend.

Rohmaterial und Produkt erscheinen hier in einem ganz ande-
ren Licht als vom Standpunkt des eigentlichen Arbeitsprozesses. Das
Rohmaterial gilt hier nur als Aufsauger eines bestimmten
Quantums Arbeit
. Durch diese Aufsaugung verwandelt es sich in
der That in Garn, weil ihm Spinnarbeit zugesetzt wurde. Aber das
Produkt, das Garn, ist jetzt nur Gradmesser der von der Baumwolle ein-
gesaugten Arbeit. Wird in einer Stunde 1⅔ lbs. Baumwolle versponnen
oder in 1⅔ lbs. Garn verwandelt, so zeigen 10 lbs. Garn 6 eingesaugte
Arbeitsstunden an. Bestimmte und erfahrungsmässig festge-
stellte Quanta Produkt
stellen jetzt nichts dar als bestimmte Quanta
Arbeit, bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit. Sie sind nur noch
Materiatur von einer Stunde, zwei Stunden, einem Tag gesell-
schaftlicher Arbeit
.

Dass die Arbeit grade Spinnarbeit, ihr Material Baumwolle und ihr Pro-
dukt Garn, wird hier eben so gleichgültig, als dass der Arbeitsgegen-
stand
selbst schon Produkt, also Rohmaterial ist. Wäre der Arbei-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0174" n="155"/>
ist einfach zu <hi rendition="#g">zählen</hi>. Wir nehmen an, dass die Spinnarbeit <hi rendition="#g">einfache</hi><lb/>
Arbeit, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ist. Man wird später sehn,<lb/>
dass die gegentheilige Annahme nichts an der Sache ändern würde.</p><lb/>
            <p>Während des Arbeitsprozesses setzt sich die Arbeit beständig aus der<lb/>
Form der Unruhe in die des Seins, aus der Form der Bewegung in die der<lb/>
Gegenständlichkeit um. Am Ende einer Stunde ist die Spinnbewegung<lb/>
in einem gewissen Quantum Garn dargestellt, also ein bestimmtes Quan-<lb/>
tum Arbeit, <hi rendition="#g">eine Arbeitsstunde</hi> in der Baumwolle <hi rendition="#g">vergegen-<lb/>
ständlicht</hi>. Wir sagen Arbeitsstunde, denn die Spinnarbeit gilt hier<lb/>
nur, so weit sie Verausgabung von Arbeitskraft, nicht so weit sie die<lb/>
spezifische Arbeit des <hi rendition="#g">Spinnens</hi> ist.</p><lb/>
            <p>Es ist nun entscheidend wichtig, dass während der Dauer des Pro-<lb/>
zesses, d. h. der Verwandlung von Baumwolle in Garn, nur die <hi rendition="#g">gesell-<lb/>
schaftlich nothwendige Arbeitszeit</hi> verzehrt wird. Müssen<lb/>
unter <hi rendition="#g">normalen</hi>, d. h. durchschnittlichen gesellschaftlichen Produk-<lb/>
tionsbedingungen, a Pfund Baumwolle während <hi rendition="#g">einer</hi> Arbeitsstunde in<lb/>
b Pfund Garn verwandelt sein, so gilt nur der Arbeitstag als Arbeitstag<lb/>
von 12 Stunden, der 12 × a Pfund Baumwolle in 12 × b Pfund Garn<lb/>
verwandelt. Denn nur die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit zählt<lb/>
als <hi rendition="#g">werthbildend</hi>.</p><lb/>
            <p><hi rendition="#g">Rohmaterial</hi> und <hi rendition="#g">Produkt</hi> erscheinen hier in einem ganz ande-<lb/>
ren Licht als vom Standpunkt des eigentlichen Arbeitsprozesses. Das<lb/>
Rohmaterial gilt hier nur als <hi rendition="#g">Aufsauger eines bestimmten<lb/>
Quantums Arbeit</hi>. Durch diese Aufsaugung verwandelt es sich in<lb/>
der That in Garn, weil ihm <hi rendition="#g">Spinnarbeit</hi> zugesetzt wurde. Aber das<lb/>
Produkt, das Garn, ist jetzt nur Gradmesser der von der Baumwolle ein-<lb/>
gesaugten Arbeit. Wird in einer Stunde 1&#x2154; lbs. Baumwolle versponnen<lb/>
oder in 1&#x2154; lbs. Garn verwandelt, so zeigen 10 lbs. Garn 6 eingesaugte<lb/>
Arbeitsstunden an. Bestimmte und <hi rendition="#g">erfahrungsmässig festge-<lb/>
stellte Quanta Produkt</hi> stellen jetzt nichts dar als bestimmte Quanta<lb/>
Arbeit, bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit. Sie sind nur noch<lb/><hi rendition="#g">Materiatur</hi> von einer Stunde, zwei Stunden, einem Tag <hi rendition="#g">gesell-<lb/>
schaftlicher Arbeit</hi>.</p><lb/>
            <p>Dass die Arbeit grade Spinnarbeit, ihr Material Baumwolle und ihr Pro-<lb/>
dukt Garn, wird hier eben so gleichgültig, als dass der <hi rendition="#g">Arbeitsgegen-<lb/>
stand</hi> selbst schon Produkt, also <hi rendition="#g">Rohmaterial</hi> ist. Wäre der Arbei-<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[155/0174] ist einfach zu zählen. Wir nehmen an, dass die Spinnarbeit einfache Arbeit, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ist. Man wird später sehn, dass die gegentheilige Annahme nichts an der Sache ändern würde. Während des Arbeitsprozesses setzt sich die Arbeit beständig aus der Form der Unruhe in die des Seins, aus der Form der Bewegung in die der Gegenständlichkeit um. Am Ende einer Stunde ist die Spinnbewegung in einem gewissen Quantum Garn dargestellt, also ein bestimmtes Quan- tum Arbeit, eine Arbeitsstunde in der Baumwolle vergegen- ständlicht. Wir sagen Arbeitsstunde, denn die Spinnarbeit gilt hier nur, so weit sie Verausgabung von Arbeitskraft, nicht so weit sie die spezifische Arbeit des Spinnens ist. Es ist nun entscheidend wichtig, dass während der Dauer des Pro- zesses, d. h. der Verwandlung von Baumwolle in Garn, nur die gesell- schaftlich nothwendige Arbeitszeit verzehrt wird. Müssen unter normalen, d. h. durchschnittlichen gesellschaftlichen Produk- tionsbedingungen, a Pfund Baumwolle während einer Arbeitsstunde in b Pfund Garn verwandelt sein, so gilt nur der Arbeitstag als Arbeitstag von 12 Stunden, der 12 × a Pfund Baumwolle in 12 × b Pfund Garn verwandelt. Denn nur die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit zählt als werthbildend. Rohmaterial und Produkt erscheinen hier in einem ganz ande- ren Licht als vom Standpunkt des eigentlichen Arbeitsprozesses. Das Rohmaterial gilt hier nur als Aufsauger eines bestimmten Quantums Arbeit. Durch diese Aufsaugung verwandelt es sich in der That in Garn, weil ihm Spinnarbeit zugesetzt wurde. Aber das Produkt, das Garn, ist jetzt nur Gradmesser der von der Baumwolle ein- gesaugten Arbeit. Wird in einer Stunde 1⅔ lbs. Baumwolle versponnen oder in 1⅔ lbs. Garn verwandelt, so zeigen 10 lbs. Garn 6 eingesaugte Arbeitsstunden an. Bestimmte und erfahrungsmässig festge- stellte Quanta Produkt stellen jetzt nichts dar als bestimmte Quanta Arbeit, bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit. Sie sind nur noch Materiatur von einer Stunde, zwei Stunden, einem Tag gesell- schaftlicher Arbeit. Dass die Arbeit grade Spinnarbeit, ihr Material Baumwolle und ihr Pro- dukt Garn, wird hier eben so gleichgültig, als dass der Arbeitsgegen- stand selbst schon Produkt, also Rohmaterial ist. Wäre der Arbei-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital01_1867/174
Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Hamburg, 1867, S. 155. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital01_1867/174>, abgerufen am 22.11.2019.