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Marx, Karl: Das Kapital. Buch I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Hamburg, 1867.

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4) Der Arbeitstag.

Wir gingen von der Voraussetzung aus, dass die Arbeitskraft zu
ihrem Werthe gekauft und verkauft wird. Ihr Werth, wie der jeder
andern Waare, wird bestimmt durch die zu ihrer Produktion nöthige Ar-
beitszeit. Erheischt also die Durchschnittssumme der täglichen Lebens-
mittel des Arbeiters zu ihrer Produktion 6 Stunden täglich, so muss er
im Durchschnitt 6 Stunden per Tag arbeiten, um seine Arbeitskraft täglich
zu produziren oder den in ihrem Verkauf erhaltenen Werth zu repro-
duziren. Der nothwendige Theil seines Arbeitstages beträgt
dann 6 Stunden, und ist daher, unter sonst gleichbleibenden Umständen,
eine gegebene Grösse. Aber damit ist die Grösse des Arbeits-
tags selbst
noch nicht gegeben.

Nehmen wir an, die Linie a--------------b stelle die Dauer oder Länge
der noth wendigen Arbeitszeit vor, sage 6 Stunden. Je nachdem
die Arbeit über a b um 1, 3 oder 6 Stunden u. s. w. verlängert wird, er-
halten wir die 3 verschiedenen Linien:
[Abbildung] die drei verschiedne Arbeitstage von 7, 9 und 12 Stunden vorstellen. Die
Verlängerungslinie b c stellt die Länge der Surplusarbeitszeit vor. Da der
Arbeitstag = a b + b c oder a c ist, variirt er mit der variablen Grösse
b c. Da uns a b gegeben ist, kann das Verhältniss von b c zu a b
stets gemessen werden. Es beträgt in Arbeitstag I 1/6 , in Arbeitstag II
, und in Arbeitstag III von a b. Da ferner die Proportion
die Rate des Mehrwerths bestimmt, ist letztere
gegeben durch jenes Verhältniss. Sie beträgt in den drei verschiedenen
Arbeitstagen respektive 16 2/3 , 50 und 100 %. Umgekehrt würde die
Rate des Mehrwerths allein uns nicht die Grösse des Arbeits-
tags
geben. Wäre sie z. B. gleich 100 %, so könnte der Arbeitstag
8, 10, 12stündig u. s. w. sein. Sie würde anzeigen, dass die zwei Be-
standtheile des Arbeitstags, nothwendige Arbeit und Mehrarbeit, gleich
gross sind, aber nicht wie gross jeder dieser Theile.

Der Arbeitstag ist also keine constante, sondern eine variable

4) Der Arbeitstag.

Wir gingen von der Voraussetzung aus, dass die Arbeitskraft zu
ihrem Werthe gekauft und verkauft wird. Ihr Werth, wie der jeder
andern Waare, wird bestimmt durch die zu ihrer Produktion nöthige Ar-
beitszeit. Erheischt also die Durchschnittssumme der täglichen Lebens-
mittel des Arbeiters zu ihrer Produktion 6 Stunden täglich, so muss er
im Durchschnitt 6 Stunden per Tag arbeiten, um seine Arbeitskraft täglich
zu produziren oder den in ihrem Verkauf erhaltenen Werth zu repro-
duziren. Der nothwendige Theil seines Arbeitstages beträgt
dann 6 Stunden, und ist daher, unter sonst gleichbleibenden Umständen,
eine gegebene Grösse. Aber damit ist die Grösse des Arbeits-
tags selbst
noch nicht gegeben.

Nehmen wir an, die Linie a--------------b stelle die Dauer oder Länge
der noth wendigen Arbeitszeit vor, sage 6 Stunden. Je nachdem
die Arbeit über a b um 1, 3 oder 6 Stunden u. s. w. verlängert wird, er-
halten wir die 3 verschiedenen Linien:
[Abbildung] die drei verschiedne Arbeitstage von 7, 9 und 12 Stunden vorstellen. Die
Verlängerungslinie b c stellt die Länge der Surplusarbeitszeit vor. Da der
Arbeitstag = a b + b c oder a c ist, variirt er mit der variablen Grösse
b c. Da uns a b gegeben ist, kann das Verhältniss von b c zu a b
stets gemessen werden. Es beträgt in Arbeitstag I ⅙, in Arbeitstag II
, und in Arbeitstag III von a b. Da ferner die Proportion
die Rate des Mehrwerths bestimmt, ist letztere
gegeben durch jenes Verhältniss. Sie beträgt in den drei verschiedenen
Arbeitstagen respektive 16⅔, 50 und 100 %. Umgekehrt würde die
Rate des Mehrwerths allein uns nicht die Grösse des Arbeits-
tags
geben. Wäre sie z. B. gleich 100 %, so könnte der Arbeitstag
8, 10, 12stündig u. s. w. sein. Sie würde anzeigen, dass die zwei Be-
standtheile des Arbeitstags, nothwendige Arbeit und Mehrarbeit, gleich
gross sind, aber nicht wie gross jeder dieser Theile.

Der Arbeitstag ist also keine constante, sondern eine variable

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[198/0217] 4) Der Arbeitstag. Wir gingen von der Voraussetzung aus, dass die Arbeitskraft zu ihrem Werthe gekauft und verkauft wird. Ihr Werth, wie der jeder andern Waare, wird bestimmt durch die zu ihrer Produktion nöthige Ar- beitszeit. Erheischt also die Durchschnittssumme der täglichen Lebens- mittel des Arbeiters zu ihrer Produktion 6 Stunden täglich, so muss er im Durchschnitt 6 Stunden per Tag arbeiten, um seine Arbeitskraft täglich zu produziren oder den in ihrem Verkauf erhaltenen Werth zu repro- duziren. Der nothwendige Theil seines Arbeitstages beträgt dann 6 Stunden, und ist daher, unter sonst gleichbleibenden Umständen, eine gegebene Grösse. Aber damit ist die Grösse des Arbeits- tags selbst noch nicht gegeben. Nehmen wir an, die Linie a--------------b stelle die Dauer oder Länge der noth wendigen Arbeitszeit vor, sage 6 Stunden. Je nachdem die Arbeit über a b um 1, 3 oder 6 Stunden u. s. w. verlängert wird, er- halten wir die 3 verschiedenen Linien: [Abbildung] die drei verschiedne Arbeitstage von 7, 9 und 12 Stunden vorstellen. Die Verlängerungslinie b c stellt die Länge der Surplusarbeitszeit vor. Da der Arbeitstag = a b + b c oder a c ist, variirt er mit der variablen Grösse b c. Da uns a b gegeben ist, kann das Verhältniss von b c zu a b stets gemessen werden. Es beträgt in Arbeitstag I ⅙, in Arbeitstag II [FORMEL], und in Arbeitstag III [FORMEL] von a b. Da ferner die Proportion [FORMEL] die Rate des Mehrwerths bestimmt, ist letztere gegeben durch jenes Verhältniss. Sie beträgt in den drei verschiedenen Arbeitstagen respektive 16⅔, 50 und 100 %. Umgekehrt würde die Rate des Mehrwerths allein uns nicht die Grösse des Arbeits- tags geben. Wäre sie z. B. gleich 100 %, so könnte der Arbeitstag 8, 10, 12stündig u. s. w. sein. Sie würde anzeigen, dass die zwei Be- standtheile des Arbeitstags, nothwendige Arbeit und Mehrarbeit, gleich gross sind, aber nicht wie gross jeder dieser Theile. Der Arbeitstag ist also keine constante, sondern eine variable

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Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Hamburg, 1867, S. 198. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital01_1867/217>, abgerufen am 26.09.2018.