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Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894.

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Noth verkümmert und verkürzt wird durch die unendlichen physi-
schen Leiden, die ihre blosse Beschäftigung erzeugt, wage ich die
Hoffnung auszusprechen, dass die sanitären Bedingungen der Arbeit
ebenso universell unter geeigneten gesetzlichen Schutz gestellt
werden; wenigstens soweit, dass die wirksame Lüftung aller ge-
schlossnen Arbeitsräume sicher gestellt, und dass in jedem seiner
Natur nach ungesunden Arbeitszweig die besondre gesundheits-
gefährliche Einwirkung soviel wie möglich beschränkt wird." (p. 63.)



III. Oekonomie in Krafterzeugung, Kraftübertragung
und Baulichkeiten
.

In seinem Bericht für Oktober 1852 citirt L. Horner einen Brief
des berühmten Ingenieurs James Nasmyth von Patricroft, des Er-
finders des Dampfhammers, worin es u. a. heisst:

"Das Publikum ist sehr wenig bekannt mit dem ungeheuren
Zuwachs an Triebkraft, der durch solche Systemänderungen und
Verbesserungen [an Dampfmaschinen] erlangt worden ist, wie die,
von denen ich spreche. Die Maschinenkraft unsres Bezirks (Lan-
cashire) lag unter dem Alpdruck furchtsamer und vorurtheilsvoller
Ueberlieferung während fast 40 Jahren, aber jetzt sind wir glück-
licherweise emancipirt. Während der letzten 15 Jahre, aber be-
sonders im Lauf der letzten 4 Jahre [also seit 1848] haben einige
sehr wichtige Aenderungen stattgefunden in der Betriebsweise
kondensirender Dampfmaschinen ... Der Erfolg war ... dass
dieselben Maschinen einen weit grössern Arbeitsbetrag leisteten,
und das obendrein bei sehr bedeutender Verringerung des Kohlen-
verbrauchs ... Während sehr vieler Jahre seit der Einführung der
Dampfkraft in die Fabriken dieser Bezirke war die Geschwindig-
keit, mit der man kondensirende Dampfmaschinen glaubte arbeiten
zu dürfen, ungefähr 220 Fuss Pistonhub per Minute; d. h. eine
Maschine mit 5 Fuss Kolbenhub war schon vorschriftsmäßig auf
22 Drehungen der Kurbelwelle beschränkt. Es galt nicht für an-
gemessen die Maschine rascher zu treiben; und da das ganze Geschirr
dieser Geschwindigkeit von 220 Fuss Kolbenbewegung per Minute
angepasst war, beherrschte diese langsame und unsinnig beschränkte
Geschwindigkeit den ganzen Betrieb während vieler Jahre. Endlich
aber, sei es durch glückliche Unkenntniss der Vorschrift, sei es aus
bessern Gründen bei irgend einem kühnen Neuerer, wurde eine grössre
Geschwindigkeit versucht und, da der Erfolg höchst günstig war,

Noth verkümmert und verkürzt wird durch die unendlichen physi-
schen Leiden, die ihre blosse Beschäftigung erzeugt, wage ich die
Hoffnung auszusprechen, dass die sanitären Bedingungen der Arbeit
ebenso universell unter geeigneten gesetzlichen Schutz gestellt
werden; wenigstens soweit, dass die wirksame Lüftung aller ge-
schlossnen Arbeitsräume sicher gestellt, und dass in jedem seiner
Natur nach ungesunden Arbeitszweig die besondre gesundheits-
gefährliche Einwirkung soviel wie möglich beschränkt wird.“ (p. 63.)



III. Oekonomie in Krafterzeugung, Kraftübertragung
und Baulichkeiten
.

In seinem Bericht für Oktober 1852 citirt L. Horner einen Brief
des berühmten Ingenieurs James Nasmyth von Patricroft, des Er-
finders des Dampfhammers, worin es u. a. heisst:

„Das Publikum ist sehr wenig bekannt mit dem ungeheuren
Zuwachs an Triebkraft, der durch solche Systemänderungen und
Verbesserungen [an Dampfmaschinen] erlangt worden ist, wie die,
von denen ich spreche. Die Maschinenkraft unsres Bezirks (Lan-
cashire) lag unter dem Alpdruck furchtsamer und vorurtheilsvoller
Ueberlieferung während fast 40 Jahren, aber jetzt sind wir glück-
licherweise emancipirt. Während der letzten 15 Jahre, aber be-
sonders im Lauf der letzten 4 Jahre [also seit 1848] haben einige
sehr wichtige Aenderungen stattgefunden in der Betriebsweise
kondensirender Dampfmaschinen … Der Erfolg war … dass
dieselben Maschinen einen weit grössern Arbeitsbetrag leisteten,
und das obendrein bei sehr bedeutender Verringerung des Kohlen-
verbrauchs … Während sehr vieler Jahre seit der Einführung der
Dampfkraft in die Fabriken dieser Bezirke war die Geschwindig-
keit, mit der man kondensirende Dampfmaschinen glaubte arbeiten
zu dürfen, ungefähr 220 Fuss Pistonhub per Minute; d. h. eine
Maschine mit 5 Fuss Kolbenhub war schon vorschriftsmäßig auf
22 Drehungen der Kurbelwelle beschränkt. Es galt nicht für an-
gemessen die Maschine rascher zu treiben; und da das ganze Geschirr
dieser Geschwindigkeit von 220 Fuss Kolbenbewegung per Minute
angepasst war, beherrschte diese langsame und unsinnig beschränkte
Geschwindigkeit den ganzen Betrieb während vieler Jahre. Endlich
aber, sei es durch glückliche Unkenntniss der Vorschrift, sei es aus
bessern Gründen bei irgend einem kühnen Neuerer, wurde eine grössre
Geschwindigkeit versucht und, da der Erfolg höchst günstig war,

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[72/0106] Noth verkümmert und verkürzt wird durch die unendlichen physi- schen Leiden, die ihre blosse Beschäftigung erzeugt, wage ich die Hoffnung auszusprechen, dass die sanitären Bedingungen der Arbeit ebenso universell unter geeigneten gesetzlichen Schutz gestellt werden; wenigstens soweit, dass die wirksame Lüftung aller ge- schlossnen Arbeitsräume sicher gestellt, und dass in jedem seiner Natur nach ungesunden Arbeitszweig die besondre gesundheits- gefährliche Einwirkung soviel wie möglich beschränkt wird.“ (p. 63.) III. Oekonomie in Krafterzeugung, Kraftübertragung und Baulichkeiten. In seinem Bericht für Oktober 1852 citirt L. Horner einen Brief des berühmten Ingenieurs James Nasmyth von Patricroft, des Er- finders des Dampfhammers, worin es u. a. heisst: „Das Publikum ist sehr wenig bekannt mit dem ungeheuren Zuwachs an Triebkraft, der durch solche Systemänderungen und Verbesserungen [an Dampfmaschinen] erlangt worden ist, wie die, von denen ich spreche. Die Maschinenkraft unsres Bezirks (Lan- cashire) lag unter dem Alpdruck furchtsamer und vorurtheilsvoller Ueberlieferung während fast 40 Jahren, aber jetzt sind wir glück- licherweise emancipirt. Während der letzten 15 Jahre, aber be- sonders im Lauf der letzten 4 Jahre [also seit 1848] haben einige sehr wichtige Aenderungen stattgefunden in der Betriebsweise kondensirender Dampfmaschinen … Der Erfolg war … dass dieselben Maschinen einen weit grössern Arbeitsbetrag leisteten, und das obendrein bei sehr bedeutender Verringerung des Kohlen- verbrauchs … Während sehr vieler Jahre seit der Einführung der Dampfkraft in die Fabriken dieser Bezirke war die Geschwindig- keit, mit der man kondensirende Dampfmaschinen glaubte arbeiten zu dürfen, ungefähr 220 Fuss Pistonhub per Minute; d. h. eine Maschine mit 5 Fuss Kolbenhub war schon vorschriftsmäßig auf 22 Drehungen der Kurbelwelle beschränkt. Es galt nicht für an- gemessen die Maschine rascher zu treiben; und da das ganze Geschirr dieser Geschwindigkeit von 220 Fuss Kolbenbewegung per Minute angepasst war, beherrschte diese langsame und unsinnig beschränkte Geschwindigkeit den ganzen Betrieb während vieler Jahre. Endlich aber, sei es durch glückliche Unkenntniss der Vorschrift, sei es aus bessern Gründen bei irgend einem kühnen Neuerer, wurde eine grössre Geschwindigkeit versucht und, da der Erfolg höchst günstig war,

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Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894, S. 72. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/106>, abgerufen am 22.04.2019.