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Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894.

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glattem Durchschlüpfen durch unmögliche Situationen, heroische
Verachtung gegen erhaltne Fusstritte, rasch zugreifende Aneignung
fremder Leistungen, zudringliche Marktschreierei der Reklame,
Organisation des Ruhms vermittelst des Kamaraderieklüngels --
wer reicht ihm in alledem das Wasser?

Italien ist das Land der Klassicität. Seit der grossen Zeit, als
bei ihm die Morgenröthe der modernen Welt aufging, brachte es
grossartige Charaktere hervor in unerreicht klassischer Vollendung.
von Dante bis auf Garibaldi. Aber auch die Zeit der Erniedrigung
und Fremdherrschaft hinterliess ihm klassische Charaktermasken,
darunter zwei besonders ausgemeisselte Typen: den Sganarell und
den Dulcamara. Die klassische Einheit beider sehn wir ver-
körpert in unserm illustre Loria.

Zum Schluss muss ich meine Leser über den Ocean führen. In
New-York hat Herr Dr. med. George C. Stiebeling auch eine
Lösung des Problems gefunden, und zwar eine äusserst einfache.
So einfach, dass kein Mensch weder hüben noch drüben sie
anerkennen wollte; worüber er in grossen Zorn gerieth, und
in einer endlosen Reihe Broschüren und Zeitungsartikel auf beiden
Seiten des grossen Wassers sich bitterlichst über diese Unbill
beschwerte. Man sagte ihm zwar in der Neuen Zeit, seine ganze
Lösung beruhe auf einem Rechenfehler. Aber das konnte
ihn nicht stören; Marx hat auch Rechenfehler gemacht und behält
dennoch in vielen Dingen recht. Sehn wir uns also die Stiebelingsche
Lösung an.

"Ich nehme zwei Fabriken an, die mit gleichem Kapital gleiche
Zeit arbeiten, aber mit einem verschiednen Verhältniss des
konstanten und des variablen Kapitals. Das Gesammtkapital (c + v)
setze ich = y, und bezeichne den Unterschied in dem Verhältniss
des konstanten zu dem variablen Kapital mit x. In Fabrik I ist
y = c + v, in Fabrik II ist y = (c -- x) + (v + x). Die Rate des
Mehrwerths ist also in Fabrik I = und in Fabrik II =
Profit (p) nenne ich den Gesammtmehrwerth (m), um den sich
das Gesammtkapital y oder c + v in der gegebnen Zeit vermehrt,
also p = m. Die Rate des Profits ist demnach in Fabrik I =
oder , und in Fabrik II ebenfalls oder d. h.
ebenfalls = . Das ... Problem löst sich also derart, dass

glattem Durchschlüpfen durch unmögliche Situationen, heroische
Verachtung gegen erhaltne Fusstritte, rasch zugreifende Aneignung
fremder Leistungen, zudringliche Marktschreierei der Reklame,
Organisation des Ruhms vermittelst des Kamaraderieklüngels —
wer reicht ihm in alledem das Wasser?

Italien ist das Land der Klassicität. Seit der grossen Zeit, als
bei ihm die Morgenröthe der modernen Welt aufging, brachte es
grossartige Charaktere hervor in unerreicht klassischer Vollendung.
von Dante bis auf Garibaldi. Aber auch die Zeit der Erniedrigung
und Fremdherrschaft hinterliess ihm klassische Charaktermasken,
darunter zwei besonders ausgemeisselte Typen: den Sganarell und
den Dulcamara. Die klassische Einheit beider sehn wir ver-
körpert in unserm illustre Loria.

Zum Schluss muss ich meine Leser über den Ocean führen. In
New-York hat Herr Dr. med. George C. Stiebeling auch eine
Lösung des Problems gefunden, und zwar eine äusserst einfache.
So einfach, dass kein Mensch weder hüben noch drüben sie
anerkennen wollte; worüber er in grossen Zorn gerieth, und
in einer endlosen Reihe Broschüren und Zeitungsartikel auf beiden
Seiten des grossen Wassers sich bitterlichst über diese Unbill
beschwerte. Man sagte ihm zwar in der Neuen Zeit, seine ganze
Lösung beruhe auf einem Rechenfehler. Aber das konnte
ihn nicht stören; Marx hat auch Rechenfehler gemacht und behält
dennoch in vielen Dingen recht. Sehn wir uns also die Stiebelingsche
Lösung an.

„Ich nehme zwei Fabriken an, die mit gleichem Kapital gleiche
Zeit arbeiten, aber mit einem verschiednen Verhältniss des
konstanten und des variablen Kapitals. Das Gesammtkapital (c + v)
setze ich = y, und bezeichne den Unterschied in dem Verhältniss
des konstanten zu dem variablen Kapital mit x. In Fabrik I ist
y = c + v, in Fabrik II ist y = (c — x) + (v + x). Die Rate des
Mehrwerths ist also in Fabrik I = und in Fabrik II =
Profit (p) nenne ich den Gesammtmehrwerth (m), um den sich
das Gesammtkapital y oder c + v in der gegebnen Zeit vermehrt,
also p = m. Die Rate des Profits ist demnach in Fabrik I =
oder , und in Fabrik II ebenfalls oder d. h.
ebenfalls = . Das … Problem löst sich also derart, dass

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[XXIII/0029] glattem Durchschlüpfen durch unmögliche Situationen, heroische Verachtung gegen erhaltne Fusstritte, rasch zugreifende Aneignung fremder Leistungen, zudringliche Marktschreierei der Reklame, Organisation des Ruhms vermittelst des Kamaraderieklüngels — wer reicht ihm in alledem das Wasser? Italien ist das Land der Klassicität. Seit der grossen Zeit, als bei ihm die Morgenröthe der modernen Welt aufging, brachte es grossartige Charaktere hervor in unerreicht klassischer Vollendung. von Dante bis auf Garibaldi. Aber auch die Zeit der Erniedrigung und Fremdherrschaft hinterliess ihm klassische Charaktermasken, darunter zwei besonders ausgemeisselte Typen: den Sganarell und den Dulcamara. Die klassische Einheit beider sehn wir ver- körpert in unserm illustre Loria. Zum Schluss muss ich meine Leser über den Ocean führen. In New-York hat Herr Dr. med. George C. Stiebeling auch eine Lösung des Problems gefunden, und zwar eine äusserst einfache. So einfach, dass kein Mensch weder hüben noch drüben sie anerkennen wollte; worüber er in grossen Zorn gerieth, und in einer endlosen Reihe Broschüren und Zeitungsartikel auf beiden Seiten des grossen Wassers sich bitterlichst über diese Unbill beschwerte. Man sagte ihm zwar in der Neuen Zeit, seine ganze Lösung beruhe auf einem Rechenfehler. Aber das konnte ihn nicht stören; Marx hat auch Rechenfehler gemacht und behält dennoch in vielen Dingen recht. Sehn wir uns also die Stiebelingsche Lösung an. „Ich nehme zwei Fabriken an, die mit gleichem Kapital gleiche Zeit arbeiten, aber mit einem verschiednen Verhältniss des konstanten und des variablen Kapitals. Das Gesammtkapital (c + v) setze ich = y, und bezeichne den Unterschied in dem Verhältniss des konstanten zu dem variablen Kapital mit x. In Fabrik I ist y = c + v, in Fabrik II ist y = (c — x) + (v + x). Die Rate des Mehrwerths ist also in Fabrik I = [FORMEL] und in Fabrik II = [FORMEL] Profit (p) nenne ich den Gesammtmehrwerth (m), um den sich das Gesammtkapital y oder c + v in der gegebnen Zeit vermehrt, also p = m. Die Rate des Profits ist demnach in Fabrik I = [FORMEL] oder [FORMEL], und in Fabrik II ebenfalls [FORMEL] oder [FORMEL] d. h. ebenfalls = [FORMEL]. Das … Problem löst sich also derart, dass

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Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894, S. XXIII. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/29>, abgerufen am 09.12.2018.