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Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894.

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Das Kaufmannskapital ist nichts als innerhalb der Cirkulations-
sphäre fungirendes Kapital. Der Cirkulationsprocess ist eine Phase
des gesammten Reproduktionsprocesses. Aber im Circulationsprocess
wird kein Werth producirt, also auch kein Mehrwerth. Es gehn
nur Formveränderungen derselben Werthmasse vor. Es geht in
der That nichts vor als die Metamorphose der Waaren, die als
solche mit Werthschöpfung oder Werthveränderung nichts zu thun
hat. Wird beim Verkauf der producirten Waare ein Mehrwerth
realisirt, so, weil dieser bereits in ihr existirt; bei dem zweiten
Akt, dem Rückaustausch des Geldkapitals gegen Waare (Produk-
tionselemente) wird daher auch vom Käufer kein Mehrwerth rea-
lisirt, sondern hier nur durch Austausch des Geldes gegen Produk-
tionsmittel und Arbeitskraft, die Produktion des Mehrwerths ein-
geleitet. Im Gegentheil. Soweit diese Metamorphosen Cirkulationszeit
kosten -- eine Zeit, innerhalb deren das Kapital überhaupt nicht,
also auch keinen Mehrwerth, producirt -- ist sie Beschränkung der
Werthschöpfung, und der Mehrwerth wird sich als Profitrate gerade
im umgekehrten Verhältniss zur Dauer der Cirkulationszeit aus-
drücken. Das Kaufmannskapital schafft daher weder Werth noch
Mehrwerth, d. h. nicht direkt. Sofern es zur Abkürzung der Cir-
kulationszeit beiträgt, kann es indirekt den vom industriellen

Distribution of Wealth p. 19.) Dieselbe Verwechslung schon bei Verri
(Meditazioni sull' Ec. Pol. § 4) und Say (Traite d' Ec. Pol. I, 14. 15) -- In
seinen Elements of Pol. Ec. (Andover und New-York 1835) sagt J. P. Newman:
In the existing economical arrangements of society, the very act which is
performed by the merchant, of standing between the producer and the con-
sumer, advancing to the former capital and receiving products in return, and
handing over these products to the latter, receiving back capital in return,
is a transaction which both facilitates the economical process of the com-
munity, and adds value to the products in relation to which it is per-
formed. (p. 174.) Producent und Konsument sparen so Geld und Zeit durch
die Dazwischenkunft des Kaufmanns. Dieser Dienst erfordert Vorschuss von
Kapital und Arbeit, und muss belohnt werden, since it adds value to pro-
ducts, for the same products, in the hands of consumers, are worth more
than in the hands of producers. Und so erscheint ihm der Handel, ganz wie
Herrn Say, als strictly an act of production (S. 175.) Diese Ansicht Newman's
ist grundfalsch. Der Gebrauchswerth einer Waare ist grösser in der
Hand des Konsumenten als in der Hand des Producenten, weil er hier über-
haupt erst realisirt wird. Denn der Gebrauchswerth einer Waare wird erst
realisirt, tritt in Funktion, sobald die Waare in die Sphäre der Konsumtion
übertritt. In der Hand des Producenten existirt er nur in potentieller Form.
Aber man bezahlt eine Waare nicht zweimal, erst ihren Tauschwerth und
dann ihren Gebrauchswerth noch extra. Dafür dass ich ihren Tauschwerth
zahle, eigne ich ihren Gebrauchswerth mir an. Und der Tauschwerth erhält
nicht den geringsten Zuwachs dadurch, dass die Waare aus der Hand des
Producenten oder Zwischenhändlers in die des Konsumenten übergeht.

Das Kaufmannskapital ist nichts als innerhalb der Cirkulations-
sphäre fungirendes Kapital. Der Cirkulationsprocess ist eine Phase
des gesammten Reproduktionsprocesses. Aber im Circulationsprocess
wird kein Werth producirt, also auch kein Mehrwerth. Es gehn
nur Formveränderungen derselben Werthmasse vor. Es geht in
der That nichts vor als die Metamorphose der Waaren, die als
solche mit Werthschöpfung oder Werthveränderung nichts zu thun
hat. Wird beim Verkauf der producirten Waare ein Mehrwerth
realisirt, so, weil dieser bereits in ihr existirt; bei dem zweiten
Akt, dem Rückaustausch des Geldkapitals gegen Waare (Produk-
tionselemente) wird daher auch vom Käufer kein Mehrwerth rea-
lisirt, sondern hier nur durch Austausch des Geldes gegen Produk-
tionsmittel und Arbeitskraft, die Produktion des Mehrwerths ein-
geleitet. Im Gegentheil. Soweit diese Metamorphosen Cirkulationszeit
kosten — eine Zeit, innerhalb deren das Kapital überhaupt nicht,
also auch keinen Mehrwerth, producirt — ist sie Beschränkung der
Werthschöpfung, und der Mehrwerth wird sich als Profitrate gerade
im umgekehrten Verhältniss zur Dauer der Cirkulationszeit aus-
drücken. Das Kaufmannskapital schafft daher weder Werth noch
Mehrwerth, d. h. nicht direkt. Sofern es zur Abkürzung der Cir-
kulationszeit beiträgt, kann es indirekt den vom industriellen

Distribution of Wealth p. 19.) Dieselbe Verwechslung schon bei Verri
(Meditazioni sull’ Ec. Pol. § 4) und Say (Traité d’ Ec. Pol. I, 14. 15) — In
seinen Elements of Pol. Ec. (Andover und New-York 1835) sagt J. P. Newman:
In the existing economical arrangements of society, the very act which is
performed by the merchant, of standing between the producer and the con-
sumer, advancing to the former capital and receiving products in return, and
handing over these products to the latter, receiving back capital in return,
is a transaction which both facilitates the economical process of the com-
munity, and adds value to the products in relation to which it is per-
formed. (p. 174.) Producent und Konsument sparen so Geld und Zeit durch
die Dazwischenkunft des Kaufmanns. Dieser Dienst erfordert Vorschuss von
Kapital und Arbeit, und muss belohnt werden, since it adds value to pro-
ducts, for the same products, in the hands of consumers, are worth more
than in the hands of producers. Und so erscheint ihm der Handel, ganz wie
Herrn Say, als strictly an act of production (S. 175.) Diese Ansicht Newman’s
ist grundfalsch. Der Gebrauchswerth einer Waare ist grösser in der
Hand des Konsumenten als in der Hand des Producenten, weil er hier über-
haupt erst realisirt wird. Denn der Gebrauchswerth einer Waare wird erst
realisirt, tritt in Funktion, sobald die Waare in die Sphäre der Konsumtion
übertritt. In der Hand des Producenten existirt er nur in potentieller Form.
Aber man bezahlt eine Waare nicht zweimal, erst ihren Tauschwerth und
dann ihren Gebrauchswerth noch extra. Dafür dass ich ihren Tauschwerth
zahle, eigne ich ihren Gebrauchswerth mir an. Und der Tauschwerth erhält
nicht den geringsten Zuwachs dadurch, dass die Waare aus der Hand des
Producenten oder Zwischenhändlers in die des Konsumenten übergeht.
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[263/0297] Das Kaufmannskapital ist nichts als innerhalb der Cirkulations- sphäre fungirendes Kapital. Der Cirkulationsprocess ist eine Phase des gesammten Reproduktionsprocesses. Aber im Circulationsprocess wird kein Werth producirt, also auch kein Mehrwerth. Es gehn nur Formveränderungen derselben Werthmasse vor. Es geht in der That nichts vor als die Metamorphose der Waaren, die als solche mit Werthschöpfung oder Werthveränderung nichts zu thun hat. Wird beim Verkauf der producirten Waare ein Mehrwerth realisirt, so, weil dieser bereits in ihr existirt; bei dem zweiten Akt, dem Rückaustausch des Geldkapitals gegen Waare (Produk- tionselemente) wird daher auch vom Käufer kein Mehrwerth rea- lisirt, sondern hier nur durch Austausch des Geldes gegen Produk- tionsmittel und Arbeitskraft, die Produktion des Mehrwerths ein- geleitet. Im Gegentheil. Soweit diese Metamorphosen Cirkulationszeit kosten — eine Zeit, innerhalb deren das Kapital überhaupt nicht, also auch keinen Mehrwerth, producirt — ist sie Beschränkung der Werthschöpfung, und der Mehrwerth wird sich als Profitrate gerade im umgekehrten Verhältniss zur Dauer der Cirkulationszeit aus- drücken. Das Kaufmannskapital schafft daher weder Werth noch Mehrwerth, d. h. nicht direkt. Sofern es zur Abkürzung der Cir- kulationszeit beiträgt, kann es indirekt den vom industriellen 38) 38) Distribution of Wealth p. 19.) Dieselbe Verwechslung schon bei Verri (Meditazioni sull’ Ec. Pol. § 4) und Say (Traité d’ Ec. Pol. I, 14. 15) — In seinen Elements of Pol. Ec. (Andover und New-York 1835) sagt J. P. Newman: In the existing economical arrangements of society, the very act which is performed by the merchant, of standing between the producer and the con- sumer, advancing to the former capital and receiving products in return, and handing over these products to the latter, receiving back capital in return, is a transaction which both facilitates the economical process of the com- munity, and adds value to the products in relation to which it is per- formed. (p. 174.) Producent und Konsument sparen so Geld und Zeit durch die Dazwischenkunft des Kaufmanns. Dieser Dienst erfordert Vorschuss von Kapital und Arbeit, und muss belohnt werden, since it adds value to pro- ducts, for the same products, in the hands of consumers, are worth more than in the hands of producers. Und so erscheint ihm der Handel, ganz wie Herrn Say, als strictly an act of production (S. 175.) Diese Ansicht Newman’s ist grundfalsch. Der Gebrauchswerth einer Waare ist grösser in der Hand des Konsumenten als in der Hand des Producenten, weil er hier über- haupt erst realisirt wird. Denn der Gebrauchswerth einer Waare wird erst realisirt, tritt in Funktion, sobald die Waare in die Sphäre der Konsumtion übertritt. In der Hand des Producenten existirt er nur in potentieller Form. Aber man bezahlt eine Waare nicht zweimal, erst ihren Tauschwerth und dann ihren Gebrauchswerth noch extra. Dafür dass ich ihren Tauschwerth zahle, eigne ich ihren Gebrauchswerth mir an. Und der Tauschwerth erhält nicht den geringsten Zuwachs dadurch, dass die Waare aus der Hand des Producenten oder Zwischenhändlers in die des Konsumenten übergeht.

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Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894, S. 263. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/297>, abgerufen am 22.09.2020.