Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess d. Kapitalist. Produktion. Kapitel XXIX-LII. Hamburg, 1894.

Bild:
<< vorherige Seite

hänge durch den Weltmarkt, seine Konjunkturen, die Bewegung
der Marktpreise, die Perioden des Kredits, die Cyklen der Industrie
und des Handels, die Abwechslung der Prosperität und Krise, ihren
als übermächtige, sie willenlos beherrschende Naturgesetze erscheinen
und sich ihnen gegenüber als blinde Nothwendigkeit geltend machen.
Desswegen nicht, weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz
ausserhalb unsers Plans liegt, und wir nur die innere Organisation
der kapitalistischen Produktionsweise, sozusagen in ihrem idealen
Durchschnitt, darzustellen haben.

In frühern Gesellschaftsformen tritt diese ökonomische Mysti-
fikation nur ein hauptsächlich in Bezug auf das Geld und das zins-
tragende Kapital. Sie ist der Natur der Sache nach ausgeschlossen,
erstens wo die Produktion für den Gebrauchswerth, für den un-
mittelbaren Selbstbedarf vorwiegt; zweitens wo, wie in der antiken
Zeit und im Mittelalter, Sklaverei oder Leibeigenschaft die breite
Basis der gesellschaftlichen Produktion bildet: die Herrschaft der
Produktionsbedingungen über die Producenten ist hier versteckt
durch die Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse, die als un-
mittelbare Triebfedern des Produktionsprocesses erscheinen und
sichtbar sind. In den ursprünglichen Gemeinwesen, wo naturwüch-
siger Kommunismus herrscht, und selbst in den antiken städtischen
Gemeinwesen, ist es dies Gemeinwesen selbst mit seinen Bedingungen,
das als Basis der Produktion sich darstellt, wie seine Reproduktion
als ihr letzter Zweck. Selbst im mittelalterlichen Zunftwesen er-
scheint weder das Kapital noch die Arbeit ungebunden, sondern
ihre Beziehungen durch das Korporationswesen und mit demselben
zusammenhängende Verhältnisse und ihnen entsprechende Vorstel-
lungen von Berufspflicht, Meisterschaft etc. bestimmt. Erst in der
kapitalistischen Produktionsweise ...



Neunundvierzigstes Kapitel.
Zur Analyse des Produktionsprocesses.

Für die nun folgende Untersuchung kann von dem Unterschied
von Produktionspreis und Werth abgesehn werden, da dieser Unter-
schied überhaupt wegfällt, wenn, wie es hier geschieht, der Werth
des jährlichen Gesammtprodukts der Arbeit betrachtet wird, also
des Produkts des gesellschaftlichen Gesammtkapitals.

Profit (Unternehmergewinn plus Zins) und Rente sind nichts als
eigenthümliche Formen, welche besondre Theile des Mehrwerts der
Waaren annehmen. Die Grösse des Mehrwerths ist die Schranke

hänge durch den Weltmarkt, seine Konjunkturen, die Bewegung
der Marktpreise, die Perioden des Kredits, die Cyklen der Industrie
und des Handels, die Abwechslung der Prosperität und Krise, ihren
als übermächtige, sie willenlos beherrschende Naturgesetze erscheinen
und sich ihnen gegenüber als blinde Nothwendigkeit geltend machen.
Desswegen nicht, weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz
ausserhalb unsers Plans liegt, und wir nur die innere Organisation
der kapitalistischen Produktionsweise, sozusagen in ihrem idealen
Durchschnitt, darzustellen haben.

In frühern Gesellschaftsformen tritt diese ökonomische Mysti-
fikation nur ein hauptsächlich in Bezug auf das Geld und das zins-
tragende Kapital. Sie ist der Natur der Sache nach ausgeschlossen,
erstens wo die Produktion für den Gebrauchswerth, für den un-
mittelbaren Selbstbedarf vorwiegt; zweitens wo, wie in der antiken
Zeit und im Mittelalter, Sklaverei oder Leibeigenschaft die breite
Basis der gesellschaftlichen Produktion bildet: die Herrschaft der
Produktionsbedingungen über die Producenten ist hier versteckt
durch die Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse, die als un-
mittelbare Triebfedern des Produktionsprocesses erscheinen und
sichtbar sind. In den ursprünglichen Gemeinwesen, wo naturwüch-
siger Kommunismus herrscht, und selbst in den antiken städtischen
Gemeinwesen, ist es dies Gemeinwesen selbst mit seinen Bedingungen,
das als Basis der Produktion sich darstellt, wie seine Reproduktion
als ihr letzter Zweck. Selbst im mittelalterlichen Zunftwesen er-
scheint weder das Kapital noch die Arbeit ungebunden, sondern
ihre Beziehungen durch das Korporationswesen und mit demselben
zusammenhängende Verhältnisse und ihnen entsprechende Vorstel-
lungen von Berufspflicht, Meisterschaft etc. bestimmt. Erst in der
kapitalistischen Produktionsweise …



Neunundvierzigstes Kapitel.
Zur Analyse des Produktionsprocesses.

Für die nun folgende Untersuchung kann von dem Unterschied
von Produktionspreis und Werth abgesehn werden, da dieser Unter-
schied überhaupt wegfällt, wenn, wie es hier geschieht, der Werth
des jährlichen Gesammtprodukts der Arbeit betrachtet wird, also
des Produkts des gesellschaftlichen Gesammtkapitals.

Profit (Unternehmergewinn plus Zins) und Rente sind nichts als
eigenthümliche Formen, welche besondre Theile des Mehrwerts der
Waaren annehmen. Die Grösse des Mehrwerths ist die Schranke

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0376" n="367"/>
hänge durch den Weltmarkt, seine Konjunkturen, die Bewegung<lb/>
der Marktpreise, die Perioden des Kredits, die Cyklen der Industrie<lb/>
und des Handels, die Abwechslung der Prosperität und Krise, ihren<lb/>
als übermächtige, sie willenlos beherrschende Naturgesetze erscheinen<lb/>
und sich ihnen gegenüber als blinde Nothwendigkeit geltend machen.<lb/>
Desswegen nicht, weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz<lb/>
ausserhalb unsers Plans liegt, und wir nur die innere Organisation<lb/>
der kapitalistischen Produktionsweise, sozusagen in ihrem idealen<lb/>
Durchschnitt, darzustellen haben.</p><lb/>
              <p>In frühern Gesellschaftsformen tritt diese ökonomische Mysti-<lb/>
fikation nur ein hauptsächlich in Bezug auf das Geld und das zins-<lb/>
tragende Kapital. Sie ist der Natur der Sache nach ausgeschlossen,<lb/>
erstens wo die Produktion für den Gebrauchswerth, für den un-<lb/>
mittelbaren Selbstbedarf vorwiegt; zweitens wo, wie in der antiken<lb/>
Zeit und im Mittelalter, Sklaverei oder Leibeigenschaft die breite<lb/>
Basis der gesellschaftlichen Produktion bildet: die Herrschaft der<lb/>
Produktionsbedingungen über die Producenten ist hier versteckt<lb/>
durch die Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse, die als un-<lb/>
mittelbare Triebfedern des Produktionsprocesses erscheinen und<lb/>
sichtbar sind. In den ursprünglichen Gemeinwesen, wo naturwüch-<lb/>
siger Kommunismus herrscht, und selbst in den antiken städtischen<lb/>
Gemeinwesen, ist es dies Gemeinwesen selbst mit seinen Bedingungen,<lb/>
das als Basis der Produktion sich darstellt, wie seine Reproduktion<lb/>
als ihr letzter Zweck. Selbst im mittelalterlichen Zunftwesen er-<lb/>
scheint weder das Kapital noch die Arbeit ungebunden, sondern<lb/>
ihre Beziehungen durch das Korporationswesen und mit demselben<lb/>
zusammenhängende Verhältnisse und ihnen entsprechende Vorstel-<lb/>
lungen von Berufspflicht, Meisterschaft etc. bestimmt. Erst in der<lb/>
kapitalistischen Produktionsweise &#x2026;</p>
            </div>
          </div><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Neunundvierzigstes Kapitel</hi>.<lb/><hi rendition="#b">Zur Analyse des Produktionsprocesses.</hi></head><lb/>
            <p>Für die nun folgende Untersuchung kann von dem Unterschied<lb/>
von Produktionspreis und Werth abgesehn werden, da dieser Unter-<lb/>
schied überhaupt wegfällt, wenn, wie es hier geschieht, der Werth<lb/>
des jährlichen Gesammtprodukts der Arbeit betrachtet wird, also<lb/>
des Produkts des gesellschaftlichen Gesammtkapitals.</p><lb/>
            <p>Profit (Unternehmergewinn plus Zins) und Rente sind nichts als<lb/>
eigenthümliche Formen, welche besondre Theile des Mehrwerts der<lb/>
Waaren annehmen. Die Grösse des Mehrwerths ist die Schranke<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[367/0376] hänge durch den Weltmarkt, seine Konjunkturen, die Bewegung der Marktpreise, die Perioden des Kredits, die Cyklen der Industrie und des Handels, die Abwechslung der Prosperität und Krise, ihren als übermächtige, sie willenlos beherrschende Naturgesetze erscheinen und sich ihnen gegenüber als blinde Nothwendigkeit geltend machen. Desswegen nicht, weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz ausserhalb unsers Plans liegt, und wir nur die innere Organisation der kapitalistischen Produktionsweise, sozusagen in ihrem idealen Durchschnitt, darzustellen haben. In frühern Gesellschaftsformen tritt diese ökonomische Mysti- fikation nur ein hauptsächlich in Bezug auf das Geld und das zins- tragende Kapital. Sie ist der Natur der Sache nach ausgeschlossen, erstens wo die Produktion für den Gebrauchswerth, für den un- mittelbaren Selbstbedarf vorwiegt; zweitens wo, wie in der antiken Zeit und im Mittelalter, Sklaverei oder Leibeigenschaft die breite Basis der gesellschaftlichen Produktion bildet: die Herrschaft der Produktionsbedingungen über die Producenten ist hier versteckt durch die Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse, die als un- mittelbare Triebfedern des Produktionsprocesses erscheinen und sichtbar sind. In den ursprünglichen Gemeinwesen, wo naturwüch- siger Kommunismus herrscht, und selbst in den antiken städtischen Gemeinwesen, ist es dies Gemeinwesen selbst mit seinen Bedingungen, das als Basis der Produktion sich darstellt, wie seine Reproduktion als ihr letzter Zweck. Selbst im mittelalterlichen Zunftwesen er- scheint weder das Kapital noch die Arbeit ungebunden, sondern ihre Beziehungen durch das Korporationswesen und mit demselben zusammenhängende Verhältnisse und ihnen entsprechende Vorstel- lungen von Berufspflicht, Meisterschaft etc. bestimmt. Erst in der kapitalistischen Produktionsweise … Neunundvierzigstes Kapitel. Zur Analyse des Produktionsprocesses. Für die nun folgende Untersuchung kann von dem Unterschied von Produktionspreis und Werth abgesehn werden, da dieser Unter- schied überhaupt wegfällt, wenn, wie es hier geschieht, der Werth des jährlichen Gesammtprodukts der Arbeit betrachtet wird, also des Produkts des gesellschaftlichen Gesammtkapitals. Profit (Unternehmergewinn plus Zins) und Rente sind nichts als eigenthümliche Formen, welche besondre Theile des Mehrwerts der Waaren annehmen. Die Grösse des Mehrwerths ist die Schranke

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0302_1894
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0302_1894/376
Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess d. Kapitalist. Produktion. Kapitel XXIX-LII. Hamburg, 1894, S. 367. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0302_1894/376>, abgerufen am 22.05.2019.