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Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882.

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Die Corsin.
Als das Mütterlein erkrankt,
Zog es ächzend aus die Schuh,
Ist dem Bettlein zugewankt,
Bettet' sich zur ew'gen Ruh,
Seine Haare, weiß wie Flachs,
Seine Füße, gelb wie Wachs --
Statt wie Mütterlein zu thun,
Sterb' ich stracks in meinen Schuhn!
Heute war ich in der Stadt
Mit dem letzten Silberling,
Schaute, was der Krämer hat,
Kramte weder Kreuz noch Ring,
Kaufte Mehl von Weizenkorn
Und ein volles Pulverhorn --
Zu dem Liebsten lauf' ich nun,
Sterbe stracks in meinen Schuhn!
Ritten just die Blauen * aus,
Tranken beim Battista Wein,
Luden scharf am Zollerhaus,
Sprengten ins Gebirg hinein.
Rasch bin links ich abgeschweift.
Psss ... Die erste Kugel pfeift --
Nächtens bei dem Liebsten ruhn
Werd' ich stracks in meinen Schuhn!

* Die Gendarmerie.
Die Corſin.
Als das Mütterlein erkrankt,
Zog es ächzend aus die Schuh,
Iſt dem Bettlein zugewankt,
Bettet' ſich zur ew'gen Ruh,
Seine Haare, weiß wie Flachs,
Seine Füße, gelb wie Wachs —
Statt wie Mütterlein zu thun,
Sterb' ich ſtracks in meinen Schuhn!
Heute war ich in der Stadt
Mit dem letzten Silberling,
Schaute, was der Krämer hat,
Kramte weder Kreuz noch Ring,
Kaufte Mehl von Weizenkorn
Und ein volles Pulverhorn —
Zu dem Liebſten lauf' ich nun,
Sterbe ſtracks in meinen Schuhn!
Ritten juſt die Blauen * aus,
Tranken beim Battiſta Wein,
Luden ſcharf am Zollerhaus,
Sprengten ins Gebirg hinein.
Raſch bin links ich abgeſchweift.
Psss ... Die erſte Kugel pfeift —
Nächtens bei dem Liebſten ruhn
Werd' ich ſtracks in meinen Schuhn!

* Die Gendarmerie.
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[140/0154] Die Corſin. Als das Mütterlein erkrankt, Zog es ächzend aus die Schuh, Iſt dem Bettlein zugewankt, Bettet' ſich zur ew'gen Ruh, Seine Haare, weiß wie Flachs, Seine Füße, gelb wie Wachs — Statt wie Mütterlein zu thun, Sterb' ich ſtracks in meinen Schuhn! Heute war ich in der Stadt Mit dem letzten Silberling, Schaute, was der Krämer hat, Kramte weder Kreuz noch Ring, Kaufte Mehl von Weizenkorn Und ein volles Pulverhorn — Zu dem Liebſten lauf' ich nun, Sterbe ſtracks in meinen Schuhn! Ritten juſt die Blauen * aus, Tranken beim Battiſta Wein, Luden ſcharf am Zollerhaus, Sprengten ins Gebirg hinein. Raſch bin links ich abgeſchweift. Psss ... Die erſte Kugel pfeift — Nächtens bei dem Liebſten ruhn Werd' ich ſtracks in meinen Schuhn! * Die Gendarmerie.

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Zitationshilfe: Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882, S. 140. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/meyer_gedichte_1882/154>, abgerufen am 20.03.2019.