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Modestinus, Theophilus: Freymüthige Doch Bescheidene Unterredungen Von Kirchen- Religions- Politischen- und Natur-Sachen. Frankfurt (Main) u. a., 1737.

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Fünfte Conversation.

Es fügete sich nach etlichen Tagen: daß da
eben Herr Theogenes unsern Modestinum
zu besuchen sich bey diesen wiederum einge-
funden hatte: Herr Nicander ohngefehr in eben
solcher Absicht dazukame; da selbige im Discours
auf die Vortrefflichkeit und Grösse des menschlichen
Verstandes, und die Kräffte der Imagination und
Willens geriethen. Von welchen Herr Modesti-
nus
folgender Gestalt zu reden anhube: So offt
ich an die vortreffliche Gaben des Verstandes, des
Willens, Gedächtnisses, der Einbildungs-Krafft
und derer Sinnen gedencke, womit der allweise
und gütigste Schöpffer den Menschen gezieret und
begabet hat: muß ich die ewige Weißheit, Liebe
und Güte desselben in tiefester Demuth des Hertzens
venerirend bewundern und preisen; ja mit Hertz
und Munde inniglich davor Danck sagen.

Theogenes. Dieses sollte wohl auch die stete
Pflicht aller vernünfftigen Geschöpffe seyn: den
Schöpffer immerdar im Geiste und der Wahrheit
anzubeten; als worinnen hauptsächlich der wahre
Gottesdienst bestehet, nebst Beybehaltung der Liebe
und Pflichten, welche wir unserm Neben-Menschen
schuldig sind. Und wer aus der Betrachtung de-
rer schönen Kräfften des Verstandes, und derer
guten Eigenschafften eines liebreichen Hertzens oder
Willens, sich selbst nicht erkennen; und dem
Schöpffer auch gebührend veneriren lernet: muß
dum


Fuͤnfte Converſation.

Es fuͤgete ſich nach etlichen Tagen: daß da
eben Herr Theogenes unſern Modeſtinum
zu beſuchen ſich bey dieſen wiederum einge-
funden hatte: Herr Nicander ohngefehr in eben
ſolcher Abſicht dazukame; da ſelbige im Diſcours
auf die Vortrefflichkeit und Groͤſſe des menſchlichen
Verſtandes, und die Kraͤffte der Imagination und
Willens geriethen. Von welchen Herr Modeſti-
nus
folgender Geſtalt zu reden anhube: So offt
ich an die vortreffliche Gaben des Verſtandes, des
Willens, Gedaͤchtniſſes, der Einbildungs-Krafft
und derer Sinnen gedencke, womit der allweiſe
und guͤtigſte Schoͤpffer den Menſchen gezieret und
begabet hat: muß ich die ewige Weißheit, Liebe
und Guͤte deſſelben in tiefeſter Demuth des Hertzens
venerirend bewundern und preiſen; ja mit Hertz
und Munde inniglich davor Danck ſagen.

Theogenes. Dieſes ſollte wohl auch die ſtete
Pflicht aller vernuͤnfftigen Geſchoͤpffe ſeyn: den
Schoͤpffer immerdar im Geiſte und der Wahrheit
anzubeten; als worinnen hauptſaͤchlich der wahre
Gottesdienſt beſtehet, nebſt Beybehaltung der Liebe
und Pflichten, welche wir unſerm Neben-Menſchen
ſchuldig ſind. Und wer aus der Betrachtung de-
rer ſchoͤnen Kraͤfften des Verſtandes, und derer
guten Eigenſchafften eines liebreichen Hertzens oder
Willens, ſich ſelbſt nicht erkennen; und dem
Schoͤpffer auch gebuͤhrend veneriren lernet: muß
dum
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[111/0117] Fuͤnfte Converſation. Es fuͤgete ſich nach etlichen Tagen: daß da eben Herr Theogenes unſern Modeſtinum zu beſuchen ſich bey dieſen wiederum einge- funden hatte: Herr Nicander ohngefehr in eben ſolcher Abſicht dazukame; da ſelbige im Diſcours auf die Vortrefflichkeit und Groͤſſe des menſchlichen Verſtandes, und die Kraͤffte der Imagination und Willens geriethen. Von welchen Herr Modeſti- nus folgender Geſtalt zu reden anhube: So offt ich an die vortreffliche Gaben des Verſtandes, des Willens, Gedaͤchtniſſes, der Einbildungs-Krafft und derer Sinnen gedencke, womit der allweiſe und guͤtigſte Schoͤpffer den Menſchen gezieret und begabet hat: muß ich die ewige Weißheit, Liebe und Guͤte deſſelben in tiefeſter Demuth des Hertzens venerirend bewundern und preiſen; ja mit Hertz und Munde inniglich davor Danck ſagen. Theogenes. Dieſes ſollte wohl auch die ſtete Pflicht aller vernuͤnfftigen Geſchoͤpffe ſeyn: den Schoͤpffer immerdar im Geiſte und der Wahrheit anzubeten; als worinnen hauptſaͤchlich der wahre Gottesdienſt beſtehet, nebſt Beybehaltung der Liebe und Pflichten, welche wir unſerm Neben-Menſchen ſchuldig ſind. Und wer aus der Betrachtung de- rer ſchoͤnen Kraͤfften des Verſtandes, und derer guten Eigenſchafften eines liebreichen Hertzens oder Willens, ſich ſelbſt nicht erkennen; und dem Schoͤpffer auch gebuͤhrend veneriren lernet: muß dum

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Zitationshilfe: Modestinus, Theophilus: Freymüthige Doch Bescheidene Unterredungen Von Kirchen- Religions- Politischen- und Natur-Sachen. Frankfurt (Main) u. a., 1737. , S. 111. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/modestinus_unterredungen_1737/117>, abgerufen am 29.09.2020.