Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Mohl, Robert von: Encyklopädie der Staatswissenschaften. Tübingen, 1859.

Bild:
<< vorherige Seite

Lostrennung von England zur Aufgabe gestellt hatten, (wie
Payne, J. Adams und Livingstone,) sind namentlich zu nennen
die berühmten Verfasser des Föderalisten: A. Hamilton,
Jay
und Madison; außerdem aber auch, mehr oder weniger,
die Ausleger der positiven Gesetze des Landes, also Marshal,
Story
, und vor allen der geistreiche Vertheidiger des Südens
und der Sklaverei Calhoun.

1) Die Geschichte des philosophischen Staatsrechtes ist vielfach bearbeitet;
nachstehende Schriften geben, namentlich in ihrer Verbindung, eine reich-
haltige Uebersicht: Glafey, A. F., Geschichte des Rechts der Vernunft.
Leipz., 1739. -- Stahl, H. F., Geschichte der Rechtsphilosophie. 3. Aufl.
Heidelberg, 1853. -- Hinrichs, H. F. M., Geschichte der Rechts- und
Staatsprincipien seit der Reformation. I--III. Leipz., 1848--1852. --
Fichte, J. H., die philosophische Lehre von Recht, Staat und Sitte in
Deutschland, Frankreich und England von der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Leipz., 1850. -- Mohl, R., die Geschichte und Literatur der Staatswissen-
schaften. Bd. I. Erlangen, 1855. S. 217 u. ff. -- Vorländer, F.,
Geschichte der philosophischen Moral, Rechts- und Staatslehre der Engländer
und Franzosen. Marb., 1855. -- Blakey, R., History of the political
literature from the earliest times. I. II. Lond.,
1855. -- Fehr, J.,
Entwickelung und Einfluß der politischen Theorien. Insbr., 1855.
§ 25.
3. Bedeutung des philosophischen Staatsrechts für Leben und
Wissenschaft.

Der im Leben stehende und wirkende Staat bedarf bei der
Unvollkommenheit der menschlichen Bildung eines positiven Rech-
tes, d. h. eines von einer anerkannten Auetorität ausgehenden,
von Allen ohne Weiteres anerkannten und von der Gesammt-
Gewalt gehandhabten Befehles. Die aus dem Wesen des Staates
mittelst geregelten Denkens entwickelte Lehre, also das philo-
sophische Staatsrecht, hat nun eine solche äußere Kraft
nicht; sondern führt nur eine logische, aber keine thatsächliche
Nothwendigkeit mit sich. Dennoch hat ein System solcher rein

Lostrennung von England zur Aufgabe geſtellt hatten, (wie
Payne, J. Adams und Livingſtone,) ſind namentlich zu nennen
die berühmten Verfaſſer des Föderaliſten: A. Hamilton,
Jay
und Madiſon; außerdem aber auch, mehr oder weniger,
die Ausleger der poſitiven Geſetze des Landes, alſo Marſhal,
Story
, und vor allen der geiſtreiche Vertheidiger des Südens
und der Sklaverei Calhoun.

1) Die Geſchichte des philoſophiſchen Staatsrechtes iſt vielfach bearbeitet;
nachſtehende Schriften geben, namentlich in ihrer Verbindung, eine reich-
haltige Ueberſicht: Glafey, A. F., Geſchichte des Rechts der Vernunft.
Leipz., 1739. — Stahl, H. F., Geſchichte der Rechtsphiloſophie. 3. Aufl.
Heidelberg, 1853. — Hinrichs, H. F. M., Geſchichte der Rechts- und
Staatsprincipien ſeit der Reformation. I—III. Leipz., 1848—1852. —
Fichte, J. H., die philoſophiſche Lehre von Recht, Staat und Sitte in
Deutſchland, Frankreich und England von der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Leipz., 1850. — Mohl, R., die Geſchichte und Literatur der Staatswiſſen-
ſchaften. Bd. I. Erlangen, 1855. S. 217 u. ff. — Vorländer, F.,
Geſchichte der philoſophiſchen Moral, Rechts- und Staatslehre der Engländer
und Franzoſen. Marb., 1855. — Blakey, R., History of the political
literature from the earliest times. I. II. Lond.,
1855. — Fehr, J.,
Entwickelung und Einfluß der politiſchen Theorien. Insbr., 1855.
§ 25.
3. Bedeutung des philoſophiſchen Staatsrechts für Leben und
Wiſſenſchaft.

Der im Leben ſtehende und wirkende Staat bedarf bei der
Unvollkommenheit der menſchlichen Bildung eines poſitiven Rech-
tes, d. h. eines von einer anerkannten Auetorität ausgehenden,
von Allen ohne Weiteres anerkannten und von der Geſammt-
Gewalt gehandhabten Befehles. Die aus dem Weſen des Staates
mittelſt geregelten Denkens entwickelte Lehre, alſo das philo-
ſophiſche Staatsrecht, hat nun eine ſolche äußere Kraft
nicht; ſondern führt nur eine logiſche, aber keine thatſächliche
Nothwendigkeit mit ſich. Dennoch hat ein Syſtem ſolcher rein

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <p><pb facs="#f0199" n="185"/>
Lostrennung von <choice><sic>Cngland</sic><corr>England</corr></choice> zur Aufgabe ge&#x017F;tellt hatten, (wie<lb/>
Payne, J. Adams und Living&#x017F;tone,) &#x017F;ind namentlich zu nennen<lb/>
die berühmten Verfa&#x017F;&#x017F;er des Föderali&#x017F;ten: A. <hi rendition="#g">Hamilton,<lb/>
Jay</hi> und <hi rendition="#g">Madi&#x017F;on</hi>; außerdem aber auch, mehr oder weniger,<lb/>
die Ausleger der po&#x017F;itiven Ge&#x017F;etze des Landes, al&#x017F;o <hi rendition="#g">Mar&#x017F;hal,<lb/>
Story</hi>, und vor allen der gei&#x017F;treiche Vertheidiger des Südens<lb/>
und der Sklaverei <hi rendition="#g">Calhoun</hi>.</p><lb/>
                  <note place="end" n="1)">Die Ge&#x017F;chichte des philo&#x017F;ophi&#x017F;chen Staatsrechtes i&#x017F;t vielfach bearbeitet;<lb/>
nach&#x017F;tehende Schriften geben, namentlich in ihrer Verbindung, eine reich-<lb/>
haltige Ueber&#x017F;icht: <hi rendition="#g">Glafey</hi>, A. F., Ge&#x017F;chichte des Rechts der Vernunft.<lb/>
Leipz., 1739. &#x2014; <hi rendition="#g">Stahl</hi>, H. F., Ge&#x017F;chichte der Rechtsphilo&#x017F;ophie. 3. Aufl.<lb/>
Heidelberg, 1853. &#x2014; <hi rendition="#g">Hinrichs</hi>, H. F. M., Ge&#x017F;chichte der Rechts- und<lb/>
Staatsprincipien &#x017F;eit der Reformation. <hi rendition="#aq">I&#x2014;III.</hi> Leipz., 1848&#x2014;1852. &#x2014;<lb/><hi rendition="#g">Fichte</hi>, J. H., die philo&#x017F;ophi&#x017F;che Lehre von Recht, Staat und Sitte in<lb/>
Deut&#x017F;chland, Frankreich und England von der Mitte des 18. Jahrhunderts.<lb/>
Leipz., 1850. &#x2014; <hi rendition="#g">Mohl</hi>, R., die Ge&#x017F;chichte und Literatur der Staatswi&#x017F;&#x017F;en-<lb/>
&#x017F;chaften. Bd. <hi rendition="#aq">I.</hi> Erlangen, 1855. S. 217 u. ff. &#x2014; <hi rendition="#g">Vorländer</hi>, F.,<lb/>
Ge&#x017F;chichte der philo&#x017F;ophi&#x017F;chen Moral, Rechts- und Staatslehre der Engländer<lb/>
und Franzo&#x017F;en. Marb., 1855. &#x2014; <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">Blakey</hi>, R., History of the political<lb/>
literature from the earliest times. I. II. Lond.,</hi> 1855. &#x2014; <hi rendition="#g">Fehr</hi>, J.,<lb/>
Entwickelung und Einfluß der politi&#x017F;chen Theorien. Insbr., 1855.</note>
                </div>
              </div><lb/>
              <div n="5">
                <head>§ 25.<lb/><hi rendition="#b">3. Bedeutung des philo&#x017F;ophi&#x017F;chen Staatsrechts für Leben und<lb/>
Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft.</hi></head><lb/>
                <p>Der im Leben &#x017F;tehende und wirkende Staat bedarf bei der<lb/>
Unvollkommenheit der men&#x017F;chlichen Bildung eines po&#x017F;itiven Rech-<lb/>
tes, d. h. eines von einer anerkannten Auetorität ausgehenden,<lb/>
von Allen ohne Weiteres anerkannten und von der Ge&#x017F;ammt-<lb/>
Gewalt gehandhabten Befehles. Die aus dem We&#x017F;en des Staates<lb/>
mittel&#x017F;t geregelten Denkens entwickelte Lehre, al&#x017F;o das philo-<lb/>
&#x017F;ophi&#x017F;che Staatsrecht, hat nun eine &#x017F;olche äußere Kraft<lb/>
nicht; &#x017F;ondern führt nur eine logi&#x017F;che, aber keine that&#x017F;ächliche<lb/>
Nothwendigkeit mit &#x017F;ich. Dennoch hat ein Sy&#x017F;tem &#x017F;olcher rein<lb/></p>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[185/0199] Lostrennung von England zur Aufgabe geſtellt hatten, (wie Payne, J. Adams und Livingſtone,) ſind namentlich zu nennen die berühmten Verfaſſer des Föderaliſten: A. Hamilton, Jay und Madiſon; außerdem aber auch, mehr oder weniger, die Ausleger der poſitiven Geſetze des Landes, alſo Marſhal, Story, und vor allen der geiſtreiche Vertheidiger des Südens und der Sklaverei Calhoun. ¹⁾ Die Geſchichte des philoſophiſchen Staatsrechtes iſt vielfach bearbeitet; nachſtehende Schriften geben, namentlich in ihrer Verbindung, eine reich- haltige Ueberſicht: Glafey, A. F., Geſchichte des Rechts der Vernunft. Leipz., 1739. — Stahl, H. F., Geſchichte der Rechtsphiloſophie. 3. Aufl. Heidelberg, 1853. — Hinrichs, H. F. M., Geſchichte der Rechts- und Staatsprincipien ſeit der Reformation. I—III. Leipz., 1848—1852. — Fichte, J. H., die philoſophiſche Lehre von Recht, Staat und Sitte in Deutſchland, Frankreich und England von der Mitte des 18. Jahrhunderts. Leipz., 1850. — Mohl, R., die Geſchichte und Literatur der Staatswiſſen- ſchaften. Bd. I. Erlangen, 1855. S. 217 u. ff. — Vorländer, F., Geſchichte der philoſophiſchen Moral, Rechts- und Staatslehre der Engländer und Franzoſen. Marb., 1855. — Blakey, R., History of the political literature from the earliest times. I. II. Lond., 1855. — Fehr, J., Entwickelung und Einfluß der politiſchen Theorien. Insbr., 1855. § 25. 3. Bedeutung des philoſophiſchen Staatsrechts für Leben und Wiſſenſchaft. Der im Leben ſtehende und wirkende Staat bedarf bei der Unvollkommenheit der menſchlichen Bildung eines poſitiven Rech- tes, d. h. eines von einer anerkannten Auetorität ausgehenden, von Allen ohne Weiteres anerkannten und von der Geſammt- Gewalt gehandhabten Befehles. Die aus dem Weſen des Staates mittelſt geregelten Denkens entwickelte Lehre, alſo das philo- ſophiſche Staatsrecht, hat nun eine ſolche äußere Kraft nicht; ſondern führt nur eine logiſche, aber keine thatſächliche Nothwendigkeit mit ſich. Dennoch hat ein Syſtem ſolcher rein

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/mohl_staatswissenschaften_1859
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/mohl_staatswissenschaften_1859/199
Zitationshilfe: Mohl, Robert von: Encyklopädie der Staatswissenschaften. Tübingen, 1859, S. 185. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mohl_staatswissenschaften_1859/199>, abgerufen am 21.04.2019.