Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Mohr, Christian Otto: Beiträge zur Theorie der Holz- und Eisenkonstruktionen. In: Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover 14 (1868), Sp. 20-52, 397-400

Bild:
<< vorherige Seite

Quanz, Beschreibung des eisernen Oberbaues der Chausseebrücke über die Ise zu Gifhorn etc.
[Spaltenumbruch]
haben muß, wie das Seilpolygon B1 C B3, so findet man
mit Hülfe des Fixpunktes E2 die Lage der Polygonseite
B3 G und darnach die beiden andern Seiten F G und B1 F.
Die Seite F G muß horizontal gerichtet sein, weil die beiden
Kräfte W1 und U2 gleich groß sind; daher wäre in diesem
Falle die Construction der Fixpunkte N2 und E2 gar nicht
erforderlich gewesen; sie dient jedoch zur Controle der Zeich-
nung. In Fig. 63) wird die Größe der Kräfte W1 und U2
durch die Länge H L dargestellt. Da nach Fig. 59 und 61)
P L = W1 = U2 = 47,3 Millimeter
wird, wenn
B2 J = M2 = 25 Millimeter
ist, so ist in Fig. 63)
P L = 47,3 Millimeter
P M = 25 "
aufgetragen. Daraus ergiebt sich die Größe von M2, welche
der Kraft
U2 = H L
entspricht:
M2 = K H = 9,6 Millimeter.

In Fig. 64) sind die Biegungsmomente für den in
Fig. 63) behandelten Belastungsfall dargestellt. M1 ist, wie
in Fig. 56), gleich 18,8 Millimeter; M2, wie in Fig. 63),
gleich 9,6 Millimeter aufgetragen. Es ist demnach, wenn
nur die erste Oeffnung belastet ist,
[Formel 1] Wenn dagegen beide Oeffnungen belastet sind, so ist der
Symmetrie wegen
[Formel 2]

Lage der Fixpunkte N und 0 für continuirliche Träger von
variablem Querschnitt.

Es könnte -- ohne besondere Untersuchung -- fraglich
erscheinen, ob die Fixpunkte N und O für Träger von vari-
ablem Querschnitt dieselben Eigenschaften besitzen, welche im
Vorhergehenden für Träger von constantem Querschnitt nach-
gewiesen sind. Man überzeugt sich jedoch leicht, daß unter
den oben näher bezeichneten Umständen auch bei variablem
Querschnitt die Wendepunkte der Biegungscurve mit den Fix-
punkten N oder O zusammenfallen. Wenn z. B. nur links
von der nten Oeffnung Belastungen auf den Träger einwirken,
so ist mit Bezug auf Fig. 65), welche das Seilpolygon der
Kräfte Un und Wn darstellt,
[Formel 3] daher ebenso wie für einen Träger von constantem Quer-
schnitt:
[Formel 4]

[Spaltenumbruch]
Beschreibung des eisernen Oberbanes der Chausseebrücke
über die Ise zu Gishorn und der daselbst mit verschie-
denen Steinplatten angestellten Zerdrückungs-Versuche;

vom Wegbau-Conducteur Quantz zu Lüneburg.


Einleitung.

Die in der Lüneburg-Braunschweiger Chaussee vor dem
Celler Thore der Stadt Gifhorn belegene Brücke über die
Ise wurde im Jahre 1864 mit einem eisernen Oberbau ver-
sehen, dessen Fahrbahn aus Steinplatten mit einer Theer-
Concretdecke besteht und vielleicht in einigen Theilen etwas
Neues auf dem Gebiete des Brückenbaues enthält, weshalb
im Nachfolgenden eine kurze Mittheilung über die gewählte
Construction gegeben werden soll.

Die hierbei vorkommenden Maße und Gewichte sind, wo
es nicht anders besonders bemerkt ist, die hannoverschen.

Die bisherige, vor etwa 50 Jahren erbauete alte Brücke
hatte zwei massive, auf Pfahlrosten gegründete Ufervorsetzungs-
Mauern mit schrägen Flügeln aus Bruchsteinmauerwerk mit
einer Verblendung von 6 Zoll dicken Velpker Sandsteinplatten,
welche durch eben solche Binderplatten und eiserne Anker mit
dem hintern Mauerwerke verbunden sind.

Dieselben haben sich nach näherer Untersuchung in einem
völlig befriedigenden Zustande erhalten, so daß man es für
unbedenklich halten durfte, solche bei der beabsichtigten Er-
neuerung des Oberbaues beizubehalten.

Der alte Oberbau bestand aus starken, runden, tannenen
Balken, deren Tragfähigkeit noch durch eine leichte Spreng-
werks-Construction vermehrt wurde, und einem eichenen Boh-
lenbelage mit Klotzplaster.

Bei der Bearbeitung des neuen Projects ging man von
der Ansicht aus, daß es in Rücksicht auf die große Vergäng-
lichkeit des Holzes bei freistehenden Bauten und die in Folge
häufiger Erneuerungen und Reparaturen der Holztheile (be-
sonders der Fahrbahnbohlen bei Chausseebrücken) eintretenden
Störungen des in der Nähe der Stadt Gifhorn nicht uner-
heblichen öffentlichen Verkehrs zweckmäßig und wünschenswerth
sei, jegliches Holzwerk in der zu wählenden Construction zu
vermeiden.

Die geringe Ueberhöhung der anschließenden Straßen-
strecken über den höchsten Wasserstand der Ise bedingte ferner,
die Fahrbahn der Brücke so tief als möglich zu legen.

Aus diesen Gründen entschied man sich dafür, die Brücken-
öffnung mittelst eines eisernen, aus zwei Hauptlängsträgern,
kleineren auf den untern Gurtungen der Längsträger ruhenden
Querträgern und zwischen diesen eingespannten, noch kleineren
Zwischenlängsträgern bestehenden Oberbaues zu überspannen
und die einzelnen, von diesem Trägersysteme gebildeten und
verbleibenden Oeffnungen oder Fache mit Steinplatten von
entsprechender Größe und Stärke zu schließen.


Quanz, Beſchreibung des eiſernen Oberbaues der Chauſſeebrücke über die Iſe zu Gifhorn etc.
[Spaltenumbruch]
haben muß, wie das Seilpolygon B1 C B3, ſo findet man
mit Hülfe des Fixpunktes E2 die Lage der Polygonſeite
B3 G und darnach die beiden andern Seiten F G und B1 F.
Die Seite F G muß horizontal gerichtet ſein, weil die beiden
Kräfte W1 und U2 gleich groß ſind; daher wäre in dieſem
Falle die Conſtruction der Fixpunkte N2 und E2 gar nicht
erforderlich geweſen; ſie dient jedoch zur Controle der Zeich-
nung. In Fig. 63) wird die Größe der Kräfte W1 und U2
durch die Länge H L dargeſtellt. Da nach Fig. 59 und 61)
P L = W1 = U2 = 47,3 Millimeter
wird, wenn
B2 J = M2 = 25 Millimeter
iſt, ſo iſt in Fig. 63)
P L = 47,3 Millimeter
P M = 25 „
aufgetragen. Daraus ergiebt ſich die Größe von M2, welche
der Kraft
U2 = H L
entſpricht:
M2 = K H = 9,6 Millimeter.

In Fig. 64) ſind die Biegungsmomente für den in
Fig. 63) behandelten Belaſtungsfall dargeſtellt. M1 iſt, wie
in Fig. 56), gleich 18,8 Millimeter; M2, wie in Fig. 63),
gleich 9,6 Millimeter aufgetragen. Es iſt demnach, wenn
nur die erſte Oeffnung belaſtet iſt,
[Formel 1] Wenn dagegen beide Oeffnungen belaſtet ſind, ſo iſt der
Symmetrie wegen
[Formel 2]

Lage der Fixpunkte N und 0 für continuirliche Träger von
variablem Querſchnitt.

Es könnte — ohne beſondere Unterſuchung — fraglich
erſcheinen, ob die Fixpunkte N und O für Träger von vari-
ablem Querſchnitt dieſelben Eigenſchaften beſitzen, welche im
Vorhergehenden für Träger von conſtantem Querſchnitt nach-
gewieſen ſind. Man überzeugt ſich jedoch leicht, daß unter
den oben näher bezeichneten Umſtänden auch bei variablem
Querſchnitt die Wendepunkte der Biegungscurve mit den Fix-
punkten N oder O zuſammenfallen. Wenn z. B. nur links
von der nten Oeffnung Belaſtungen auf den Träger einwirken,
ſo iſt mit Bezug auf Fig. 65), welche das Seilpolygon der
Kräfte Un und Wn darſtellt,
[Formel 3] daher ebenſo wie für einen Träger von conſtantem Quer-
ſchnitt:
[Formel 4]

[Spaltenumbruch]
Beſchreibung des eiſernen Oberbanes der Chauſſeebrücke
über die Iſe zu Giſhorn und der daſelbſt mit verſchie-
denen Steinplatten angeſtellten Zerdrückungs-Verſuche;

vom Wegbau-Conducteur Quantz zu Lüneburg.


Einleitung.

Die in der Lüneburg-Braunſchweiger Chauſſee vor dem
Celler Thore der Stadt Gifhorn belegene Brücke über die
Iſe wurde im Jahre 1864 mit einem eiſernen Oberbau ver-
ſehen, deſſen Fahrbahn aus Steinplatten mit einer Theer-
Concretdecke beſteht und vielleicht in einigen Theilen etwas
Neues auf dem Gebiete des Brückenbaues enthält, weshalb
im Nachfolgenden eine kurze Mittheilung über die gewählte
Conſtruction gegeben werden ſoll.

Die hierbei vorkommenden Maße und Gewichte ſind, wo
es nicht anders beſonders bemerkt iſt, die hannoverſchen.

Die bisherige, vor etwa 50 Jahren erbauete alte Brücke
hatte zwei maſſive, auf Pfahlroſten gegründete Ufervorſetzungs-
Mauern mit ſchrägen Flügeln aus Bruchſteinmauerwerk mit
einer Verblendung von 6 Zoll dicken Velpker Sandſteinplatten,
welche durch eben ſolche Binderplatten und eiſerne Anker mit
dem hintern Mauerwerke verbunden ſind.

Dieſelben haben ſich nach näherer Unterſuchung in einem
völlig befriedigenden Zuſtande erhalten, ſo daß man es für
unbedenklich halten durfte, ſolche bei der beabſichtigten Er-
neuerung des Oberbaues beizubehalten.

Der alte Oberbau beſtand aus ſtarken, runden, tannenen
Balken, deren Tragfähigkeit noch durch eine leichte Spreng-
werks-Conſtruction vermehrt wurde, und einem eichenen Boh-
lenbelage mit Klotzplaſter.

Bei der Bearbeitung des neuen Projects ging man von
der Anſicht aus, daß es in Rückſicht auf die große Vergäng-
lichkeit des Holzes bei freiſtehenden Bauten und die in Folge
häufiger Erneuerungen und Reparaturen der Holztheile (be-
ſonders der Fahrbahnbohlen bei Chauſſeebrücken) eintretenden
Störungen des in der Nähe der Stadt Gifhorn nicht uner-
heblichen öffentlichen Verkehrs zweckmäßig und wünſchenswerth
ſei, jegliches Holzwerk in der zu wählenden Conſtruction zu
vermeiden.

Die geringe Ueberhöhung der anſchließenden Straßen-
ſtrecken über den höchſten Waſſerſtand der Iſe bedingte ferner,
die Fahrbahn der Brücke ſo tief als möglich zu legen.

Aus dieſen Gründen entſchied man ſich dafür, die Brücken-
öffnung mittelſt eines eiſernen, aus zwei Hauptlängsträgern,
kleineren auf den untern Gurtungen der Längsträger ruhenden
Querträgern und zwiſchen dieſen eingeſpannten, noch kleineren
Zwiſchenlängsträgern beſtehenden Oberbaues zu überſpannen
und die einzelnen, von dieſem Trägerſyſteme gebildeten und
verbleibenden Oeffnungen oder Fache mit Steinplatten von
entſprechender Größe und Stärke zu ſchließen.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0028" n="[17]"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Quanz</hi>, Be&#x017F;chreibung des ei&#x017F;ernen Oberbaues der Chau&#x017F;&#x017F;eebrücke über die I&#x017F;e zu Gifhorn etc.</fw><lb/><cb n="51"/><lb/>
haben muß, wie das Seilpolygon <hi rendition="#aq">B<hi rendition="#sub">1</hi> C B<hi rendition="#sub">3</hi></hi>, &#x017F;o findet man<lb/>
mit Hülfe des Fixpunktes <hi rendition="#aq">E<hi rendition="#sub">2</hi></hi> die Lage der Polygon&#x017F;eite<lb/><hi rendition="#aq">B<hi rendition="#sub">3</hi> G</hi> und darnach die beiden andern Seiten <hi rendition="#aq">F G</hi> und <hi rendition="#aq">B<hi rendition="#sub">1</hi> F</hi>.<lb/>
Die Seite <hi rendition="#aq">F G</hi> muß horizontal gerichtet &#x017F;ein, weil die beiden<lb/>
Kräfte <hi rendition="#aq">W<hi rendition="#sub">1</hi></hi> und <hi rendition="#aq">U<hi rendition="#sub">2</hi></hi> gleich groß &#x017F;ind; daher wäre in die&#x017F;em<lb/>
Falle die Con&#x017F;truction der Fixpunkte <hi rendition="#aq">N<hi rendition="#sub">2</hi></hi> und <hi rendition="#aq">E<hi rendition="#sub">2</hi></hi> gar nicht<lb/>
erforderlich gewe&#x017F;en; &#x017F;ie dient jedoch zur Controle der Zeich-<lb/>
nung. In Fig. 63) wird die Größe der Kräfte <hi rendition="#aq">W<hi rendition="#sub">1</hi></hi> und <hi rendition="#aq">U<hi rendition="#sub">2</hi></hi><lb/>
durch die Länge <hi rendition="#aq">H L</hi> darge&#x017F;tellt. Da nach Fig. 59 und 61)<lb/><hi rendition="#aq">P L = W<hi rendition="#sub">1</hi> = U<hi rendition="#sub">2</hi> = 47,3</hi> Millimeter<lb/>
wird, wenn<lb/><hi rendition="#aq">B<hi rendition="#sub">2</hi> J = M<hi rendition="#sub">2</hi></hi> = 25 Millimeter<lb/>
i&#x017F;t, &#x017F;o i&#x017F;t in Fig. 63)<lb/><hi rendition="#aq">P L</hi> = 47,3 Millimeter<lb/><hi rendition="#aq">P M</hi> = 25 &#x201E;<lb/>
aufgetragen. Daraus ergiebt &#x017F;ich die Größe von <hi rendition="#aq">M<hi rendition="#sub">2</hi></hi>, welche<lb/>
der Kraft<lb/><hi rendition="#aq">U<hi rendition="#sub">2</hi> = H L</hi><lb/>
ent&#x017F;pricht:<lb/><hi rendition="#aq">M<hi rendition="#sub">2</hi> = K H</hi> = 9,6 Millimeter.</p><lb/>
          <p>In Fig. 64) &#x017F;ind die Biegungsmomente für den in<lb/>
Fig. 63) behandelten Bela&#x017F;tungsfall darge&#x017F;tellt. M<hi rendition="#sub">1</hi> i&#x017F;t, wie<lb/>
in Fig. 56), gleich 18,8 Millimeter; <hi rendition="#aq">M<hi rendition="#sub">2</hi></hi>, wie in Fig. 63),<lb/>
gleich 9,6 Millimeter aufgetragen. Es i&#x017F;t demnach, wenn<lb/>
nur die er&#x017F;te Oeffnung bela&#x017F;tet i&#x017F;t,<lb/><formula/> Wenn dagegen beide Oeffnungen bela&#x017F;tet &#x017F;ind, &#x017F;o i&#x017F;t der<lb/>
Symmetrie wegen<lb/><formula/></p>
        </div>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lage der Fixpunkte <hi rendition="#aq">N</hi> und 0 für continuirliche Träger von<lb/>
variablem Quer&#x017F;chnitt.</hi> </head><lb/>
          <p>Es könnte &#x2014; ohne be&#x017F;ondere Unter&#x017F;uchung &#x2014; fraglich<lb/>
er&#x017F;cheinen, ob die Fixpunkte <hi rendition="#aq">N</hi> und <hi rendition="#aq">O</hi> für Träger von vari-<lb/>
ablem Quer&#x017F;chnitt die&#x017F;elben Eigen&#x017F;chaften be&#x017F;itzen, welche im<lb/>
Vorhergehenden für Träger von con&#x017F;tantem Quer&#x017F;chnitt nach-<lb/>
gewie&#x017F;en &#x017F;ind. Man überzeugt &#x017F;ich jedoch leicht, daß unter<lb/>
den oben näher bezeichneten Um&#x017F;tänden auch bei variablem<lb/>
Quer&#x017F;chnitt die Wendepunkte der Biegungscurve mit den Fix-<lb/>
punkten <hi rendition="#aq">N</hi> oder <hi rendition="#aq">O</hi> zu&#x017F;ammenfallen. Wenn z. B. nur links<lb/>
von der <hi rendition="#aq">n</hi><hi rendition="#sup">ten</hi> Oeffnung Bela&#x017F;tungen auf den Träger einwirken,<lb/>
&#x017F;o i&#x017F;t mit Bezug auf Fig. 65), welche das Seilpolygon der<lb/>
Kräfte <hi rendition="#aq">U<hi rendition="#sub">n</hi></hi> und <hi rendition="#aq">W<hi rendition="#sub">n</hi></hi> dar&#x017F;tellt,<lb/><formula/> daher eben&#x017F;o wie für einen Träger von con&#x017F;tantem Quer-<lb/>
&#x017F;chnitt:<lb/><formula/></p>
          <cb n="52"/>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#b">Be&#x017F;chreibung des ei&#x017F;ernen Oberbanes der Chau&#x017F;&#x017F;eebrücke<lb/>
über die I&#x017F;e zu Gi&#x017F;horn und der da&#x017F;elb&#x017F;t mit ver&#x017F;chie-<lb/>
denen Steinplatten ange&#x017F;tellten Zerdrückungs-Ver&#x017F;uche;</hi><lb/>
vom Wegbau-Conducteur <hi rendition="#b">Quantz</hi> zu Lüneburg.</head><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Einleitung.</hi> </head><lb/>
            <p>Die in der Lüneburg-Braun&#x017F;chweiger Chau&#x017F;&#x017F;ee vor dem<lb/>
Celler Thore der Stadt Gifhorn belegene Brücke über die<lb/>
I&#x017F;e wurde im Jahre 1864 mit einem ei&#x017F;ernen Oberbau ver-<lb/>
&#x017F;ehen, de&#x017F;&#x017F;en Fahrbahn aus Steinplatten mit einer Theer-<lb/>
Concretdecke be&#x017F;teht und vielleicht in einigen Theilen etwas<lb/>
Neues auf dem Gebiete des Brückenbaues enthält, weshalb<lb/>
im Nachfolgenden eine kurze Mittheilung über die gewählte<lb/>
Con&#x017F;truction gegeben werden &#x017F;oll.</p><lb/>
            <p>Die hierbei vorkommenden Maße und Gewichte &#x017F;ind, wo<lb/>
es nicht anders be&#x017F;onders bemerkt i&#x017F;t, die hannover&#x017F;chen.</p><lb/>
            <p>Die bisherige, vor etwa 50 Jahren erbauete alte Brücke<lb/>
hatte zwei ma&#x017F;&#x017F;ive, auf Pfahlro&#x017F;ten gegründete Ufervor&#x017F;etzungs-<lb/>
Mauern mit &#x017F;chrägen Flügeln aus Bruch&#x017F;teinmauerwerk mit<lb/>
einer Verblendung von 6 Zoll dicken Velpker Sand&#x017F;teinplatten,<lb/>
welche durch eben &#x017F;olche Binderplatten und ei&#x017F;erne Anker mit<lb/>
dem hintern Mauerwerke verbunden &#x017F;ind.</p><lb/>
            <p>Die&#x017F;elben haben &#x017F;ich nach näherer Unter&#x017F;uchung in einem<lb/>
völlig befriedigenden Zu&#x017F;tande erhalten, &#x017F;o daß man es für<lb/>
unbedenklich halten durfte, &#x017F;olche bei der beab&#x017F;ichtigten Er-<lb/>
neuerung des Oberbaues beizubehalten.</p><lb/>
            <p>Der alte Oberbau be&#x017F;tand aus &#x017F;tarken, runden, tannenen<lb/>
Balken, deren Tragfähigkeit noch durch eine leichte Spreng-<lb/>
werks-Con&#x017F;truction vermehrt wurde, und einem eichenen Boh-<lb/>
lenbelage mit Klotzpla&#x017F;ter.</p><lb/>
            <p>Bei der Bearbeitung des neuen Projects ging man von<lb/>
der An&#x017F;icht aus, daß es in Rück&#x017F;icht auf die große Vergäng-<lb/>
lichkeit des Holzes bei frei&#x017F;tehenden Bauten und die in Folge<lb/>
häufiger Erneuerungen und Reparaturen der Holztheile (be-<lb/>
&#x017F;onders der Fahrbahnbohlen bei Chau&#x017F;&#x017F;eebrücken) eintretenden<lb/>
Störungen des in der Nähe der Stadt Gifhorn nicht uner-<lb/>
heblichen öffentlichen Verkehrs zweckmäßig und wün&#x017F;chenswerth<lb/>
&#x017F;ei, jegliches Holzwerk in der zu wählenden Con&#x017F;truction zu<lb/>
vermeiden.</p><lb/>
            <p>Die geringe Ueberhöhung der an&#x017F;chließenden Straßen-<lb/>
&#x017F;trecken über den höch&#x017F;ten Wa&#x017F;&#x017F;er&#x017F;tand der I&#x017F;e bedingte ferner,<lb/>
die Fahrbahn der Brücke &#x017F;o tief als möglich zu legen.</p><lb/>
            <p>Aus die&#x017F;en Gründen ent&#x017F;chied man &#x017F;ich dafür, die Brücken-<lb/>
öffnung mittel&#x017F;t eines ei&#x017F;ernen, aus zwei Hauptlängsträgern,<lb/>
kleineren auf den untern Gurtungen der Längsträger ruhenden<lb/>
Querträgern und zwi&#x017F;chen die&#x017F;en einge&#x017F;pannten, noch kleineren<lb/>
Zwi&#x017F;chenlängsträgern be&#x017F;tehenden Oberbaues zu über&#x017F;pannen<lb/>
und die einzelnen, von die&#x017F;em Träger&#x017F;y&#x017F;teme gebildeten und<lb/>
verbleibenden Oeffnungen oder Fache mit Steinplatten von<lb/>
ent&#x017F;prechender Größe und Stärke zu &#x017F;chließen.</p><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[17]/0028] Quanz, Beſchreibung des eiſernen Oberbaues der Chauſſeebrücke über die Iſe zu Gifhorn etc. haben muß, wie das Seilpolygon B1 C B3, ſo findet man mit Hülfe des Fixpunktes E2 die Lage der Polygonſeite B3 G und darnach die beiden andern Seiten F G und B1 F. Die Seite F G muß horizontal gerichtet ſein, weil die beiden Kräfte W1 und U2 gleich groß ſind; daher wäre in dieſem Falle die Conſtruction der Fixpunkte N2 und E2 gar nicht erforderlich geweſen; ſie dient jedoch zur Controle der Zeich- nung. In Fig. 63) wird die Größe der Kräfte W1 und U2 durch die Länge H L dargeſtellt. Da nach Fig. 59 und 61) P L = W1 = U2 = 47,3 Millimeter wird, wenn B2 J = M2 = 25 Millimeter iſt, ſo iſt in Fig. 63) P L = 47,3 Millimeter P M = 25 „ aufgetragen. Daraus ergiebt ſich die Größe von M2, welche der Kraft U2 = H L entſpricht: M2 = K H = 9,6 Millimeter. In Fig. 64) ſind die Biegungsmomente für den in Fig. 63) behandelten Belaſtungsfall dargeſtellt. M1 iſt, wie in Fig. 56), gleich 18,8 Millimeter; M2, wie in Fig. 63), gleich 9,6 Millimeter aufgetragen. Es iſt demnach, wenn nur die erſte Oeffnung belaſtet iſt, [FORMEL] Wenn dagegen beide Oeffnungen belaſtet ſind, ſo iſt der Symmetrie wegen [FORMEL] Lage der Fixpunkte N und 0 für continuirliche Träger von variablem Querſchnitt. Es könnte — ohne beſondere Unterſuchung — fraglich erſcheinen, ob die Fixpunkte N und O für Träger von vari- ablem Querſchnitt dieſelben Eigenſchaften beſitzen, welche im Vorhergehenden für Träger von conſtantem Querſchnitt nach- gewieſen ſind. Man überzeugt ſich jedoch leicht, daß unter den oben näher bezeichneten Umſtänden auch bei variablem Querſchnitt die Wendepunkte der Biegungscurve mit den Fix- punkten N oder O zuſammenfallen. Wenn z. B. nur links von der nten Oeffnung Belaſtungen auf den Träger einwirken, ſo iſt mit Bezug auf Fig. 65), welche das Seilpolygon der Kräfte Un und Wn darſtellt, [FORMEL] daher ebenſo wie für einen Träger von conſtantem Quer- ſchnitt: [FORMEL] Beſchreibung des eiſernen Oberbanes der Chauſſeebrücke über die Iſe zu Giſhorn und der daſelbſt mit verſchie- denen Steinplatten angeſtellten Zerdrückungs-Verſuche; vom Wegbau-Conducteur Quantz zu Lüneburg. Einleitung. Die in der Lüneburg-Braunſchweiger Chauſſee vor dem Celler Thore der Stadt Gifhorn belegene Brücke über die Iſe wurde im Jahre 1864 mit einem eiſernen Oberbau ver- ſehen, deſſen Fahrbahn aus Steinplatten mit einer Theer- Concretdecke beſteht und vielleicht in einigen Theilen etwas Neues auf dem Gebiete des Brückenbaues enthält, weshalb im Nachfolgenden eine kurze Mittheilung über die gewählte Conſtruction gegeben werden ſoll. Die hierbei vorkommenden Maße und Gewichte ſind, wo es nicht anders beſonders bemerkt iſt, die hannoverſchen. Die bisherige, vor etwa 50 Jahren erbauete alte Brücke hatte zwei maſſive, auf Pfahlroſten gegründete Ufervorſetzungs- Mauern mit ſchrägen Flügeln aus Bruchſteinmauerwerk mit einer Verblendung von 6 Zoll dicken Velpker Sandſteinplatten, welche durch eben ſolche Binderplatten und eiſerne Anker mit dem hintern Mauerwerke verbunden ſind. Dieſelben haben ſich nach näherer Unterſuchung in einem völlig befriedigenden Zuſtande erhalten, ſo daß man es für unbedenklich halten durfte, ſolche bei der beabſichtigten Er- neuerung des Oberbaues beizubehalten. Der alte Oberbau beſtand aus ſtarken, runden, tannenen Balken, deren Tragfähigkeit noch durch eine leichte Spreng- werks-Conſtruction vermehrt wurde, und einem eichenen Boh- lenbelage mit Klotzplaſter. Bei der Bearbeitung des neuen Projects ging man von der Anſicht aus, daß es in Rückſicht auf die große Vergäng- lichkeit des Holzes bei freiſtehenden Bauten und die in Folge häufiger Erneuerungen und Reparaturen der Holztheile (be- ſonders der Fahrbahnbohlen bei Chauſſeebrücken) eintretenden Störungen des in der Nähe der Stadt Gifhorn nicht uner- heblichen öffentlichen Verkehrs zweckmäßig und wünſchenswerth ſei, jegliches Holzwerk in der zu wählenden Conſtruction zu vermeiden. Die geringe Ueberhöhung der anſchließenden Straßen- ſtrecken über den höchſten Waſſerſtand der Iſe bedingte ferner, die Fahrbahn der Brücke ſo tief als möglich zu legen. Aus dieſen Gründen entſchied man ſich dafür, die Brücken- öffnung mittelſt eines eiſernen, aus zwei Hauptlängsträgern, kleineren auf den untern Gurtungen der Längsträger ruhenden Querträgern und zwiſchen dieſen eingeſpannten, noch kleineren Zwiſchenlängsträgern beſtehenden Oberbaues zu überſpannen und die einzelnen, von dieſem Trägerſyſteme gebildeten und verbleibenden Oeffnungen oder Fache mit Steinplatten von entſprechender Größe und Stärke zu ſchließen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/mohr_eisenkonstruktionen_1868
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/mohr_eisenkonstruktionen_1868/28
Zitationshilfe: Mohr, Christian Otto: Beiträge zur Theorie der Holz- und Eisenkonstruktionen. In: Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover 14 (1868), Sp. 20-52, 397-400, S. [17]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mohr_eisenkonstruktionen_1868/28>, abgerufen am 26.03.2019.