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Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Bd. 1: Bis zur Schlacht von Pydna. Leipzig, 1854.

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KAPITEL V.


Die Unterwerfung der Latiner und Campaner
unter Rom
.

Das grosse Werk der römischen Königszeit, Roms Herr-
schaft über Latium in Form der Hegemonie, ward nicht we-
sentlich erschüttert durch die Aenderung der Verfassung. Es
mag sein, dass der Bund auf kurze Zeit dadurch in Schwan-
ken gerieth; darauf deutet die Sage von der Regillerschlacht,
die der Dictator oder Consul Aulus Postumius Albus (255?
258?) mit Hülfe der Dioskuren über die Latiner gewonnen
haben soll, und sicherer die Bundeserneuerung von 261, ein
Werk des Spurius Cassius. Dass aber die alten Verhältnisse
im Wesentlichen fortbestanden, zeigt die Folge; und in der
That mahnte die gewaltige Machtentwicklung Etruriens, die
stetigen Angriffe von Veii und Fidenae aus, den latinischen
Stamm gebieterisch zur Einigkeit, welche, wie Rom einmal
stand, nur möglich war mit Anerkennung seiner Oberherr-
lichkeit. Latium fügte sich, und der einigen Nation gelang
es nicht bloss sich der Etrusker zu erwehren, sondern auch
die alten Landesfeinde, die Aequer am obern Anio und die
Volsker am Meer um Antium und Tarracina, allmählich zu bän-
digen. Die mit diesen Völkern sich jährlich erneuernden
Fehden, die in unsern Annalen so berichtet werden, dass der
unbedeutendste Streifzug von dem folgenreichen Kriege kaum
unterschieden und der historische Zusammenhang gänzlich bei
Seite gelassen wird, sollen hier nicht erzählt werden; es ge-
nügt hinzuweisen auf die dauernden Erfolge. Deutlich erken-

KAPITEL V.


Die Unterwerfung der Latiner und Campaner
unter Rom
.

Das groſse Werk der römischen Königszeit, Roms Herr-
schaft über Latium in Form der Hegemonie, ward nicht we-
sentlich erschüttert durch die Aenderung der Verfassung. Es
mag sein, daſs der Bund auf kurze Zeit dadurch in Schwan-
ken gerieth; darauf deutet die Sage von der Regillerschlacht,
die der Dictator oder Consul Aulus Postumius Albus (255?
258?) mit Hülfe der Dioskuren über die Latiner gewonnen
haben soll, und sicherer die Bundeserneuerung von 261, ein
Werk des Spurius Cassius. Daſs aber die alten Verhältnisse
im Wesentlichen fortbestanden, zeigt die Folge; und in der
That mahnte die gewaltige Machtentwicklung Etruriens, die
stetigen Angriffe von Veii und Fidenae aus, den latinischen
Stamm gebieterisch zur Einigkeit, welche, wie Rom einmal
stand, nur möglich war mit Anerkennung seiner Oberherr-
lichkeit. Latium fügte sich, und der einigen Nation gelang
es nicht bloſs sich der Etrusker zu erwehren, sondern auch
die alten Landesfeinde, die Aequer am obern Anio und die
Volsker am Meer um Antium und Tarracina, allmählich zu bän-
digen. Die mit diesen Völkern sich jährlich erneuernden
Fehden, die in unsern Annalen so berichtet werden, daſs der
unbedeutendste Streifzug von dem folgenreichen Kriege kaum
unterschieden und der historische Zusammenhang gänzlich bei
Seite gelassen wird, sollen hier nicht erzählt werden; es ge-
nügt hinzuweisen auf die dauernden Erfolge. Deutlich erken-

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[[220]/0234] KAPITEL V. Die Unterwerfung der Latiner und Campaner unter Rom. Das groſse Werk der römischen Königszeit, Roms Herr- schaft über Latium in Form der Hegemonie, ward nicht we- sentlich erschüttert durch die Aenderung der Verfassung. Es mag sein, daſs der Bund auf kurze Zeit dadurch in Schwan- ken gerieth; darauf deutet die Sage von der Regillerschlacht, die der Dictator oder Consul Aulus Postumius Albus (255? 258?) mit Hülfe der Dioskuren über die Latiner gewonnen haben soll, und sicherer die Bundeserneuerung von 261, ein Werk des Spurius Cassius. Daſs aber die alten Verhältnisse im Wesentlichen fortbestanden, zeigt die Folge; und in der That mahnte die gewaltige Machtentwicklung Etruriens, die stetigen Angriffe von Veii und Fidenae aus, den latinischen Stamm gebieterisch zur Einigkeit, welche, wie Rom einmal stand, nur möglich war mit Anerkennung seiner Oberherr- lichkeit. Latium fügte sich, und der einigen Nation gelang es nicht bloſs sich der Etrusker zu erwehren, sondern auch die alten Landesfeinde, die Aequer am obern Anio und die Volsker am Meer um Antium und Tarracina, allmählich zu bän- digen. Die mit diesen Völkern sich jährlich erneuernden Fehden, die in unsern Annalen so berichtet werden, daſs der unbedeutendste Streifzug von dem folgenreichen Kriege kaum unterschieden und der historische Zusammenhang gänzlich bei Seite gelassen wird, sollen hier nicht erzählt werden; es ge- nügt hinzuweisen auf die dauernden Erfolge. Deutlich erken-

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Zitationshilfe: Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Bd. 1: Bis zur Schlacht von Pydna. Leipzig, 1854, S. [220]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mommsen_roemische01_1854/234>, abgerufen am 21.03.2019.