Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Moritz, Karl Philipp: Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten. Berlin, 1791.

Bild:
<< vorherige Seite
Die alten Einwohner
von
Arkadien.

Unter diesen dachte man sich die ältesten
Menschen,
die schon vor irgend einer Zeitrech-
nung da waren; welches man in die Dichtung ein-
kleidete, sie wären eher, als der Mond, gewe-
sen.
-- Auch bei diesem Geschlechte der Men-
schen artete die ursprüngliche Einfalt und Unschuld
der Sitten dergestalt in Laster und Bosheit aus,
daß Jupiter einst so lange seine Blitze auf Arka-
dien fallen ließ, bis endlich selbst die Erde ihre
Arme ausstreckte und ihn um Erbarmung
flehte.

Der Dodonische Wald.

In Chaonien, einer Gegend von Epirus,
war der Dodonische Eichenwald, worin sich ein
Orakel des Jupiter befand, und in welchen man
auch den Aufenthalt von dem uralten Geschlecht
der Menschen versetzte, die noch keine andere Nah-
rung als Eicheln kannten.



G
Die alten Einwohner
von
Arkadien.

Unter dieſen dachte man ſich die aͤlteſten
Menſchen,
die ſchon vor irgend einer Zeitrech-
nung da waren; welches man in die Dichtung ein-
kleidete, ſie waͤren eher, als der Mond, gewe-
ſen.
— Auch bei dieſem Geſchlechte der Men-
ſchen artete die urſpruͤngliche Einfalt und Unſchuld
der Sitten dergeſtalt in Laſter und Bosheit aus,
daß Jupiter einſt ſo lange ſeine Blitze auf Arka-
dien fallen ließ, bis endlich ſelbſt die Erde ihre
Arme ausſtreckte und ihn um Erbarmung
flehte.

Der Dodoniſche Wald.

In Chaonien, einer Gegend von Epirus,
war der Dodoniſche Eichenwald, worin ſich ein
Orakel des Jupiter befand, und in welchen man
auch den Aufenthalt von dem uralten Geſchlecht
der Menſchen verſetzte, die noch keine andere Nah-
rung als Eicheln kannten.



G
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0123" n="97"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Die alten Einwohner</hi><lb/>
von<lb/><hi rendition="#g">Arkadien</hi>.</hi> </head><lb/>
          <p>Unter die&#x017F;en dachte man &#x017F;ich die <hi rendition="#fr">a&#x0364;lte&#x017F;ten<lb/>
Men&#x017F;chen,</hi> die &#x017F;chon vor irgend einer Zeitrech-<lb/>
nung da waren; welches man in die Dichtung ein-<lb/>
kleidete, <hi rendition="#fr">&#x017F;ie wa&#x0364;ren eher, als der Mond, gewe-<lb/>
&#x017F;en.</hi> &#x2014; Auch bei die&#x017F;em Ge&#x017F;chlechte der Men-<lb/>
&#x017F;chen artete die ur&#x017F;pru&#x0364;ngliche Einfalt und Un&#x017F;chuld<lb/>
der Sitten derge&#x017F;talt in La&#x017F;ter und Bosheit aus,<lb/>
daß Jupiter ein&#x017F;t &#x017F;o lange &#x017F;eine Blitze auf Arka-<lb/>
dien fallen ließ, <hi rendition="#fr">bis endlich &#x017F;elb&#x017F;t die Erde ihre<lb/>
Arme aus&#x017F;treckte und ihn um Erbarmung<lb/>
flehte.</hi></p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Der Dodoni&#x017F;che Wald</hi>.</hi> </head><lb/>
          <p>In <hi rendition="#fr">Chaonien</hi>, einer Gegend von Epirus,<lb/>
war der Dodoni&#x017F;che Eichenwald, worin &#x017F;ich ein<lb/>
Orakel des Jupiter befand, und in welchen man<lb/>
auch den Aufenthalt von dem uralten Ge&#x017F;chlecht<lb/>
der Men&#x017F;chen ver&#x017F;etzte, die noch keine andere Nah-<lb/>
rung als <hi rendition="#fr">Eicheln</hi> kannten.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      <fw place="bottom" type="sig">G</fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[97/0123] Die alten Einwohner von Arkadien. Unter dieſen dachte man ſich die aͤlteſten Menſchen, die ſchon vor irgend einer Zeitrech- nung da waren; welches man in die Dichtung ein- kleidete, ſie waͤren eher, als der Mond, gewe- ſen. — Auch bei dieſem Geſchlechte der Men- ſchen artete die urſpruͤngliche Einfalt und Unſchuld der Sitten dergeſtalt in Laſter und Bosheit aus, daß Jupiter einſt ſo lange ſeine Blitze auf Arka- dien fallen ließ, bis endlich ſelbſt die Erde ihre Arme ausſtreckte und ihn um Erbarmung flehte. Der Dodoniſche Wald. In Chaonien, einer Gegend von Epirus, war der Dodoniſche Eichenwald, worin ſich ein Orakel des Jupiter befand, und in welchen man auch den Aufenthalt von dem uralten Geſchlecht der Menſchen verſetzte, die noch keine andere Nah- rung als Eicheln kannten. G

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_goetterlehre_1791
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_goetterlehre_1791/123
Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp: Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten. Berlin, 1791, S. 97. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_goetterlehre_1791/123>, abgerufen am 09.08.2020.