Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Moser, Johann Jacob: Erste Grundlehren des jezigen Europäischen Völcker-Rechts, in Fridens- und Kriegs-Zeiten. Nürnberg, 1778.

Bild:
<< vorherige Seite
Vom Europ. Völckerrecht.
§. 6.

Die erste Grundsäze sollten in allen dreyen
Gattungen einerley seyn, und die Gerechtsame
und Pflichten derer einzelnen Menschen und
Familien sollten auch bey ganzen Staaten und
zwischen ganzen Völckern, (welche moralische
Menschen und Familien im großen, wie jene im
kleinen, vorstellen,) Plaz greiffen:

§. 7.

Gleichwie aber die Gelebrte je länger je mehr
auch in denen ersten Grundsäzen des privat-
Naturrechts bey nahe alles willkührlich machen,
und jeder sich ein Naturrecht nach seiner eigenen
Einsicht, Leidenschafften, Convenienz und Nu-
zen bildet; so macht man es auch mit dem all-
gemeinen Staats- und Völckerrecht:

Und die große Herrn machen es in ihren
Handlungen und Staatsschrifften eben so.

§. 8.

Gar viles wird auch in thesi und öffentlich
als unerlaubt erklärt, das man doch bey allen
Gelegenheiten, offentlich oder in der Stille,
selber thut.

§. 9.

Bey disen Umständen bleibt, wann es zu
würcklichen Streitigkeiten kommt, offt wenig
genug von dem allgemeinen Völckerrecht übrig,
was als unstreitig wahr und verbindlich erkannt
wird; ja man erkennet, (nach Erforderniß sei-

nes
A 2
Vom Europ. Voͤlckerrecht.
§. 6.

Die erſte Grundſaͤze ſollten in allen dreyen
Gattungen einerley ſeyn, und die Gerechtſame
und Pflichten derer einzelnen Menſchen und
Familien ſollten auch bey ganzen Staaten und
zwiſchen ganzen Voͤlckern, (welche moraliſche
Menſchen und Familien im großen, wie jene im
kleinen, vorſtellen,) Plaz greiffen:

§. 7.

Gleichwie aber die Gelebrte je laͤnger je mehr
auch in denen erſten Grundſaͤzen des privat-
Naturrechts bey nahe alles willkuͤhrlich machen,
und jeder ſich ein Naturrecht nach ſeiner eigenen
Einſicht, Leidenſchafften, Convenienz und Nu-
zen bildet; ſo macht man es auch mit dem all-
gemeinen Staats- und Voͤlckerrecht:

Und die große Herrn machen es in ihren
Handlungen und Staatsſchrifften eben ſo.

§. 8.

Gar viles wird auch in theſi und oͤffentlich
als unerlaubt erklaͤrt, das man doch bey allen
Gelegenheiten, offentlich oder in der Stille,
ſelber thut.

§. 9.

Bey diſen Umſtaͤnden bleibt, wann es zu
wuͤrcklichen Streitigkeiten kommt, offt wenig
genug von dem allgemeinen Voͤlckerrecht uͤbrig,
was als unſtreitig wahr und verbindlich erkannt
wird; ja man erkennet, (nach Erforderniß ſei-

nes
A 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0015" n="3"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Vom Europ. Vo&#x0364;lckerrecht.</hi> </fw><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 6.</head><lb/>
            <p>Die er&#x017F;te Grund&#x017F;a&#x0364;ze &#x017F;ollten in allen dreyen<lb/>
Gattungen einerley &#x017F;eyn, und die Gerecht&#x017F;ame<lb/>
und Pflichten derer einzelnen Men&#x017F;chen und<lb/>
Familien &#x017F;ollten auch bey ganzen Staaten und<lb/>
zwi&#x017F;chen ganzen Vo&#x0364;lckern, (welche morali&#x017F;che<lb/>
Men&#x017F;chen und Familien im großen, wie jene im<lb/>
kleinen, vor&#x017F;tellen,) Plaz greiffen:</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 7.</head><lb/>
            <p>Gleichwie aber die Gelebrte je la&#x0364;nger je mehr<lb/>
auch in denen er&#x017F;ten Grund&#x017F;a&#x0364;zen des privat-<lb/>
Naturrechts bey nahe alles willku&#x0364;hrlich machen,<lb/>
und jeder &#x017F;ich ein Naturrecht nach &#x017F;einer eigenen<lb/>
Ein&#x017F;icht, Leiden&#x017F;chafften, Convenienz und Nu-<lb/>
zen bildet; &#x017F;o macht man es auch mit dem all-<lb/>
gemeinen Staats- und Vo&#x0364;lckerrecht:</p><lb/>
            <p>Und die große Herrn machen es in ihren<lb/>
Handlungen und Staats&#x017F;chrifften eben &#x017F;o.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 8.</head><lb/>
            <p>Gar viles wird auch <hi rendition="#aq">in the&#x017F;i</hi> und o&#x0364;ffentlich<lb/>
als unerlaubt erkla&#x0364;rt, das man doch bey allen<lb/>
Gelegenheiten, offentlich oder in der Stille,<lb/>
&#x017F;elber thut.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 9.</head><lb/>
            <p>Bey di&#x017F;en Um&#x017F;ta&#x0364;nden bleibt, wann es zu<lb/>
wu&#x0364;rcklichen Streitigkeiten kommt, offt wenig<lb/>
genug von dem allgemeinen Vo&#x0364;lckerrecht u&#x0364;brig,<lb/>
was als un&#x017F;treitig wahr und verbindlich erkannt<lb/>
wird; ja man erkennet, (nach Erforderniß &#x017F;ei-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">A 2</fw><fw place="bottom" type="catch">nes</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[3/0015] Vom Europ. Voͤlckerrecht. §. 6. Die erſte Grundſaͤze ſollten in allen dreyen Gattungen einerley ſeyn, und die Gerechtſame und Pflichten derer einzelnen Menſchen und Familien ſollten auch bey ganzen Staaten und zwiſchen ganzen Voͤlckern, (welche moraliſche Menſchen und Familien im großen, wie jene im kleinen, vorſtellen,) Plaz greiffen: §. 7. Gleichwie aber die Gelebrte je laͤnger je mehr auch in denen erſten Grundſaͤzen des privat- Naturrechts bey nahe alles willkuͤhrlich machen, und jeder ſich ein Naturrecht nach ſeiner eigenen Einſicht, Leidenſchafften, Convenienz und Nu- zen bildet; ſo macht man es auch mit dem all- gemeinen Staats- und Voͤlckerrecht: Und die große Herrn machen es in ihren Handlungen und Staatsſchrifften eben ſo. §. 8. Gar viles wird auch in theſi und oͤffentlich als unerlaubt erklaͤrt, das man doch bey allen Gelegenheiten, offentlich oder in der Stille, ſelber thut. §. 9. Bey diſen Umſtaͤnden bleibt, wann es zu wuͤrcklichen Streitigkeiten kommt, offt wenig genug von dem allgemeinen Voͤlckerrecht uͤbrig, was als unſtreitig wahr und verbindlich erkannt wird; ja man erkennet, (nach Erforderniß ſei- nes A 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/moser_grundlehren_1778
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/moser_grundlehren_1778/15
Zitationshilfe: Moser, Johann Jacob: Erste Grundlehren des jezigen Europäischen Völcker-Rechts, in Fridens- und Kriegs-Zeiten. Nürnberg, 1778, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/moser_grundlehren_1778/15>, abgerufen am 19.10.2019.