Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Müller, Adam Heinrich: Versuche einer neuen Theorie des Geldes mit besonderer Rücksicht auf Großbritannien. Leipzig u. a., 1816.

Bild:
<< vorherige Seite

Fünftes Kapitel.
Vom Maaßstabe.

Daß ein Reich der Sachen nicht für sich und unter der ab-
soluten Herrschaft einer Sache, par excellence, wie des edeln
Metalls, bestehen könne, daß es eben so wenig wieder ein ab-
gesondertes Reich der persönlichen Kräfte gebe, daß vielmehr
sich Personen und Sachen allenthalben mit beyderseitiger Frey-
heit bedingen, daß sie wie die zwey entgegen gesetzten Seiten
und Offenbarungen derselben großen Grundkraft, die aus ihrer
Wechselwirkung immer mächtiger hervorgeht, betrachtet wer-
den müssen, und daß beyde, wenn sie außer Beziehung auf die-
se große Grundkraft des Glaubens oder Credits gestellt werden,
einander durch wechselseitige Versuche der Unterjochung noth-
wendig zerstören müssen, -- dieß möchte nun keines weiteren
Beweises bedürfen. Auf das Gesellschaftliche, auf das Credit-
erzeugende in beyden, nicht auf die Materie, welche diese pro-
ductiven Kräfte trägt, kommt es an; also nicht auf das was
jedes von beyden abgesondert ist, sondern auf das, was beyde
im Verhältniß zu einander, d. h. in Beziehung auf einen ge-
meinschaftlichen Mittelpunct sind, wird geachtet werden müssen.

Gesetzt also, es gäbe unter den Sachen eine Sache, die gleich-
sam das Szepter zu führen schiene über die Sachen, wie das
edle Metall: gesetzt es gäbe andererseits unter den persönlichen


Fuͤnftes Kapitel.
Vom Maaßſtabe.

Daß ein Reich der Sachen nicht fuͤr ſich und unter der ab-
ſoluten Herrſchaft einer Sache, par excellence, wie des edeln
Metalls, beſtehen koͤnne, daß es eben ſo wenig wieder ein ab-
geſondertes Reich der perſoͤnlichen Kraͤfte gebe, daß vielmehr
ſich Perſonen und Sachen allenthalben mit beyderſeitiger Frey-
heit bedingen, daß ſie wie die zwey entgegen geſetzten Seiten
und Offenbarungen derſelben großen Grundkraft, die aus ihrer
Wechſelwirkung immer maͤchtiger hervorgeht, betrachtet wer-
den muͤſſen, und daß beyde, wenn ſie außer Beziehung auf die-
ſe große Grundkraft des Glaubens oder Credits geſtellt werden,
einander durch wechſelſeitige Verſuche der Unterjochung noth-
wendig zerſtoͤren muͤſſen, — dieß moͤchte nun keines weiteren
Beweiſes beduͤrfen. Auf das Geſellſchaftliche, auf das Credit-
erzeugende in beyden, nicht auf die Materie, welche dieſe pro-
ductiven Kraͤfte traͤgt, kommt es an; alſo nicht auf das was
jedes von beyden abgeſondert iſt, ſondern auf das, was beyde
im Verhaͤltniß zu einander, d. h. in Beziehung auf einen ge-
meinſchaftlichen Mittelpunct ſind, wird geachtet werden muͤſſen.

Geſetzt alſo, es gaͤbe unter den Sachen eine Sache, die gleich-
ſam das Szepter zu fuͤhren ſchiene uͤber die Sachen, wie das
edle Metall: geſetzt es gaͤbe andererſeits unter den perſoͤnlichen

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0196" n="182"/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#b">Fu&#x0364;nftes Kapitel.</hi><lb/><hi rendition="#g">Vom Maaß&#x017F;tabe</hi>.</head><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>aß ein Reich der Sachen nicht fu&#x0364;r &#x017F;ich und unter der ab-<lb/>
&#x017F;oluten Herr&#x017F;chaft einer Sache, <hi rendition="#aq">par excellence,</hi> wie des edeln<lb/>
Metalls, be&#x017F;tehen ko&#x0364;nne, daß es eben &#x017F;o wenig wieder ein ab-<lb/>
ge&#x017F;ondertes Reich der per&#x017F;o&#x0364;nlichen Kra&#x0364;fte gebe, daß vielmehr<lb/>
&#x017F;ich Per&#x017F;onen und Sachen allenthalben mit beyder&#x017F;eitiger Frey-<lb/>
heit bedingen, daß &#x017F;ie wie die zwey entgegen ge&#x017F;etzten Seiten<lb/>
und Offenbarungen der&#x017F;elben großen Grundkraft, die aus ihrer<lb/>
Wech&#x017F;elwirkung immer ma&#x0364;chtiger hervorgeht, betrachtet wer-<lb/>
den mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, und daß beyde, wenn &#x017F;ie außer Beziehung auf die-<lb/>
&#x017F;e große Grundkraft des Glaubens oder Credits ge&#x017F;tellt werden,<lb/>
einander durch wech&#x017F;el&#x017F;eitige Ver&#x017F;uche der Unterjochung noth-<lb/>
wendig zer&#x017F;to&#x0364;ren mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, &#x2014; dieß mo&#x0364;chte nun keines weiteren<lb/>
Bewei&#x017F;es bedu&#x0364;rfen. Auf das Ge&#x017F;ell&#x017F;chaftliche, auf das Credit-<lb/>
erzeugende in beyden, nicht auf die Materie, welche die&#x017F;e pro-<lb/>
ductiven Kra&#x0364;fte tra&#x0364;gt, kommt es an; al&#x017F;o nicht auf das was<lb/>
jedes von beyden abge&#x017F;ondert i&#x017F;t, &#x017F;ondern auf das, was beyde<lb/>
im Verha&#x0364;ltniß zu einander, d. h. in Beziehung auf einen ge-<lb/>
mein&#x017F;chaftlichen Mittelpunct &#x017F;ind, wird geachtet werden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
          <p>Ge&#x017F;etzt al&#x017F;o, es ga&#x0364;be unter den Sachen eine Sache, die gleich-<lb/>
&#x017F;am das Szepter zu fu&#x0364;hren &#x017F;chiene u&#x0364;ber die Sachen, wie das<lb/>
edle Metall: ge&#x017F;etzt es ga&#x0364;be anderer&#x017F;eits unter den per&#x017F;o&#x0364;nlichen<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[182/0196] Fuͤnftes Kapitel. Vom Maaßſtabe. Daß ein Reich der Sachen nicht fuͤr ſich und unter der ab- ſoluten Herrſchaft einer Sache, par excellence, wie des edeln Metalls, beſtehen koͤnne, daß es eben ſo wenig wieder ein ab- geſondertes Reich der perſoͤnlichen Kraͤfte gebe, daß vielmehr ſich Perſonen und Sachen allenthalben mit beyderſeitiger Frey- heit bedingen, daß ſie wie die zwey entgegen geſetzten Seiten und Offenbarungen derſelben großen Grundkraft, die aus ihrer Wechſelwirkung immer maͤchtiger hervorgeht, betrachtet wer- den muͤſſen, und daß beyde, wenn ſie außer Beziehung auf die- ſe große Grundkraft des Glaubens oder Credits geſtellt werden, einander durch wechſelſeitige Verſuche der Unterjochung noth- wendig zerſtoͤren muͤſſen, — dieß moͤchte nun keines weiteren Beweiſes beduͤrfen. Auf das Geſellſchaftliche, auf das Credit- erzeugende in beyden, nicht auf die Materie, welche dieſe pro- ductiven Kraͤfte traͤgt, kommt es an; alſo nicht auf das was jedes von beyden abgeſondert iſt, ſondern auf das, was beyde im Verhaͤltniß zu einander, d. h. in Beziehung auf einen ge- meinſchaftlichen Mittelpunct ſind, wird geachtet werden muͤſſen. Geſetzt alſo, es gaͤbe unter den Sachen eine Sache, die gleich- ſam das Szepter zu fuͤhren ſchiene uͤber die Sachen, wie das edle Metall: geſetzt es gaͤbe andererſeits unter den perſoͤnlichen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_geld_1816
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_geld_1816/196
Zitationshilfe: Müller, Adam Heinrich: Versuche einer neuen Theorie des Geldes mit besonderer Rücksicht auf Großbritannien. Leipzig u. a., 1816. , S. 182. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_geld_1816/196>, abgerufen am 03.07.2020.