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Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 2. Breslau, 1824.

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nesischen Küste. Apd. 1, 9, 19. Sch. Apoll. 1, 1290.
St. p. 182. Doch zog er gegen die Amaz. ob. S. 465.

6.

Hellanikos, Pherekydes Zeitgenosse, scheint
in keiner Folge von den Thaten des H. geredet zu ha-
ben, wenn nicht etwa in den Istoriais, er erwähnte
sie wahrscheinlich nur beiläufig und oft in einer gewis-
sen historischen Beziehung. Wir haben folgende Data
aus ihm: Von den Stymphaliden, wenig abweichend
von Pher. Sch. Apoll. 2, 1055. St. Frgm. 88. --
Diomedes Rosse zerreißen den Abderos, Liebling des
H. Steph. B. Abdera. Fr. 108. Daraus Apd. 2,
5, 8. -- Zug durch Italien, der Rückkehr von Geryon
eingewebt, bei Dion. H. 1, 35. Frgm. 107. Hell.
leitete dabei den Namen Italien von vitulus ab. --
Den Aufenthalt des H. bei der Omphale führte er
speciell aus. Steph. Akele. Fr. 111. -- Von dem
Altar des H. Kallinikos, von Telamon bei Trojas
Erstürmung errichtet, erzählte Hellan. wie Apd. 2, 6,
4. Tz. zu Lyk. 469. Fr. 138. -- Bei der Argonau-
tenfahrt ließ er ihn Theil nehmen, und mit allen Ar-
gonauten gegen die Amazonen ziehn. Sch. Pind. N. 3,
64. Fr. 118. Statt des Hylas nannte er einen Thei-
omenes S. des Theiodamas. Sch. Ap. 1, 131. Fr.
84. Den Kalydonischen Knaben nannte er nicht Eu-
nomos, sondern Archias. Fr. 52. -- Mehrere von die-
sen Anführungen zeigen, daß, wenn der einfache Phe-
rekydes sich strenger an die alten Dichter hielt, und
etwa nur um des Zusammenhangs willen hier und da
eine Lücke ausfüllte, -- Hellanikos schon mit größerer
Freiheit den Mythus der Historie und Geographie an-
zupassen versuchte. Auch glaube ich, behandelte Hell.
die Thaten des H. zuerst chronologisch, in seiner
Schrift über die Priesterinnen von Argos. Es hat
nemlich die berühmte Farnesische Marmortafel, welche
H. Consecration darstellt, die Unterschrift: ERAS AR-
GEIAS IEREIA ADMATA EURUSThEOS KAI AD-
MATAS TAS AMPhIDAMANTOS ETE NE-. Das
heißt: die Heiligsprechung des Heros durch die Argei-
ische Priesterin geschah im 58sten Jahre der Admeta.
Die Alexandrinischen Chronologen, aus welchen Klemens

neſiſchen Kuͤſte. Apd. 1, 9, 19. Sch. Apoll. 1, 1290.
St. p. 182. Doch zog er gegen die Amaz. ob. S. 465.

6.

Hellanikos, Pherekydes Zeitgenoſſe, ſcheint
in keiner Folge von den Thaten des H. geredet zu ha-
ben, wenn nicht etwa in den Ἱστορίαις, er erwaͤhnte
ſie wahrſcheinlich nur beilaͤufig und oft in einer gewiſ-
ſen hiſtoriſchen Beziehung. Wir haben folgende Data
aus ihm: Von den Stymphaliden, wenig abweichend
von Pher. Sch. Apoll. 2, 1055. St. Frgm. 88. —
Diomedes Roſſe zerreißen den Abderos, Liebling des
H. Steph. B. Ἄβδηρα. Fr. 108. Daraus Apd. 2,
5, 8. — Zug durch Italien, der Ruͤckkehr von Geryon
eingewebt, bei Dion. H. 1, 35. Frgm. 107. Hell.
leitete dabei den Namen Italien von vitulus ab. —
Den Aufenthalt des H. bei der Omphale fuͤhrte er
ſpeciell aus. Steph. Ακέλη. Fr. 111. — Von dem
Altar des H. Καλλίνικος, von Telamon bei Trojas
Erſtuͤrmung errichtet, erzaͤhlte Hellan. wie Apd. 2, 6,
4. Tz. zu Lyk. 469. Fr. 138. — Bei der Argonau-
tenfahrt ließ er ihn Theil nehmen, und mit allen Ar-
gonauten gegen die Amazonen ziehn. Sch. Pind. N. 3,
64. Fr. 118. Statt des Hylas nannte er einen Thei-
omenes S. des Theiodamas. Sch. Ap. 1, 131. Fr.
84. Den Kalydoniſchen Knaben nannte er nicht Eu-
nomos, ſondern Archias. Fr. 52. — Mehrere von die-
ſen Anfuͤhrungen zeigen, daß, wenn der einfache Phe-
rekydes ſich ſtrenger an die alten Dichter hielt, und
etwa nur um des Zuſammenhangs willen hier und da
eine Luͤcke ausfuͤllte, — Hellanikos ſchon mit groͤßerer
Freiheit den Mythus der Hiſtorie und Geographie an-
zupaſſen verſuchte. Auch glaube ich, behandelte Hell.
die Thaten des H. zuerſt chronologiſch, in ſeiner
Schrift uͤber die Prieſterinnen von Argos. Es hat
nemlich die beruͤhmte Farneſiſche Marmortafel, welche
H. Conſecration darſtellt, die Unterſchrift: ΗΡΑΣ ΑΡ-
ΓΕΙΑΣ ΙΕΡΕΙΑ ΑΔΜΑΤΑ ΕϒΡϒΣΘΕΩΣ ΚΑΙ ΑΔ-
ΜΑΤΑΣ ΤΑΣ ΑΜΦΙΔΑΜΑΝΤΟΣ ΕΤΗ ΝΗ‒. Das
heißt: die Heiligſprechung des Heros durch die Argei-
iſche Prieſterin geſchah im 58ſten Jahre der Admeta.
Die Alexandriniſchen Chronologen, aus welchen Klemens

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[470/0476] neſiſchen Kuͤſte. Apd. 1, 9, 19. Sch. Apoll. 1, 1290. St. p. 182. Doch zog er gegen die Amaz. ob. S. 465. 6. Hellanikos, Pherekydes Zeitgenoſſe, ſcheint in keiner Folge von den Thaten des H. geredet zu ha- ben, wenn nicht etwa in den Ἱστορίαις, er erwaͤhnte ſie wahrſcheinlich nur beilaͤufig und oft in einer gewiſ- ſen hiſtoriſchen Beziehung. Wir haben folgende Data aus ihm: Von den Stymphaliden, wenig abweichend von Pher. Sch. Apoll. 2, 1055. St. Frgm. 88. — Diomedes Roſſe zerreißen den Abderos, Liebling des H. Steph. B. Ἄβδηρα. Fr. 108. Daraus Apd. 2, 5, 8. — Zug durch Italien, der Ruͤckkehr von Geryon eingewebt, bei Dion. H. 1, 35. Frgm. 107. Hell. leitete dabei den Namen Italien von vitulus ab. — Den Aufenthalt des H. bei der Omphale fuͤhrte er ſpeciell aus. Steph. Ακέλη. Fr. 111. — Von dem Altar des H. Καλλίνικος, von Telamon bei Trojas Erſtuͤrmung errichtet, erzaͤhlte Hellan. wie Apd. 2, 6, 4. Tz. zu Lyk. 469. Fr. 138. — Bei der Argonau- tenfahrt ließ er ihn Theil nehmen, und mit allen Ar- gonauten gegen die Amazonen ziehn. Sch. Pind. N. 3, 64. Fr. 118. Statt des Hylas nannte er einen Thei- omenes S. des Theiodamas. Sch. Ap. 1, 131. Fr. 84. Den Kalydoniſchen Knaben nannte er nicht Eu- nomos, ſondern Archias. Fr. 52. — Mehrere von die- ſen Anfuͤhrungen zeigen, daß, wenn der einfache Phe- rekydes ſich ſtrenger an die alten Dichter hielt, und etwa nur um des Zuſammenhangs willen hier und da eine Luͤcke ausfuͤllte, — Hellanikos ſchon mit groͤßerer Freiheit den Mythus der Hiſtorie und Geographie an- zupaſſen verſuchte. Auch glaube ich, behandelte Hell. die Thaten des H. zuerſt chronologiſch, in ſeiner Schrift uͤber die Prieſterinnen von Argos. Es hat nemlich die beruͤhmte Farneſiſche Marmortafel, welche H. Conſecration darſtellt, die Unterſchrift: ΗΡΑΣ ΑΡ- ΓΕΙΑΣ ΙΕΡΕΙΑ ΑΔΜΑΤΑ ΕϒΡϒΣΘΕΩΣ ΚΑΙ ΑΔ- ΜΑΤΑΣ ΤΑΣ ΑΜΦΙΔΑΜΑΝΤΟΣ ΕΤΗ ΝΗ‒. Das heißt: die Heiligſprechung des Heros durch die Argei- iſche Prieſterin geſchah im 58ſten Jahre der Admeta. Die Alexandriniſchen Chronologen, aus welchen Klemens

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 2. Breslau, 1824, S. 470. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische03_1824/476>, abgerufen am 19.02.2019.