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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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Historischer Theil.

6. Andre Attische Tempel.

a. Zu Rhamnus. Der größre Tempel der
Nemesis, ein Hexastylos Peripteros, 71 x 33 F., wurde wahr-
scheinlich in Perikles Zeit begonnen (vgl. §. 117), aber erst später
vollendet (Stege der Cannelüren). Man bemerkt reiche Mahlereien
und Vergoldungen am Kranze nach außen, und dem Simse über
dem Friese im Innern, deren Umrisse eingeschnitten sind. Schöne
Felderdecke. Uned. antiqq. Ch. 6.

b. Der Tempel der Pallas auf Sunion,
Hexast. Peript., mit Propyläen derselben, Dorischen, Ordnung.
Auch aus Perikles Zeit. Antiqq. of Ionia T. ii, ch. 5. pl.
9 - 14. Uned. antiqq. ch. 8.

c. Die Stoa zu Thorikos (7 Säulen vorn,
15 an der Seite, vgl. §. 80. Anm. ii, a. 3.). Die Säulen
(11 mod. hoch) haben erst den Anfang der Cannelüre erhalten.
Uned. antiqq. ch. 9.

II. Peloponnesische Haupttempel.

7. Tempel zu Olympia, aus der Beute Pisa's (fiel gegen
Ol. 50) von Libon dem Eleer gebaut, um Ol. 86 vollendet, dem
Parthenon ähnlich. Stoai uperooi. Aus Poros. Größe
230 x 95 Griech. Fuß. Höhe 68. Ueber die vermuthlichen Rui-
nen Stanhope's Olympia p. 9. Wilkins Magna Graecia Ap-
pend. p. 72.
(Metroon?) Sonst vgl. §. 115.

8. Der T. der Hera von Argos, von Eupolemos nach Ol.
89, 2. Das Olympieion zu Megara vor 87. Keine Ruinen
von diesen Tempeln.

9. Der T. des Apollon Epikurios bei Phigalia, von Ikti-
nos dem Athener, also wohl vor Ol. 87, 2. (nach Pausanias Ver-
muthung nach der Pest, 88.) gebaut. Größe 126 x 48 Fuß.
Außen ein Dorisches Pteroma; innen bilden Jonische Säulen Ni-
schen (für anathemata) und ein Hypäthron. Eine Korinthische
Säule stand am Schluß des Hypäthron hinter dem Bilde. Ueber
die Ruinen Combe Brit. Museum P. iv. pl. 25 - 28. Stackel-
berg Apollotempel Tf. 1 - 5.

10. Der T. der Athena Alea zu Tegea, von Skopas
nach Ol. 96 gebaut, der größte und schönste des Peloponnes. Die
Verbindung von Jonischen Säulen nach außen, Dorischen und Ko-
rinthischen übereinander im Innern, ist für die Geschichte der Bau-

Hiſtoriſcher Theil.

6. Andre Attiſche Tempel.

a. Zu Rhamnus. Der größre Tempel der
Nemeſis, ein Hexaſtylos Peripteros, 71 × 33 F., wurde wahr-
ſcheinlich in Perikles Zeit begonnen (vgl. §. 117), aber erſt ſpäter
vollendet (Stege der Cannelüren). Man bemerkt reiche Mahlereien
und Vergoldungen am Kranze nach außen, und dem Simſe über
dem Frieſe im Innern, deren Umriſſe eingeſchnitten ſind. Schöne
Felderdecke. Uned. antiqq. Ch. 6.

b. Der Tempel der Pallas auf Sunion,
Hexaſt. Peript., mit Propyläen derſelben, Doriſchen, Ordnung.
Auch aus Perikles Zeit. Antiqq. of Ionia T. ii, ch. 5. pl.
9 ‒ 14. Uned. antiqq. ch. 8.

c. Die Stoa zu Thorikos (7 Säulen vorn,
15 an der Seite, vgl. §. 80. Anm. ii, a. 3.). Die Säulen
(11 mod. hoch) haben erſt den Anfang der Cannelüre erhalten.
Uned. antiqq. ch. 9.

II. Peloponneſiſche Haupttempel.

7. Tempel zu Olympia, aus der Beute Piſa’s (fiel gegen
Ol. 50) von Libon dem Eleer gebaut, um Ol. 86 vollendet, dem
Parthenon ähnlich. Στοαὶ ὑπερῷοι. Aus Poros. Größe
230 × 95 Griech. Fuß. Höhe 68. Ueber die vermuthlichen Rui-
nen Stanhope’s Olympia p. 9. Wilkins Magna Graecia Ap-
pend. p. 72.
(Metroon?) Sonſt vgl. §. 115.

8. Der T. der Hera von Argos, von Eupolemos nach Ol.
89, 2. Das Olympieion zu Megara vor 87. Keine Ruinen
von dieſen Tempeln.

9. Der T. des Apollon Epikurios bei Phigalia, von Ikti-
nos dem Athener, alſo wohl vor Ol. 87, 2. (nach Pauſanias Ver-
muthung nach der Peſt, 88.) gebaut. Größe 126 × 48 Fuß.
Außen ein Doriſches Pteroma; innen bilden Joniſche Säulen Ni-
ſchen (für ἀναϑήματα) und ein Hypäthron. Eine Korinthiſche
Säule ſtand am Schluß des Hypäthron hinter dem Bilde. Ueber
die Ruinen Combe Brit. Museum P. iv. pl. 25 ‒ 28. Stackel-
berg Apollotempel Tf. 1 ‒ 5.

10. Der T. der Athena Alea zu Tegea, von Skopas
nach Ol. 96 gebaut, der größte und ſchönſte des Peloponnes. Die
Verbindung von Joniſchen Säulen nach außen, Doriſchen und Ko-
rinthiſchen übereinander im Innern, iſt für die Geſchichte der Bau-

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[86/0108] Hiſtoriſcher Theil. 6. Andre Attiſche Tempel. a. Zu Rhamnus. Der größre Tempel der Nemeſis, ein Hexaſtylos Peripteros, 71 × 33 F., wurde wahr- ſcheinlich in Perikles Zeit begonnen (vgl. §. 117), aber erſt ſpäter vollendet (Stege der Cannelüren). Man bemerkt reiche Mahlereien und Vergoldungen am Kranze nach außen, und dem Simſe über dem Frieſe im Innern, deren Umriſſe eingeſchnitten ſind. Schöne Felderdecke. Uned. antiqq. Ch. 6. b. Der Tempel der Pallas auf Sunion, Hexaſt. Peript., mit Propyläen derſelben, Doriſchen, Ordnung. Auch aus Perikles Zeit. Antiqq. of Ionia T. ii, ch. 5. pl. 9 ‒ 14. Uned. antiqq. ch. 8. c. Die Stoa zu Thorikos (7 Säulen vorn, 15 an der Seite, vgl. §. 80. Anm. ii, a. 3.). Die Säulen (11 mod. hoch) haben erſt den Anfang der Cannelüre erhalten. Uned. antiqq. ch. 9. II. Peloponneſiſche Haupttempel. 7. Tempel zu Olympia, aus der Beute Piſa’s (fiel gegen Ol. 50) von Libon dem Eleer gebaut, um Ol. 86 vollendet, dem Parthenon ähnlich. Στοαὶ ὑπερῷοι. Aus Poros. Größe 230 × 95 Griech. Fuß. Höhe 68. Ueber die vermuthlichen Rui- nen Stanhope’s Olympia p. 9. Wilkins Magna Graecia Ap- pend. p. 72. (Metroon?) Sonſt vgl. §. 115. 8. Der T. der Hera von Argos, von Eupolemos nach Ol. 89, 2. Das Olympieion zu Megara vor 87. Keine Ruinen von dieſen Tempeln. 9. Der T. des Apollon Epikurios bei Phigalia, von Ikti- nos dem Athener, alſo wohl vor Ol. 87, 2. (nach Pauſanias Ver- muthung nach der Peſt, 88.) gebaut. Größe 126 × 48 Fuß. Außen ein Doriſches Pteroma; innen bilden Joniſche Säulen Ni- ſchen (für ἀναϑήματα) und ein Hypäthron. Eine Korinthiſche Säule ſtand am Schluß des Hypäthron hinter dem Bilde. Ueber die Ruinen Combe Brit. Museum P. iv. pl. 25 ‒ 28. Stackel- berg Apollotempel Tf. 1 ‒ 5. 10. Der T. der Athena Alea zu Tegea, von Skopas nach Ol. 96 gebaut, der größte und ſchönſte des Peloponnes. Die Verbindung von Joniſchen Säulen nach außen, Doriſchen und Ko- rinthiſchen übereinander im Innern, iſt für die Geſchichte der Bau-

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/108>, abgerufen am 10.08.2020.