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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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Griechen. Vierte Periode.

6. Vgl. oben §. 147. Als Schnellmahler kommen schon Pau-
sias (emeresios pinax), Nikomachos, besonders aber Philoxenos
(hic celeritatem praeceptoris secutus, breviores etiamnum
quasdam picturae vias et compendiarias invenit),
später die
Lala vor. An Antiphilos rühmt die facilitas Quinctil. xii,
10. Räthselhaft ist die Stelle Petron. 2: Pictura quoque
non alium exitum fecit, postquam Aegyptiorum audacia
tam magnae artis compendiariam invenit.


Plünderungen und Verheerungen Griechenlands.

164. Die Wegnahme von Kunstwerken, welche als1
Raub von Heiligthümern schon in der mythologischen
Zeit, als eigentlicher Kunstraub in den Perserkriegen, als
Werk der Geldnoth besonders in dem Phokischen vor-
kömmt, wurde nun durch die Römer zu einem regelmä-
ßigen Lohn, welchen sie sich selbst für ihre Siege nah-
men. Indessen waren ihnen darin manche unter den2
frühern Makedonischen Fürsten vorausgegangen, die ihre
Residenzen schwerlich Alle durch Kauf geschmückt hatten;
auch waren manche Denkmäler aus Tyrannenhaß (Arat),
zahlreiche Heiligthümer besonders von den Aetolern aus
Brutalität zerstört worden.

1. Die Palladienraube u. dgl. Deorum evocationes.
Ksoanephoroi theoi (Sophokles). Aus Frömmigkeit wurden
auch später noch öfter Bildsäulen geraubt. S. die Beispiele bei
Paus. viii, 46. Gerhards Prodromus S. 142. Xerxes nahm
den Apollo des Kanachos (§. 86.) u. die Attischen Tyrannenmör-
der (§. 88.). Die Einschmelzungen der Phokischen Söldner-
Hauptleute (ormos Eriphules; die goldnen Adler). Diony-
sios Tempelraub.

2. Die Aetoler verheeren im Bundesgenossenkrieg, von 139, 4.
an, die T. von Dodona u. Dion, des Poseidon auf Tänaron, der
Artemis in Lusoi, Hera bei Argos, Poseidon bei Mantinea, das
Pamböotion, Polyb. iv, 18. 62. 67. v, 9. 11. ix, 34. 35.;
Philippos II. dagegen zweimal Thermon, Pol. v, 9. xi, 4.
(2000 andriantes). Derselbe verheert g. 144 die Heiligthümer
von Pergamon (Nikephorion), Pol. xvi, 1.; später plündert Prusias

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Griechen. Vierte Periode.

6. Vgl. oben §. 147. Als Schnellmahler kommen ſchon Pau-
ſias (ἡμερήσιος πίναξ), Nikomachos, beſonders aber Philoxenos
(hic celeritatem praeceptoris secutus, breviores etiamnum
quasdam picturae vias et compendiarias invenit),
ſpäter die
Lala vor. An Antiphilos rühmt die facilitas Quinctil. xii,
10. Räthſelhaft iſt die Stelle Petron. 2: Pictura quoque
non alium exitum fecit, postquam Aegyptiorum audacia
tam magnae artis compendiariam invenit.


Pluͤnderungen und Verheerungen Griechenlands.

164. Die Wegnahme von Kunſtwerken, welche als1
Raub von Heiligthuͤmern ſchon in der mythologiſchen
Zeit, als eigentlicher Kunſtraub in den Perſerkriegen, als
Werk der Geldnoth beſonders in dem Phokiſchen vor-
koͤmmt, wurde nun durch die Roͤmer zu einem regelmaͤ-
ßigen Lohn, welchen ſie ſich ſelbſt fuͤr ihre Siege nah-
men. Indeſſen waren ihnen darin manche unter den2
fruͤhern Makedoniſchen Fuͤrſten vorausgegangen, die ihre
Reſidenzen ſchwerlich Alle durch Kauf geſchmuͤckt hatten;
auch waren manche Denkmaͤler aus Tyrannenhaß (Arat),
zahlreiche Heiligthuͤmer beſonders von den Aetolern aus
Brutalitaͤt zerſtoͤrt worden.

1. Die Palladienraube u. dgl. Deorum evocationes.
Ξοανηφόροι ϑεοί (Sophokles). Aus Frömmigkeit wurden
auch ſpäter noch öfter Bildſäulen geraubt. S. die Beiſpiele bei
Pauſ. viii, 46. Gerhards Prodromus S. 142. Xerxes nahm
den Apollo des Kanachos (§. 86.) u. die Attiſchen Tyrannenmör-
der (§. 88.). Die Einſchmelzungen der Phokiſchen Söldner-
Hauptleute (ὅρμος Ἐριφύλης; die goldnen Adler). Diony-
ſios Tempelraub.

2. Die Aetoler verheeren im Bundesgenoſſenkrieg, von 139, 4.
an, die T. von Dodona u. Dion, des Poſeidon auf Tänaron, der
Artemis in Luſoi, Hera bei Argos, Poſeidon bei Mantinea, das
Pamböotion, Polyb. iv, 18. 62. 67. v, 9. 11. ix, 34. 35.;
Philippos II. dagegen zweimal Thermon, Pol. v, 9. xi, 4.
(2000 ἀνδριάντες). Derſelbe verheert g. 144 die Heiligthümer
von Pergamon (Nikephorion), Pol. xvi, 1.; ſpäter plündert Pruſias

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[145/0167] Griechen. Vierte Periode. 6. Vgl. oben §. 147. Als Schnellmahler kommen ſchon Pau- ſias (ἡμερήσιος πίναξ), Nikomachos, beſonders aber Philoxenos (hic celeritatem praeceptoris secutus, breviores etiamnum quasdam picturae vias et compendiarias invenit), ſpäter die Lala vor. An Antiphilos rühmt die facilitas Quinctil. xii, 10. Räthſelhaft iſt die Stelle Petron. 2: Pictura quoque non alium exitum fecit, postquam Aegyptiorum audacia tam magnae artis compendiariam invenit. Pluͤnderungen und Verheerungen Griechenlands. 164. Die Wegnahme von Kunſtwerken, welche als Raub von Heiligthuͤmern ſchon in der mythologiſchen Zeit, als eigentlicher Kunſtraub in den Perſerkriegen, als Werk der Geldnoth beſonders in dem Phokiſchen vor- koͤmmt, wurde nun durch die Roͤmer zu einem regelmaͤ- ßigen Lohn, welchen ſie ſich ſelbſt fuͤr ihre Siege nah- men. Indeſſen waren ihnen darin manche unter den fruͤhern Makedoniſchen Fuͤrſten vorausgegangen, die ihre Reſidenzen ſchwerlich Alle durch Kauf geſchmuͤckt hatten; auch waren manche Denkmaͤler aus Tyrannenhaß (Arat), zahlreiche Heiligthuͤmer beſonders von den Aetolern aus Brutalitaͤt zerſtoͤrt worden. 1 2 1. Die Palladienraube u. dgl. Deorum evocationes. Ξοανηφόροι ϑεοί (Sophokles). Aus Frömmigkeit wurden auch ſpäter noch öfter Bildſäulen geraubt. S. die Beiſpiele bei Pauſ. viii, 46. Gerhards Prodromus S. 142. Xerxes nahm den Apollo des Kanachos (§. 86.) u. die Attiſchen Tyrannenmör- der (§. 88.). Die Einſchmelzungen der Phokiſchen Söldner- Hauptleute (ὅρμος Ἐριφύλης; die goldnen Adler). Diony- ſios Tempelraub. 2. Die Aetoler verheeren im Bundesgenoſſenkrieg, von 139, 4. an, die T. von Dodona u. Dion, des Poſeidon auf Tänaron, der Artemis in Luſoi, Hera bei Argos, Poſeidon bei Mantinea, das Pamböotion, Polyb. iv, 18. 62. 67. v, 9. 11. ix, 34. 35.; Philippos II. dagegen zweimal Thermon, Pol. v, 9. xi, 4. (2000 ἀνδριάντες). Derſelbe verheert g. 144 die Heiligthümer von Pergamon (Nikephorion), Pol. xvi, 1.; ſpäter plündert Pruſias 10

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 145. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/167>, abgerufen am 06.08.2020.