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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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Historischer Theil.
mani tv. 12. Reise der Madame Dionigi. Von Norba geben die
Monum. ined. pubbl. dall' Instituto di Corresp. archeol.
i. tv.
1. 2. Plan und Ansichten einzelner Theile. Bgl. die Litte-
ratur §. 46. Von den Städteruinen und alterthümlichen Grä-
bern im ager Reatinus (welchen die sogenannten Aboriginer wohl
auch erst von den Sikelern erobert hatten) Dionys. i, 14. nach
Varro.

3. Bei den Sikelern und Sikanern Dädalische Felsenmau-
ern (Kamikos, Eryx Diod. iv, 78). Vgl. §. 50. Merkwürdige
Tholi, nach Art der Thesauroi gebaut, finden sich auch im südlichen
Sicilien. (Auch Dädalische Bildwerke in Sicilien Paus. viii,
46, 2.).

Daidaleia in Sardinien, Diod. iv, 30., in den Iolaiois
khoriois, Paus. x, 17, 4. Darunter tholoi nach althellenischer
Weise, Ps. Arist. mirab. ausc. 104. Wiederentdeckt in den
sog. Nuraghen, meist symmetrischen Gruppen konischer, aus ho-
rizontalen Lagen, von ziemlich rohen Steinen, ohne Mörtel, auf-
geschichteter und nach Art der Thesauren gewölbter Monumente.
Petit-Radel Notice sur les Nuraghes de la Sardaigne, Pa-
ris.
1826. Wahrscheinlich sind diese indeß erst aus der Etruski-
schen Zeit. Des Bf. Etrusker ii. S. 227. Einige Aehnlichkeit
scheint die Torre de Giganti auf Gozzo (Gaulos) damit zu
haben (Houel Voy. pitt. T. iv. pl. 205. Temple ante-
diluvien
von Mazzaru; Kunstbl. 1829. N. 7.).


2. Etrusker.

1167. Dieser Stamm unterlag im mittlern Italien
meist Oskischen Völkern, welche an sich für die Kunst von
geringer Bedeutung sind; zu diesen gehören die Latiner
2selbst. Dagegen verbreiten sich in Norditalien bis zur Ti-
ber hinab die Etrusker oder Rasener, ein Stamm, der
dem Zeugnisse der Sprache nach ursprünglich dem Grie-
chischen sehr fremd war, aber dessenungeachtet mehr wie
irgend ein andrer ungriechischer in diesen früheren Zeiten,
von Hellenischer Bildung und Kunst angenommen hat.
3Der Hauptgrund lag wahrscheinlich in der Colonie der
aus Süd-Lydien (Torrhebis) verdrängten Pelasger-

Hiſtoriſcher Theil.
mani tv. 12. Reiſe der Madame Dionigi. Von Norba geben die
Monum. ined. pubbl. dall’ Instituto di Corresp. archeol.
i. tv.
1. 2. Plan und Anſichten einzelner Theile. Bgl. die Litte-
ratur §. 46. Von den Städteruinen und alterthümlichen Grä-
bern im ager Reatinus (welchen die ſogenannten Aboriginer wohl
auch erſt von den Sikelern erobert hatten) Dionyſ. i, 14. nach
Varro.

3. Bei den Sikelern und Sikanern Dädaliſche Felſenmau-
ern (Kamikos, Eryx Diod. iv, 78). Vgl. §. 50. Merkwürdige
Tholi, nach Art der Theſauroi gebaut, finden ſich auch im ſüdlichen
Sicilien. (Auch Dädaliſche Bildwerke in Sicilien Pauſ. viii,
46, 2.).

Δαιδάλεια in Sardinien, Diod. iv, 30., in den Ἰολαΐοις
χωρίοις, Pauſ. x, 17, 4. Darunter ϑόλοι nach althelleniſcher
Weiſe, Pſ. Ariſt. mirab. ausc. 104. Wiederentdeckt in den
ſog. Nuraghen, meiſt ſymmetriſchen Gruppen koniſcher, aus ho-
rizontalen Lagen, von ziemlich rohen Steinen, ohne Mörtel, auf-
geſchichteter und nach Art der Theſauren gewölbter Monumente.
Petit-Radel Notice sur les Nuraghes de la Sardaigne, Pa-
ris.
1826. Wahrſcheinlich ſind dieſe indeß erſt aus der Etruski-
ſchen Zeit. Des Bf. Etrusker ii. S. 227. Einige Aehnlichkeit
ſcheint die Torre de Giganti auf Gozzo (Gaulos) damit zu
haben (Houel Voy. pitt. T. iv. pl. 205. Temple ante-
diluvien
von Mazzaru; Kunſtbl. 1829. N. 7.).


2. Etrusker.

1167. Dieſer Stamm unterlag im mittlern Italien
meiſt Oskiſchen Voͤlkern, welche an ſich fuͤr die Kunſt von
geringer Bedeutung ſind; zu dieſen gehoͤren die Latiner
2ſelbſt. Dagegen verbreiten ſich in Norditalien bis zur Ti-
ber hinab die Etrusker oder Raſener, ein Stamm, der
dem Zeugniſſe der Sprache nach urſpruͤnglich dem Grie-
chiſchen ſehr fremd war, aber deſſenungeachtet mehr wie
irgend ein andrer ungriechiſcher in dieſen fruͤheren Zeiten,
von Helleniſcher Bildung und Kunſt angenommen hat.
3Der Hauptgrund lag wahrſcheinlich in der Colonie der
aus Suͤd-Lydien (Torrhebis) verdraͤngten Pelasger-

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[150/0172] Hiſtoriſcher Theil. mani tv. 12. Reiſe der Madame Dionigi. Von Norba geben die Monum. ined. pubbl. dall’ Instituto di Corresp. archeol. i. tv. 1. 2. Plan und Anſichten einzelner Theile. Bgl. die Litte- ratur §. 46. Von den Städteruinen und alterthümlichen Grä- bern im ager Reatinus (welchen die ſogenannten Aboriginer wohl auch erſt von den Sikelern erobert hatten) Dionyſ. i, 14. nach Varro. 3. Bei den Sikelern und Sikanern Dädaliſche Felſenmau- ern (Kamikos, Eryx Diod. iv, 78). Vgl. §. 50. Merkwürdige Tholi, nach Art der Theſauroi gebaut, finden ſich auch im ſüdlichen Sicilien. (Auch Dädaliſche Bildwerke in Sicilien Pauſ. viii, 46, 2.). Δαιδάλεια in Sardinien, Diod. iv, 30., in den Ἰολαΐοις χωρίοις, Pauſ. x, 17, 4. Darunter ϑόλοι nach althelleniſcher Weiſe, Pſ. Ariſt. mirab. ausc. 104. Wiederentdeckt in den ſog. Nuraghen, meiſt ſymmetriſchen Gruppen koniſcher, aus ho- rizontalen Lagen, von ziemlich rohen Steinen, ohne Mörtel, auf- geſchichteter und nach Art der Theſauren gewölbter Monumente. Petit-Radel Notice sur les Nuraghes de la Sardaigne, Pa- ris. 1826. Wahrſcheinlich ſind dieſe indeß erſt aus der Etruski- ſchen Zeit. Des Bf. Etrusker ii. S. 227. Einige Aehnlichkeit ſcheint die Torre de Giganti auf Gozzo (Gaulos) damit zu haben (Houel Voy. pitt. T. iv. pl. 205. Temple ante- diluvien von Mazzaru; Kunſtbl. 1829. N. 7.). 2. Etrusker. 167. Dieſer Stamm unterlag im mittlern Italien meiſt Oskiſchen Voͤlkern, welche an ſich fuͤr die Kunſt von geringer Bedeutung ſind; zu dieſen gehoͤren die Latiner ſelbſt. Dagegen verbreiten ſich in Norditalien bis zur Ti- ber hinab die Etrusker oder Raſener, ein Stamm, der dem Zeugniſſe der Sprache nach urſpruͤnglich dem Grie- chiſchen ſehr fremd war, aber deſſenungeachtet mehr wie irgend ein andrer ungriechiſcher in dieſen fruͤheren Zeiten, von Helleniſcher Bildung und Kunſt angenommen hat. Der Hauptgrund lag wahrſcheinlich in der Colonie der aus Suͤd-Lydien (Torrhebis) verdraͤngten Pelasger- 1 2 3

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 150. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/172>, abgerufen am 28.05.2020.