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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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Anhang. Arier.

5. Im Thale Doganlu beim alten Nakoleia in N. Phry-
gien; aus rothem Sandstein, die Facade etwa 80 F. hoch, 60
breit, oben eine Art von Fronton mit großen Voluten geschmückt.
MIDAI ... WANAKTEI. Leake in Walpole's Travels
p. 207. Asia min. p.
26. Hamilton Aegypt. p. 418. In
der Nachbarschaft sieht man auch nach Leake Facaden, die aus ei-
ner Porticus von zwei Säulen mit Architrav, Zahnschnitt und
Kranzleisten bestehn: die Gestalt, welche in der Nekropolis von Tel-
missos
so viel vorkömmt, und dort schon mehr die Formen der
Jonischen Ordnung trägt. Choiseul-Gouff. Voy. T. i. p. 118. pl.
67. 68. -- Genauer mit den Persepolitanischen übereinstimmende
Grabmäler hat man in Medien, zu Bissutun und Hamadan ge-
funden.


2. Bildende Kunst.

246. Dieselben Ruinen von Persepolis zeigen eine1
Fülle von Sculptur mit der Architektur verbunden. Wun-2
derthiere, symbolischer Art, stehen in halbrunder Gestalt
als Reichswappen am Eingange; ähnliche sind auch für
architektonische Zwecke häufig angewandt. Gruppen, in3
welchen ein mythologischer Held ein Unthier der Art
durchbort, sind in Relief an den Pforten des Nebenhau-
ses angebracht. Man sieht den König mit Begleitern4
einherschreitend; seinen Thron, den ein Baldachin be-
deckt, von den Repräsentanten der Hauptstämme des
Reiches getragen; den darauf sitzenden Fürst als Richter, an
verschiedenen Wänden und Pfeilern. Die Leibwache des5
Fürsten, seine Hofleute in zwei verschiednen regelmäßig
abwechselnden Trachten, der Medischen Stola und der
Kandys, und die interessanteste Darstellung, die Pro-
vinzen, welche die jährlichen dora bringen, schmücken die
Prachttreppe, welche zu der großen Säulenhalle hin-
aufführt.

2. Hauptfiguren sind das geflügelte oder ungeflügelte Einhorn,
das Thier mit dem königlich geschmückten Menschenhaupt (Marticho-
ras? Kaiomorts?), der Greif, der Löwe.

3. Wenn man in diesem Helden den Stammheros des hier einhei-
mischen Geschlechts, Achämenes (Dschjemschid?), sieht: so kömmt

Anhang. Arier.

5. Im Thale Doganlu beim alten Nakoleia in N. Phry-
gien; aus rothem Sandſtein, die Façade etwa 80 F. hoch, 60
breit, oben eine Art von Fronton mit großen Voluten geſchmückt.
ΜΙΔΑΙ … ϜΑΝΑΚΤΕΙ. Leake in Walpole’s Travels
p. 207. Asia min. p.
26. Hamilton Aegypt. p. 418. In
der Nachbarſchaft ſieht man auch nach Leake Façaden, die aus ei-
ner Porticus von zwei Säulen mit Architrav, Zahnſchnitt und
Kranzleiſten beſtehn: die Geſtalt, welche in der Nekropolis von Tel-
miſſos
ſo viel vorkömmt, und dort ſchon mehr die Formen der
Joniſchen Ordnung trägt. Choiſeul-Gouff. Voy. T. i. p. 118. pl.
67. 68. — Genauer mit den Perſepolitaniſchen übereinſtimmende
Grabmäler hat man in Medien, zu Biſſutun und Hamadan ge-
funden.


2. Bildende Kunſt.

246. Dieſelben Ruinen von Perſepolis zeigen eine1
Fuͤlle von Sculptur mit der Architektur verbunden. Wun-2
derthiere, ſymboliſcher Art, ſtehen in halbrunder Geſtalt
als Reichswappen am Eingange; aͤhnliche ſind auch fuͤr
architektoniſche Zwecke haͤufig angewandt. Gruppen, in3
welchen ein mythologiſcher Held ein Unthier der Art
durchbort, ſind in Relief an den Pforten des Nebenhau-
ſes angebracht. Man ſieht den Koͤnig mit Begleitern4
einherſchreitend; ſeinen Thron, den ein Baldachin be-
deckt, von den Repraͤſentanten der Hauptſtaͤmme des
Reiches getragen; den darauf ſitzenden Fuͤrſt als Richter, an
verſchiedenen Waͤnden und Pfeilern. Die Leibwache des5
Fuͤrſten, ſeine Hofleute in zwei verſchiednen regelmaͤßig
abwechſelnden Trachten, der Mediſchen Stola und der
Kandys, und die intereſſanteſte Darſtellung, die Pro-
vinzen, welche die jaͤhrlichen δῶρα bringen, ſchmuͤcken die
Prachttreppe, welche zu der großen Saͤulenhalle hin-
auffuͤhrt.

2. Hauptfiguren ſind das geflügelte oder ungeflügelte Einhorn,
das Thier mit dem königlich geſchmückten Menſchenhaupt (Marticho-
ras? Kaiomorts?), der Greif, der Löwe.

3. Wenn man in dieſem Helden den Stammheros des hier einhei-
miſchen Geſchlechts, Achämenes (Dſchjemſchid?), ſieht: ſo kömmt

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[271/0293] Anhang. Arier. 5. Im Thale Doganlu beim alten Nakoleia in N. Phry- gien; aus rothem Sandſtein, die Façade etwa 80 F. hoch, 60 breit, oben eine Art von Fronton mit großen Voluten geſchmückt. ΜΙΔΑΙ … ϜΑΝΑΚΤΕΙ. Leake in Walpole’s Travels p. 207. Asia min. p. 26. Hamilton Aegypt. p. 418. In der Nachbarſchaft ſieht man auch nach Leake Façaden, die aus ei- ner Porticus von zwei Säulen mit Architrav, Zahnſchnitt und Kranzleiſten beſtehn: die Geſtalt, welche in der Nekropolis von Tel- miſſos ſo viel vorkömmt, und dort ſchon mehr die Formen der Joniſchen Ordnung trägt. Choiſeul-Gouff. Voy. T. i. p. 118. pl. 67. 68. — Genauer mit den Perſepolitaniſchen übereinſtimmende Grabmäler hat man in Medien, zu Biſſutun und Hamadan ge- funden. 2. Bildende Kunſt. 246. Dieſelben Ruinen von Perſepolis zeigen eine Fuͤlle von Sculptur mit der Architektur verbunden. Wun- derthiere, ſymboliſcher Art, ſtehen in halbrunder Geſtalt als Reichswappen am Eingange; aͤhnliche ſind auch fuͤr architektoniſche Zwecke haͤufig angewandt. Gruppen, in welchen ein mythologiſcher Held ein Unthier der Art durchbort, ſind in Relief an den Pforten des Nebenhau- ſes angebracht. Man ſieht den Koͤnig mit Begleitern einherſchreitend; ſeinen Thron, den ein Baldachin be- deckt, von den Repraͤſentanten der Hauptſtaͤmme des Reiches getragen; den darauf ſitzenden Fuͤrſt als Richter, an verſchiedenen Waͤnden und Pfeilern. Die Leibwache des Fuͤrſten, ſeine Hofleute in zwei verſchiednen regelmaͤßig abwechſelnden Trachten, der Mediſchen Stola und der Kandys, und die intereſſanteſte Darſtellung, die Pro- vinzen, welche die jaͤhrlichen δῶρα bringen, ſchmuͤcken die Prachttreppe, welche zu der großen Saͤulenhalle hin- auffuͤhrt. 1 2 3 4 5 2. Hauptfiguren ſind das geflügelte oder ungeflügelte Einhorn, das Thier mit dem königlich geſchmückten Menſchenhaupt (Marticho- ras? Kaiomorts?), der Greif, der Löwe. 3. Wenn man in dieſem Helden den Stammheros des hier einhei- miſchen Geſchlechts, Achämenes (Dſchjemſchid?), ſieht: ſo kömmt

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 271. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/293>, abgerufen am 06.08.2020.