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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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Systematischer Theil.
über dem Kopfe, die schöne Figur im L. n. 22. M. Fr. i, 16.
Bouill. i,
19.; ebenso PCl. vii, 13.; beim Raube der Kora,
Welcker Zeitschr. S. 38. 461. Auf die Fackel gestützt, die
Hände darüber gekreuzt Bouill. iii, 15, 4. Z. Bass. 15.
Hirt 27, 5. (Somnus) u. oft. Die schlafenden Eroten §. 391, 6.

Morpheus als Greis, geflügelt, aus einem Horn sopori-
ferum odorem
ausgießend, auf den Endymion-Reliefs. Aehn-
lich die Figur Z. Bass. 93. Morpheus-Kopf? G. M. 352.
PCl. vi,
11. Thanatos, als Opferpriester, Eurip. Alk. 74.
Serv. ad Aen. iv, 689., auf Etrusk. Sarkoph. Als Kind mit
verdrehten Füßen am Kasten des Kypselos. Mantus mit dem
Hammer.

4. Hecate triformis §. 206, 4. St. di S. Marco ii, 8. Cau-
seus Rom. Mus. ii, 20 -- 22. Passeri Luc. iii, 76 -- 78.
Bei Passeri Luc. i, 97. als einzelne Figur neben Artemis u. Selene.


6. Schicksal und Weltordnung.

1398. Die Schicksalsgottheiten boten wenig Plasti-
sches dar. Bei den ernsten Mören begnügte man
sich früher mit einer allgemeinen Andeutung der Herrschaft;
hernach scheidet man sie durch allegorische Bezeichnungen.
2Bei der Tyche wird durch Attribute entweder Flüchtig-
keit, oder lenkende Gewalt, oder Reichthum an Gaben
3hervorgehoben; die Römer, bei denen der Dienst der
Fortuna alt und sehr ausgedehnt war, häufen alle At-
tribute auf eine Figur, doch so daß die würdigere Vor-
4stellung vorherrscht. Bei der Nemesis ist die Aphro-
diten-ähnliche Darstellung alter Zeit von der allegorischen
5Figur der spätern Sinnbildnerei zu scheiden; bei den Erin-
nyen
die Gorgonen-ähnlichen Grauengestalten der Aeschy-
lischen Bühne von den edlen und oft sanften Bildungen
der Kunst, welche auch hier ein weises Anerkennen ihres
Maaßes und ihrer Bestimmung zeigt. Gewöhnlich wird,
auf Etruskischen Sarkophagen, wie auf Vasen, die Vor-
6stellung der raschen Jägerinnen hervorgehoben. Sehr aus-
gezeichnete Werke der Griechischen Kunst, Reliefs und
Gemmen, stellen das Antlitz einer versöhnten Erinnys
auf eine schauerlich-schöne, innig ergreifende Weise dar.

Syſtematiſcher Theil.
über dem Kopfe, die ſchöne Figur im L. n. 22. M. Fr. i, 16.
Bouill. i,
19.; ebenſo PCl. vii, 13.; beim Raube der Kora,
Welcker Zeitſchr. S. 38. 461. Auf die Fackel geſtützt, die
Hände darüber gekreuzt Bouill. iii, 15, 4. Z. Bass. 15.
Hirt 27, 5. (Somnus) u. oft. Die ſchlafenden Eroten §. 391, 6.

Morpheus als Greis, geflügelt, aus einem Horn sopori-
ferum odorem
ausgießend, auf den Endymion-Reliefs. Aehn-
lich die Figur Z. Bass. 93. Morpheus-Kopf? G. M. 352.
PCl. vi,
11. Thanatos, als Opferprieſter, Eurip. Alk. 74.
Serv. ad Aen. iv, 689., auf Etrusk. Sarkoph. Als Kind mit
verdrehten Füßen am Kaſten des Kypſelos. Mantus mit dem
Hammer.

4. Hecate triformis §. 206, 4. St. di S. Marco ii, 8. Cau-
ſeus Rom. Mus. ii, 20 — 22. Paſſeri Luc. iii, 76 — 78.
Bei Paſſeri Luc. i, 97. als einzelne Figur neben Artemis u. Selene.


6. Schickſal und Weltordnung.

1398. Die Schickſalsgottheiten boten wenig Plaſti-
ſches dar. Bei den ernſten Moͤren begnuͤgte man
ſich fruͤher mit einer allgemeinen Andeutung der Herrſchaft;
hernach ſcheidet man ſie durch allegoriſche Bezeichnungen.
2Bei der Tyche wird durch Attribute entweder Fluͤchtig-
keit, oder lenkende Gewalt, oder Reichthum an Gaben
3hervorgehoben; die Roͤmer, bei denen der Dienſt der
Fortuna alt und ſehr ausgedehnt war, haͤufen alle At-
tribute auf eine Figur, doch ſo daß die wuͤrdigere Vor-
4ſtellung vorherrſcht. Bei der Nemeſis iſt die Aphro-
diten-aͤhnliche Darſtellung alter Zeit von der allegoriſchen
5Figur der ſpaͤtern Sinnbildnerei zu ſcheiden; bei den Erin-
nyen
die Gorgonen-aͤhnlichen Grauengeſtalten der Aeſchy-
liſchen Buͤhne von den edlen und oft ſanften Bildungen
der Kunſt, welche auch hier ein weiſes Anerkennen ihres
Maaßes und ihrer Beſtimmung zeigt. Gewoͤhnlich wird,
auf Etruskiſchen Sarkophagen, wie auf Vaſen, die Vor-
6ſtellung der raſchen Jaͤgerinnen hervorgehoben. Sehr aus-
gezeichnete Werke der Griechiſchen Kunſt, Reliefs und
Gemmen, ſtellen das Antlitz einer verſoͤhnten Erinnys
auf eine ſchauerlich-ſchoͤne, innig ergreifende Weiſe dar.

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[540/0562] Syſtematiſcher Theil. über dem Kopfe, die ſchöne Figur im L. n. 22. M. Fr. i, 16. Bouill. i, 19.; ebenſo PCl. vii, 13.; beim Raube der Kora, Welcker Zeitſchr. S. 38. 461. Auf die Fackel geſtützt, die Hände darüber gekreuzt Bouill. iii, 15, 4. Z. Bass. 15. Hirt 27, 5. (Somnus) u. oft. Die ſchlafenden Eroten §. 391, 6. Morpheus als Greis, geflügelt, aus einem Horn sopori- ferum odorem ausgießend, auf den Endymion-Reliefs. Aehn- lich die Figur Z. Bass. 93. Morpheus-Kopf? G. M. 352. PCl. vi, 11. Thanatos, als Opferprieſter, Eurip. Alk. 74. Serv. ad Aen. iv, 689., auf Etrusk. Sarkoph. Als Kind mit verdrehten Füßen am Kaſten des Kypſelos. Mantus mit dem Hammer. 4. Hecate triformis §. 206, 4. St. di S. Marco ii, 8. Cau- ſeus Rom. Mus. ii, 20 — 22. Paſſeri Luc. iii, 76 — 78. Bei Paſſeri Luc. i, 97. als einzelne Figur neben Artemis u. Selene. 6. Schickſal und Weltordnung. 398. Die Schickſalsgottheiten boten wenig Plaſti- ſches dar. Bei den ernſten Moͤren begnuͤgte man ſich fruͤher mit einer allgemeinen Andeutung der Herrſchaft; hernach ſcheidet man ſie durch allegoriſche Bezeichnungen. Bei der Tyche wird durch Attribute entweder Fluͤchtig- keit, oder lenkende Gewalt, oder Reichthum an Gaben hervorgehoben; die Roͤmer, bei denen der Dienſt der Fortuna alt und ſehr ausgedehnt war, haͤufen alle At- tribute auf eine Figur, doch ſo daß die wuͤrdigere Vor- ſtellung vorherrſcht. Bei der Nemeſis iſt die Aphro- diten-aͤhnliche Darſtellung alter Zeit von der allegoriſchen Figur der ſpaͤtern Sinnbildnerei zu ſcheiden; bei den Erin- nyen die Gorgonen-aͤhnlichen Grauengeſtalten der Aeſchy- liſchen Buͤhne von den edlen und oft ſanften Bildungen der Kunſt, welche auch hier ein weiſes Anerkennen ihres Maaßes und ihrer Beſtimmung zeigt. Gewoͤhnlich wird, auf Etruskiſchen Sarkophagen, wie auf Vaſen, die Vor- ſtellung der raſchen Jaͤgerinnen hervorgehoben. Sehr aus- gezeichnete Werke der Griechiſchen Kunſt, Reliefs und Gemmen, ſtellen das Antlitz einer verſoͤhnten Erinnys auf eine ſchauerlich-ſchoͤne, innig ergreifende Weiſe dar. 1 2 3 4 5 6

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 540. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/562>, abgerufen am 10.08.2020.