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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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II. Bildende Kunst. Gegenstände.
zweifelhaft, der mit Cäsars Ermordung, Lipp. i, ii, 279., gewiß
nicht antik. Die mitunter schönen Statuen Barbarischer Kö-
nige als Gefangner (z. B. Maffei Racc. 56. vom Forum Traiani;
Montf. iv, 148.) waren wohl immer Nebenfiguren an Ehren-
monumenten. Die Gruppe von V. Ludovist, Maffei Racc. 60.
61., deutet Heyne Vorlesungen S. 240 u. (nach Heyne'schen Hef-
ten?) Beck Grundriß S. 221. als einen Barbaren, der sich und
die Gattin durch Mord der Gefangenschaft entzieht.

6. Ueber die Consecrationen der Kaiser stellt die G. M. 671 --
684. die Hauptdenkmäler zusammen; die Kaiser trägt ein Adler,
die Kaiserinnen ein Pfau gen Himmel; Hadrianus erhält (wie He-
rakles) die Unsterblichkeit in einer Schale. Auf eine spätre Apo-
theose, nicht die des Romulus, bezieht sich auch das Diptychon 659.
Auf der Ara Augustea zu Ravenna (Gori Gemmae astrif.
T. iii. p.
137.) scheint Claudius unter die Götter des Julischen
Geschlechts aufgenommen zu werden. Claudius Apotheose wird
auch auf einem prächtigen Relief in Spanien, Admir. Rom.
t. 80. 2 ed.,
dargestellt, ein Adler trägt die Büste des Kaisers
von Trophäen des Land- und Seekrieges empor.

7. S. darüber Blumenbach Comment. Soc. Gott. XVI.
p.
175. Die Statue des trunknen Inders, Kallistr. 3., war
etwas mohrenartig. In einem Kyrenäischen Sepulcralgemählde
wird der Lebenslauf einer Negersklavin dargestellt. Pacho pl. 54.


2. Porträtbildungen.

420. Die Porträtstatuen (andriantes), aus dem1
Bestreben, Sieger in heiligen Spielen zu ehren, hervor-
gegangen, also ursprünglich ebenso wie andre Bilder aus
dem Cultus stammend, wurden durch den politischen Ehr-
geiz und die Schmeichelei späterer Zeiten zu ungeheurer
Zahl vermehrt (s. §. 87. 88. 121. 159. 181. 199 ff.).
Ursprünglich freie Darstellungen des körperlichen und2
geistigen Charakters der Individuen, wurden sie erst sehr
allmählig zu eigentlichen Porträtstatuen (§. 87. 123. 129).
Daneben wurden auch von Männern früherer Zeiten,3
auf eine ähnliche Weise wie von Heroen, aus ih-

II. Bildende Kunſt. Gegenſtaͤnde.
zweifelhaft, der mit Cäſars Ermordung, Lipp. i, ii, 279., gewiß
nicht antik. Die mitunter ſchönen Statuen Barbariſcher Kö-
nige als Gefangner (z. B. Maffei Racc. 56. vom Forum Traiani;
Montf. iv, 148.) waren wohl immer Nebenfiguren an Ehren-
monumenten. Die Gruppe von V. Ludoviſt, Maffei Racc. 60.
61., deutet Heyne Vorleſungen S. 240 u. (nach Heyne’ſchen Hef-
ten?) Beck Grundriß S. 221. als einen Barbaren, der ſich und
die Gattin durch Mord der Gefangenſchaft entzieht.

6. Ueber die Conſecrationen der Kaiſer ſtellt die G. M. 671 —
684. die Hauptdenkmäler zuſammen; die Kaiſer trägt ein Adler,
die Kaiſerinnen ein Pfau gen Himmel; Hadrianus erhält (wie He-
rakles) die Unſterblichkeit in einer Schale. Auf eine ſpätre Apo-
theoſe, nicht die des Romulus, bezieht ſich auch das Diptychon 659.
Auf der Ara Augustea zu Ravenna (Gori Gemmae astrif.
T. iii. p.
137.) ſcheint Claudius unter die Götter des Juliſchen
Geſchlechts aufgenommen zu werden. Claudius Apotheoſe wird
auch auf einem prächtigen Relief in Spanien, Admir. Rom.
t. 80. 2 ed.,
dargeſtellt, ein Adler trägt die Büſte des Kaiſers
von Trophäen des Land- und Seekrieges empor.

7. S. darüber Blumenbach Comment. Soc. Gott. XVI.
p.
175. Die Statue des trunknen Inders, Kalliſtr. 3., war
etwas mohrenartig. In einem Kyrenäiſchen Sepulcralgemählde
wird der Lebenslauf einer Negerſklavin dargeſtellt. Pacho pl. 54.


2. Porträtbildungen.

420. Die Portraͤtſtatuen (ἀνδριάντες), aus dem1
Beſtreben, Sieger in heiligen Spielen zu ehren, hervor-
gegangen, alſo urſpruͤnglich ebenſo wie andre Bilder aus
dem Cultus ſtammend, wurden durch den politiſchen Ehr-
geiz und die Schmeichelei ſpaͤterer Zeiten zu ungeheurer
Zahl vermehrt (ſ. §. 87. 88. 121. 159. 181. 199 ff.).
Urſpruͤnglich freie Darſtellungen des koͤrperlichen und2
geiſtigen Charakters der Individuen, wurden ſie erſt ſehr
allmaͤhlig zu eigentlichen Portraͤtſtatuen (§. 87. 123. 129).
Daneben wurden auch von Maͤnnern fruͤherer Zeiten,3
auf eine aͤhnliche Weiſe wie von Heroen, aus ih-

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[583/0605] II. Bildende Kunſt. Gegenſtaͤnde. zweifelhaft, der mit Cäſars Ermordung, Lipp. i, ii, 279., gewiß nicht antik. Die mitunter ſchönen Statuen Barbariſcher Kö- nige als Gefangner (z. B. Maffei Racc. 56. vom Forum Traiani; Montf. iv, 148.) waren wohl immer Nebenfiguren an Ehren- monumenten. Die Gruppe von V. Ludoviſt, Maffei Racc. 60. 61., deutet Heyne Vorleſungen S. 240 u. (nach Heyne’ſchen Hef- ten?) Beck Grundriß S. 221. als einen Barbaren, der ſich und die Gattin durch Mord der Gefangenſchaft entzieht. 6. Ueber die Conſecrationen der Kaiſer ſtellt die G. M. 671 — 684. die Hauptdenkmäler zuſammen; die Kaiſer trägt ein Adler, die Kaiſerinnen ein Pfau gen Himmel; Hadrianus erhält (wie He- rakles) die Unſterblichkeit in einer Schale. Auf eine ſpätre Apo- theoſe, nicht die des Romulus, bezieht ſich auch das Diptychon 659. Auf der Ara Augustea zu Ravenna (Gori Gemmae astrif. T. iii. p. 137.) ſcheint Claudius unter die Götter des Juliſchen Geſchlechts aufgenommen zu werden. Claudius Apotheoſe wird auch auf einem prächtigen Relief in Spanien, Admir. Rom. t. 80. 2 ed., dargeſtellt, ein Adler trägt die Büſte des Kaiſers von Trophäen des Land- und Seekrieges empor. 7. S. darüber Blumenbach Comment. Soc. Gott. XVI. p. 175. Die Statue des trunknen Inders, Kalliſtr. 3., war etwas mohrenartig. In einem Kyrenäiſchen Sepulcralgemählde wird der Lebenslauf einer Negerſklavin dargeſtellt. Pacho pl. 54. 2. Porträtbildungen. 420. Die Portraͤtſtatuen (ἀνδριάντες), aus dem Beſtreben, Sieger in heiligen Spielen zu ehren, hervor- gegangen, alſo urſpruͤnglich ebenſo wie andre Bilder aus dem Cultus ſtammend, wurden durch den politiſchen Ehr- geiz und die Schmeichelei ſpaͤterer Zeiten zu ungeheurer Zahl vermehrt (ſ. §. 87. 88. 121. 159. 181. 199 ff.). Urſpruͤnglich freie Darſtellungen des koͤrperlichen und geiſtigen Charakters der Individuen, wurden ſie erſt ſehr allmaͤhlig zu eigentlichen Portraͤtſtatuen (§. 87. 123. 129). Daneben wurden auch von Maͤnnern fruͤherer Zeiten, auf eine aͤhnliche Weiſe wie von Heroen, aus ih- 1 2 3

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 583. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/605>, abgerufen am 06.08.2020.